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Hersstldtk Kreisdiiltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIssustrirtes Anterfiaktungsölatt".

Nr. 109. Donnerstag den 16. September 1886.

Amtliches.

Berlin, den 8. September 1886.

Es ist zu unserer Kenntniß gelangt, daß sich der Loosehandel auch zur 175. Preußischen Klassen-Lotterie eines Theils der Loose zu be­mächtigen gewußt hat und vielfach das Gerücht verbreitet ist, sämmtliche Lotterie-Loose seien be­reits vergriffen. Soweit die Loosebestände dies­seits zu übersetzen sind, wird indessen die Lotte­rie-Verwaltung hoffentlich in der Lage sein, die Nachfrage nach Loosen von Selbstspielern befrie­digen zu können.

Die Herren Landrättze dürfen wir ganz erge- lenst ersuchen, dies im Interesse des Lotterie pielenden Publikums unter gleichzeitiger Veröf­fentlichung der Namen und des Wohnorts der nächsten Lotterie-Einnehmer nach Maßgabe des Ihnen unterm 5. August cr. von uns mitge­theilten Verzeichnisses kostenfrei schleunigst durch das dortseitige Kretsblatt mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß die Königlichen Lotterie-Einnehmer von uns ange­wiesen sind, soweit sie selbst nicht mehr in der Lage sind, Loose zur 175. Klassen-Lotterie abzu- lassen, jedem einzelnen der sich meldenden Loose- käufer mehrere von denjenigen Lotterie-Einneh­mern zu bezeichnen, bei welchen noch Loose zu der genannten Lotterie zu haben sind.

Zugleich geben wir zur gefälligen Erwägung anheim, ob es sich nicht empfehlen möchte, bei dieser Gelegenheit unter Hinweis auf die Aller­höchste Verordnung vom 5. Juli 1847 (Gesetz- Sammlung Seite 261) und das Gesetz vom 29. Juli 1885 (Gesetz-Sammlung Seite 317) auf das Verbot des Spielens in auswärtigen Lotte­rien mit dem Hinzufügen aufmerksam zu machen, daß alle nicht Preußischen, von anderen Deutschen

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

Eben wollte die Mutter eine Bemerkung machen, als der Gatte hereintrat und einen Blick auf die große, bedächtig gehende Uhr warf.

Es ist schauerlich draußen," sagte er und rieb seine Hände;dieses naßkalte Wetter macht mich ganz krank. Seit vierzehn Tagen Sturm und immer Sturm, und gerade heut' ärgern mich die Wolken doppelt."

Und weshalb denn gerade heut', Papa?" fragte Johanna, seine Frau.

Weil ich seit zwei Wochen auf klaren Himmel warte, um mein neues Fernglas zu probiren; heut' ist nun Vollmond und ich kann wieder nichts sehen. Das einzige Vergnügen muß einem noch verleitet werden, es ist auch nicht werth, daß"

Ein heftiger Windstoß fuhr heulend daher und rüttelte an Thür und Fenster; zerrissenes Gewölk jagte am Himmel und ließ auf Momente das leuchtende Mondlicht hindurch. Olrich hielt inne in seiner Rede und schritt in das anstoßende Zimmer. Vor der Balkonthür stand aufgerichtet ein mächtiges Fernrohr, diesem zur Seite kleinere, optische Instrumente; rechts im Bücherschränke und auf dem Tische lagen ausgestapelt Schriften und Werke über Astronomie. Dieser Wissenschaft war Olrich von Jugend auf ergeben und betrieb sie jetzt mit Leidenschaft, deren Studium ihm un­

I Bundesstaaten veranstalteten Lotterieen den Strafverboten unterliegen.

Königliche General-Lotterie-Direction. Martzy. Thielei. V.

An sämmtliche Königliche Landräthe 20.

* * *

Hersfeld, den 13. September 1886.

Vorstehend abgedrucktes Schreiben der König­lichen General-Lotterie-Direction wird hierdurch mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß ge­bracht, daß zu Lotterie - Einnehmern für den Regierungsbezirk Casfel nachstehend genannte Personen bestellt worden sind:

1) Moritz Bethke zu Cassel, Cölnische Straße 41. 2) Hermann Mende zu Cassel, Marktgasse 20. 3) Kaufmann A. Großenbach zu Fulda.

9991. Der Königliche Landrath.

I. V.:

H e e g, Kreissecretair.

Cassel, den 10. September 1886.

Der Postgehülfe Oswald Koschke hat am 4. d. Mts. seinen bisherigen Beschäftigungsort Freystadt (N.-Schl.) ohne Urlaub nach Unter­schlagung von Postkassengeldern verlassen, um angeblich in Neusalz (Oder) Nachmittags 2 Uhr den Zug nach Glogau zu benutzen.

Koschke ist am 5. November 1865 in Jauer ge­boren, evangelisch, von schlanker Gestalt und schwächlichem Körperbau (Brustweite 7378), Größe: 1,76 m, Kinn: klein, zurückstehend, Ge­sichtsbildung: länglich, Gesichtsfarbe: ziemlich frisch, Mund: groß, Zähne: gesund, Augen: blau­grau, Augenbrauen: mäßig, blond, Haare: blond, vorn halblang, links gescheitelt. Bart: im Ent­stehen, rasirt, Stirn: mäßig hoch, Haltung: auf­recht, Kopf etwas nach vorn geneigt, Kleidung: dunkelblauer Rock von glattem Stoffe, schwarze Buckskinhose mit blaurothen Streifen, langer dunkelblauer Sommerüberzieher von Kammgarn,

zählige schöne, doch eben so viele unbefriedigte Stunden gewährt. Manches Leid ward htnwegge- bannt, doch manches herausbeschworen. Das stille Träumen in den Sterneuhimmel hat Trost und Weh zugleich, es heilt und reißt Wunden in einem Ausblick.

Der alte Mann ging ungeduldig umher und sah unstät bald nach oben, bald nach unten.

Es ist nichts," murmelte er halblaut, rückte einen Stuhl gegen die Glasthür, setzte sich, stützte den Ellenbogen gegen das Fensterkreuz und blickte unbeweglich in die brausende Fluth.

Papa hat heute wieder seinen bösen Tag; geh' nur bald nach oben, Hedwig."

Ja, Mama," entgegnete die Tochter und sah die Mutter mit Blicken an, als verstehe sie den ganzen Ernst der Worte. Es war ein ausblühen­des Mädchen, doch mit altklugem Aussehen und vorzeitig gereiftem Ernst, wie es das Leben bei denjenigen Kindern hervorbringt, welche ihre Jugend unter der Zuchtruthe des Schicksals mit Erwachse­nen verleben.

Ich freue mich recht, wenn Elisabeth erst bei uns sein wird, dann habe ich doch den kleinen Jungen I vielleicht ist's dann nicht mehr so still und einsam hier."

Mit verdrießlicher Miene betrat Olrich das Ge­mach.Ich habe wieder den verdammten Rheu­matismus in allen Gliedern hoffentlich geht's vorüber ohne den bekannten Schüttelfrost. Wenn es Morgen noch so stürmt, kannst Du auch nicht nach B.", sagte er rauh.

schwarzer Filzhut. Koschke trägt einen Kneifer mit vorstehendem Bügel (Schärfe des Glases 1/8), und einem dünnen Stäbe mit neusilbernem Be­schläge, silberne Cylinderuhr mit vernickelter Panzerkette, hellgelbes großes seidenes Halstuch.

Das Königliche Landrathsamt setze ich hiervon mit dem Ersuchen ergebenst in Kenntniß, auf Koschke fahnden und ihn im Betretungssalle ver­haften zu lassen, sowie von seiner etwaigen Festnahme die Ober-Postdirection in Liegnitz be­nachrichtigen zu wollen.

Der KaiserlicheOber-Postdirector. zur Linde. An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. 17711.

Hersfeld, den 13. September 1886.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem 2C. Koschke mitgetheilt.

10001. Der Köni^li^e Landrath.

Heeg, Kreissecretair.

....... ........ - --- - -!^=

Volttische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der K a i s e r wird am 15. d. M., mittels Extrazuges in Be­gleitung des K r o n p r i n z e n und der Königlichen Prinzen, sowie der anderen Fürstlichen Herrschaften und der Militär-Bevollmächtigten sich von Straß- burg aus nach Dettweiler und von dort nach dem Manöver-Terrain zu Wagen begeben. In der Um­gegend von Dettweiler finden dann Feld-Manöver statt, welche etwa gegen 1 Uhr Nachmittags ihr Ende erreichen. Nach dem Schluß derselben kehrt Se. Majestät der Kaiser mit den Königlichen Prinzen und den anderen Fürsten von Dettweiler aus mit Extrazug nach Straßburg zurück.

Im Befinden des N e i ch s k a n z l e r s ist eine ! leichte Besserung eingetreten. Am Mittwoch gedachte I derselbe nach Varzin überzusiedeln.

Mich sollte das Wetter nicht abhalten, aber der Weg nach der Stadt wird wohl nicht zu passiven sein. Es ist doch recht hinderlich, daß man so weit von der Eisenbahnstation entfernt ist."

Von der Station, sagst Du, Johanna? ich meine von aller Welt! aber hat dieselbe auch noch Werth für Dich? mir behagt die Einsamkeit. Manchmal ist mir's, als gehöre unser Winkel hier gar nicht zur Welt, deshalb befinde ich mich auch wohler, weil ich von dem Treiben der Menschheit nichts sehe."

Du hast Recht, Franz; ich vermisse auch nicht den Verkehr, sondern ich sprach nur in Bezug auf die unumgänglichen Bedürfnisse, welche uns zur Stadt treiben, und der unbequeme Weg dorthin hat uns schon oft Ueberwindung gekostet."

Sage mir doch, was man im Leben ohne Mühe erreichen könnte," sagte der Mann und setzte sich seufzend aus's Sopha, einen dicken Band Becker'- scher Weltgeschichte vor sich niederlegend.Doch nie ist es anders gewesen, weder vor uralter Zeit noch jetzt, ebensowenig wie einst! Die früheren Menschen waren genau so egoistisch, wie die heu­tigen die Weltgeschichte liefert den Beweis, und diegute alte Zeit" ist pure Illusion. Wie weit dringt aber dann die Rechtschaffenheit durch? ist Ehrlichsein heute nicht Dummheit? ich wollt' es Jedem verdenken, der nicht Amen spricht zur Pre­digt, die Erfahrung lehrt. Nichts wie Täuschung, von der Wiege bis in's Grab."

Die Mutter sah ängstlich auf.Laß doch deinen

Groll, lieber Mann;" redete Frau Johanna be-