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Htrsstldtl Kreisdilltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Mustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 111. Dienstag den 21. September 1886.
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Die Expedition.
Amtliches.
Von dem Pfarrer Obstfelder zu Steinbach- Hallenberg ist ein alphabetisch geordnetes Ver- zeichniß der üblichen Bornamen herausgegeben worden. Ich empfehle dieses Werk, welches geeignet ist, die häufig vorkommenden Zweifel über die Rechtschreibung der Namen zu beseitigen, insbesondere den Herren Standesbeamten mit i dem Bemerken, daß dasselbe im Selbstverlag ।
(Rachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Nach peinlichem Stillschweigen suchte Eulalia sichtbar nach einem Anknüpfungspunkt, da sie eine zu scharfe Controle ihres guten Appetits fürchtete.
„Liebste Frau Johanna, es schmeckt deliciös; nicht, Väterchen?" frug sie Sebulon; „ganz unser Fall!"
Die Hausfrau fühlte sich geschmeichelt durch das Lob ihrer Kochkunst. Messer und Gabel waren in voller Thätigkeit, auch die Sprache sand sich endlich wieder, als Hedwig leise sagte: „Ueber acht Tage wird wohl auch der kleine Conrad sich's hier schmecken lassen!"
Eulalia horchte auf. „Erwarten Sie Besuch?"
„Ja und nein!" entgegnen die Frau vom Hause. „Wir gedenken unsere Tochter mit ihrem Söhnchen vorläufig bei uns aufzunehmen."
Frau Wohringer setzte schnell die Schüssel mit den eingezuckerten Früchten nieder und zog die Hand zurück, als wäre sie verbrannt.
„Ihre Tochter?" fragte sie gedehnt.
„Ihre Tochter Elisabeth?" wiederholte Sam Sebulon und legte seine Serviette bet Seite.
Auch Olrich's theilten jetzt das Erstaunen.
Der alte Herr bestätigte: „Nun ja, unsere Tochter Elisabeth."
„Herr!" brauste der Gast auf; „Herr, das gibt xin Unglück!"
des Verfassers und im Commissionsverlag von F. Wilisch's Buchhandlung (Max Westphal) zu Schmalkalden erschienen ist und der Preis für das Exemplar 30 Pfennig beträgt.
Cassel, den 7. September 1886.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: Althaus.
Zum 1. Oktober d. I. wird in Wabern die neu errichtete staatliche Erziehungs- und Besse- rungs-Anstalt eröffnet werden.
Dieselbe dient zur Aufnahme jugendlicher, d. h. im Alter vom vollendeten zwölften bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahre stehenden Personen männlichen Geschlechtes und evangelischer Confession, welche eine strafbare Handlung begangen haben, aber wegen Mangels der zur Erkenntniß der Strafbarkeit der begangenen Handlung erforderlichen Einsicht freigesprochen und in Gemäßheit des §. 56 des Strafgesetzbuches durch gerichtliches Urtheil zur Unterbringung in eine Erziehungs- oder Besserungs-Anstalt bestimmt sind. Sie soll für eine Belegung mit 180 Zöglingen eingerichtet werden.
Cassel, den 10. September 1886.
Der Königliche Regierungs-Präsident.
Steckbrief.
Gegen den unten beschriebenen Schäfer Johannes H a s s e n p f l u g aus Hecnes, geboren daselbst am 18. Februar 1835, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen eines zu Reckerode in der Nacht vom 22. auf den 23. August d. I. begangenen Schafdiebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und an das nächste Amtsgericht abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Acten J 11 1521/86.
Cassel, den 16. September 1886.
Der Königliche Erste Staatsanwalt.
I. A.: Chuchul.
Beschreibung. Alter: 51 Jahre. Statur: stark. Größe: 1,70 m. Haare: etwas grau. Nase:
„Ein Unglück! woher? wenn wir unser Kind zurücknehmen, ein Unglück?"
„Olrich, ich rathe Ihnen," sprach Wohringer hastig; „thun Sie es nicht! ich — ich"
„Aber mein Herr," sagte Frau Johanna und ließ ihre Blicke forschend über Sebulon gleiten; „was haben Sie gegen unseren Beschluß? Sie können's doch einer Mutter nicht verargen, ihrem Kinde die Noth zu lindern! was soll'S dabei für Unglück geben?"
„Hm! ich habe die Worte schroff gewählt; ich meine, es kann nicht gut sein, wenn Ihre Frau Tochter in Ihr Haus kommt — Sie wissen, daß sie gegen Alles, was Vernunft heißt, Partei ergriffen hat, um das Weib Scherler's zu bleiben. Sie bürden sich eine unbequeme Last auf und könnten diese Regung der Mutterliebe vielleicht bitter bereuen."
„Das kommt nur darauf an, wie man eine Sache beginnt," erwiderte Olrich. „Als die Frau eines Ehrlosen kommt sie nicht in unser Haus — sie darf nur als unsere Tochter die Schwelle übertreten. Ich glaube, Sie verstehen, was ich meine mit der Andeutung. Der Ernährer von Scherler's Familie werde ich nie sein — nur der Vater meines Kindes."
Sebulon konnte ein höhnisches Lachen nicht uu» terdrücken. „Sie wähnen ein leichtes Spiel und hoffen, diese Frau durch Ihre Vorstellungen, sowie durch die Noth zur Scheidung zu bewegen. Weshalb wollen Sie sich die schwere Verantwortung dieses Schrittes auswälzen? Wer garantirt Ihnen
spitz. Bart: rasirt. Gesichtsfarbe: gesund. Kleidung: blau leinener Kittel, neue schwarze Tuchhose, neue rindslederne Schuhe, schwarze Tuchmütze. Besondere Kennzeichen: geht aufrecht, etwas wiegend.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 18. September. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung zunächst den deutsch-spanischen Handelsvertrag in erster und zweiter Lesung. In der längeren Diskussion sand der vorliegende Vertrag aus keiner Seite prinzipiellen Widerspruch, dagegen wurde namentlich von deutschsreisinniger Seite der Versuch gemacht, die gegenwärtige Handelspolitik der Regierung zum Gegenstände einer absälligen Kritik zu machen. Staatssekretär im Reichsamte des Innern von Boctticher trat den deutsch- sreisinnigen Ausführungen mit großer Entschiedenheit entgegen und wies ebenso wie der Reg.-Kommissar, Geh. Ober-Reg.-Rath Schraut nach, daß an dem unter der Herrschaft der neuen Wirthschastspolitik stattgehablen Aufschwünge des deutschen Exporthandels jeder Zweifel auS- gefchlossen, wie auch von den Vertretern der Industrie und des Handels die Wahrung ihrer Interessen von Seiten der Regierung unzweideutig anerkannt worden sei. Der Vertrag selbst wurde unverändert genehmigt. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht über die von der sächsischen Regierung auf Grund des §. 28 des Socialistengesetzes getroffenen Anordnungen. Der Bericht wurde nach längerer Debatte, in deren Ver- laus der sächsische Bundesbevollmächtigte Graf Hohenthal Gelegenheit nahm, die völlige Uebereinstimmung der sächsischen Regierung mit der auswärtigen Politik des Reichskanzlers und insbesondere auch in Bezug aus die bulgarisch : Frage besonders zu betonen, sür erledigt erklärt. Montag: Dritte Lesung des deutsch-spanischen Handelsvertrages.
MMsche Nachrichten.
(Deutschland.) Einer Mittheilung aus Straßburg zufolge hat Se. Majestät der Kaiser am Sonnabend wieder den Manövern beigewohnt, die bei Mommenheim abgehalten wurden. Am Sonntag Nachmittag hat Se. Majestät Straß«
daß Ihre Tochter sich nicht zurücksehnt nach dem Gatten? oder wollen Sie sich durch einige Weiberthränen erweichen lassen und die Frau eines Ehrlosen beherbergen? Hemmen Sie nicht den Lauf dieser Menschen! Wollen Sie hilfreiche Hand bieten, so gewähren Sie kleine Unterstützungen in strengster Verschwiegenheit, denn die Versöhnung könnte wieder schlechte Früchte bringen."
„Ach, es ist so fürchterlich!" flötete Eulalia. „Wenn ich nur in der Lotterie gewönne, dann, wie gesagt, beste Frau Johanna — aber ins Haus nehmen unter keiner Bedingung; bedenken Sie die Vergangenheit — und dann miteinander leben und an einem Tische essen. Elisabeth würde sich jetzt Ihren Anforderungen gewiß fügen, schon um später sür Scherler Vortheil daraus zu ziehen; es ist ja eine bedauernswertste, ehrenhaste Frau, aber in diesem Punkte unverzeihlich schwach. Wir besprechen oft das Schicksal Ihrer Kinder — wie glücklich könnten sie sein!"
Eulalia betheiltgte sich während des ganzen Nachmittags an allen wirthschaftlichen Verrichtungen und betheuerte ihre Zuneigung gegen die Hausfrau. Sebulon schritt draußen umher; ihm zur Seite der Hausknecht und Kutscher Rotte, mit der Mütze in der Hand. Den Leuten gegenüber galt Wohringer als alleiniger Besitzer des Grundstückes und ward kurzweg „der Herr" genannt. Man begegnete ihm trotz des Geredes mit dem größten Respect, welchen er sich durch seine imposante Figur, Haltung und eine stets grobe, besehlende Redeweise zu erzwingen wußte. Nur einmal im