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Hcrsfklder Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 117. Dienstag den 5. Oktober 1886.
Bestellungen auf das „Hersfelder Kreisblatt" pro viertes Quartal 1886 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträger» und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersseld, den 29. September 1886.
Nach einer Mittheilung des Herrn Landesdi- rectors zu Cassel befinden sich die Geschäftslokale der Hessischen Brandversicherungs-Anstalt daselbst vom heutigen Tage ab in dem Landeskreditkassen- Gebäude, Ständeplatz Nr. 17, 2 Treppen hoch, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
10568. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete landwirthschaftliche Winterschule hat die Aufgabe, in zwei Wintercursen Bauernsöhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirthen zu erziehen und für den landwirthschaftlichen Beruf derart auszubilden, daß sie befähigt sind, ein Landgut rationell zu bewirthschaften, um daraus den möglichst höchsten Ertrag zu ziehen.
Dieser Aufgabe hat die Schule bisher durchaus entsprochen. Die Schüler haben nach Erledigung eines zweijährigen Wintercursus bei Wiedereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mitgewirkt und diejenigen derselben, welche wegen ausreichender Hülfs- kräste oder aus anderen Gründen in die väterliche Wirthschaft nicht wieder eingetreten sind, haben durch Bermittelung des Directors der
(Nachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
„So, so; jetzt verstehe ich erst! sagte Eulalia, daraus ersteht man, daß es durchaus nothwendig ist, keine Heimlichkeiten vor einander zu haben. Man kann unmöglich Jemanden den Weg weisen, wenn man selbst nicht Bescheid weiß."
„Spare Deine Vergleiche, mir ist der Kopf voll genug, rede lieber vernünftig, Du warst doch sonst zu gebrauchen, Eula." —
„Auch heute werde ich es sein, Väterchen," sagte dieselbe schmeichelnd und hing sich in seinen Arm. „Aber Du schenkst mir den Korallenschmuck und zehn Thaler, nicht?"
Der Gesragte runzelte die Stirn, nickte aber dennoch mit dem Kopse.
„O, das ist prächtig!" rief die Frau. „Nun, liebes Samchen, Du kennst doch den Wimmer, den heruntergekommenen Maurermeister; er wurde auch mit Scherler's bekannt, als Ihr damals auf die Ziegelei speculirtet. Dieser Mensch verachtet kein Mittel, um Geld zu verdienen — drücke ihm etwas in die Hand und sende ihn zur Besichtigung des baufälligen Ofens hinaus nach S. Dort mag er die Tochter glauben machen, daß er Dich hasse, und sie dann aushorchen. Sie wird ihm dann schon ihr Herz ausschülten nach Weiberart und dann mag er weiter und weiter forschen — bis er genügend erfahren. Versprich ihm mehr, sobald
I Winterschule als Verwalter auf größeren Gutswirthschaften Stellung gefunden und den daselbst an sie gemachten Anforderungen genügt.
Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen an den landwirthschaftlichen Betrieb müssen wir die Landwirthe dringend auffordern, für die Ausbildung ihrer Söhne in den landwirthschaftlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck ihnen den Besuch der landwirthschaftlichen Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen. Wir hoffen umsomehr auf einen zahlreichen Besuch dieser Anstalt, als die diesjährige Ernte den Landwirthen neuen Muth zur Verbesserung ihrer Wirthschaft geben wird.
Dank der Fürsorge des letzten hohen Commu- nal-Landtags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfsmittel durch Einrichtung eines Laboratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesentlich vervollständigen können und wird weiter durch den Besuch von renomirten Wirthschaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brennereien, Molkerei-Anstalten den jungen Leuten Gelegenheit geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte in praktischer
Der Unterricht des nächsten Wintercursus beginnt Freitag den 15. October d. I., Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Aufnahme sind zeitig vorher an den Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule Herrn Dr. R. Hesse in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weiteren Aufschluß über die Schule geben wird. Derselbe, welcher auch außerhalb der Schulzeit die Schüler streng überwacht, ist gern bereit, für ein paffendes Unterkommen der Schüler in gut beleumundeten Familien zu sorgen. Für Wohnung Verkösti- gung, Feuerung und Licht hat ein Schüler ^monatlich 30 bis 45 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für den Winter, wovon
er politisch gehandelt."
„Frau, das sind kluge Entwürfe; Ihr Weiber seid alle listig und Du besitzt noch den Vortheil, diese Tugend nicht mit weibischen Gefühlsregungen zu theilen. Wir wären also einig."
„Haha!" lachte Eulalia kurz auf. „Wir haben einen Feldzugsplan und noch keinen Feind! wenn Olrich's sich besonnen und ihre Tochter gar nicht bei sich haben?"
„In nächster Woche landet der Schiffer Tornow hier, den werde ich fragen, ob draußen Besuch angelangt. Bis dahin geschieht es sicher, oder der Entschluß ist geändert. — Jetzt gehe ich aus und komme erst spät heim."
Die Zurückbleibende blieb sinnend am Fenster stehen. Die kleine, magere Person überlegte lange; der Ausdruck des gelben sommersprossigen Gesichtes verwandelte sich fort und fort. Härte und Aengst- lichkeit waren am meisten darin ausgeprägt. „Ein gefährlich Spiel!" murmelte sie nach gewichtigem Nachdenken; „eine Zündmasse, welche jeden Augenblick explodiren kann" — und ängstlich suchten die Blicke umher.
„Ein mühseliges Dasein, ein Schieben, ein Wenden und Ausweichen, bis —" sie machte eine wegwerfende Geberde; „zum Sieg oder Untergang — doch, dem Kühnen gehört die Welt!" setzte sie schnell hinzu und der harte Zug legte sich wieder in seine alten Falten. Sie befand sich in dem sogenannten Comtoir des San Sedulon Woh- ringer, wie eine Messingplatte außerhalb der Thür anzeigte. Rings an den Wänden klebten Plakate
die Hälfte am 15. October d. I. und die andere Hälfte am 5. Januar 1887 zu entrichten ist.
Die aufzunehmenden Schüler müssen das 15. Lebensjahr überschritten haben und sich durch ein Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch ausweisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits verlassen haben, ein Attest der Ortsbehörde über ihre Unbescholtenheit beibringen.
Cassel, den 11. September 1886.
Das Direktorium des landwirthschaftlichen Central-Vereins.
Wird veröffentlicht.
Cassel, den 13. September 1886.
Der Regierungs-Prästdent. J. V.: Althaus.
Hersfeld, den 1. October 1886.
Für den am 25. September 1869 geborenen Schneidergesellen Georg Wettlaufer aus Nie- derjossa ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
10638. Der Königliche Landrath _______________Freiherr von Schleini
Hersfeld, den 2. October 1886.
Die Fouragelieserung für die Pferde der dahier statiouirten berittenen Gendarmen für das letzte Viertel des Etatsjahres 1886/87 soll öffentlich verdungen werden.
Termin hierzu habe ich auf
Sonnabend den 9. d. Mts.
Vormittags 10 Uhr
in mein Geschäftslokal anberaumt, wozu etwaige Lieferungslustige mit dem Bemerken hierdurch eingeladen werden, daß die desbezüglichen Bedingungen im Termine bekannt gemacht werden. 10674. Der Königliche Landrath
_____Freiherr von Schleini tz.
Hersfeld, den 2. October 1886.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden
i voller großer rother und schwarzer Lettern und Zahlen. Courszettel, Fahrpläne, Lotteriecollecten und mächtige Affichen der Hamburger Dampfschiff- fahrts-Gesellschaft, zur Auswanderung nach Amerika, deren eifrigster Agent hier zu finden war. Rothe Vorhänge dämpften das grelle Licht und weiche Decken den lauten Tritt. — Alles, was hier verhandelt wurde, geschah leise, gedämpft, — wie Licht und Schritt. Wohringer selbst war wenig anwesend und die Geschäfte innerhalb des Hauses blieben absichtlich seiner Frau überlassen. Mit fast kindlicher Harmlosigkeit trat diese den Bedrängten entgegen und heuchelte die innigste Theilnahme jedweden Geschickes, bis gar Mancher sein Leid mehr offenbart, als ihm heilsam. Aus diesen unbedachten, entlockten Aeußerungen spann die berechnende Frau ihre Fäden und legte sie dem Manne in die Hand. Selten verließ ein Hilfsbedürftiger die Schwelle hoffnungslos, er ergriff blindlings das Rettungsseil, welches ihn würgte. Als Commissionär galt Wohringer für pünktlich und jeder ernstlich Bedrohte brächte freu« dig den Wucherzins, um Hab und Gut zu retten — und dann begann das Werk dieser Blutsauger. Der Schwindel war einträglich an Geld und Gut, doch auch an Fluch und Drohung. Wie manches Menschenkind streckte die Faust gegen diese Thür empor und murmelte die entsetzliche Verwünschung. Ob aber je ein Strafgericht dieses Treiben unterbrochen, darum kümmerte sich Niemand; es war für die Armuth auch zu kostspielig und die Geplünderten hatten kein Geld, um sich ihr Recht zu erkaufen,