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Hklsfcldcr Kreisblatt.
Wit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 118. Donnerstag den 7. October 1886.
Bestellungen
auf das „Hersfelder Kreisblatt" pro viertes Quartal 1886 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 4. October 1886.
Den Herren Ortsvorständen der Landgemeinden und Gutsbezirke des Kreises sende ich in den nächsten Tagen die nöthigen Formulare nebst einem Ablieferungsschein zum Zwecke der am 2. November er. in Gemäsheit des § 11 des Reglements vom 14. Januar 1882 (Amtsblatt S. 59) zu bewirkenden Aufnahme des Pferde- und Rindvieh-Bestandes mit der Weisung zu, nach Aufstellung der Verzeichnisse nach den Vorschriften des § 11 des gedachten Reglements weiter zu verfahren und solche dann mir bis zum 1. Dezember d. I. zur Prüfung und Feststellung einznreichen.
Für das Jahr 1887 ist die Erhebung einer einfachen Abgabe von
20 Pfg. für jedes Pferd und Maulthier, sowie jeden Esel und Maulesel und 5 Pfg. für jedes Stück Rindvieh erforderlich, und nach diesseitiger Feststellung der Verzeichnisse die Erhebung von dem Gemeindegelderheber im Monat Januar k. I. bewirken zu lassen.
Die Ablieferung des Hauptbetrages hat b i s zum 15. Februar k. J. an die ständische Schatzkasse in Cassel, nach Abzug von 2°/0 Er- hebegebühren, mittelst des Ablieferungsscheines, ohne Beifügung des Specialverzeichnisses des
(Nachdruck verboten.)
Aus ben Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel. (Fortsetzung.)
Was gesagt werden mußte, geschah in möglichster Kürze, und damit war's ausgestanden. Die Begrüßung bei der Tante zwischen Olrich und Elisabeth war, als wären sie Tag'S vorher auseinander gegangen. Kein Liebeswort, keine stürmische Umarmung, aber auch fein Vorwurf. Ein Handschlag — alles andere wußte ein Jeder laut vorheriger Vereinbarung, und was man nicht wußte, wurde errathen oder abgewartet.
Die Mutter sorgte fortdauernd für ihre beiden Pfleglinge; ste hörte den Berichten der Tochter aufmerksam zu und hatte die rauhen Worte der erste« Erwiderung nicht wieder gesprochen.
Elisabeth's Stimmung war sehr trübe; hatte doch der Schiffsmann Tornow so sonderbare Mittheilungen für sie heimgebracht. Nun konnte sie sich der Empfindung nicht mehr erwehren, als lauere überall ein Etwas, um sie zu verderben. Hier auf dem Besitzthum ihres Todfeindes galt doppelte Vorsicht, und sie dankte dem Ueberbringer der Warnung.
Vor Notte hütete sich die junge Frau jeder Aeußerung, auch war sie zu stolz, um sich mit dem Knechte in Gespräche oder Fragen einzulaffen. Gern hätte sie über das Verhältniß der Eltern zu Wohringer Näheres erfahren, doch schien man diesen Erkundigungen rechtzeitig vorzubeugen. Nach
Viehbestandes unter der besonderen Bezeichnung „Viehseuchesache" mit dem Vermerk: „portopflichtige Dienstsache unfrankirt" zu geschehen.
10683. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 4. October 1886.
Für den am 22. Dezember 1868 zu Kirchheim geborenen Heinrich H e l l w i g ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 10685. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
£ Die Volksleidenschaften und der Friede.
Während in früheren Jahrhunderten wohl zuweilen der Friede durch den Ehrgeiz und die Eroberungssucht regierender Häuser bedroht wurde, ist dies jetzt mehr wie je durch ausgestachelte Volksleidenschaften der Fall, und die Regenten erscheinen im graden Gegensatz hierzu als die eigentlichen Repräsentanten und Hüter des. Friedens Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden selbst in monarchischen Staaten die Köpfe der Gebildeten und Ungebildeten von dem Glauben beherrscht, die Völker liebten und wollten überall den Frieden — und die Erhaltung desselben gewinne in demselben Verhältniß Bürgschasten, in welchem es den Bürgern gelinge, Einfluß auf die Regierung zu erlangen. Von diesem schönen Glauben be- sangen, entstand in Europa eine Art Schwärmerei für die republikanische Staatsform, weil man diese mit dem „ewigen Frieden" für gleichbedeutend hielt. Was in dieser Weise unklare Geister träumten und durch zahlreiche Abhandlungen und Dichtungen fast zu einem Bestandtheil der modernen Bildung machten, ist in den Kreisen Tiefer» blickender zwar schon verblaßt, aber in weiteren Volksschichten herrscht auch heute noch jener Glaube fort.
Es ist nun zwar nicht leicht, einen so lies eingewurzelten Wahn auszurotten, aber gerade die gegenwärtige europäische Situation besitzt nach dieser Hinsicht eine Beweiskraft von ungewöhnlicher Handgreiflichkeit.
Um im eigenen Hause zu beginnen, so erinnern wir an i die frivolen Anstachelungen der Volksleidenschaften aus
und nach nur erlauschte sie von der Mutter, daß man eine Summe angezahlt habe und die Jn- svectorenstelle mit monatlicher Gage bekleidete. Der Vater erwähnte mit keiner Silbe der Vergangenheit noch der Zukunft, und die Tochter meinte, man würde nie ihren Wunsch kreuzen, doch auch nie sie zur Mitwisserin begehren. —
Wie aus dem Boden gewachsen, stand plötzlich der Maurermeister Wimmer auf der Ziegelei und betrachtete ringsherum den Ofen, als beabsichtige er die Steine daran zu zählen. Er hielt die Hände auf den Rücken und starrte durch seine Brille an den Wänden hinauf.
„Was ist denn da für ein Narr?" sagte der alte Olrich und schob die Gardinen zurück. „Wer mag das sein? aus dem Dorfe kommt er nicht."
Die Mutter, auch Elisabeth und Hedwig schauten hinaus.
„Der stiert ja den Ofen an, als wenn er ihn mit seinen Blicken durchbohren wollte — und dabei zertritt er die Steine, welche dort umherliegen! Der Notte ist auch lüderlich und könnte besser Ordnung halten. Das heißt, den da draußen soll doch gleich ein Donnerwetter holen!" brauste Olrich auf, griff nach seiner Mütze und rannte spornstreichs hinaus.
„Heda Sie! wollen wohl den Ofen aus Ihrer Nase davontragen, oder schieben Sie Wolken? da soll doch gleich der Teufel dreinschlagen! merken Sie denn nicht, wo Ihre Beine hintreten?"
Der Angeschrieene war ganz verblüfft und stotterte eine Entschuldigung über die andere.
I jüngster Zeit. Wäre das Königthum bei uns in der | Weise parlamentarisch beschränkt, wie dies seitens der Fortschrittspartei gewünscht und angestrebt wird, so wären die irregeleiteten Volksleidenschaften für den Frieden nicht ohne Gefahr gewesen. Wäre es nach den Aufreizungen der freisinnigen Presse gegangen, so hätte Deutschland wegen des Fürsten von Bulgarien sofort Rußland den Krieg erklären müssen. Glücklicherweise liegen bei uns die Güter des Friedens in der starken Hand der Krone, welche sorglich die wahren Interessen des Landes bewacht und wohl weiß, was dem Lande frommt.
Ein ähnlicher Vorgang spielt sich zur Zeit in Oesterreich- Ungarn ab, wo eine unpatriotische Presse bemüht ist, die Volksleidenschaft durch die Behauptung aufzustacheln, daß die Interessen Oesterreich-Ungarns aus der Balkanhalbinsel durch Deutschlands Haltung nicht gebührend berücksichtigt würden. Ist das deutsch-österreichische Bündniß auch hinlänglich gefestigt, um durch derartige Anzapfungen nicht erschüttert zu werden, so bergen diese leichtfertigen Aufreizungen doch Momente in sich, welche bei weniger fester und friedliebender Haltung der Regenten und Regierungen Deutschlands nnd Oesterreichs nicht ohne Gesahr für den Frieden wären.
In Frankreich herrscht seit 16 Jahren die republikanische Staatsform, aber die kriegerischen Volksleidenschaften hat sie wahrlich nicht auszurotten vermocht. Weder die Vertreter des Volkes in den gesetzgebenden Körperschaften, noch die Träger der Wissenschaft offenbaren Lust und Macht, die Leidenschaften zu dämpfen und die blutige Lehre der Revancheapostel zu bekämpfen. Im Gegentheil, man bringt letzteren Huldigungen dar, und wer sich zum Liebling des französischen Volkes machen will, der läutet mit der Sturmglocke der Revanche.
In ähnlicher Weise offenbaren sich die Volksleidenschaften in Rußland, dessen Regentenhaus die deutsche Freundschaft zu schätzen weiß, und den Frieden liebt, während das Volk, dessen Gut und Blut bei einem Kriege aus dem Spiele steht, den Fürsten fortwährend zu kriegerischen Unternehmungen drängt.
Die eigentliche Friedensbürgschaft Europas bilden die Träger der drei Kaiserkronen, von denen die beiden Monarchen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph durch eine langjährige bewährte Freundschaft verbunden sind. Zum Segen der Welt haben sie in einem starken Königthum im Innern und in starken Heeren nach Außen hin die Macht, ihrer Friedensliebe Nachdruck zu geben.
„Reden Sie deutlich, Herr! wer sind Sie und was wollen Sie? Hier hat Niemand ein Recht, herumzustrolchen!"
„Mein Name ist Wimmer; ich wollte — nein ich sollte — ja ich sollte —"
„Schwerenoth, Herr sind Sie betrunken?"
„Ach nein; ich — ich komme im Auftrage Wohringers — und soll — sollte mir den Ofen ansehen."
„Na, das hätten sie längst sagen können; angesehen haben Sie, was soll nun geschehen? wollen Sie den Ofen vielleicht aufladen und nach der Stadt fahren? oder wollen Sie sich d'rin aufhängen zum Dörren?"
„Wunderlicher Kauz," dachte Wimmer und ent- gegnete verlegen; „Sie scherzen doch nur, Herr Jnspector; ich bin Maurermeister und sollte die vorzunehmenden Reparaturen besichtigen."
„So, das ist etwas Anderes — ist Ihnen eine Prise gefällig?" fragte der alte Mann und reichte seine Dose hin. „Also soll's endlich losgehen? na, lange genug gedauert! ich hatte schon im Herbst eine Höllenangst, der Schornstein würde uns eine Ladung Steine über's Dach schicken."
Olrich zeigte dann dem Fremden alle Schäden und forderte nach vollzogener Musterung ihn auf, sich etwas zu erwärmen in der geheizten Stube.
Drinnen stellte er denselben seinen Damen vor und Lisbeth zuckle zusammen unter Nennung des Namens Wimmer. Doch nur einen Augenblick war's, dann blieb Sie ruhig und beherrschte ihre Ueberraschung. — Die Mutter besorgte schnell