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gtrsftlta Klkisbllitt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeitageIllustrirtes Anterhattungsölatt".

Nr. 122. Sonnabend den 16. Oktober 1886.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst-Control-Versammlun- gen für die Mannschaften des Beurlaubtenstandes im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:

1) zu Obcrlcngsscld

Mittwoch den 3. November d. J. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Aus­bach, Conrode, Dünkelrode, Hillartshausen, Hil- mes, Lampertsfeld, Landershausen, Atalkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Schenklengs- feld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

2) zu Heimboldshausen

Mittwoch den 3. November d. I. Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ben- gendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Widdershausen, Wöl- fershausen und Unterneurode.

3) zu Niederaula

Donnerstag den 4. November d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Frielingen, Gers­dorf, Gershaufen, Hattenbach, Heddersdorf, Kem- merode, Kerspenhaufen, Kirchheim, Kleba, Mengs- Hausen, Niederaula, Niederjossa, Reimboldshausen, Solms, Willingshain und Engelbach mit Hof Sternberg.

4) zu Unterhalt»

Freitag den 5. November d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kathus, Kohlhausen, Kruspis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Roß­

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortfetzung.)

Die Mutter trat an Olrich'S Seite und redete in ihren Gatten hinein; er wandte sich plötzlich gegen die Tochter und sagte kurz:Nie also"

Die junge Frau begann nochmals:Jedenfalls beabsichtigt er, Dir am Abrechnungstage jene ge­stohlenen Wechsel vorzulegen, um Dir Kapital und Antheil zu entziehen. Suche die Papiere zu er­langen, doch nicht mit Gewalt, er könnte sie sonst gänzlich vernichten vielleicht ist der Zufall günstig."

Hm, das ist wieder ein Auftrag! wenn er sie mir nun aber nicht vorzeigt?"

O Vater, das thut er aus jeden Fall! woraus sollte er seine Forderung gründen? aber geben wird er sie Dir nicht."

Wie soll ich sie denn aber in meine Hände be­kommen, wenn der Kerl die Wische gar nicht los läßt, oder sie gar verschließt?"

Letzteres hast Du nicht zu befürchten, das könnte Argwohn erwecken, und ein bös Gewissen ist doppelt vorsichtig. Er legt das Papier mög­lichenfalls achtlos bei Seite, wie man mit anschei­nend werthlosen Dingen verfährt."

Nun ich werde schon sehen, wenn der wüßte, was ihm bevorsteht!"

Vater, wenn er eine Ahnung bekäme, würde er seinen Plan nicht in dieser Weise ausführen.

bach, Wilhelmshof, Rotensee, Stärklos, Sieglos, I Sorga, Unterhaun, Wippershain und Bingartes.

5) zu Hersfeld

Sonnabend den 6. November d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld und dem Hof Meisebach, sowie aus den Gemein­den Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar und Meckbach und dem Gutsbezirk Eichhof.

6) zu Obergeis

Montag den 8. November d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden All- mershausen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Heenes, Obergeis, Reckerode, Rohrbach, Rotterterode, Tann und Untergeis.

Zu strenger Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirks-Commando fol­gende Bemerkungen hinzu:

1) Zu den Herbst - Control - Versammlungen haben zu erscheinen:

a) alle diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. Septem­ber 1874 sowie die Mannschaften der Ca- vallerie, welche freiwillig einer 4jährigen activen Dienstzeit genügt haben und in der Zeit vom 1. April bis 30. Septem­ber 1876 eingetreten sind und deshalb zum Landsturm übergeführt werden,

b) sämmtliche Reservisten und Dispositions- Urlauber,

c) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften.

2) Wie den Mannschaften schon früher mitge­theilt ist, werden Ordres nicht ausgegeben, sondern es findet die Beorderung lediglich durch diese Bekanntmachung und durch Aus­rufen in sämmtlichen Ortschaften statt. Die Betheiligten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach dieser Art

Durch jahrelanges Gelingen ist der Mensch tollkühn geworden und wagt das Verwegenste. Es ist kaum anzunehmen, daß ein so berechnender Kopf diese plumpe Dummheit begehen könne, und doch endet fast jeder Lebenslaus der Waghalsigen mit dem Sturz aus steiler Höhe."

Olrich nickte still vor sich hin, während die Mutter immer noch aufgeregt überall zupfte, rückte, glättete; sie war unfähig, etwas Bestimmtes zu unternehmen und selbst Lisbeth's Wangen hatten sich geröthet.

Sage mir nur," sagte der alte Herr, vor der Tochter stehen bleibend,wie ist es möglich, daß sich Dein Mann derartig von diesem Kerl be­schwatzen ließ? ich begreife es nicht!

Die Anzeredete blieb die Antwort schuldig; sie wollte dem Vater nicht wehe thun, sonst hätte sie sich sagen lassen, wodurch Wohringer ihn selbst so bestrickt. Sie warf nur einen Blick auf die Mutter, welche diesen verstand und verstohlen das Zeichen zum Schweigen gab. Ueber Scherler unterblieb jedes Urtheil; er wurde weder verdammt, noch freigesprochen, und nun ruhte die ganze An­gelegenheit bereits seit vielen Tagen.

Heute lief ein geschäftiges, heimliches Walten durch's stille Haus es war der vierundzwan- ztgste December. Die Sonne sank glühend herab und beleuchtete den glitzernden Schmuck der Tanne, welche im Stäbchen auf dem Tische stand. Im Garten lag hoher Schnee, rosig angehaucht vom Abendroth; über die Wasserfläche streckte sich eine funkelnde Eisdecke. Kurz nach Einbruch der

der Beorderung die Fehlenden ebenso straf­bar sind, als wenn sie persönliche Ordres er­halten hätten.

3) Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht genannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.

4) Die Mannschaften haben ihre sämmtlichen Militairpapiere mit zur Stelle zu bringen.

5) Etwaige Dispensationsgesuche sind recht­zeitig an den Bezirksseldwebel zu richten und können nur durch das Bezirks-Commando genehmigt werden. Ist bis zum Tage der Controlversammlung die Entscheidung auf ein Gesuch noch nicht erfolgt, so muß der Betreffende unfehlbar bei derselben erscheinen.

6) Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungs-Fälle müssen durch ärztliche oder ortspolizeiliche Atteste, welche spätestens auf dem Controlplatze abzugeben sind, be­scheinigt werden. In allen ärztlichen At­testen ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Control-Ver- sammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.

Hersfeld, den 10. October 1886.

Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.

* *

Hersfeld, den 12. October 1886.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hier­durch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ihren Bezirken auf ortsübliche Weise vollständig zu veröffentlichen und na­mentlich zur Kenntniß aller betheiligten Mann­schaften zu bringen.

10958. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Dunkelheit sollte der Baum angezündet werden. Stern um Stern leuchtete nieder, und Elisabeth trat vor der Bescheerung nochmals hinaus in's Freie. Ein unbeschreibliches Gefühl übermannte ste hier, war's doch, als feiere auch die Natur den Christabend. Das Mondenlicht warf seine silberne Helle über die träumende Abendlandschaft, nichts regte sich, es war still, so still. Vom Walde her schimmerten die schneebeladenen Tannen, darüber hinaus ragten hohe Fichten. Aus dem Dorfe über dem Wasser hallte in leisen Schwingungen das Geläut der Kirchenglocken es war Christ­abend und Friede auf Erden. Lisbeth kniete nieder auf der steinernen Treppe und betete zu ihrem Herr­gott. Ein gewaltiger Widerstreit erhob sich in ihrem Innern, ein Schwanken zwischen Trotz und Ergebung.Wir sollen nicht miteinander hadern und ins Gericht gehen, Du mein Gott befiehlst es!" murmelte sie.Wir sollen nicht, nein! Die Rache ist mein, spricht der Herr!" rief sie auf­schauend, und ein krampfhaftes Zucken spielte im Antlitz.Herr, mein Gott," sprach sie, jäh auf­fahrend;ich kann nicht, ich kann nicht vergeben!" Hastig bedeckte sie mit ihren Händen das todten- blasse Angesicht, als wolle sie dem Zauber der Schöpfung nicht unterliegen unbeweglich blieb sie stehen; plötzlich hob sie den Kopf und senkte ihn dann tief, tief auf die Brust herab.Es ist ja Weihnacht!" flüsterte sie und ging hinein, ohne mehr die Augen zu erheben.

Welche wehmüthige Erinnerungen vermag doch

der Weihnachtsbaum hervorzulocken, dachte Jedes,