Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postaufschlag.

Die JnsertionSgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

tlsstliitr firnslilntt

Mit wöchentlicher Kratis-IeikageMustrirtes Anterhallungsblatt«.

Nr. 128.

Sonnabend den 30. Oktober

1886.

Aöonnements-Kinsadung.

Bestellungen auf das

HersfeLder KreLsMatt mit der wöchentliche»» Gratis - Beilage

JUustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate November und December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 28. October 1886.

Die Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises werden hierdurch auf Die in Nummer 46 des Amtsblattes l. Js. enthaltene Verfügung der Königlichen Regierung zu Cassel vom 12. Octo­ber er. abgedruckt im Kreisblatt 9lr. 126 de L^7°KÄLA» eine jede ortspolizeiliche Anordnung, bevor solche publicirt wird, dahier zur Vorlage zu bringen und die diesseitige Erklärung darüber abzuwarten, wie solches auch schon in der Verfügung vom 12. December 1867, abgedruckt in Nr. 22 des Kreisblatts de 1867, gesagt worden ist.

11116. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Berichtigung.

In der Verordnung Königlicher Regierung vom 12. October er. Amtsblatt S. 231 ist bei 1 b in der 5. Zeile das Wortu n D" zu streichen, bei H b letzter Absatz muß es statt Erwägung Erwähnung" heißen.

(Nachdruck verboten.)

Aus den Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

In einiger Zeit erschien eine zweite Vorladung der Kläger. Es waren schwere Tage für Die Be- theiliglen. Der weite Weg mußie nun zu Fuß zurückgelegt werden durch Feld und Wald, durch Sand und Schnee. Elisabeth ließ dann ihr Kind daheim bei der Mutter und Hedwig, während sie mit dem Vater weil fort ging. Doch die innere Unruhe vollbrachte mehr, als alle Anstrengung. Mit fieberhafter Ungeduld erwartete sie stets den Abend, um sich zu überzeugen, ob draußen nichts vorgefallen. Sie hatte nun Den einsamen Weg schon oftmals passlrt, kannte jeden Baum, jeden Meilenstein und zählte Die Gräben der Felder, welche jedes Bauernelgenthum begrenzten. Zu­weilen mußte sie allein wandern aus öder Land­straße bis zum entfernten Dorfe, wo der Vater sie erwartete und heimbegleitete. Wie zwei Heimath­lose streiften dann die Beiden querfeldein bei Mondenlicht, bei Schneegestöber, oder in alles er­starrender Kälte.

Die Leute sahen gar verwundert auf, wenn Olrich mit seiner Tochter durch P. zum Bahnhof ging, ermüdet, mit durchnäßten Schuhen. Dort führte die Eisenbahn vier Meilen weiter, und Dann erst begann das Tagewerk bis in den späten Abend hieraus folgte der Rückweg, der endlos öde steg. An besonders stillen Abenden durchschauerte die

In Hersfeld sind am 14. October 1886 vom Tuchrahmen 4 Meter blaumelirtes Militärtuch gestohlen.

Unter Warnung vor Hehlerei wird ersucht, Tuch und verdächtigen Inhaber dem nächsten Amtsgericht abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Acten J. II. 1877/86.

Cassel, den 23. October 1886.

Der Erste Staatsanwalt.

I. A.: Chuchul.

# Der industrielle Aufschwung Deutschlands.

Der herrschenden Politik wird von freisinniger Seite vornehmlich angedichtet, daß sie die wahren Interessen von Handel und Industrie falsch ver­stehe, sie vernachlässige und zur Wahrnehmung derselben verkehrte Wege eingeschlagen habe. Die seit einiger Zeit beobachtete Geschäftsstille, der niedrige stand der Preise, die Schwierig- Äl^es tvird auf Rechnung jener ^KlÜV MschW ben und daraus der Regierung und den sie un­terstützenden Parteien ein Strick zu drehen ge­sucht. ,

Draußen, wo man nicht durch die freisinnige Parteibrille sieht, sondern Den wichtigen gewerb­lichen Aufschwung Deutschlands an seinem eigenen Leibe empfindet, mehren sich die Kundgebungen, welche Zeugniß davon ablegen, daß die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit für Deutsch­land von größtem Segen war, indem sie nicht nur die gewerbliche Production kräftigte und con- currenzfähiger machte, sondern auch den handels- männischen Geist belebte und immer neue Absatz­märkte erschließen half.

Am meisten empfinden die wachsende Concur- renz Deutschlands England und Frankreich. In

Wandernden ein banges Gefühl, wenn sie einsam und verlassen das weite Feld vor sich und den dunklen Wald zur Seite erblicken. Kein Mensch war zu sehen, zu hören, und doch welch' geheim- nitzvolles Flüstern, wenn der Wind durch Die Fichten bis zu Den alten Weiden am Wege Da« Herstrich.

Ein recht erschwertes Dasein," klagte die Mutter, wenn sie wöchentlich die schweren Körbe voller Lebensmittel heimbrachte, kaum fähig, diese Anstrengung zu ertragen. Die ganze Familie unterlag diesen Anforderungen und sehnte den Er­lösungstag herbei. Jenseits des Wassers lag ein kleines Städtchen, und dort hatte Olrich ein freund­liches Acht für die Seinen entdeckt. Inmitten eines großen Gartens befand sich eine etwas plump ausgeführte Villa mit Hellen, schönen Räumen. Die obere Etage enthielt drei Zimmer, welche der alte Herr bei erster Besichtigung miethete.

Im März stürmte Wohrmger noch einmal über das Grundstück, und Olrich legte seine Waffe aus den Tisch. Alles blieb jedoch still, denn keiner überschritt das ihm zustehende Recht. Sebulon umkreiste in großen Bogen die Fenster seines Feindes, und der Gegner las ohne Ausblick, mit stoischer Ruhe seine Weltgeschichte.

Am Tage des Abzuges landete der gesürchtete Tornow, um das Mobiliar Olrichs zu befördern. Dann und wann spionirte Rotte herum und schlenderte, die Hände in den Hosentaschen, breit­spurig daher.

Der Schiffer kam unbemerkt hinter ihm her und

den englischen Consulatsberichten werden fort­während Klagen hierüber erhoben. So wird den Zeitungen zufolge aus Manchester berichtet, daß die Deutschen zwei Drittel des südamerikanischen Handels in Händen haben, aus Mexiko bemerkt ein Bericht, daß die Deutschen die eifrigsten Mit­bewerber Englands bei jeder kaufmännischen Unternehmung sind. Kürzlich schlug die englische Presse Lärm, als eine japanesische Prinzessin eine europäische Ausstattung im Werthe von 100000 Dollars in Berlin bestellte und als die chinesische Regierung die Schichauer Schiffswerfte mit dem Bau von acht Torpedobooten betraute. Damals wurde offen anerkannt, daß die Deutschen mit unbezähmbarer Energie und unermüdlicher Geduld" ihren Handel im Stillen Ocean fördern.

In Frankreich erweckt die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, welche nicht nur in über­seeischen Ländern den Franzosen den Rang ab« läuft, sondern selbst auf den Boulevards von Paris die französische Industrie beeinträchtigt, noch unangenehmere Empfindungen. Es ist be- TörHnTSefljrgeWTS^ welches sich von Jahr zu Jahr mehr Terrain erobert hat, wird durch allerhand Machinationen zu verdrängen gesucht, heißt es doch, daß in den Officier-Casino's vor Kurzem der Verbrauch deutschen Bieres untersagt worden sei. Auch im Stillen Ocean fühlt Frankreich die außerordent­lichen Fortschritte der deutschen Concurrenz. Aus Shangai schreibt man demJournal bes De­büts", daß während im Jahre 1885 nur sechs- undvierzig französische Dampfer mit 73,000 Tonnen Gehalt in die offenen chinesischen Häfen einliefen, von Deutschland 2230 Schiffe mit 1,117,685 Tonnen zu verzeichnen waren. In der Zuschrift wird betont, daß England sich in China allerdings eine Ausnahmestellung zu verschaffen , gewußt habe, welche den französischen Handel zur

rannte ihn blindlings über den Haufen. Nach dieser Lection wagte er nicht mehr sein Zimmer zu verlassen. Die rothhaarigen Töchter lugten mit ihren brennenden Köpfen zum Fenster heraus und lispelten spöttische Bemerkungen. Nicht einmal Die Schlüssel forderte Notte ein, und Olrich nahm sie mit sich. Mine sah endlich ein, daß sie selbst gehen müsse, und schritt gravitätisch daher, mit lauter Stimme Die Schlüssel fordernd.

Jungfer, machen Sie sich die Beine nicht na6 rief Tornow und schlug eine helle Lache auf, während der muntere Ostwind die bereitgehaltenen Segel erfaßte.

Achtes Kapitel.

Wissen Sie schon, gnädiges Fräulein," redete hastig ein junger Referendar unter tiefer Verbeugung die Tochter Oppen's auf der Straße an, als die­selbe mit der Notenmappe zur Musikalienhandlung schritt,daß Ihr Herr Vater denProceß Olrich" gewinnen wird'S"

Nein, das weiß ich nicht, intereffire mich auch nicht für Proceßgeschichten meines Vaters. Wie können Sie eine so prosaische Frage an eine junge Dame stellen'S ,

Verzeihen Sie; ich glaubte nur, weil durch den Verlust des kleinen Kapitales die ganze Fa­milie in Mitleidenschaft gezogen würde, Ihnen durch meine Nachricht einen freundlichen Blick ab« zugewinnen." , , ,

So;" erwiderte Meta gedehnt.Hat Papa wieder specultrt'S ich begreife nicht, wie ein wohl-