Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exet.
Postausschlag.
Die Znfertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Itrsfelier Kreisblett.
Mit wöchentlicher Kratis-Weikage „Issustrirics Anterhallungsßtatt".
Nr. 131. Dienstag den 9. November 1886.
Amtliches.
Hersfeld, den 6. November 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche noch mit Einsendung des durch meine Verfügung vom 1. October 1880 Nr. 11469 (Kreisblatt Nr. 79) geforderten Berichtes, das Gemeinde-Obst betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 18. d. Mts. bei Meibung von je 3 Mark Strafe erinnert. 11775. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 6. November 1886.
Damit die Personal-Akten welche von jetzt ab für die Lehrer des Regierungsbezirks Cassel Seitens Königlicher Regierung geführt werden sollen, ein vollständiges Bild von dem Lebensund Bildungsgange, überhaupt aller persönlicher Verhältnisse des Betreffenden ergeben, ist es er- - ftlrberlid), daß von dem Lehrer selbst die ein- schlagenden NotiM cinfrHliTtu wuixu.-----—
Die Königliche Regierung hat mir zu diesem Behufe mittelst Verfügung vom 21. v. Mts. J. ß. Nr. 11847 die desbezüglichen Formulare zuge- sandt und den Auftrag ertheilt, solche an die in dem diesseitigen Verwaltungsbezirke angestellten Lehrer und Lehrerinnen in geeigneter Weise zu vertheilen und Sorge zu tragen, daß die Formulare von den einzelnen Lehrern und Lehrerinnen genau und erschöpfend ausgefüllt und demnächst von den betreffenden Schulvorständen bezwse. Schuldeputationen gewissenhaft geprüft und erforderlichenfalls berichtigt und vervollständigt werden. Dabei wird bemerkt, daß von den Lehrern über ihre etwaigen Militärverhältnisse die entsprechenden Angaben in Spalte 3 der Formulare zu machen und etwaige gegen Lehrer und Lehrerinnen verhängte^ Disciplinarstrafen am
(Nachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
^-Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
"Auf meine Erfahrung, liebe Frau, sagte Oppen zu Elisabeth. Wer von Her Strafanstalt zurück- kommt, ist nicht besser geworden. Der Umgang mit dem Auswurf trägt überraschende Früchte. Nehmen Sie doch Vernunft an und lassen Sie ab von
diesem .
Diß^WMnte wollte etwas erwidern, aber der VateOtrMerbittert dazwischen und gebot ihr, Hinaus zu gehen — und sie mußte gehorchen! was hatten aste ihre Beweise nun geholfen — welch eine Mächtige war doch die Verleumdung.
„Schade um diese Frau," sagte Oppen; „wenn man diese Kraft nur einer reellen Sache erhalten könnte; es ist ein fast männlicher Charakter im
Wollen und Handeln. m .
Die Gerichtsverhandlungen gegen Wohrmger hatten durch Scherler viel Aufschub erhalten, nichts- destoweniger neigten sie sich dem Ende zu. Für Elisabeth trug die nächste Zeit viel Erwartung in sich. Die Sonne kürzte ihr Licht und draußen färbte sich das Laub — die sollenden Blätter, sie brachten neue Hoffnung. Die junge Frau, sie lebte nur dem Gedanken an die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten ; wider Erwarten schnell sollte dieser Wunsch erfüllt werden. Fast drei Monate vor Ablauf der bestimmten Frist erfolgte, auf Grund der vorzüglichen Führung, Scherler's Freilassung.
Schlüsse der Uebersichten unter der Rubrik „Be- merkungen" von den Schulvorständen bezwse. Schuldeputationen zu verzeichnen sind.
Um nun diesen Auftrag erledigen zu können, beehre ich mich, den Herren Localschulinspectoren des hiesigen Kreises und der hiesigen Stadtschul- deputation die bezüglichen Formulare für die *r Aufsicht unterstellten Lehrer zu übersenden, mit dem ergebensten Ersuchen, dieselben an die Letzteren behufs deren correkten Ausfüllung aus- handlgen und mir fodann nach deren Prüfung und eventueller (Vervollständigung bis spätestens zum 1. Dezember d. I. zurücksenden zu wollen, woraufhin sodann deren Einreichung an die Königliche Regierung diesseits zu erfolgen hat. 1
11598. Der Königliche Landrath
______________Freiherr von Schleinitz.
Zugelaufen: ein Schaaflamm. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.
Oeffentliche Aufforderung.
U ÄtL^W^M^" m. -'^-m ■ stadt, zuletzt in Hersfeld aufenthaltlich, von Profession Kürschner, welcher in dem auf den 5. d. M. angesetzten Termin behufs Einstellung bei seinem Truppentheil nicht erschienen ist, wird hierdurch aufgefordert, sich sofort auf dem Büreau des unterzeichneten Commandos zwecks Einstellung in den Militairdienst zu melden, widrigenfalls das Desertionsverfahren eingeleitet werden wird.
Hersfeld, den 6. November 1886. ____________Königliches Bezirks-Commando.
50 MmkHtlchMW
erhält von den Bestohlenen derjenige, welcher den Dieb des laut diesseitiger Bekanntmachung vom 23. October 1886 in Hersfeld am 14. October 11886 gestohlenen blaumelirten Militärtuches so
Lisbeth selbst war zu dem Director der Anstalt gegangen und hatte zuvor ihre flehendlichste Fürbitte an ihn gerichtet, gestützt auf die gesetzliche Bestimmung. Als nun die fieberhafte Ungeduld
geendet, die Hoffnung erfüllt, da konnte sie kaum Die Gewißheit fassen und stürmte mit der Glücksbotschaft in das Zimmer der Eltern.
Der Mutter rannen die Thränen aus den Augen, auch der Vater reichte ihr feine Hand, aber er blieb so seltsam still. Erst als Die Tochter sich mit herzlichen Worten für den kommenden Tag den Wagen ausbat, fand er die Sprache wieder.
„Den Wagen sollst Du ausnahmsweise haben," sagte er; „aber wenn Du zurückkehrst — so komme allein!"
„Vater," fragte Lisbeth zitternd, „allein? darf ich den Armen nicht zu Euch führen, wie Du mir einst gesagt?"
„Nein, nie!"
„Oh — ich war auch zu glücklich! Vater, Vater, Du hast mit mir und Deinem Worte gespielt? — weshalb brachtest Du mir Deine Verzeihung, weshalb seinen Gruß, als Du vor Monaten bei ihm gewesen? ich weinte an jenem Tage an Deiner Brust, Deine Hand ruhte auf meinem Haupte und Du hattest Deine Kinder und wir unsern Vater wieder? oh mein Vater, und Du solltest — ha, es ist nicht möglich!" rief die Getäuschte und schüttelte den Kopf.
„Es war so, wie Du anführst; doch heut' ist es anders, heut' sage ich Dir — es war Alles Politik. Ich brauchte Deine und seine Aussagen —
ermittelt, daß dessen gerichtliche Bestrafung erfolgen kann.
Bemerkt wird, daß das Tuch noch nicht appre- tirt und geschoren war, im Vorderschlag aber die Firma Bodä und Duden sowie Nr. 1029 mit weißem Baumwollen-Zwirn eingenäht trägt.
Cassel, den 4. November 1886.
Der Erste Staatsanwalt.
__I. A.: Chuchul.
100 Mark Kelchnuns!
In Hersfeld ist am 2. November 1886 vom Tuchrahmen ein Stück dunkel wollblauer Düffel, 1,74 Meter groß, am Schlag die Bezeichnung M. D. II133 Nr. 17182 in weißem Baumwollen- Zwirn tragend, gestohlen. Unter Warnung vor Hehlerei wird ersucht: Tuch und verdächtigen Inhaber dem nächsten Amtsgericht abzuliefern bei Nachricht hierher zu den Akten J II 1944/86. Wer den Thäter so ermittelt, daß dessen gerichtliche Bestrafung erfolgen kann, erhält von den Lestosilknen obiae Belohnung, __________
I. A.: Chuchul.
PotitLsche Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte am Freitag einer leichten Heiserkeit wegen die beabsichtigte Fahrt zur Jagd nach Springe in Hannover wieder aufgegeben., Am Sonnabend Vormittag empfing Se. Majestät den Besuch des Prinzen Wilhelm von Preußen. Prinz Hernrlch von Preußen wird dem Vernehmen nach am Dienstag Berlin verlassen und nach Kiel zurück- kehren. , , o
Die deutsch-schweizerischen Handelsvertragsver- Handlungen, welche am 1. November in Berlin
heut' aber brauche ich Euch nicht mehr. Meine Worte klingen hart und ich will hart sein." — Lisbeth bedeckte das Antlitz und schlich in ihr Stäbchen; dort überließ sie sich den trüben Reflexionen. Morgen hieß es dem fragenden Gatten bekennen, daß die Welt ihn verachte und die Eltern ihn verstießen! Vor der Thür ertönte plötzlich eine schmetternde Fanfare und eine Truppe daher- ziehender Musikanten accompagnirte mit lustigen Mißtönen die Seelenqual einer Verzweifelten.
„Welch' neidisches Geschick verfolgt zuweilen unsere Wege," dachte die Weinende; „es raubet mir die Freude und höhnt meinen Schmerz!"
Zehntes Kapitel.
Auf dem Grundstücke Wohringer's ruhte seit langer Zeit jegliche Arbeit. Der Besitzer wohnte noch draußen und behielt, zur Verwunderung der Dorfleute, in diesem Jahre auch sein Winterquartier in der einsamen Oede. Man flüsterte so mancherlei über den „Herrn" und die Umgegend zischelte viel Geheimnisse in den Wind, welcher sie flüchtig weiter trug von Ort zu Ort. Schon während des Sommers legten sämmtliche Arbeiter ihr Handwerk nieder, es gab wieder einen gewaltigen Aufstand; die Schiffer schloffen sich dem Kra- wall an und die Fama erzählte, daß der Eigenthümer nur mit Mühe sein Leben vor der wüthenden Rotte geschützt. Er zahlte zwar diesen Leuten den rückständigen Lohn, vermochte aber nicht, sie länger im Dienst zu halten; den anderen Tagelöhnern