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ttsftlhtr Kreisdlitt

Mit wöchentlicher Hratis-AeikageIllußrirtcs Anterhaltungsölatt".

Nr. 135.

Donucrstag den 18. November

1886.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. November 1886.

Dem Vernehmen nach sind im Kreise Hersfeld eine Anzahl der Hessen-Nassauischen Baugewerks- Berufsgenossenschaft angehörige Betriebe vorhan­den, welche noch immer nicht nach §. 11 des Un­fallversicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 zur Anmeldung gekommen sind.

Da nach den Bestimmungen des eben erwähn­ten Gesetzes jeder gewerbsmäßig Bauarbeiten ausführende Unternehmer, wenn er auch nur vorübergehend, einen Gesellen, Tagelöhner oder Lehrling, sei dies -auch der eigene Sohn oder sonst ein Angehöriger der Familie, beschäftigt, hierdurch Mitglied der Baugewerks-Berufsgenossenschaft wird und dem­gemäß zur vorschriftsmäßigen Anmeldung feines Betriebes gesetzlich verpflichtet ist, aber auch die Berufs-Genossenschaften gerade für die Gemein­den so segensreich wirken, indem sie letzteren die Fürsorge für die Verunglückten und deren Hinter­bliebene abnehmen, die sonst den Gemeinden zur Last fallen würden, erhalten die Herren Orts­vorstände des Kreises hiermit die Weisung, von den sämmtlichen in ihren resp. Gemeinden vor­handenen Betriebsunternehmern die Mitglied­scheine sich vorzeigen zu lassen und diejenigen betreffenden Personen unverzüglich mir schriftlich namhaft zu machen, welche Gesellen und Lehr­linge 2C. beschäftigen, sich aber als Mitglied der Berufsgenossenschaft nicht legitimiren können.

11959. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Berlin, den 12. November 1886.

Dem Königlichen Landrathsamte beehren wir uns ergebenst mitzutheilen, daß wir die von dem Bürgermeister Klotzbach in Malkomes, dem Gutsbesitzer Sandrock in Lautenhausen, dem Lehrer Damm in Gethsemane,

(Nachdruck verboten.)

Aus Seit Wogen des Lebens.

Novelle von E. Schlegel.

(Fortsetzung.)

In wenig Minuten, liebe Frau Scherler, regen Sie sich nur nicht auf, sie müssen gleich hier fein."

Im selben Moment klopfte es; Hubert kehrte Heim und brächte aus den Armen das liebe, einzige Kind. Ein rosiger Schimmer überflog das schmale Antlitz der Leidenden und mit verklärten Blicken küßte sie ihren Knaben. v

Ruhig, mein Weib;" ermähnte der glückliche Vater.O, wie danke ich Gott aus Herzensgrund, daß Du wieder lieben kannst."

Ja, ich liebe, ich liebe so heiß l o, mein Herz war schon gestorben aber jetzt lebe ich wieder und werde glücklich werden, wenn ich nur gesund bin. Ich glaube, man kann auch in der Armuth glücklich sein."

Besorgt legte der Gatte seine Hand auf den Mund der Sprechenden und wischte seine Thränen hinweg.Wenn nur erst der Winter vorüber wäre; mit dem ersten Frühlingshauch bringe ich Euch nach G. aus's Land, dort sollt Ihr leben und genießen!

Doch bevor man diesen Wunsch ausführen durfte, gab es manche schwere Stunde. Die Noth trat wieder hart heran an die Geprüften; Hunger und Kälte waren böse Regenten. Die glatter Elisa- beth's kam wohl einmal und brächte einige Thaler, doch ging eS ihnen selbst sehr traurig. Auch

tzubert's Eltern erschienen öfter und schenkten kleine Erfrischungen sonst aber kümmerte sich Niemand um diese Menschen. Die große Welt fragte nichts darnach, sie hätte auch viel zu thun!

Asta berührte mit keinem Fuße die Schwelle der Armuth; Mangel an Zeit war die stete Ausrede, wenn es nicht gerade ein Amüsement beim Adel galt. Mary war wieder nach England zurück und schrieb von dort die interessantesten Berichte ihres comfortablen Lebens. Die Baronin Doris hatte man unter dem Siegel der Verschwiegenheit von dem Elend in Kenntniß gesetzt, und sie schrieb der Mutter, daß sie in Anbetracht solcher Noth un­zählige Thränen vergossen.

Das nächste Vierteljahr brächte seltsame Ver­änderungen. Hubert hatte durch guten Verdienst viel Geld erhallen; es wurde eine hübsche Einrich­tung gekauft, und so ausgerüstet ging es aus's Land. Unweit B. auf einem Gute wurde eine Wohnung bezogen. Der Gutsherr verkaufte zu dieser Zeit verschiedene Parzellen feines Terrains und mehrere Villen erstanden mit rapider Schnel­ligkeit.

Die Unternehmer verhandelten die Villen und gewannen durch den Verkauf bedeutende Summen; auch Scherler konnte sich der bestrickenden Lockung nicht erwehren und begann zu speculiren. Der Amtmann Griefe übergab ihm bereitwillig eine Baustelle; Scherler galt in Folge dieser Unterneh­mung für wohlhabend, man eröffnete ihm überall den nöthigen Credit, und bald erhob sich ein statt­liches Gebäude unter dem trügerischen Scheine.

dem Bürgermeister Reinhard in Landershausen, I dem Bürgermeister Gliemeroth inWölsershausen, dem Postagenten Gebauer in Heringen, dem Agenten Adam in Friedewald, dem Rentmeister Bezzenberger in Kirchheim, dem Bürgermeister Lorentz in Kerspenhausen, dem Bürgermeister Eydam in Holzheim, dem Gutsbesitzer v. Lepel in Hattenbach, dem Hospitalsrendanten Nutzn in Niederaula, dem Gutsbesitzer Braun in Oberrode, dem Domainenpächter Oldenburg in Wilhelmshof, dem Lehrer Geßner in Kathus, dem Lehrer Seng in Mecklar, dem Pfarrer Momme in Wippershain und dem Landwirth Ernst in Obergeis, bisher verwalteten Zahlstellen der Stiftung Kaiser Wilhelms-Spende" aufgehoben haben. Kaiser Wiltzelms-Spende,AllgemeineDeutsche Stif­tung für Alters-Renten- u. Kapital-Versicherung.

Direction: Dr. Wilhelmi.

An das Königl. Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 1319. - M. 84. -

* *

Hersfeld, den 15. November 1886.

Wird unter Hinweis auf die diesseitige Ver­fügung vom 6. Januar 1881 Nr. 134, (Kreis- blatt Nr. 4) veröffentlicht.

12206. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 16. November 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 2. December 1885 Nr. 12579 im Kreisblatt Nr. 144, die Benutzung der kommunal­ständischen Chausseewalzen betreffend, im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist bis zum 25.b. Mts. bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert.

12240. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hielt nach seiner Rückkehr von der Jagd bei Letz- lingen eine Familientafel ab, an der auch Prinz Ludwig, der präsumtive Thronerbe Bayerns, theil- nahm. Der Reichskanzler wurde vor seiner Wiederabreise vom Kaiser empfangen.

Der Reichskanzler Fürst B i s m a r ck hat sich nach Friedrichsruh begeben, nachdem er sich in Berlin noch von dem dorthin berufenen Vertreter Deutschlands in Bulgarien, Freiherrn von Sal- dern, eingehenden Bericht hatte erstatten lassen.

Graf L a u n a y, der langjährige Botschafter Italiens in Berlin, will seine Entlassung nehmen. Ueber seinen Nachfolger verlautet noch nichts.

Der R e i ch s h a u s h a l t s e t a t für das kommende Rechnungsjahr schließt in Einnahme und Ausgabe mit 750 946 885 Mk. ab. Dazu werden die Einzelstaaten an Matrikularbeiträgen 172 394 940 Mk. (33176 541 Mk. mehr als im laufenden Rechnungsjahre) aufbringen müssen.

Es verlautet mit Bestimmtheit, daß die Unter­handlungen wegen Begründung einer überseeischen Bank zu einem befriedigenden Ergebniß geführt hätten und daß dem Reichstage ein entsprechender Gesetzentwurf zugehen werde.

An Reichsgoldmünzen sind auf den deutschen Münzstätten im Monat October d. I. 4381680 Mk. ausgeprägt worden. Unter Hinzu­rechnung des vorher ausgeprägten und nach Abzug des Betrages der wieder eingezogenen nicht mehr umlaufsfähigen Stücke stellt sich der Gesammt- betrag der ausgeprägten Reichsgoldmünzen auf 1957 399 655 Mark.

Der conservative Reichstagsabg. Rose (seit 1883 Vertreter des Wahlkreises Osterrode-Neiden- burg) ist am 15. d. Mts. gestorben.

Von den in Buckau bei Magdeburg wegen Ver­dachts anarchistischer Umtriebe verhafteten achtzehn

Zu Anfang dieser Periode strömten plötzlich wiedergute Freunde" in's Haus; sogar Asta hielt es nicht mehr unter ihrer Würde, den Villen- besitzer, ihren Bruder, zu besuchen. Unter diesen mannigfachen Sommergästen befand sich auch ein Herr von Sanden nebst seiner Gemahlin. Elisa­beth und diese Dame hatten eine besondere Zu­neigung zu einander, obgleich der Zufall sie nicht oft zusammenführte.

Adelheid von Sanden war eine ruhige, besonnene Frau und mehrere Jahre älter als Hubert's Gattin. Sie hatte sich bereits zu ihrem Gatten über ihre Neigung geäußert, auch Lisbeth beichtete gegen ihren Mann, so bestand ein stilles Einver­nehmen zwischen diesen beiden Frauen, ohne daß die eine oder andere davon erfuhr.

Trotz allen scheinbaren Aufschwunges empfand Elisabeth tiefe Bekümmerniß; hauptsächlich beruhte dieses Gefühl in der immer noch währenden Spannung zwischen ihren Eltern und Hubert, außerdem aber in den überaus trüben Nachrichten von Hause. Diese Botschaften beeinträchtigten ihr jede frohe Stunde, und wenn sie lachte, so hatte sie eine Empfindung als sei das Lachen böse.

In solcher Stimmung ermähnte sie oftmals den Gatten es war ihr unglaublich, daß seine Unter­nehmungen, diese Besserung, auf reellem Grunde basiren sollten. Aus solchen Phantasien formten sich gegenseitig scharfe Aeußerungen, und zwischen den Eheleuten gab es kleine Reibereien. Ein ge­waltiger Schmerz bemächtigte sich der jungen Frau, als sie nach und nach so manches Geheimniß des