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Hersstl-el Krcisbliitt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „IllustrirLes AnLerhattungsvkatl"._________
Nr. 138. Donnerstag den 25. November 1886.
AöonnemenLs-Ginladung.
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Hersfelder Kreislrlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage
„Mustrirtes Unterhaltungsvlatt" für den Monat December werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches
Hersfeld, den 22. November 1886.
Die Herren Standesbeamten des Kreises werden angewiesen, die Standes-Haupt- und Neben- Register für das Jahr 1887 durch einen schriftlich bevollmächtigten zuverlässigen Boten bis zum 15. Dezember d. I. hier abholen zu lassen.
12342. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 23. November 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 7. September 1882 Nr. 11638, Kreisblatt Nr. 72, die Ausräumung der Fluth- gräben sowie die Ent- und Bewässerungsanlagen betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 4. k. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.
12519. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.^
Hersfeld, den M. November 1886.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß , der Kreisausschuß des hiesigen Kreises in seiner heutigen Sitzung gemäß §. 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betreffend die
(Nachdruck verboten.)
Aus den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung).
Die Herren traten aus dem Hintergründe des Parkes hervor und näherten sich dem Kaffeetisch.
„Du siehst ja sehr indignirt drein!" neckte der Amtmann feine Gemahlin. „ , ,
„Wie kann man anders, wenn vom Uebel geredet wird."
„Verstehe! habe auch die Ehre gehabt das Uebel mit anzusehen!" Alle lachten laut auf, nur Herr und Frau von Sanden blieben ernst.
„Hoffentlich schmeckt ihnen der Kaffee deswegen nicht schlechter, meine Herren l* scherzte die Hausfrau. „Tantchen Wellbach ist leider ganz sentimental geworden."
„Oh," riefen mehrere der Angekommenen; „worüber denn?"
„Sie möchte den Scherlers helfen!"
„Heilige Mutter Gottes!" platzte Bramsig heraus. „Hat man denn bet Ihnen noch keinen „Pump" angelegt? man spricht nicht gern davon — aber ich habe mit fünf Thalern büßen müssen."
„Woher aber weiß es bereits der ganze Ort," fragte Sanden ziemlich markirt; „daß Sie Scherler fünf Thaler geliehen?"
„Mir unbegreiflich!" erwiderte der Angeredete achselzuckend; „doch genug — jedes Gute hat sein Schlechtes, und jedes Idyll hat seine Schmarotzer.",
Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1887 dieselben Personen als Schieds- männer, welche zu den Schätzungs-Commissionen heranzuziehen sind, gewählt hat, welche für das Jahr 1886 gewählt und deren Namen mittelst Verfügung vom 10. April 1886, J. A. Nr. 4 im Kreisblatt Nr. 48, und vom 26. August 1886, J. A. Nr. 99 im Kreisblatt Nr. 102 veröffentlicht sind, mit Ausnahme des von Lautenhausen verzogenen Gutsbesitzers Sandrock jun., für welchen der Gutsbesitzer -Führer jun. zu Lautenhausen gewählt wurde.
J. A. Nr. 189. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
UalitLsche Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hörte am Dienstag Vormittag zunächst den Vor- trag des Grafen Perponcher und des Polizeipräsidenten Frhr. v. Richthofen und nahm darauf persönliche Meldungen entgegen. Nachmittags unternahm der Kaiser, nach mehrtägiger Unterbrechung, wieder eine Spazierfahrt. Nach der Rückkehr von derselben arbeitete Se. Majestät mit dem Chef der Admiralität v. Caprivi und dem Chef des Militär-Cabinets v. Albedyll.
Der Prinzregent von Bayern wird, nach dem „Fränk. Kur." am 9. Dezember nach Berlin kommen und etwa sieben Tage hier verweilen. Auf dem Rückwege stattet er einen kurzen Besuch in Dresden ab.
Das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritt des Kriegsministers Bronsart von Schellendorf wird officiös für völlig unbegründet erklärt.
Die Thronrede zu der am Donnerstag stattfin- denden Eröffnung des Reichstages wird von Herrn v. Boetticher verlesen werden.
Die Verhandlungen zwischen Deutschland und
Glühende Röthe bedeckt Adelheid's Antlitz. „Sie sollten diese Leute nicht mit diesem Namen bezeichnen," sagte sie energisch. „Der Mann ist nur auf falschem Wege, und die Frau besitzt einen Charakter, welcher Achtung gebietet."
Anna Wellbach spendete der Redenden einen dankbaren Blick, Griese aber verbeugte sich und erwiderte nachdrücklich: „Verzeihung, meine Gnädigste; ich bin leider durch genaue Menschenkenntniß gezwungen, von einem Manne, der „die Linie passirt" hat, zu behaupten: „Ein Wolf verliert wohl bisweilen sein Haar, aber ein Wolf bleibt er doch." —
Peinliches Stillschweigen.
„Apropos," unterbrach Bramsig die große Pause; „wie gefällt den Herrschaften mein Treibhaus, meine Blumenterrasse?"
„Süperbe, apart!" urtheilte die Gutsherrin als Stern erster Größe; „es bekundet den reichen Mann."
„Sehr verbunden, ein solches Compliment zu hören. Doch denken Sie, meine Frau will mir nicht einmal den Gefallen thun, und den Blumenflor genießen — sie geht lieber hinters Haus zwischen Salat und Kohl. Ich rede so ost darüber, daß sie die Kinder selbst herumträgt, die Vorübergehenden halten sie stets für unsere Kinderfrau, weil sie ewig mit Klappern und Windeln bela- den ist."
Die Gerügte verzog keine Miene; das gewöhnliche Gesicht mußte schon lachen oder weinen, um einen anderen Ausdruck anzunehmen.
Portugal über die Gebietsabgrenzung in Südwestafrika nehmen einen günstigen Verlauf. Portugal wünscht den 18. Grad südl. Br. als Grenze.
Im preuß. Cultusministerium wurde am Montag Mittag eine Conferenz abgehalten, in welcher über eventuelle Maßnahmen wegen des in Bres- lau eingetretenen Cholerafalles berathen wurde. Außer Räthen des Cultusministeriums nahmen auch zwei Räthe vom Ministerium des Innern daran theil.
Das Einkommen der Rechtsanwälte würde nach der Berechnung der „Köln. Ztg." um etwa ein Sechstel bis ein Viertel durch den neuen Gesetz, Entwurf betreffend die Ermäßigung der Rechts anwaltsgebühren geschmälert werden.
Wie verlautet, hat der Kaiser den wegenLan- desverraths zu zwölf Jahren Zuchthaus verur- theilten dänischen Capitän a. D. Sarauw zu 6 Jahren Gefängniß begnadigt.
Am Montag Nachmittag fand eine Plenarsitzung des Bundesraths statt. Auf der Tagesordnung stand der Ausschußbericht über die neue Militärvorlage wegen der Friedenspräfenzstärke und eine Vorlage wegen Errichtung einer ständigen Pharmacopoe-Commission
In dem zu Kottbus verhandelten Schwurgerichtsprocesse gegen die Rädelsführer des Sprem- berger Krawalls wurde lAngeklagter zu 2 Jahr, 1 zu 1V2 Jahr, 3 zu je 1Jahr, 1 zu 9 Monat, 2 zu 8 Monat und 1 zu 6 Monat Gefängniß verurtheilt.
(Frankreich.) Die Beruh igung Frankreichs in Bezug auf A e g y p t e n hat nicht lange angehalten. Frankreich erklärte in Constantinopel angesichts der türkisch'englischen Verhandlungen über Aegypten, die ägyptische Frage sei eine internationale und Frankreich werde Sonderabmachungen | zwischen beiden genannten Mächten nicht anerkennen, i Rußland soll sich bei der Pforte in demselben I Sinne geäußert haben. — Der Nachfolger Paul
„Nun hören Sie, beste Frau Amtmann," antwortete sie schließlich doch, „wäre es nicht Thorheit, hier draußen anders zuleben, als man Verlangen hat? was geht wohl über den bequemen Morgenrock, Pantoffel und Häubchen? ich päpp'le meine Kinder, koche ihnen Thee oder Brei, wie es so bei Kleinen ist — damit hat man den Tag völlig zu thun; freilich — wie Frau Elisabeth Scherler, kann es nicht jeder treiben, sich künstlich frisiren, elegant anziehen, lesen, Gewächse sammeln und womöglich noch schriftstellern!"
Herr und Frau von Sanden erhoben stch plötzlich und verließen nach kühler Verbeugung die Gesellschaft. Dieses verursachte kleine Disharmonien und der Kreis benutzte die hereinbrechende Dämmerung, um sich zu empfehlen.--
Anderen Tages schritt Adelheid geraden WegeS zu Lisbeth mit dem festen Vorsätze, ihr alles zu erzählen. Die junge Frau war überrascht von diesem Besuche. Kam die Dame auch jetzt noch, trotz der öffentlichen Zurücksetzung?
Adelheid machte mit ihrem Zwecke gar keinen Umweg, sondern gestand offen ihr Vorhaben und berichtete den Vorgang.
Die Zuhörerin sprach nichts dazwischen; nur als die Erzählende schwieg, fragte sie niedergeschlagen : „Und wozu würden Sie nun rathen?"
„Verlassen Sie unter jeder Bedingung diesen Ort, hier blüht Ihnen kein Gelingen — die Leute sind falsch, gewöhnliche Naturen mit armseliger Anschauung."
„3a, das wissen wir! falsch, ungerecht, verlogen