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Htlsftliitr Kreislilitt.

Mit wöchentlicher Hraüs-AeitageMustrirtes NnLerhakLungsötatt".

Nr. 3. Donnerstag den 6. Januar 1887.

Bestellungen auf dasHersfelder Kreisblatt" pro erstes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postaustalten, Laudbriefträger» und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 3. Januar 1887.

In Gemäsheit des §. 23 bezw. 56 der Ersatz- Ordnung vom 28. September 1875 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche 1) in dem Zeitraum vom 1. Januar 1867 bis einschließlich 31. De­cember 186 7 geboren sind,

2) dieses Alter bereits überschrit­ten, aber sich noch nicht vor einer Ersatz-Behörde zur Musterung ^>ezw. A us h e bm n^^gesteltt,

3) sich zwar gestellt, ab er über ihr Mi lit air Verhältniß noch keine feste Bestimmung erhaltenhaben, sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. J. zur Rekrutirungs- Stammrolle zu melven, und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen son­stigen Atteste, welche bereits ergangene Bestim­mungen über ihr Militair-Verhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.

Die Herren Ortsvorstände. der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen:

Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entschei­

dung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis

1. Februar dieses Jahres bei dem Ortsvor- stande zur Rekrutirungs - Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze an­gedrohten Nachtheile.

Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormün­der, Lehr-, Brod- oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Ver­meidung der im Gesetze angedrohten Nach­theile."

Die sodann genau nach der Jnstruction des Herrn Ober-Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufzu- stellenden Rekrutirungs-Stammrollen pro 1867 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den verschiedensten Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekruti- rruigs-Stammrollen üer.Jüore L&ß 5 jmb J.86 6 bis spätestens zum 5. Februar d. I. unter der BezeichnungM i 1 i t a r i a einzureichen.

Ferner haben die Herren Ortsvorstände 2C. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militairpflich- tige Alter eintreten resp, eingetreten sind, und ihrer activen Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäsheit des §. 93 pos. 2 der Ersatz- Ordnung vom 28. September 1875 sich bei der Ersatz-Commission ihres Gestellungsortes schrift­lich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.

Schließlich spreche ich noch die bestimmte Er­wartung aus, daß die vorbezeichneten Stamm­

rollen sauber aufgestellt und die in Betracht kom­menden Rubriken derselben vollständig aus­gefüllt werden; auch muß, wenn z. B. ein Militairpsiichtiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist.

51. Der Königliche Landrath

__Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 30. December 1886.

Der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts­und Medicinal-Angelegenheiten hat anläßlich eines Specialfalles grundsätzlich dahin entschieden, daß es auch für die Errichtung sogenannter Warte- schulen(Kleinkinderbewahranstalten, Kindergärten) im diesseitigen Regierungsbezirke einer vor- gängigen Concession bedürfe. Für die Zukunft ist es hiernach erforderlich, daß jedes Gesuch um Errichtung einer solchen Anstalt nach vorgängiger sorgsamer Jnstruirung (sowohl was die Bedürf­nißfrage betrifft als auch bezüglich der Quali­fikation der Bittstellerin) durch den Königlichen Schulvorstand bezwse. die Stadtschuldeputation -pßr. Louvert^deL^Lüntglichen Oberschulinspectors der Königlichen Regierung Abtheilung fürKirchen- und Schulsachen zu Cassel behufs eventueller Er- theilung einer Concession vorgelegt wird.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welchen ich dieses hierdurch mitthelle, werden des­halb beauftragt, diejenigen Personen, welche der­artige Anstalten errichten wollen, hiernach entsprechend zu belehren.

13348. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Reichs-Postamt. Berlin W., 5. October 1886. Erste Abtheilung.

Aus einem ^ur Kenntniß des Reichs-Postamts gelangten Berichte des Herrn Regierungs-Präst- denten zn Osnabrück geht hervor, daß die Ma­gistrate, Bürgermeister-Aemter, Amtmänner u. s. w. Sendungen in Jmpfangelegenheiten, welche an

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

Und nun ist Blanka in Sicherheit, geborgen vor der Verfolgung. In Sicherheit? Getrennt durch eigene Wahl von allen Ihrigen, von allen, die ihr bisher Schutz boten und allein im Halb- dunkel mit einem Unbekannten ist das Sicher­heit? Und doch empfindet sie's als solche, nachdem er es ihr gesagt, er, der jetzt ihr einziger Hort auf Erden ist.

Ueber ein Stück grünen Ufers, auf welches tag­helles Mondlicht fiel, gingen sie zu seiner Hütte, die unter Baum und Buschwerk versteckt war.

Nun ruht hier aus, Gräfin Blanka, von Heim- burg,". sagte er und wies auf einen gefällten Stamm, der vor dem Häuslein lag.Ich wollte, daß ich Euch ein würdiges Obdach bieten könnte! Nehmt's freundlich an, was ich habe. Finden wird man Euch hier nicht, denn dies ist eine schier unbekannte Einsamkeit."

Blanka sank mit einem Seufzer der Erleichterung auf den Stamm, der als Bank diente. Heinrich setzte sich neben sie.

Wer seid Ihr, daß Ihr mich kennt, da ich mich doch nicht erinnere Euch gesehen zu haben," fragte die Gerettete nach kurzer Frist.

Er gab ihr offen Auskunft über alles, was ihn betraf, nannte ihr seinen Namen und erzählte, daß er als Abgesandter Goslar's auf dem Regen­

entkommen war nicht groß, ich würde aber lieber gestorben, als zu den Swichelde's zurück gekehrt sein und danke Eurem Beistande mein Leben!"

Sie schaute ihn bewegt an, und er versenkte sich in ihren Anblick. Das Mondlicht spielte mit selt­samen Lichtern in den bunten Edelsteinen ihres Stirnreifs, von dem der Schleier, durch Busch und Dorn zerrissen, nur in Fetzen über ihre dunklen Locken fiel. Ein weißes Gewand von starrer Seide mit glänzenden Spangen am Gürtel und Aermeln verziert, umschloß die schlanke Gestalt, ein goldgesticktes Untergewand frei lassend. Jetzt, wo Llanka's Antlitz nicht schmerzentstellt, sondern getrost zu ihm aufblickte, gewahrte er, daß sie von seltenem Liebreiz sei. Er meinte, solche sanfte und anmuthige Züge nie gesehen zu haben.

Während sie so beisammen saßen, Jedes mit dem Gefühle stillen Glückes, er, weil er ihr beistehen durfte, sie, weil sie sich endlich geborgen fand, hörten sie im Walde Rüdengekläff, glaubten Zu­rufe zu unterscheiden und erkannten an den gellen­den Tönen der Hifthörner, die aus der Ferne sich antworteten, daß die Harzburger auf der Suche nach der entflohenen Braut, Berg und Thal, Bruch und Wald abstreiften.

Sie sind es wirklich!" sagte Heinrich, der auf­gestanden war,aber seid unbesorgt, Gräfin, hier­her kommen sie nicht; dieser Weiher ist von einem moorigen Grunde umgeben, der keines Menschen Gewicht trägt. Ganz zufällig fand ich die einzige Stelle, aus der man bis an's Wasser vordringen kann,"

stein gewesen, sie in ihrem Jammer durch t>le Schießscharte des Thurms gesehen und später ihr im Gemach des Grasen beigestanden habe.

Daß ich dem Grafen auf seiner eigenen Burg in den Arm fiel, war vermessen," fuhr er treuherzig fort.Sollte ich es aber feige geschehen lassen, daß er Euch mit dem schweren Humpen nieder« schlug? Es ist begreiflich, Gräfin, daß Ihr mich jetzt nicht wiedererkennt. Durch die Schießscharte konntet Ihr mich nicht sehen, und als Ihr bebend vor Eurem trunkenen Schwager standet, habt Ihr nicht aufgeblickt. Als ich Euch aber zu Hülfe sprang, da flöhet Ihr aus dem Zimmer."

Ah!" rief Blanka überrascht,so seid Ihr der kühne Bote, welcher an der steilen Nordwand hinunter gestiegen ist? Alle Mannen der Burg konnten nicht aufhören, dies Wagniß zu preisen."

Es ist mir mit Gottes und seiner Engelein Beistand gelungen," erwiderte Heinrich schlicht, und nun weiß ich auch, weshalb der Herr mir geholfen, gewißlich, damit ich lebe, um Euch heute zu retten! Aber nun sagt mir, ob Ihr schon Brand Swichelde's Weib oder wirklich noch die Jungfrau Blanka seid. Lasset mich das Letztere hoffen,: obwohl ich glaube, die Hochzeitsreigen von der; Harzburg gehört zu haben."

Ich bin dem verhaßten Ehebunde entronnen," erwiderte das Fräulein, indem die Erinnerung sie erschauern ließ.Geschmückt zum Feste, wie Ihr seht, bin ich unter Beihülfe eines mitleidigen Knappen durch geheime Gänge und Ausfallspfört- chen von der Harzburg entflohen. Die Hoffnung zu