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trsstldtl Kreislililtt.

Wit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirLes Anterhaktungsölatt".

Nr. 6.

Donnerstag den 13. Januar

1887.

Bestellungen

auf dasHersfelder Kreisblatt" pro erstes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. Januar 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten hierdurch die Weisung, bis spätestens zum 30. d. Mis. diejenigen Kinder, welche in der betref­fenden Gemeinde resp. Gutsbezirk nicht ge­boren, aber in dieselbe mit den Eltern oder sonst wie ungeimpft überzogen sind, in Gemäsheit der Bestimmung im §. 8 des Reglements vom 4. März 1875 (Nr. 15 des Amtsblattes de 1875) mittelst besonderer Verzeichnisse nach den durch Beschluß des LundesrathS vom 5. September 1878 vorgeschriebenen, im Amtsblatt pro 1878 S. 315 und 316 abgedruckten Formularen V. und event. VI. zu meiner Kenntniß zu bringen.

Gleichzeitig erhalten die Herren Standesbe­amten des Kreises hiermit die Weisung, unter Benutzung des ihnen in den nächsten Tagen zu­gehenden Formularpapiers die nach dem Reichs­gesetz vom 8. April 1874 über die Ausführung der öffentlichen Schutzpockenimpfung vorgefchrie- benen Jmpflisten durch Eintragung der im Jahre 1886 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder vorzurichten, und mir bis zum 28. d. M t s. einzureichen. Die Jmpflisten find in der Weise aufzustellen, daß die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen untereinander stehen.

Den Herren Localschulinspectoren wird eben­falls dasnöthige Formularpapier zu den für

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Hannhofseröe.

Erzählung von A. von der Elbe.

(Fortsetzung.)

Liebe Hanne," sagte Heinrich und setzte sich zu ihr,Mutter zankt mit Dir, weil Du ihr nicht sorgfältig genug mehr arbeiten kannst. Niemand ist im Hause, den Dienst in der Webekammer zu übernehmen. Latz mich Dir aus der Noth helsen. Ich traf eine Jungmagd, die sich als Weberin ver­dingen möchte, bringe Du sie in's Haus. Kommst Du selber mit der Fremden, wird sie meiner Mutter am besten anstehen.

Nach und nach gewann er Hanne für seinen Plan, und sie ging heimlich mit ihm aus dem Gehöst, Blanka einzuholen.

Heinrich trennte sich von den beiden Frauen und sah mit klopfendem Herzen aus der Ferne, wie seine Mutter auf dem Hofe mit Blanka sprach. Endlich gingen sie alle drei in's Haus, er kehrte sogleich in's Gehöft zurück, schlich sich aber auf die Rückseite des Gebäudes und stand jetzt nahe der offenen Thür zum Webekämmerlein.

Mach' die Probe," hörte er seiner Mutter barsche Stimme sagen. Gleich darauf wurde der Webestuhl mit kräftigen und gleichmäßigen Schlägen in Bewegung gesetzt. Blanka arbeitete in seinem Hause.

Wie vonOhngesähr trat er bald darauf zu den drei Frauen in die Kammer.Ihr habt da eine neue Magd am Stuhl, Mutter?" warf er hin.

Impfung und Revaccination getrennt zu halten­den Listen:

1) über diejenigen Zöglinge der ihnen unter­stellten Lehranstalten oder Privatschulen, welche im laufenden Jahre das zwölfte Lebensjahr zurücklegen werden und

2) über die Schüler, für welche der Nachweis der Impfung nicht erbracht ist, mitgetheilt werden, deren Rücksendung ich bis spätestens zum 6. Februar *r. erwarten muß.

Die Ausfüllung der Spalte 1 (laufende Nr.) sämmtlicher Listen kann unterbleiben.

302. Der Königliche Landrath _________________Freiherr von Schleinitz.

Berichtigung.

In dem Ausschreiben des Königlichen Landraths­amtes vom 21. December v. I. Nr. 13430, Kreis­blatt Nr. 153, die Schairäude betreffend, ist statt Landershausen"Lautenhausen" zu lesen.

4? Fürst Bismarck im Reichstage.

In dem entscheidunasvollcn Augenblick, wo der Reichstag über die Verstärkung der Wehrkraft beschließen soll, ist der Reichskanzler von seinem Landsitz nach der Hauptstadt geeilt, um der Volksvertretung, die ganze Bedeutung der zur Verhandlung stehenden Frage vor die Seele zu führen und das Gewicht seines politischen An­sehens in die Wage zu legen. Das Verständniß und das Interesse für die wichtige Frage bekun­dete sich am Dienstag, wo die zweite Berathung im Reichstage begann, durch zahlreiches Erschei­nen der Mitglieder, wie durch überfüllte Zuhörer- tribünen, und Hunderte von Menschen, welche vergeblich Zutritt verlangten, umlagerten das Reichstagsgebäude. Prinz Wilhelm erschien in der Hofloge, um Zeuge der Vorgänge zu sein, welche in Erwartung standen. junoem ]eiv|i in Europa uiy immer unenannien

Die Verhandlung begann mit einer kurzen be-' militärischen Autoritäten. Ueber dieses Urtheil

Es scheint, daß ich sie brauchen kann," sagte die Hausfrau und prüfte die letzten Reihen der Leinewand.Sieh, Blanka Schwan, da ist der, dessen Brauthemde Du mir sein und säuberlich weben sollst; sei fleißig, dann will ich Dich be­halten; wir haben's eilig, denn in wenig' Wochen kommt sein junges Weib in's Haus."

Blanka sah zu ihm auf, war das Schreck, war's ein Borwurf, was er in ihren dunklen Augen las?

IX.

Gestern habe ich Grete von Alfeld versprochen, an ihrem Namenstage mein neues Schwankrägelein zu tragen und immer bringt Heinrich die Bälge noch nicht I" schmollte Gesa, welche unten in der großen Wohnstube imBrusttuch" an ihrem Spinnrade saß und mit Rainold Tannen plauderte.

Das Zusammensein mit Frau Märte oben in der Erkerstube war ihr aus manchem Grunde ver­leidet; einmal empfing die Wittfrau jetzt zum Oesteren Besuch von einem Landsmanne aus Braunschweig, einem dreisten Gesellen, der hier mit dem Rathe wegen des Zuges nach der Harz­burg und dem Beistande der Herzoglichen ver­handelte; alsdann redete Märte immerfort von dem schmucken, dem wohlhäbigen Tannenhof, dem lieben Heinrich, und das langweilte Gesa, endlich aber traf sie hier unten den luftigen Rainold, der allerlei Neues wußte und immer dem Schwesterlein zu jeglichem Dienste bereit stand; kein Wunder, daß es ihr hier in der geräumigen Wohnstube mit dem hübschen dunklen Getäsel, dem erhöhten

deutungsvollen Rede des greisen Feldmarschalls Grafen M o l t k e, welcher Gewicht darauf legte, daß Deutschland stark sein müsse, um seine Rolle als Vermittler des Friedens durchzuführen:wird die Vorlage abgelehnt, dann haben wir nach mei­ner Ueberzeugung ganz sicher den Krieg." Das Heer so legte Graf Moltke dar ist das vornehmste Institut, welches alle bürgerliche und politische Freiheit, unsere Unabhängigkeit schützt, mit dem Heere steht und fällt dieselbe. Deshalb darf es auch auf kein Provisorium gestellt wer­den, seine Tüchtigkeit beruht auf seiner dauernden und unerschütterlichen Grundlage. Die Augen Europas sind so mahnte der Feldmarschall auf den Reichstag gerichtet, und deshalb verlange er von dem Patriotismus desselben die unverän­derte Annahme der Vorlage.

Die Vertretung der Freisinnigen übernahm darauf deren nomineller Führer, Freiherr von Stauffenberg, welcher zeigte, daß er sich bei Behandlung der Militärfrage auf große politische Gesichtspunkte zu stützen nicht im Stande war: er beschäftigte sich mit militärisch-technischen De­tails, wie es die Freisinnigen auch in der Com­mission gethan haben.

Nach ihm ergriff Fürst Bismarck das Wort zu einer Rede, welche dem ganzen Lande volle Klarheit über 'die Tragweite der Beschlüsse Der» chafft, welche der Reichstag zu fassen im Begriff teht. Der Kanzler, der mit Ruhe und mit fräs» iger Stimme sprach, stellte zum Eingang seiner Rede als das Motiv der Vorlage die Ueberzeug­ung der verbündeten Regierungen hin, daß die gegenwärtige Wehrkraft nicht diejenige Bürgschaft für die Sicherheit unserer Grenzen bietet, auf welche die Nation ein Recht hat. Diese ihre Ue­berzeugung gründet sich so führte er aus auf das Urtheil aller nicht nur in Deutschland, sondern selbst in Europa als solcher anerkannten

Fenstertritt und dem Ausguck auf den Bürgerstieg besser gefiel.

Wird denn Grete von Alfelds Namenstag groß gefeiert?" fragte Rainold, der sich dicht neben Gesa aus's Geländer stützte, welches die Erhöhung in der breiten Fensternische einfaßte,da doch dieser Tage der Kriegszug gegen die argen Swicheldes los geht, glaube ich nicht, daß man bei einem von der Stadt Räthen zu Lustbarkeiten Muth hat."

Grete meint es, und ich muß den Schwan dazu haben," murrte Gesa,sie necken mich alle, daß mein Hochzeiter mir noch keinerlei Angebinde ge­

geben."

Rainold sann einen Augenblick nach; er hatte in der letzten Zeit gute Geschäfte gemacht, allerlei von dem was der Tannenhof geliefert, besser ver­

werthet als der Vater gedacht, der ihm dann den Nutzen zugewiesen; so fühlte er, bet einem Griff an den Gurt, sein Täschchen schwer herab hängen.

Hör', lieb' Gesalein," hub er an,es ist nicht mehr als recht und billig, daß Dir auch des Freiers Bruder zu Deinem Festtage etwas Schönes verehrt. Sag' willst Du ein feines Schmuckstück von mir annehmen? Wünsche nur was Du haben möchtest, Kettlein, Ring, Schnallen, was soll es sein?"

Gesa erröthete vor Freude bei diesem Anerbieten. Ich liebe bunte Steine," antwortete sie,und so Du mir eine Verehrung darbringen willst, werde ich sie nicht abweisen; wähle selber nach Deinem Sinn, guter Rainold." Sie lächelte ihn dabei so freundlich an, daß dem jungen Burschen das Herz