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Htrsfeldtl Kreisbllltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterfiaktungsblatt".
Nr. 9. Donnerstag den 20. Jannar 1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Nachdem durch Kaiserliche Verordnung Dom 14. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 21. Februar d.Js.vorzu- nehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetz- Blatt Seite 275) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerlisten zu beginnen hat,
auf den 24. Januar d. Js. hierdurch fest.
Berlin, den 16. Januar 1887.
Der Minister des Innern. gez. von Put t k a in e r.
Cassel, den 12. Januar 1887.
Der nach Unterschlagung von Kassengeldern flüchtig gewordene Postsecretär Helling aus Tarnowitz hat sich am 10. Vormittags in Königshütte (Oberschl.) erschossen. ---
Der Kaiserliche Ober-Postdirector zur Linde.
An das Kgl. Landrathsamt in Hersfeld. Nr. 748.
* *
Hersfeld, "den 17. Januar 1887.
Wird den Ortspolizeiverwaltern und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 12. d. Mts. Nr. 331 (Kreisblatt Nr. 7) zur Kenntnißnahme mitgetheilt. 489. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
# Die nationalen Interessen nnd die Partei Windthorst.
Wie der Anfang, so das Ende: Ullramontane, Welsen, Freisinnige, Polen und Socialdemokraten
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Der Hannhofseröe.
Erzählung von A. von der Elbe.
(Fortsetzung.)
Blanka fuhr von der Luke zurück, sah aber gleich darauf ein, daß sie in ihrem Kämmerlem, bet dem dämmerigen Lichte nicht bemerkt werden konnte.
Nun begann sie das Treiben des bekannten Gesellen zu beobachten. Er versuchte die Tiefe des Grabens mit einer Stange auszumessen, als diese nicht reichte, nahm er eine Leine mit Stein daran und lothete damit. Dies alles geschah nicht ihretwegen.
Da die Tannen mit Goslar zusammen hielten, wollte ihr Schwager vielleicht die neue Fehde, von der man so viel redete, mit einem Ueberfall des Hofes beginnen? Nach seinem Sturz vom Geländergange herab, hatte der Graf gehinkt und auf den frechen Bauern gescholten. Von daher trug er gewiß noch einen Groll wieder Heinrich.
Blanka hatte durch einen Spalt in ihrer Kammerthür Gerhard Tannen an den Herdplatz zurück kommen sehen und gehört, daß er nach der Harz- burg gewesen sei und vom Beginn der Belagerung erzählte.
Sie besann sich nicht lange, eilte hinaus, theilte dem Hausherrn ihre Wahrnehmungen mit und beschwor ihn, Vorsichtsmaßregeln zu treffen.
Nur einen Blick warf Gerhard Tannen durch die Luke in der Webekammer, dann rief er zwei Knechte, pfiff den Hunden und sandte die beiden
haben den nunmehr aufgelösten Reichstag von Beginn an beherrscht und ihm ihren Stempel aufgedrückt, und diese Brüderschaft hat bis an sein Ende angehalten. Bei den Wahlen im Jahre 1884, wo die Freisinnigen, tre sich kurz vorher aus den Fort- schrittlern undSecesswuisten zu einer Partei vereinigt hatten, große Eroberungen zu machen gedachten, retteten sie aus ihrem Schiffbruch von 106 Sitzen nur 66 und zwar größtentheils nur mit Hülfe des Centrums, ohne welches sie zur völligen Bedeutungslosigkeit herabgedrückt worden wären. Dadurch geriethen sie in ein Abhängigkeits- verhällniß zu den Ultramontanen und deren Welsen- führer, welches sie zwang, in allen rein politischen Fragen nach der Pfeife des letzteren zu tanzen. Der Tanz begann mit der Verweigerung der Gelder für einen neuen Director im Auswärtigen Amt am 15. Decbr. 1884. Welchen Entrüstungssturm dieses Verhalten zur Folge hatte, ist noch in aller Gedächtniß. Er hatte ferner die Folge, daß die Opposition gegen die Colonialpolitik und die Dampsersub- öentienäDMlaae etwas fc^ro ü»tr- m urbe^iuyuiyUU^- Centrum und Freisinn aus ihrer Abneigung gegen diese nationale Politik bis auf den heutigen Tag kein Hehl gemacht haben. Einen neuen Sturm auf die Colonialpolitik leitete das Centrum Ende November 1885 ein, indem es behauptete, dieselbe verletze die Rechte der Katholiken bei der Gründung von Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Wenige Tage darauf wurde von Freisinnigen, Ultramontanen, Socialdemokraten, Wellen und Polen ein Vorstoß in der polnischen Frage gemacht, der zwar durch eine Allerhöchste Botschaft, welche gegen Eingriffe in die Hoheitsrechte der preußischen Krone Verwahrung einlegte, parirt, im Januar 1886 aber wieder ausgenommen wurde und zu einer förmlichen Demonstration gegen die im nationalen Interesse verfolgte Politik der preußischen Regierung und zu einer Parteinahme für die ausländischen Polen führte. Dieselben Elemente wußten es da
Leute — nachdem er über die Brücke den Hof verlassen — links herum, während er selbst mit Udo rechts herum den Grabenrand abschritt.
Es dauerte nicht lange, so schleppten die vier Männer Snut Lösenberg gefangen auf den Hof. Das Geschrei des Kundschafters bewies, daß ihm die nöthigen Geständnisse nicht in sanfter Weise entlockt wurden. Man legte den Gefangenen gebunden in einen Koben und Gerhard Tannen kam mit seinem Jüngsten wieder an den Herdplatz zurück.
„Wie steht's, Mann?" rief ihm Frau Sibylla entgegen.
«Wie Deine kluge Magd gedacht hat," erwiderte er. „Der Regensteiner will uns morgen in der Frühe Überfällen. Wir sollen bet Wege lang daran glauben. Er rückl mit zwanzig geharnischten Reitern und doppelt so vielen Leuten vom Trotz dem Swichelde zu Hülfe; unseretwegen macht er den Umweg südlich um den Brocken herum, statt geradeswegcs über Wernigerode und Abtei Jlsen- burg zu ziehen. Nun wir's wissen, wollen wir den gräflichen Herrn nach Gebühr empfangen!"
.Habe ich doch immer gesagt, daß Euer Werben gegen die Swicheldes uns Unheil brächte!" rief die Hausfrau.
„Sei guten Muthes, Weib," tröstete er, „da wir gewarnt sind und uns bereit halten, soll uns der Regensteiner nicht leichthin zum Frühmahl verspeisen."
Zunächst gebot er nun Udo sich aufzumachen, so lange zu gehen, wie er Licht habe, bei starker
hin zu bringen, daß die Steuerreform in demselben Jahre nicht einen Schritt vorwärts kam, und daß hiermit das nationale Interesse arg geschädigt wurde. Und zu guterletzt haben sich die Parteien auch wieder in der Militärsrage zusammengefunden: nicht nur, daß sie sich mit Händen und Füßen gegen die Verstärkung der Wehrkraft sträubten, sie haben sogar diese im nationalen Interesse un- abweisliche Forderung zu einem Handelsobjekt für die Erlangung größerer parlamentarischer Macht zu machen gewußt, die, wenn sie ihnen gewährt würde, das Reich aus den Fugen bringen müßte.
Aerger können die nationalen Interessen wahrlich nicht geschädigt werden, als es von dieser bunten Majorität während der letzten zwei Jahre geschah. Daß das deutsche Volk durch diese Majorität seine Interessen gewahrt sah, daß der Geist derselben dem deutschen Volksgeist auch nur ähnlich sah, daS zu behaupten würde uns als eine Versündigung an demselben erscheinen. Der Geist, von dem diese Majorität i»h»»»ich^u>«*, Kar L^ NUsr «. v^fäy^u ©»,«»»»• schast gegen die Reichsinstitutionen, welchen der Welfenführer zum Kampfe gegen das Reich in seine Dienste zu nehmen verstand: katholische Interessen sind es wahrlich nicht, von denen er sich leiten läßt, diese liegen in den Händen des Papstes und der Bischöfe, und bei der bekannten Stellung des Papstes und der Bischöfe zu der preußischen Regierung kann es Herrn Windthorst nicht zweifelhaft sein, daß die Leitung der Kirche in einem durchaus friedlichen Verhältniß zum Staate steht, Die Gefahren, welche dem Reiche von jener anti- nationalen Majorität, welche man kurz als die .Partei Windthorst" bezeichnen kann, drohen, sind erkannt; Sache des Volks ist es, einen festen Wall dagegen aufzurichten durch die Wahl wahr- hast national gesinnter Männer l
Finsterniß zu rasten, im ersten Tagesgrauen weiter zu wandern und von der Mannschaft, die vor der Harzburg liege, Zuzug und Entsatz herbei zu schaffen.
„Wäre nur Heinrich hier, aber wo mag der wieder umher schweifen?" meinte er dann. Rainald und Peter sind uns zu fern, sie wissen auch nicht viel vom Waffenwerk. Gerd lasse ich auS der Schmiede mit seinen Leuten herbei holen, daS sind alles starke Gesellen. Etliche Holzfäller und die Köhler sind bald zur Hand, so können wir'S auch auf fünfzehn bis zwanzig Mann zur Vertheidigung unseres Platzes bringen."
.Sind Armbrüste für alle da?" fragte Sibylla, „Bolzen habt Ihr ja im Winter viele gemacht."
„Ich denke, die Waffen werden ausreichen; die Hauptsache ist, daß wir uns nicht zu lange halten müssen. Sobald der Zuzug von der Harzburg kommt, sind wir gerettet."
Man begann nun mit aller Umsicht Vertheidigungsmaßregeln zu treffen. Zuerst thürmte man ein Bollwerk von Stämmen im Hofe vor der Brücke aus, um diese besser zu schützen. Der Schlehdornzaun auf dem kleinen Erdwalle, der fast ManneShöhe erreichte, wurde dichter gemacht und in denselben Löcher geschnitten, durch welche man hinaus sehen und schießen konnte. Vom Felde fuhr mau Steine herein, die, auf eine weiche Leberschleuder gelegt, keine üble VertheidigungSwaffe ab» gaben. Im Hause wurden Thüren und Fenster verwahrt, datz, salls der Feind doch in den Hof gelange, drinnen noch eine Zuflucht sei. Mtb diesen