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Herchlilkl Kreisfillitt.
Mit wöchentlicher Hraüs-Neitage „Illustrirtes Ilnterhallungsökatt".
Nr. 19. Sonnabend den 12. Februar 1887.
Amtliches.
Hersfeld, den 9. Februar 1887.
Die Königlichen Kreisphysiker sind von dem Herrn Regierungs-Präsidenten veranlaßt worden, vorkommenden Falles über die Ursachen 2c. des epidemischen Genickkrampfs Ermittelungen anzu- stellen und entsprechenden Bericht zu erstatten.
Um dieselben hierzu in den Stand zu setzen, ist von dem Herrn Regierungs-Präsidenten auf Grund der Vorschrift im § 3 der Polizei-Verordnung vom 30. November 1877 (Amtsblatt S. 374) angeordnet worden, daß die Aerzte des Regierungsbezirks vom 15. Februar d. J. an jeden in ihrer Praxis vorgekommenen Erkrankungsfall an epidemischer Genickstarre (Meningitis cerebro spinalis epidemica) nach Maßgabe der Bestimmung im § 1 der angeführten Polizei- Verordnung der betreffenden Ortspolizeibehörde anzuzeigen haben.
Die Ortspolizeibehörden des hiesigen Kreises weise ich daher hierdurch an, von einem jeden Falle, wo die Anzeige von dem die erkrankte Person behandelnden Arzte gemacht wird, dem Herrn Kreisphysikus dahier ungesäumt Mittheilung zu machen. — Sollten in einem Orte innerhalb einer Woche mehrere Erkrankungen an Genickstarre vorkommen, so haben die Ortspolizeibehörden über Ab- und Zugang der Erkrankten sich, wie dies schon bereits mittelst diesseitiger Verfügung vom 18. März 1880 Nr. 1786 im Kreisblatt Nr. 23 bezüglich des Unterleibstyphus bezws. Flecktyphus angeordnet ist, ein Journal zu führen und Auszüge daraus in angemessenen Zwischenräumen dahier einzureichen.
1249. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 8. Februar 1887.
Der Ackermann Johannes Wenzel zu Mal-
(Nachdruck verboten.)
Mauerröschen.
Erzählung von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
„Sie beherbergen einen rohen Burschen in ihrem Hause, Frau Ranin; er hat ihre Tochter beleidigt und geschlagen!" antwortete Justus, ohne seine finsteren Blicke von Veit abzuwenden.
»Glaubt dem städt'schen Ausschneider nicht, Mutter Hanna, er selbst sollte meine Faust fühlen — aber die Röse, die wollt's ja nicht besser!" schrie Veit und lachte höhnisch hinterdrein: „Haha, die Röse — und so ein Stäbt'scher — morgen pfeisens bei uns im Dorf alle Spatzen vom Dach!'
»Veit, Junker, haltet jetzt mal Euer großes Maul und geht!" sagte Hanna den Streit schlichtend. »Ihr könnt, wenn's Euch gefällt, ein anderes Mal wiederkommen — aber jetzt geht! erlährts mein Alter, dann begehrt der auch noch aus und macht die Bösewichter hier im Hause rebellisch."
„Hahaha! Ob ich wiederkomme! So ein Herrchen werde ich wohl noch über den Hausen rennen! Aber Dir, Röse, gedenke ich's noch!" Polternd schlug die Thür hinter ihm zu.
»O dieser böse, gottlose Veit!" schluchzte Rose, und Justus sagte zu Hanna: »Leidet denn ihr Mann diesen brutalen Gesellen hier? was will er? ist er verwandt mit Ihnen, Frau Ranin?"
»Verwandt gerade nicht — er hat ein Auge aus die Röse..." Röse und JustuS fuhren beide |p$, Hanna sprach weiter, .und die Röse, das
komes ist heute als Bürgermeister für die dasige Gemeinde verpflichtet worden.
1400. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
# Für oder gegen das Reich.
Sechzehn Jahre sind es her, daß das Deutsche Reich unter heißen Kämpfen auf den blutgetränkten Schlachtfeldern Frankreichs gezimmert wurde und als der schönste Kampfpreis, festgefügt und mit dem Glänze der Kaiserkrone geschmückt, die in dem Kriege bewährte Einheit der deutschen Stämme krönte. Damals lebte in aller Bewußtsein die hohe Bedeutung dessen, was das deutsche Volk errungen. Der Einheitstraum, der Jahrhunderte lang das Volk in allem seinem Denken, Dichten und Trachten beherrscht hatte, war endlich in Erfüllung gegangen: das deutsche Kaiserreich war von neuem erstanden, durch die Einigkeit seiner Glieder mit weit größerer Machtfülle als je zuvor; und dieser Einheitstraum war zur Wirklichkeit geworden durch Kaiser Wilhelm und seine Rathgeber und Heerführer, durch die Thaten der Armee.
Das Reich ist unter der weisen Regierung unseres Kaisers während der sechszehn Jahre seines Bestehens gediehen und hat sich lebensfähig erwiesen. Durch seine Friedenspolitik hat es nicht nur das deutsche Volk, sondern Europa vor kriegerischen Stürmen zu bewahren gewußt, es ist ein Bollwerk des Friedens geworden, an welches sich alle Friedenselemente Europas vertrauensvoll anlehnen. Im Innern ist es durch den deutschen Sinn seiner Fürsten fester zusammengewachsen, das Vertrauen auf den Frieden hat die Arbeit gesegnet, den Handel belebt, die Wohlfahrt vermehrt. Auch die inneren politischen Kämpfe vermochten nicht, die gedeihliche Entwicklung ernstlich zu gefährden: der nationale Sinn
müssen Sie wissen, ziert und spreizte sich von jeher. Darum auch immer dieser Skandal."
Schritt um Schritt schlich Rose näher an Justus Seite; sie fühlte eine gewisse Sicherheit in seiner Nähe, und blickte ihn an, als wollte sie damit sagen: »Schütze mich!"
»Sie nehmen den Veit also eigentlich noch in Schutz?" fragte Justus gedehnt.
»Na — ach — so treiben'S ja alle Reichen in der Welt!' wendete Hanna geringschätzend ein.
»Eine recht eigenthümliche Denkungsart über die Reichen in der Welt" entgegneteJustus schneidig. »Des Schulzen Sohn und sein Geldsack schließen wohl für Sie die Welt in sich?"
»Nun, Herr, wie es hier ist, so ist's eben überall. Wer Geld hat, hat auch die Macht, und es bleibt dumm, sich dagegen aufzulehnen. Die Röse ist ein gar hochmüthig Ding — sie hat's von ihrer Mutter selig — eine arme Dirne aber muß dienen, nicht herrschen."
»Sie sind auf sehr verkehrtem Wege, trotz ihrer Weisheit liebe Frau. Vor dem schlechten und bösen und dem Geldsack hat niemand nöthig sich zu beugen — am allerwenigsten ein ehrenhaftes, armes Mädchen, wenn es von der Rohheit belästigt wird."
„Ei was! Auf so ein bischen Ehre mehr oder weniger kommt's den Pfifferling an! Ist's denn schlimm, wenn der Veit das zimperliche Ding 'mal um die Taille faßt und küßt? Daran ist noch keine gestorben! Aber der Röse bringt niemand nicht Vernunft bet."
der Volksvertretung hat in ernsteren Stunden stets den starken Arm der Regierung zu unterstützen gewußt, wenn es galt, die Gefahren zu überwinden, welche der Parteigeist oder auch die Gegner unserer nationalen, staatlichen und gesellschaftlichen Entwicklung dem Reiche zu bereiten drohten.
Erst jetzt ist das Reich auf eine ernste Probe gestellt: jene Gegner haben sich verbunden zu einem Vorstoß, welcher — wenn ihm nicht vorge- beugt wird — von den schwersten Folgen begleitet sein muß. Das Heer, dessen Thaten das Reich schufen und dessen Ansehen die Aufrechterhaltung des Friedens ermöglichen half, ist zur Zielscheibe ihrer Angriffe geworden in einem Augenblicke, wo drohende und für alle Welt sichtbare Wolken an dem europäischen Völkerhimmel stehen: man verweigert das, was von unserem Kaiser und seinen Rathgebern für die Verstärkung der Wehrkraft als unerläßlich erklärt worden ist, und benutzt die äußere ernste Lage, um eine Mackterweiterung für die ehrgeizigen Führer der Parlamentsmajoritäten zu erstreiten.
Kann das der Wille des Volkes sein? Soll das der Dank des Volkes für unseren greisen Kaiser sein, dem es die Größe und Herrlichkeit des Reichs und die Aufrechterhaltung des Friedens verdankt? Liegt dem Volke die Machtvollkommenheit der Herren Richter, Windthorst und Grillenberger so sehr am Herzen, daß es lieber den Krieg nach außen und Hader im Innern dafür in den Kauf nimmt? Ist ihm das Reich so wenig werth, daß es ihm gleichgiltig ist, ob es aus den Fugen geht, wenn nur jene parlamentarischen Größen triumphiren können?
Das Volk ist berufen, auf diese Fragen beiden Wahlen Antwort zu geben; es soll zeigen, ob sein nationaler Sinn noch kräftig genug ist, um den drohenden Gefahren vorzubeugen. Das deutsche Volk muß sich dessen bewußt sein, welche
Unruhig durchschritt Justus das niedrige, enge Zimmer. »Und das nennen Sie Vernunft?" fragte er, wieder stehen bleibend.
„Gewiß!" entgegnete Frau Hanna, ihre Arme in die Seite stemmend. »Das sagt einem ja der gesunde Menschenverstand. Wenn die Röse sich'S gefallen ließ, gäb's keinen Krieg. Die Reichen nehmen sich überall Vorrechte 'raus — Sie thuns ja auch . . ."
„Halt, nicht weiter!" donnerte Justus plötzlich dazwischen, »ich nehme mir weder Vorrechte, noch bin ich ein Reicher! Ihrer Tochter kam ich bislang weder mit Blick noch Wort zu nah — ich malte sie, weil ihre Schönheit meinen Kunstsinn begeistert und meine Kunst wiederum gewährt mir meinen Lebensunterhalt."
Ein widerwärtiges, breites Lachen tönte durch das Zimmer und mit diesem Lachen zusammen schrie Hanna: »Mit Euren Dingen und faulen Redensarten läßt sich noch kein Hund sättigen, geht Mosje. . ."
Der flehende Blick Roses dämpfte Justus Erregtheit. Aber doch sagte er finster: »Sie haben eine böse Zunge Frau — ich werde gehen —* Damit ging er. Rose folgte und lief draußen mit ihrem Vater zusammen, dem sie, bitterlich weinend, die ganze Geschichte erzählte.
„Greine nicht! Und Sie brauchen doch gar nicht so empfindlich zu sein — die Hanna ist ein sata- nisches Weib!" beschwichtigte der Gefangenwärter, „Aber deshalb können Sie doch die Röse fertig malen ^ 's wär doch ein Jammer um das ange«