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Hersfklder Kttisdlett.
Mit wöchentlicher Hratis-AeLtage „Illustrirtes Nnterhaktungsbkatt".
Nr. 25^ Sonnabend den 26. Februar 1887.
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Amtliches.
Hersfeld, den 25. Februar 1887.
Bei der am 21. d. Mts. stattgehabten Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage im 6. Wahl- chezirke des Regierungsbezirks Casfel sind, wie die vorschriftsmäßige Prüfung der Wahlverhandlungen am heutigen Tage ergeben hat, im Ganzen
Die absolute Mehrheit beträgt demnach 5493 Stimmen. Es haben Stimmen erhalten:
Herr Oelonom Ferdinand Seyfarth in Friedrichshütte ...... 7994,
Herr Staatsminister a. D Dr. Ludwig
Windthorst zu Hannover . . 2851,
Zersplittert sind . . ~ . . 139
Herr Oekonom Ferdinand Seyfarth in Friedrichshülle erhielt die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen und ist als Abgeordneter zum Reichstage für den 6. Wahlbezirk des Regierungsbezirks Kassel proklamirt worden. 2237. Der Wahlkommissar:
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 24. Februar 1887.
Nachdem seitens des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 24. Juni
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Schulmeisters Murre.
Erzählung von I. Jsenbeck.
(Fortsetzung.)
Bis zu dem Tage, an dem die starre Hülle der Erde übergeben wurde, saß Heinrich an dem Sarge seiner Frau, theilnahmlos für Alles, was um ihn her vorging. Bilder auf Bilder stiegen vor ihm auf, aber sie waren alle grau in grau gemalt. Er durchlebte noch einmal seine sreud- und liebe» lose Kindheit, in der er Entbehrungen und Jammer früher kennen gelernt hatte, als frohe Spiele. Er sah sich wieder als den angehenden Seminaristen im fadenscheinigen Röckchen, das kaum seine Blöße deckte. Er gedachte all der Hungerjahre, durch die er sich gekämpst und gerungen, bis er endlich die ersehnte Anstellung an der Stadtschule gefunden. An die Freuden, die die letzte Zeit gebracht, konnte er nur mit Bitterkeit denken, sie waren ja für immer unwiederbringlich dahin. Die Augen, aus denen ihm ein Himmel, voll von Liebe, ent- gegengestrahlt, waren gebrochen; die Hände, die mit ihm den Kampf um das Dasein geführt, die ihm durch ihren Fleiß Behaglichkeit und Ordnung geschaffen, die Falten von der Stirn und die trüben Gedanken aus dem Hirn gescheucht hatten, sie waren kalt und erstarrt, ein elend Gebilde von Knochen, Sehnen und Fleisch, in dem der grause Verwesungsproceß schon begann.
Sein Kind schrie, nach Nahrung verlangend, stuf. Mit herbem Wort fuhr er die Luise an.
1885 III. 10324 entschieden worden ist, daß das Eigenthumsrecht an den in größeren Flüssen liegenden Kiesbänken lediglich dem Staate zu- steht, ist zufolge höherer Verfügung die Entnahme von Sand, Kies, Steinen ?c. an allen der Wafferbauverwaltung unterstellten größeren öffentlichen Gewässern (§. 7 der Kurhessischen Wasserbauordnung vom 31. Dezember 1824) fernerhin nur nach zuvor eingeholter Genehmigung der Wasserbauver- waltung (Kreisbauinspector) oder, wenn eine besondere nachzuweisende Berechtigung vorliegen sollte, statthaft.
Die nachgesuchte Erlaubniß zur Entnahme von Steinen, Sand oder Kies 2c. aus öffentlichen Gewässern wird außerdem nur unter besonderen Bedingungen ertheilt werden. Insbesondere ist die Zahlung einer Vergütung Seitens des Antrags- stellers bezw des Unternehmers an .den Staat von
5 Pfg. für jedes Kubikmeter entnommenen Kies 2c. bei Lieferungen an Private resp. .^LLMLMmg.zu Privatzwecken und
2 Pfg. desgleichen bei Lieferungen an Behörden ■ tlM*CP wlg^JftiniH! frwtnrf.mr't.1 pinor (Xgiltinn in der annähernden Höhe der zu leistenden GesammI- vergütung bestimmt worden. Von dieser Vergütung wird abgesehen, wenn es sich um eine Entnahme Seitens einer Behörde in eigener Regie, unter Ausschluß von Unternehmern, und namentlich Seitens einer Gemeinde lediglich zu Gemeindezwecken handelt.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben in Ihren resp. Gemeinden solches alsbald auf ortsübliche Weise mit dem Bemerken bekannt machen zu lassen, daß gegen Zuwiderhandelnde im Betretungsfalle auf Grund der Ziffer 6 des Straftarifs zur oben bezeichneten Wafferbauord- nung eingeschritten wird.
2109. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Die Ruhe der Todten solle nicht gestört werden, sagte er und versank dann wieder in fein dumpfes Träumen. Das Kind! Er fühlte, wie sich sein Herz zusammenkrampfte in dem Gedanken, daß das unschuldige Wesen mit dem Leben der Mutter das eigene erkauft habe. An Gottes Vaterliebe, dessen gnädige Führung er so oft gerühmt hatte, konnte er nicht mehr glauben. Ihm schien sein Leid zu groß. Er haderte mit seinem Schöpfer.
Jahre waren seit dem Begräbniß vergangen. Das kleine Mariechen war ein kräftiges, starkes Kind geworden, dem man es nicht ansah, daß ihm Mutter- und Vaterliebe auf seinem kurzen Lebenswege gefehlt habe. Ja, auch die Vaterliebe! Heinrich Müller konnte sein Töchterchen nicht sehen; vor den blauen Augen, in denen er am ersten Lebenslage ein Stückchen vom Gotteshimmel gefunden, graute ihm — es waren die Augen seiner verstorbenen Frau.
Die alte Luise haßte fast ihren Herren, weil er sein Kind nicht liebte. .Nur des armen, süßen Wurmes wegen bleibe ich bei ihm!" sagte sie und weinte dann wieder ihre bittersten Thränen, weil der seelensgute Wittwer sein Leid über den Tod seiner Frau nicht verwinden könne. .Die Selige hat in ihrem Grabe auch keine Ruhe, so lange der Herr so unsinnig trauert und oft genug Tage lang weder ißt noch trinkt,* erzählte sie den aufhorchenden Nachbarinnen. „Ich lasse es mir nicht ausreden, daß die todte Mutter noch jetzt jede Nacht kommt und das Mariechen herzt und küßt,
Wiesbaden, den 15. Februar 1887.
In jüngster Zeit haben sich in Steinbrüchen, Lehm- und Sandgruben 2c. mehrfach schwere Unfälle ereignet, welche mehr oder weniger durch Untergraben der Grubenwände 2C. und das hierdurch veranlaßte Herabstürzen von Erdreich herbet- geführt worden sind.
Ew. Hochwohlgeboren will ich daher ergebenst ersuchen, die Ortspolizeibehörden mit Bezug auf die Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 27. August 1868 A.-B. S. 519 anweisen zu wollen, von Zeit zu Zeit sich über die Befolgung der gegebenen Vorschriften Gewißheit zu verschaffen.
Der Königliche Gewerberath. Kind.
An den Königlichen Landrath, Herrn von Schleinitz, Hochwohlgeborenzu Hersfeld.
* * *
Hersfeld, den 22. Februar 1887,
Vorstehend abgedrucktes Schreiben bringe ich hierdurch zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände des Kreises mit der Weisung, die in Ihren resp. Verwaltungsbezirken liegenden Steinbrüche, Lehm- und Sandgruben 2c. von Zeit zu Zeit einer Be- sichtigung zu unterziehen und bei dröhLNder-Ge« W Maßregeln zu Treffs, auch Uebertretungen der bestehenden Vorschriften und getroffenen besonderen Anordnungen zur Be- straiung zu bringen.
2092. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Aus dem Landtage.
Berlin, 23. Februar. Das Abgeordnetenbaus erledigte heute einen erheblichen Theil des Etats des Kullusminift«. riums und zwar vor ziemlich schwach besetzten Bänken. Eingeleitet wurde die Berathung mit der Erklärung des Abg. Dr. Windthorst, daß seine politischen Freunde (Cen- trum) mit Rücksicht aus die dem Herrenhaus« zugegangene kirchenpolitische Vorlage zur Zeit von jeder prinzipiellen I Erörterung Abstand nähmen, daß sie sich aber vorbehiel- l ten, einzelne Wünsche, weniger prinzipieller Natur, bei den
damit es die Liebe des Vaters nicht zu sehr ent- behrt. Würde das Kind sonst wohl so gut gedeihen, das Niemanden auf Gottes weiter Welt hat, als mich alte, dumme Person?*
Heinrich wurde von Tag zu Tag verschlossener und trübsinniger. Die Pflichten seines Amtes erfüllte er nach wie vor auf das Gewissenhafteste, aber es fehlte ihm die Freudigkeit, die ihm seinen Beruf sonst lieb und werth gemacht hatte. Für seine Schüler hatte er kein freundliches Wort mehr, jede Nachlässigkeit, jedes, auch das geringste Vergehen, wurde von ihm auf das Strengste gestraft. So kam es, daß er in der Schule nur noch gefürchtet wurde, daß die Kinder erschrocken zusam- menfuhren, wenn sie den dürren, hageren Mann mit dem tief gesenkten Kopf nur sahen. Am meisten fürchtete diesen das eigene Kind. Wenn die alte Luise es immer wieder wagte, das kleine Mädchen dem Vater zuzuführen, da sie glaubte, dem Liebreiz des holden Gesichtchens könne selbst der böseste Dämon nicht widerstehen, so stand Mariechen zitternd da, trippelte auch wohl ein paar Schritte auf lden unbeholfenen Beinchen vorwärts und sah ängstlich und starr den finster drein blickenden Mann an. Leise wimmernd schlich sie dann wieder zu ihrer Pflegerin zurück, sobald sie das theilnahmlose Auge des Vaters auf sich gerichtet fühlte und barg ihr Köpfchen in Luisens Schürze.
Um die Pflege der Blumen in seinem kleinen Garten, sonst sein liebster Zeitvertreib, kümmerte sich Heinrich eben so wenig wie um sein Kind. Er