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Nr. 31.

Sonnabend den 12. März

1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. März 1887.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises fordere ich hierdurch auf, mir bis zum 25. d.M. zu berichten, ob aus Ihrer resp. Gemeinde rc. bei dem diesjährigen Ersatzgeschäft mehrere Söhne einer Familie gestellungspflichtig sind, sowie ob sich Brüder der beim Ersatzgeschäfte vorzustellen- den Militairpflichtigen etwa bereits im activen Dienst befinden, unter genauerBezeichnung der in Betracht kommenden Individuen. Gleich­zeitig ist auch in dem geforderten Berichte anzu- geben, daß, wo zwei arbeitsfähige Söhne einer Haushaltung nicht gleichzeitig entbehrt werden können, die Eltern derselben auf Einreichung einer Reklamation an die Ersatz- Eommission um Zurückstellung des Jüngern auf­merksam gemacht worden sind.

2868. Der Königliche Landrath _______ Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Die über Bremen mittels der deutschen Post- dampfer direct auf dem Seewege nach den Anlauf­plätzen der deutschen Dampfer in Australien (Ade- latve, Melbourne, Sydney) zu befördernden Briefe unterliegen als Schiffsbriefe der ermäßigten Taxe von 20 Pfennig für je 15 g. Dieselben müssen vom Absender mit der BezeichnungSchiffsbrief über Bremen* versehen und frankirt sein.

Berlin W., den 24. Februar 1887.

Der Staalssecretair des Reichs-Postamts. von Stephan.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 9. März. In der heutigen (5.) Sitzung des Reichstages kam die Miiitairvorlage in zweiter Lesung zur Verhandlung. Aus der kurzen Debatte ist hervorzuheben, daß Namens der Mehrheit des Centrums Abg. Frhr. zu Franckenstein die Erklärung abgab, daß dieselbe zwar an

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Schulmeisters Marie.

Erzählung von I. Jsenbeck.

(Fortsetzung.)

Auf Edwin machte aber gerade der Ernst in Mariens ganzem Wesen den tiefsten Eindruck; je mehr er ihren Charakter kennen lernte, desto un­widerstehlicher fühlte er sich von demselben ange­zogen. Als er Marien zum ersten Male gesehen, da hatte er sich gestehen müssen, daß ihm noch kein Mädchen mit einem edleren Wuchs, einem zarteren Oval des Gesichts und seelenvolleren Augen begegnet sei. Jetzt glaubte er, sich einer Profanirung schuldig zu machen, wenn er überhaupt noch daran denke, daß Mariens Besitz ihrer äußeren Vorzüge wegen begehrenswerth sei. Er fühlte sein ganzes Sein von der Liebe zu dem jungen Mädchen durchdrungen, er fühlte, wie ihn diese Liebe edler und besser machte, aber die Furcht, den Frieden der Geliebten zu stören, verschloß ihm den Mund. Keine Erklärung, keine Frage, ob er wiedergeliebt werde, sollte über seine Lippen treten, ehe er nicht eine Stellung, ein Einkommen habe, wie es ihm Mariens würdig schien. Das war sein Borsatz, dem er treu bleiben wollte und wenn er auch, wie Jakob um die Rahel, um die Ange­betete dienen und harren müsse, ohne daß diese davon ahne.

Aber schneller, als er hoffen konnte, kam ihm dieser ersehnte Tag, der die feste Anstellung als Gymnasiallehrer und die Anwartschaft aus eine

ihrem früheren Standpunkte festhalte, sich indeß der Ab­stimmung enthalten werde. Dagegen erklärte der Abg. Dr. Reichensperger Namens der Minderheit des Centrums, daß dieselbe, wenn sie auch ebenmäßig auf ihrem prinzi­piellen Standpunkt verharre, doch mit Rücksicht auf die gegebenen Verhältnisse es für richtiger halte, der Vorlage selbst unverändert zuzustimmen. Demnächst wurde in na­mentlicher Abstimmung der Antrag des Abg. Bamberger sdeutschfreis.) auf dreijährige Bewilligung mit 222 gegen 23 Stimmen abgelehnt (während sich 88 Mitglieder der Abstimmung enthielten), und dann der §. 1 der Regie- rungsvorlage mit 223 gegen 40 Stimmen angenommen, wahrend sich 83 Mitglieder der Abstimmung enthielten. § 2 wurde in namentlicher Abstimmung mit 247 gegen 20 Stimmen angenommen; 83 Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. Die §§, 3 und 4 werden debattelos geneh­migt. Der Gesetzentwurf, betreffend einige auf die Ma­rine bezügliche Abänderungen rc. des Militärpensionsge­setzes, wurde dem Wohlwollen des Hauses vom Chef der Admiralität mit einigen Worten empfohlen, und ohne jede Debatte zur zweiten Lesung gestellt. Dagegen wurde das Militärreliktengesetz nach kurzer Berathung einer Kommission zur Vorberathung überwiesen. Morgen Etat.

Das Abgeordnetenhaus erledigte in dritter Lesung einige kleinere Vorlagen, sowie den Gesetzentwurf, betr. die Ab­grenzung und Organisation der BerusSgenossenIchasten für land- und forstwirthschaftliche Betriebe. Eine längere De­batte führte nur der letztere Gesetzentwurf herbei, bei welchem wiederum die Höhe der Verwaltungslosten der Berufsgenossenschaften, sowie die Trennung der landwirth- schaftlichen Rebenbetriebe von der randwirthschast selbst eingehend erörtert wurden, Der Staatsminister von Boet- ticher wiederholte hierbei seine frühere Erklärung, daß die Frage einer Vereinigung der landwirthschaftlichen Betriebe bei der Bildung von Berufsgenossenschaften einer Prüfung unterzogen werden solle. Schließlich beschäftigte sich das Haus noch mit Petitionen. Eine Petition von Bewohnern des Ortes Ober-Kanitz um Ertheilung der Erlaubniß, ihre Töchter in die von Schulschweftern geleitete Mädchenschule zu Weihwasser (Oesterreichisch-Schlesien) zu schicken, wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt und Petitionen um Erlaß eines Schuldotationsgesetzes der Staatsregierung als Material überwiesen. Freitag: Rechnungssachen und Petitionen.

Berlin, 10. März. Der Reichstag begann die zweite Be­rathung des Etats und bewilligte die Etats des Reichs­tags, sowie den des Reichskanzlers und der Reichskanzlei

Einnahme brächte, mit der sich ein Hausstand gründen ließ. Edwin wartete nicht die Abenstunden ab, in denen er sonst den Schulmeister besuchte, schon zur Mittagszeit trat er in das kleine Haus ein. Sein Gesicht war von freudiger Aufregung geröthet, seine Bewegungen hastiger, der vornehmen Ruhe, die ihnen gewöhnlich eigen, entbehrend. Mit den Räumlichkeiten des Hauses schon vertraut, ging er direct in die Küche, wo er Marie wußte. Erstaunt sah diese von ihrer Arbeit zu ihm auf und bot ihm dann vertraulich die Hand zum Gruß.

Der Vater wird sich freuen, daß Sie so früh kommen, Herr König!" sagte sie.Denken Sie nur, er hat heute schon zwei Stunden im Garten gearbeitet. Als ich ihm sein Frühstück draußen auf die kleine Bank stellte, hat er sogar mit mir gesprochen und mir erzählt, daß er morgen den Wein anbinden und die Epheuranken von den trockenen Blättern säubern wolle. Sie freuen sich mit mir darüber, nicht war?*

Wie können Sie nur so fragen, Marie? Sie wissen doch, daß ich mich gewissermaßen als Arzt Ihres Vaters ansehe. Als solcher muß ich mich ja schon freuen, wenn ich höre, daß unsere Aus­sichten auf völlige Genesung steigen!*

Ich habe auch nie soviel Hoffnung gehabt, als heute. Loben Sie den Vater nur wegen seiner fleißigen Arbeit im Garten, sagen sie ihm, daß sie es den Pflanzen angesehen haben, wie er für sie gesorgt hat, das giebt ihm neue Lust. Aber was ist mit Ihnen vorgegangen, Herr König? Sie sind heute ganz anders denn sonst. Haben

debattelos. Bei dem Etat des Auswärtigen AmtS kam Abg. Virchow auf seine frühere Beschwerde zurück, daß die Afrikanische Gesellschaft bei Verwendung des für die Er­forschung Afrikas bewilligten Fonds in der letzten Zeit so wenig berücksichtigt werden. Dem gegenüber erklärte der Reichskanzler Fürst von Bismarck, daß der Fonds seinem Zwecke gemäß verwendet werde, er betonte aber zugleich die Nothwendigkeit, die Regierung in der Verwendung dieses Fonds im Dienste der angewandten praktischen Wissenschaft und im wirthschastlich-nationalen Interesse nicht zu be­schränken. Bei dem Etat des Reichsamts des Innern stellte gelegentlich der Staatssekretär des Reichsamts des Innern von Boctticher für die nächste Session die Vorlage eines Alters- undz Jnvalidenversorgungs-Gesetzes in Aus­sicht, als er aus Anlaß einer Anfrage aus dem Hause ausführte, daß man den weiteren Fortgang der Socialge- setzgebung füglich abwarten müsse, ehe die Frage einer an- derweiten Regelung des Unterstützungswohnsitzes zur Ent­scheidung gebracht werden könne. Auch die Frage der Weinfälschung wurde wieder in die Debatte gezogen. Der Staatssekretär des Innern konnte die Erklärung abgeben, daß ein Gesetzentwurf in der Vorbereitung begriffen ist, welcher über die Zulässigkeit bezw. Unzulässigkeit von Zu- sätzen zum Wein Bestimmungen treffen soll. Für die zu errichtende physikalisch-technisch, Reichsanstalt wurde an persönlichen und sachlichen Ausgaben statt der geforderten 100,4 32 Mark nur ein Pauschquantum um 75,000 Mark bewilligt, womit indeß ebenmäßig die Errichtung des In­stituts selbst genehmigt wird. Schließlich wurde der ganze Militairetat, soweit er nicht in die Kommission verwiesen, fast debattelos erledigt, da der Kriegsminister nur Veran­lassung hatte, auf Ansragen aus dem Hause zu erklären, einmal, daß ein Gesetzentwurs, betreffend die Unterstützung der Reservisten und Landwehrmänner in Vorbereitung sei, und zweitens, daß auch die Revision des preußischen Ge­setzes, betreffend die Unterstützung der Landwehrmänner und Reservisten im Kriege in Anregung gebracht sei, da die in dem Gesetze vom Jahre 1850 normirten Sätze dem heutigen Geldwerthe nicht mehr angemessen seien. Morgen: dritte Lesung der Militairvorlage und Etat.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der K a t s e r hörte am Dienstag Vormittag zunächst den Vor- trag des Grafen Perponcher und nahm darauf persönliche Meldungen entgegen. Mittags hatte

Sie schlechte Nachrichten aus Ihrer Heimath oder haben Ihre Schulbuben sie geärgert?*

Nichts von alle dem! Wenn ich Ihnen anders erscheine denn sonst, so kommt das wohl daher, weil ich ebenso wie Sie, nie soviel Hoffnungen gehabt habe, als heute. Mit einem kleinen Wort können Sie alle diese Hoffnungen für mich zu einer seligen Gewißheit machen. Um dieses Wort von Ihnen zu hören, deshalb bin ich heute so früh gekommen. Sprechen Sie dies Wort aus, so gehe ich als der glücklichste Mensch von Ihnen. Können Sie es nicht sagen, so sind meine Hoffnungen ver­nichtet ich freue mich dann nicht mehr darüber, daß ich meine Ernennung zum Oberlehrer in der Tasche trage!*

Marie hatte den blonden Kops tief gesenkt, Ed- win sah, daß ihre Gestalt zitterte, daß eine Blut­welle ihre Wange färbte.

Ich gratulire Ihnen, Herr König!* flüsterte sie fast unhörbar.

Daß ich Sie liebe, wissen Sie Marie!* fuhr Edwin fort.Ich sprach nie über meine Gefühle, da ich Ihnen bis heute nicht das bieten konnte, was Ihnen das Leben an meiner Seite angenehm und sorgenfrei machen soll. Jetzt reicht mein Ein­kommen aus, um uns Beiden und dem Vater ein behagliches Dasein zu sichern, um auch*

Hören Sie auf martern, quälen Sie mich nicht!* bat Marie. Sie war zurückgewichen und hob nun mit einer rührenden Geberde beide Hände.

Also habe ich mich getäuscht!* Edwins Stimme war heftig geworden und doch schien sie wehmüthig