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itrsftlhtt Kreisbliitt.
Wit wöchentticher Kratis-ZLeitage „Illustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 32. Dienstag den 15. März 1887.
AMLiches.
Hersfeld, den 12. März 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 31. Mai 1881 Nr. 6276 im Kreisblatt Nr. 45, betreffend die Revision der Vocale, in welchen Nahrungsmittel, Genußmittel und Verbrauchsgegenstände feil gehalten werden, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis $um 20. b. Mts. bei Meidung von je 3 Mk. Strafe erinnert.
2967. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i ' Hersfeld, den 12. März 1887.
Am Mittwoch d en 3 0. d. Mts. Vormittags 9 Uhr findet in dem Saale des hiesigen Rathhauses eine Sitzung desKreistagesstatt.
Tagesordnung.
1) Prüfung der Legitimation des für das verstorbene Kreistagsmitglied r. Bürgermeister Vincenz Knott zu Obergeis als solches gewählten Ackermanns Heinrich Opfer zu Obergeis und Einführung desselben in sein Amt. (§ 71 der Kreisordnung.)
2) Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Schenkleugsfeld zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen. (Gerichtsverfassungsgesetz §40, R.-G.-S. S. 49 de 1877 und Ausführungsgesetz § 35, G.-S. de 1878 S. 257.)
3) Wahl der Mitglieder der Einkommensteuer- Einschätzungs-Commiffion und deren Stellvertreter pro 1888/89. 0 21 des Gesetzes vom
l.,M 1851 A
25. ^ 1873J
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Schulmeisters Marie.
Erzählung von I. Jsenbeck. (Fortsetzung.)
„Ich kenne meine Pflicht nur zu gut," antwortete Marie mit erzwungener Kälte, „und gehe den Weg, den sie mir zeigt — wenn auch mein Herz dabei bricht! — Run gehen Sie auch, Herr König, und wenn Sie mir eine Bitte erfüllen wollen, so kommen Sie heute nicht wieder hierher; besuchen Sie den Vater morgen, dann sprechen wir weiter!"
Mit fünfter Gewalt drängte sie den Sprachlosen durch die offene Thür. Als sie dieselbe wieder hinter ihm schloß, war es mit ihrer Kraft zu Ende, sie brach ohnmächtig zusammen.
Am nächsten Morgen erhielt der Oberlehrer Edwin König einen Brief. „Ich fliehe vor Ihnen", las er, „da ich mir nicht Kraft genug zutraue, um Ihnen zu widerstehen. Aber ich darf nicht die Ihre werden. Ein armes, ungebildetes Mädchen mit einem irrsinnigen Vater würde Ihnen nur eine Fessel sein, die Sie am Streben hindert. Suchen Sie mich zu vergessen. Nur als den Gatten einer Frau, die Ihrer mehr werth ist, als ich, will Sie wiedersehen Ihre Schwester Marie." Das Blatt trug die Spuren von Thränen, die Schristzüge waren halb verwischt.
Als Edwin kurze Zeit später vor dem kleinen Vorstadthäuschen stand, starrte .er wie träumend auf die festverschloffenen Fensterläden, von denen der eine einen Zettel mit der Ausschrist »Sofort
4) Wahl der Mitglieder der steuer • Reklamations - Commission deren Stellvertreter pro 1888/89. 0 11 des Gesetzes vom ^ Mai ^ ^
5) Bewilligung der Kosten für die Ausführung der Revisionen der Maße und Gewichte und die Anschaffung der dazu erforderlichen Ge- räthschaften.
16) Feststellung des Etats für das Rechnungsjahr 1/4.81887 bis 31/3. 1888.
7) Beschlußfassung über die Verwendung des dem hiesigen Kreise aus den landwirthschaft- lichen Zöllen überwiesenen Betrages.
8) Beschlußfassung über die Bewilligung einer angemessenen Beihülfe zu den Kosten des projektirten Brückenbaues über die Fulda bei Kohlhausen aus Kreismitteln.
J. A. Nr. 118. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 12. März Ä"
Diejenigen Herren Ortsvoruanoe des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 27. November 1876 Nr. 11906 im Kreisblatt Nr. 96, die zur Erfüllung ihrer Mi- litairpflicht heranzuziehenden Personen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 22. d. Mts. bei Meidung von je 5 Mk. Strafe erinnert.
2966. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Sonnabend Vormittags den ! Vortrag des Grafen Perponcher entgegen, hatte ! eine Unterredung mit dem Geheimen Hofrath . - . - . - . und arbeitete dann gegen Mittag noch einige
tages wurde ohne lede weitere Debatte sofort über d.e g u jt ^nr Chef des Militär Cabinets V0N ÄS ÄstLLg'Ä SPSS 3rÄ : Mbedyll. Demnächst begaben sichdieKönialichen definitiv angenommen; 84 Mitglieder enthielten sich der ! Majestäten kurz 1)01 12 Uhr Mit ihrer Begleitung Abstimmung. Der Rest der Sitzung wurde durch die Be. mittels Extrazuges von Berlin nach Potsdam,
Aus den Parlamenten
Berlin, 11. März. In der heutigen Sitzung des Reichs- Bvlck
zu vermiethen" trug. In dem kleinen Garten welkten die frisch gepflanzten Frühlingsblumen und die Spatzen pickten die Samenkörner aus der lockeren Erde auf, die der Schulmeister erst am Tage vorher gelegt hatte.
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Auf staubiger, schattenloser Landstraße zogen wenige Tage später zwei Wanderer entlang, ein alter gebeugter Mann und ein junges Mädchen. Der Alte schien ermüdet, er stützte sich schwer auf einen derben Knotenstock. Trotzdem war sein Gang eilig und hastig; von Zeit zu Zeit griff er besorgt nach dem Bündel, das an einem Riemen von seiner Schulter herabhing. Seine Begleiterin konnte kaum gleichen Schritt mit ihm halten, die Tasche in ihrer Hand schien sie zu Boden zu ziehen.
Endlich hatten die Leiden den Fuß des Hügels erreicht, nach dem die Augen des Mädchens schon lange sehnsüchtig ausgeschaut hatten. Die Wanderer traten in die schattige Kühle des Waldes ein, durch den die Straße weiterführte. Das Mädchen ging von dem gebahnten Wege ab, unter einen breitästigen alten Baum, dessen moosbekleidete Wurzeln wie grüne Schlangen bis an ein Büchlein reichten, das gleich einem dünnen silberhellen Faden durch den Waldboden sich hinzog. Der Alte folgte ihr ohne zu fragen.
„Hier wollen wir eine Stunde ausruhen, Vater', sagte nun das Mädchen, seine Tasche niederlegend. „Versuche zu schlasen. Wir können hernach um so schneller gehen und sind zu Abend bet dem Better."
Klassen- rathung der von deutschkreisinniger Seite eingebrachten Re. und f°!ution* betreffend die Einführung einer Reichseinkommen-
steuer, ausgefüllt. Als Hauptzweck derselben wurde von
den Antragstellern die Nothwendigkeit bezeichnet, daß auf dem Wege der indirekten Steuern endlich Halt gemacht werden müsse. Abg. Dr. Miguel [nat.dib.J, auf dessen frühere Aussprüche von veutschsreistuniger Seite hingewiesen worden war, führte demgegenüber aus, daß er prinzipiell
auch heute noch eine Reichseinkommensteuer verfassungsmäßig für zulässig halte, daß er aber in der Resolution keinen praktisch durchführbaren Gedanken erkennen könne; er legte zugleich im Einzelnen dar, daß die Durchführung nothwendig aus unüberwindbare Schwierigkeiten stoßen müsse. Indessen hatte die nationalliberale Partei eine motivirte Tagesordnung vorgeschlagen. Für die freisinnige Resolution erklärte sich außer den Antragstellern allein der Redner der socialdemokraiischen Partei, während die rechte Seite sich geradehin ablehnend verhielt. Die Debatte nahm schließlich einen ziemlich lebhaften Charakter an, da vielfach auch die Wahlbewegung in dieselbe verflochten wurde. Die motivirte Tagesordnung der Nationalliberalen wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt; für die freisinnige Resolution erhoben sich außer den Freisinnigen nur die Sozialdemokraten. Nächste Sitzung Montag. Etat.
DaS Abgeordnetenhaus hielt eine kurze Sitzung, in welcher nach Cnbloc-Annahme des MetzeylümrLMer-LaL Verfahren bei Vertheilung von JmmoblUarpreisen im Geltungsbereich des Rheinischen Rechts in zweiter Lesung eine Anzahl Petitionen zur Erledigung gelangte. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr (Gesetzentwurf, betreffend den Erwerb weiterer Privatbahnen für den Staat und Sekun- därbahnvorlages.
Volttische Nachrichten.
„Wird auch Niemand kommen und mir meine Papiere nehmen, wenn ich schlafe, Marie?" fragte der Alte ängstlich und umklammerte wieder das Bündel.
„Hier sind wir ganz sicher!" antwortete die Tochter. „Während Du schlüist, werde ich genau aufpaffen, leg' Dich nur hin, die Papiere unter den Kopf — so — dann kann sie Keiner berühren, ohne daß Du wach wirst!'
Gehorsam wie ein Kind befolgte der Alte die Anordnungen des jungen Mädchens, das sich neben ihn niedersetzte und den müden Kopf an den rauhen Stamm des Baumes lehnte. Die tiefen, ruhigen Athemzüge des Alten verriethen bald, daß er alle Furcht und Sorge im Schlaf vergessen hatte; aber auch jetzt noch lagen seine Hände unter dem Kopf, das Bündel behütend, als wenn es den Schatz eines Krösus enthielte.
Goldig spielte das Sonnenlicht durch das Blättergewirr, phantastische Figuren auf den moosigen Grund zeichnend. Die feierliche Stille ließ fast die Bewegung jedes einzelnen Blattes hören; die zarten, leuchtenden Sonnenstrahlen glichen den Saiten einer Harke, auf denen Mutter Natur selbst eine geheimnißvolle Geistermelodie griff, um Alles in träumende Ruhe zu lullen. Sogar die Vögel waren verstummt, als wenn auch sie nicht mehr wagten, den Zauber der Mittagsstunde zu stören. Nur der Bach murmelte eintönig seine alte, ewige Weise, wie eine Mahnung an das Verrauschen der Zeit, die mit der absteigenden Sonne auch diesen Bann wieder brach.