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Nr. 33

Mit wöchentlicher Hratis-Meilage „Illustrirtes Ilnterhaktyägsölatt".

Donnerstag den 17. März /

1887.

Amtliches

Hersfeld, den 12. März 1887.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Be­kanntmachung vom 11. Februar 1873 (Kreisblatt Nr. 13) betreffend die Vertilgung der Raupen- nester, werden hierdurch die Ortsvorstände des Kreises aufgefordert, die gehörige Vollziehung der deshalb ergangenen Vorschriften zu überwachen und gegen jeden Nachlässigen mit den den Orts­polizeiverwaltungen zustehenden Mitteln vorzu- gehen resp. dem Polizeianwalt zwecks der gericht­lichen Bestrafung nach § 368, 2 des Strafgesetz­buches zur Anzeige zu bringen.

Die Königliche Gendarmerie wird thun, was ihre Pflicht ist.

Gleichzeitig erhalten die Herren Bürgermeister den Auftrag, für thuulichste Verbreitung der hier­unter abgedruckten Belehrung über die Vertilgung der Kohlweißlinge zu sorgen und dahin zu wirken, daß Prämien für Einlieferung der weiblichen, im Frühjahr fliegenden Kohlweißlinge—w»^

werden. 2932.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Die Vertilgung der Kohlweißlinge.

Jeder Landwirth und Gartenbesitzer kennt den großen Schaden, welchen die Raupen der Kohlweißlinge an den verschiedenen Kohlarten in Felder» und Gärten anrichten. Die Milliarden von Raupen anderer Art vertilgenden Vögel verschmähen fast ausnahmslos gerade diejenigen des Kohl­weißlings. Das Geschäft der Raupenvertilgung bleibt des­halb vorzugsweise der menschlichen Thätigkeit überlassen. Diese vermag das Uebel auch zu bezwingen, wenn sie nur überall und zur «rechten Zeit unter Anwendung der rich­tigen Mittel eingreisen wollte.

Bekanntlich überwintern die Kohlweißlinge als Puppen. Sie hängen oft in großer Menge an Bäumen, Hecken, Mauern und an den Wänden von Gebäuden. Bei warmer

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Witterung kommen schon im April die Schmetterlinge zum Vorschein. Sie fliegen dann ziemlich einzeln.

Bald nachdem sich die Geschlechter gefunden, beginnt das Eierlegen an der unteren Seite kreuzblüthiger Gewächse (Ravs, Meerettig k.] Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Räupchen aus und beginnen an den sie beherbergenden Gewächse ihre zerstörende Thätigkeit. Nach viermaliger Häutung, welche innerhalb 4 Wochen bewerkstelligt wird, sind sie ausgewachsen und jetzt verpuppen sie sich an den oben näher bezeichneten Orten. Etwa 14 Tage nach dem Eierpuppen erscheint der Schmetterling.

Hiermit ist die erste Generation zum Abschluß gekommen und es beginnt nun die zweite. Die jetzt oft massenhaft fliegenden Schmetterlinge legen ihre Eier und die aus diesen auskriechenden Raupen gelangen vor Winter in der Regel nur noch zum Verpuppen. Die Raupen dieser zweiten Generation sind eS, welche in warmen, mehr trocknen als feuchten Jahren außerordentlichen Schaden anzurichten vermögen.

Soll nun eine wirksame Vertilgung der Kohlweißlinge vorgenommen werden, so muß diese sich erstrecken

1. auf das wiederholte Ausfuchen und Zerdrücken der Eier, welche sich, wie gesagt, auf der unteren Seite der kohlartigen Gewächse und stets in größerer Zah aus einer kleinen Fläche vorfinden,

2. aus das Einsammeln und Vernichten der Puppen während der Wintermgyate besonders während des —1......ZMNNrrv "utT^'gwmnCT'Tllw nun» priuiiOTTO7---------

3. aus das Fangen der der ersten Generation angehören­den Schmetterlinge, welche im Frühjahr und im Vor­sommer fliegen.

Das Fangen der Schmetterlinge der zweiten Generation bleibt erfolglos, weil die vorhandenen Massen dieser Gene­ration gar nicht bewältigt werden können.

Derjenige verfährt somit rationell, welcher die Puppen im Winter vernichtet und die weiblichen Schmetterlinge der ersten Generation einsängt, denn hierdurch wird das Uebel an der Wurzel angegriffen und im Keime erstickt.

Die weiblichen Schmetterlinge sind aber leicht selbst im Flug an den schwarzen Flecke» zu erkennen, welche sie aus der Mitte der Vorderflügel haben. Den Männchen fehlen dieselben.

DaS Wegsangen unterliegt keinen Schwierigkeiten. Ein­mal ist die Zahl der Schmetterlinge im Frühling nicht groß und dann ist ja die Schmetterlingsjagd eine Lieb- I lingsbeschäftigung der Jugend. Schaffe nur jeder Land. ' wirth und Gartenbesitzer den Kindern Fangnetze an. Er

setze für Einlieferung einer gewissen Anzahl dieser Frühlings^""tterlinge Prämien aus. ES würde sich ohn« Zweifel s/bst lohnen, Tagelöhner mit dem Einfängen der Schmette linge zu betrauen.

Stadt? und Landgemeinden und die landwirthschaftlichen Verein/sEen die Einlieferung der Kohlweißlinge ebenwohl angcmssM prämiiren. Geschehe dies allgemein, so würde

man/es schädlichen Insekts bald Herr werden.__________ Hersfeld, den 12. März 1887.

/Die Herren Bürgermeister des Kreises haben in ihren Polizeibezirken wiederholt bekannt zu machen, daß- das Einfängen oder Tödten aller Arten von Vögeln, namentlich der Nachtigallen und sonstigen -von Jnsecten sich nährenden Vögel, sowie auch das Zerstören deren Nester und das Sammeln von Eiern durch die Forst-, Jagd- und Fischerei-StrafordÄung vom 30. December 1822, Satz 10 des Jagd-Straftarifs, bei 30 Mk. bezw. 7 Mark 50 Pfg. Strafe gesetzlich verboten ist.

Die Feldhüter und Waldschützen sind zur Auf­sicht gegen Uebertretung dieses Verbots gemessenst anzuweisen und die Herren Schullehrer zu er- suchen, die Schuljugend namentlich vor Aushebung

sen, Finken, Drosseln, Spechte rc. ernstlich zu warnen.

2931.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Schulmeisters Marie.

Erzählung von J. Jsenbeck. (Fortsetzung.)

Auf der nächsten Station verließ Marie Zug, der Vater folgte ihr ohne zu fragen, mit der Sorge um das Bündel beschäftigt, in

verwunderlich, daß die Beiden so plötzlich, ohne ihr Kommen vorher anzuzeigen, in seinem Hause erschienen. Mariens bleiche Wangen, des Schul­meisters abgemagerte Gestalt erklärten ihm Alles; die Stadtleute wollten in seinen Bergen wieder zu

den nur wel-

chem er seine Papiere geborgen. So waren die beiden zu Fuß weiter gereist, ohne einen Blick für die wechselnden Scenerien der Gegend zu haben, durch die sie zogen. Mit Verwunderung hatte Marie nach stundenlanger Wanderung bemerkt, daß ihr Vater gegen jede Ermüdung und Ermat­tung gestählt schien, daß der umnachtete Geist über den von Alter und Kummer geschwächten Körper eine Gewalt ausübte, deren ihr fester Wille nicht

Kräften kommen.

»Euch bläst ja der Wenn ich den Vetter wie der Knochenmann, seinem Studio stehen lachend, als die Beiden mit Allem, was Küche

Wind durch die Backen, schüttle, dann klappert er den der Herr Phystkus in hat!" sagte der Förster an seinem Tische saßen, der

fähig war.

Lange hatte das junge Mädchen dagesesien und die letzten Tage noch einmal durchgelebt. Wie aus einem Traume fuhr sie jetzt auf, sah erschrocken auf die veränderte Beleuchtung, die ihr anzeigte, daß die größere Hälfte des Tages verflossen sei, und weckte dann den Vater.

Die beiden setzten ihren Weg fort, der hoher hinaufführte in das Gebirge. Aber auch in der frischen, reinen Lust blieb dem Alten d<e Angst, die sein brennend Hirn erfüllte, und dem Mädchen das Weh und Leid im tiefsten Herzen.

8.

Der Vetter Förster hatte seine Verwandten mit Freude empfangen. Ihm schien es gar nicht

und Keller bieten konnten, überreich bestellt war. „®in Buch dürft Ihr mir nicht anrühren, so lange Ihr bei mir seit, Vetter", fuhr er fort, »ich leid's nimmer! Und daß Jhr's nur wißt, die Tinte ist bei mir schon seit Jahr und Tag eingetrocknet. Wenn Euch die Beine von dem ewigen Stubenhocken noch zu steif sind, daß Ihr nicht mit mir gehen könnt in die Berge und die Zeit wird Euch lang, so spaziert in den Kraut­garten, da erlustirt Euch mit Graben und Jäten I Aber kein Buch oder solchen gelehrten Krimskrams angefaßt, das verbitt ich mir schön 1*

Der Schulmeister sah den Förster furchtsam, seine Tochter flehend an. Marie wollte das Ge­spräch von dem Vater ablenken.

»Was soll ich denn thun, Ohmr fragte sie.

»Du kannst der Creszens in Haus und Küche helfen, Mareilt. Die Alte ist halbblind und kann

Hersfeld, den 12. März 1887.

Der bei dem Postamt in Laasphe beschäftigte Postafflstent Theodor Bange, gebürtig aus Balve, hat sich nach Unterschlagung von Postan­weisungsgeldern im Betrage von etwa 850 Mk. auf flüchtigen Fuß gesetzt.

Das Königliche Landrathsamt wird ergebenft ersucht, gefälligst auf den Bange, dessen Person- beschreibung hierunter folgt, fahnden und ihn im Betretungsfalle verhaften zu lassen, sowie schleu- mzst an die Kaiserliche Ober-Postdirection in Ansberg Mittheilung zu machen.

Marie athmete auf; sie fiel dem Förster nicht zur last, sie konnte ihm nutzen, ihr Besuch war sogar erwünscht. Spät am Abend, als der Vater schon ange in der gut gelüfteten Kammer schlief, saß st noch mit dem seine Pfeife schmauchenden Ohm arf der steinernen Bank vor der Hausthür: sie wollt die erste Nacht nicht unter dem gastlicher« Dache zbringen, ohne dem Hausherrn Aufschluß über ihrn Vater und seine Krankheit gegeben zu haben, lufmerksam und mit gespanntem Interesse horchte er Förster auf die Erzählung. Bald lachte er öhnisch auf, bald ließ er wieder ein be- dauerndes.OH — oh!" hören. Es kam ihm zu komisch vc, daß ein starker, kräftiger Mann Essen und Trinm vergessen und sich nur an elende Bücher ha^en konnte. Als Marie aber auch er­wähnte, da der Vater sich nie um sie gekümmert habe, da H er erstaunt die Pfeife sinken und rief in Heller Brüstung aus:

ih der Teixel, den Vetter! Ein solch blitzsauberesMadel, wie Du bist, und noch dazu sein eigen Fisch und Blut, hat er über seinen Schmökern irgessen können!"

Marie leg beschwichtigend ihre Hand auf des Försters Ari,

«Habt Geild mit ihm, Ohm!" bat ste. «Ihr wißt doch, dc meine Geburt meiner Mutter das Leben kostete. Das hat der Vater nicht vergessen können. Er lt die Mutter so geliebt und als sie

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kaum noch sehen, was sie in die Suppen steckt. starb, da gtnßür ihn die Sonne unter, die ganze Du mußt sein bei mir bleiben, MadU, 6t3 ich eine I Welt wurde t ihn dunkel und auch in seinem

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