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erssel-er fircisbUtt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Issustrirtes AnterhaltungsblatL".
Nr. 52.
Monnements-Kinladung.
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Hrrsfrtder KreisvLatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage „Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Mai und Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Der Herr Ober-Präsident hat dem Vorstände des Vereins für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser gestaltet, zum Besten der Vereinszwecke im Laufe dieses Jahres eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bet den Einwohnern der Kreise Frankenberg, Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hanau (Stadt und Land), Hersfeld, Hünteld, Kirchhain, Marburg, Rolenburg, Schlächtern, SchUMMVen und Zngcuhuiu-dirrüs-p.IiA.d ich „«. legitimirende Collectanlen zu veranstalten.
Cassel am 22. April 1887.
Der Regicrungs-Präsideut. Rothe.
Zu der Mittwoch den 4. Mai er. Vormittags 10 Uhr im Gasthaus „zum Stern“ dahier abzuhaltenden amtlichen
Irühjahrs-Konferenj des Bezirks HerSfeld L werden die Herren Lo- kalschulinspektoren und Lehrer hierdurch ergebenst eingeladen.
Hersfeld, den 28. April 1887.
Der Oberschulinspector: Hosbach.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.
Eine Geschichte aus unseren Tagen von Gustav Höcker.
(Fortsetzung.)
Mit Ausnahme des Wirthes, dem Doctor Munck die Miethe schuldig war, hatte er von Privatpersonen keinen Besuch zu erwarten, und da er dessen leisen und behenden Schritt sehr wohl kannte, so konnte die ihm zugedachte Visite nur von einer obrigkeitlichen Person ausgehen.
„Das ist Niemand anders," murmelte Doctor Munck ahnungsvoll, „als der Executor, der immer einen Vollstreckungsbeiehl gegen mich in der Tasche hat. Aber von wem kann die Execution diesmal ausgehen? Hm l Doch nur von Güldenberg. Aergerlich l jetzt erinnere ich mich, er hat mich neulich auf der Straße in meinem neuen Pelze gesehen und hält nun den Augenblick für günstig, nach verschiedenen fruchtlosen P'ändungsversuchen endlich doch einmal etwas zu erwischen. Das nenne ich wachsam sein. Aber ich will den Bären bet dem Kürschner nicht angebunden haben, damit Güldenberg sein Fell bekomme, — ich bin ebenfalls auf der Hut. Ja, klopfe nur immer zu", lachte Doctor Munck vor sich hin, während er leise aus dem Bette schlüpfte, „wir schlafen nur bei verriegelten Thüren.
Bei diesen Worten und während sich das Anklopfen wiederholte, war er geräuschlos nach dem wackeligen Kleiderschränke geschlichen und hatte
einen äußerst schmucken Pelz mit Bisamkragen berausgenommen. Obwohl sich im ganzen Zimmer kein Plätzchen fand, ihn zu verbergen, so war Doctor Munck deshalb doch keinen Augenblick in Verlegenheit. Er öffnete leise das Fenster, hing das kostbare Kleidungsstück hinaus, wozu er sich eines Nagels bediente, an welchen frühere, glücklichere Inhaber der Hofwohnung wohl dann und wann einen Hasen oder eine fette Gans an die Winterluft zu hängen pflegten, und nachdem er das Fenster ebenso leise wieder geschlossen hatte, machte er ein Geräusch, als erhebe er sich jetzt eben auf das dritte, diesmal sehr unsanfte Anklopsen aus dem knarrenden Bett, und öffnete dann mit äußerst schlaftrunkener Miene dem ungeduldigen Gast die Thüre.
Die Sendung des Executors erwies sich begreiflicherweise als eine total verfehlte. Bett und Möbel gehörten dem Wirth, wie der Mann des Gesetzes schon von früher her wußte. Der Kleiderschrank enthielt nur so viel Garderobe, als der Bewohner eines civilistrten Staates bedari, um sich auf der Straße sehen lassen zu können; an Werthsachen war, wie Herr Doctor Munck, einige leere Schubfächer öffnend, bemerkte, seit dem letzten Male nichts Neues hinzugekommen, wie er sich denn auch statt der Uhr, gerade noch wie damals, der Sonne als Zeitmesser bediente und was die Leibwäsche anbelangte, so war jedes nöthige Stück nur durch ein Exemplar vertreten, während je ein zweites Exemplar sich bet der Waschfrau befand.
«Da is nischt zu machen? bemerkte der Executor.
Dienstag den 3. Mai
Aus dem Landtage.
Berlin, 29. April. Das Abgeordnetenhaus genehmigte zuerst in dritter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend die Kantongefängnisse, und berieth dann die Petition des Vorstandes des Uckermärkischen Bauernvereins, betreffend die Wiederbeilegung deS Versicherungszwanges an die öffentlichen Feuersocietäten, in Verbindung mit der entgegengesetzten Petition des Ausschusses deS Verbandes Deutscher Privat-Feuerversicherungsgesellschaften. Die Pe- titionScommisfion stellt den Antrag, beide Petitionen der Staatsregierung als Material zu überweisen. Mit diesem Anträge erklärte sich auch der Vicepräsident des Staatsministeriums Minister des Innern v. Puttkamer in der Voraussetzung einverstanden, daß man die volle freie Erwägung der Regierung überlasse. Derselbe anerkannte durchaus die Gemeinnützigkeit der öffentlichen Societäten, konnte aber darin noch keinen Grund für die Monopolisirung erkennen. Principien sei allerdings zweisel- los, daß das Feuer-Versicherungswesen sich im weitesten Sinne der Worie« zur genossenschaftlichen Hülse, mit anderen Worten zur Verstaatlichung eigne. Eine andere Frage sei aber, ob man gegenwärtig nach hundertjährigem Bestehen der Aktiengesellschaften diesen Gedanken verwirklichen könne. Im Sinne der uckermärkischen Bauernpetition sprachen die Abgg. v. Meyer-Arnswalde, v. Hülsen und v. Quast (cons.), auch der Abg. d. Eynern (nat.-lib.) krilisirte scharf die Jncoulanz und den Egoismus der Privatgesell- -W^MKtS,'' ^l VÄ^klfÄ M^ü-l, irgend bahngesellschasten prophezeite. Andere Redner (d. Schor- lemer-Allt, (Centrum), Dr, Meyer-BreSlau tzdeutschsr.), ließen sich weniger aus die materielle Erörterung der Frage ein, dem Anträge der Commission aber stimmte das Haus mit großer Majorität bei, nachdem der Antrag des Abg. v Quast, die Bauernpetition der Staatsregierung zur Erwägung zu überweisen, abgelehnt worden war. Morgen: Vertrag mit Waldeck und Petitionen.
Berlin, 30. April. Das Herrenhaus genehmigte einige kleinere Gesetzentwürfe ohne jede Debatte und nahm dann auch den aus der Initiative deS anderen Hauses hervorgegangenen Gesetzentwurf, betr. die Ergänzung der Gesetzes über die Veräußerung und hypothekarische Belastung von Grundstücken im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechts, in seinen beiden Theilen unverändert an. Endlich trat daS Haus auch den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses bezüglich deS Gesetzentwurss, betreffend die
1887.
Feststellung von Anforderungen für Volksschulen, unter Zustimmung des Herrn Kultusminister- durchweg bei. — Nächste Sitzung unbestimmt.
DaS Abgeordnetenhaus verwies den Vertrag, betreffend die Fortführung der Verwaltung der Fürsten- thümer Waldeck und Pyrmont durch Preußen, zur Sorbe» rathung an die Budgetkommission, schloß sich dem Anträge der Wahlprüfungscommission aus Beanstandung der Wahlen der Abgg. v. Puttkamer-Plauth und Doering bis nach Beweiserhebung über einige behauptete Unregelmäßig» leiten an und erledigte Petitionen. Eine Petition von Einwohnern der Gemeinde Meiersberg, Landkreis Düsseldorf, betreffend den Bau der Bahnlinie Wülfrath-Ratingen, wurde der Regierung als Material, mehrere Petionen von Fischereivereinen k. der StaatSregierung in dem Sinne zur Berücksichtigung überwiesen, daß möglichst durch provinzielle gesetzliche Vorschriften 1. die Adjazentenfischerei be« s chränkt und geregelt werde; 2. die Bildung von Fischerei- genossenschasten möglichst erleichtert werde; 3. die Einsührung eines sogenannten gemischten Schonzeitsystems an Stelle der jetzt bestehenden sogenannten absoluten Schonzeiten in AuSsicht genommen werde. Montag: NachtragSetat.
N-Uttsche Nachrichten.
(Deutschland.) Se. MajellSt du Kaiser empfing am Freitag in besonderer Audienz den -WW^KeWM^iger undGeneral-Konsul
Republik in Berlin ernannt worden ist. Nachmittags machte Se. Majestät eine Spazierfahrt.
CC. Nach ten vorliegenden Mittheilungen ist die Entlassung S ch n ä b e l e s aus der Haft und seine ungehinderte Rückkehr nach Frankreich jetzt bereits erfolgt. Da dieser Agent Boulangers der Spionage in ausreichendem Maße überführt ist, da seine Verhaftung auf deutschem Boden statt- gefunden hat und selbst die Beamten, die sich seiner Person versichert haben, nicht beschuldigt werden können, ihm eine Falle gelegt zu haben, so ist ersichtlich, welches Entgegenkommen von deutscher Seite gegen die französische Regierung durch die
„Bedaure unendlich," erwiderte der Doctor, „daß man Sie vergebens incommodirt hat, indessen ist Herr Güldenberg ein sicherer Mann, der Ihnen die Executionsgebühren auf keinen Fall schuldig bleiben wird. Gehorsamster Diener!"
Während der Gerichtsbeamte die Treppe Hinabstieg, verriegelte Doctor Munck der größeren Vorsicht wegen aufs Neue die Thüre, nahm eiligst den Pelz wieder zum Fenster herein, hängte ihn am alten Ort auf und warf sich wieder auf sein Bett
Man sollte meinen, daß dieser boshafte Zwischenfall, der den Doctor mitten aus den Herrlichkeiten seiner-Ma herauSriß und ihn obendrein noch um ein so deliciöses Frühstück brächte, alle seine Jllussionen zerstört haben müsse. Dem war aber keineswegs so. Zwar hatte Doctor Munck eine nachdenkliche Stellung in seinem Bett eingenommen, hatte das Haupt auf die Hand gestützt und war in tiefes Sinnen versunken. Doch war es nicht seine traurige Lage, die ihn beschäftigte; im Gegentheil, er hatte sich schon wieder ganz seinem großen Plane hingegeben, und gerade das rauhe Eingreifen des Executors hatte ihn auf einen Gedanken gebracht, der ihn die Erfüllung seines Vorhabens möglicherweise näher bringen konnte.
„Halloh l" sagte Doctor Munck, „wie wäre es, wenn ich mich an den Mann selbst wendete, der mir soeben den Executor über den Hals geschickt hat, Er ist reich, und gewinnsüchtig. Es handelt sich ja nicht um die Gründung eines Waisenhauses