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Herssel-er Kttisblutt.

__________Wit wöchentlicher Kratis-WeitageALustrirtes AnterhallungsbtaLt".__________

Nr 53. Donnerstag den 5. Mai 1887."

Amtliches

Uslitische Nachrichten

Hersfeld, den 2. Mai 1887.

:. Juni 1869 zu Niederaula ge­borenen Schneidergesellen Andreas Steinberg ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

Für den am 4.

4463.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Aus dem Landtage.

Berlin, 2. Mai. Das Abgeordnetenhau S überwieS nach einiger Diskussion, in welcher die Finanz­lage überhaupt, namentlich die Frage der Steuerreform kurz erörtert wurde, den Nachtragsetat an die Budgetcom- mifiion, genehmigte dann den Gesetzentwurf über das BergwerkSeigenlhum in den ehemals hessischen Gebietstheilen der Provinz Hessen-Nassau in der vom Herrenhause ^be-

schlossenen Fassung, lehnte den Antrag des Abg. Lassen, betreffend den Ersatz der im Jahre 1864 im Kreise Sonderburg entstandenen Kriegsschäden, ab, überwies da-

-w^K- mr-Tpt'*Hiw»» -WUM--^^y^^.^^-k n bC^,»die

Dfficieren und Hinterbliebenen von solchen wegen ocaq- »ablung von Pensionen der Staatsregierung zur Erwägung. Schließlich wurden noch mehrere mündliche Berichte ver­schiedener Commissionen über Petitionen erledigt. Darunter ist hervor,uhtben eine Petition um Aushebung des Wege­bau-Edikts für das Herzogthum Magdeburg vom 14. Juli 1742 welche der Staatsregierung zum baldigen Erlaß einer provinziellen Wege-Ordnung für die Provinz Sachsen als Material überwiesen wurde. Eine Petition um Er­höhung des Maximalgehaltes der etatsmäßigen Gerichts- ichreibergehülsen wurde durch Tagesordnung erledigt, da- aeaen eine solche um Festsetzung der Gehälter der gericht-

gegen eine solche um Festsetzung lichen Gefängnthinfpectoren auf Staatsregierung zur Erwägung übettmefen. Eine Pe­tition, betr. den Bau einer Anschlußbahn von Bromberg nach Elsenau oder nach Znin, wurde, nachdem deren Noth- wendiakeit und Nützlichkeit allgemein anerkannt worden, der Staatsregierung als Material überwiesen. Nächste ®i*-"'"

1800 bis 2400 Ml. der

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser nahm am Dienstag Bormittag Vorfrage entgegen und begab sich um 103/+ Uhr vom Potsdamer Bahnhöfe aus nach Potsdam. Dort besichtigte der Kaiser im Lustgarten daselbst, umgeben von der gesammten Generalität und vielen anderen höheren Militärs, die 3 Bataillone des ersten Garde-Regiments z. F., wozu auch der Prinz Wilhelm zur Beiwohnung der Besichtigung er­schienen war. Nach dem Schluß der Besichtigung entsprach der Kaiser einer Einladung des Officier- Corps des ersten Garde-Regiments z. F. zum Dejeuner nach dem Regimentshause. Nach Auf­hebung der Tafel unternahm der Monarch eine Fahrt nach dem Babelsberg, nahm bei dieser Ge­legenheit die neuen Anlagen daselbst in Augen­schein unb kehrte hierauf nach Berlin zurück.

Der Prinz-Regent von Bayern ist auf einer Reise durch verschiedene Landestheile von Bayern begriffen und wird ihm überall ein enthusiastischer ^M^MlM,"^iU^lch i^r£^H^l^o.^^., ,w I entschieden, dem Reichstage eine ftaffeiförmige Branntweinsteuer vorzuschlagen, welche von 50 bis 70 Mark pro Hektoliter reinen Alkohols varmt. Den geringeren Steuersatz sollen die Brennereien mit kleiner Production zahlen, den größeren Steuersatz diejenigen Brennereien, welche den Branntwein in Massen produciren.

Dem Reichstage ist der Entwurf eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Reichsbeamten in den deutschen Schutzgebieten zugegangen.

Der Rest des Nachtrags-Etats ist in der Sonn­abend Sitzung der Commission, nachdem der Abg. v. Huene Bericht erstattet hatte, einstimmig be- willigt worden. Die Subcommission über Förde-

stätder Kaiser

Die amtlicheLandeszeitung für Elsaß« Lothringen" bezeichnet die beabsichtigte Verfügung des Kriegszustandes über die Retchslande als ein der Begründung entbehrendes Gerücht.

Am Dienstag fand beim Reichskanzler Fürsten von Bismarck eine Sitzung des preußischen Staats« Ministeriums statt.

(Frankreich.) Schnäbele sollte bei seiner Ankunft in Paris zum Gegenstand patriotischer Kundgebungen gemacht werden; die politische Poli­zei hat das aber verhindert. Er wurde vom Ministerpräsidenten Goblet zur Berichterstattung empfangen und hat wahrscheinlich auf einen ihm gegebenen Wink hin seine Penstontrung nachgesucht. DieFrance" hat eine Sammlung eingeleitet, um demarmen Dulder" ein diamanten­besetztes Ehrenlegionen-Kreuz anzuschaffen. Gegen diese Sammlung sprechen die vernünftigeren Blätter ihren scharfen Tadel aus. DasJournal des

Debals" sagt z. B., die Angelegenheit Schnäbele müsse als beendet angesehen werden; jedermann solle doch endlich einsehen, daß Affären htdfr 9M -in? ^"- besinnet» Wm ..i»,hM^ clamen gemacht werden dürfen. Auch schnäbele selbst hat sich die Sammlungen der »France" ver« beten. Prinz Jerame Napoleon (Plon-Plon) soll vom Schlage getroffen worden sein und schwer krank darniederliegen. _ , . lu

(Italien.) Die italienische Colonialpolitik am Rothen Meere nimmt mit der Uebernahme des Commandos durch den General Saletta ein ande­res Gesicht an. Nach einem Wolff'schen Tele« gramm aus Rom hat der General am Sonntag über die Küste von Massauah den Blockadezustand verhängt. Diese Nachricht in Verbrndnng mit den früheren, daß Saletta weitere Verstärkungen ver­langt, legt die Vermuthung nahe, daß die Italiener

ädf»e@i6un0 ZSS auf einen Waffengang

Erhöh^ '' über^ihre BerhandlMgen zu veröffentlichen. ! mit dem König Johannes von Abessinien vorbe.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Wunderdoktor.

Bon Gustav H öcker.

(Fortsetzung.)

Der Mann, den Doctor fDluud brauchen konnte, nämlich Güldenberg, hatte früher eins der ersten Hotels der Residenz besessen. Mit seinem zu­nehmenden Alter wurde ihm das blühende Geschäft unbequem. Er war zwar noch ziemlich rüstig und auch an Thätigkeit gewöhnt, allein er besaß seine Kinder, die ihn hätten unterstützen können, und war zu mißtrauisch, um sich fremden Beistandes zu bedienen. Als daher seine Frau starb, welche die Seele des großen Hauswesens gewesen war, und zu der er mehr in dem Verhältniß eines Ge- schäftscowpagnons als dem eines Ehegatten gelebt hatte, verkaufte er sein Hotel und zog M mit einer Viertelmillion und einer dunkelrothen Nase, die sich im Laufe der Zeit durch die noth- gedrungene practische Erprobung seiner Weinkarte eingefunden hatte. Die Unthätigkeit, zu welcher er sich nun verurtheilt sah, behagte 'hm nicht, auch war er an beständigen Verkehr mit Menschen gewohnt, den er jetzt sehr vermißte. Er hatte gern irgend ein kleines, rundes Geschäft betrieben, welches ihn vor Langeweile unb. Einsamkeit be­wahrte und die trüben Gedanken verscheuchte, die setzt häufig über ihn kamen. Wenn er früher in­mitten der Geschäfte im Spiegel sein weißes Haar | gesehen, hatte er sich weiter nichts dabei gedacht,

jetzt fing ihn der Winter auf seinem Haupt, auf welchen kein Frühling folgt, zu beunruhigen an, und er kam sich in seinem Ruhestande vor, als warte er nur noch auf den Tod. Vom Tode aber wollte er nichts wiffen.

Der geschäftliche Wirkungskreis, besten Gulden­berg wie eines neuen Lebensnerves so sehr be­durfte, hatte sich bald gesunden, und die dazu er­forderliche Kundschaft recruttrte sich sogar zum Theil aus seinen früheren Gästen, die sich in Geld­verlegenheit vertrauensvoll an ihn wandten, und er hatte sich stets ein Vergnügen daraus gemacht, seinen Gästen gegen die üblichen Sicherheiten zu helfen. Er drehte jetzt die Sache ganz einfach um und machte aus dem früheren Vergnügen ein Geschäft. Bald litt Güldenberg an dem ihm gewohnten Umgänge mit Menschen keinen Mangel mehr, der Kreis seiner Geschäftsfreunde erweiterte sich täglich und wuchs weit über jenen ursprüng­lichen Stamm hinaus, der einst an seiner Table dhdte gespeist hatte. Wir würden Güldenberg verleumden, wenn wir ihn als einen gewöhnlichen niedrigen Wucherer hinstellen wollten; mit diesen hatte er nichts gemein, als die nöthige Vorsicht, Hartherzigkeit und Rücksichtslosigkeit, die nun einmal von diesem Geschäft unzertrennlich sind. Er nahm mit einem viel mäßigeren Zinsfüße vor-

lieb, als der gemeine Wucherer.

Seit ihm sein feuerfester Geldschrank diese an- genehme Thätigkeit eröffnet hatte, die ihm weit besser behagte als die srühere, lebte er wieder auf, ja er that sogar, was schon viele alte Herren,

gleichviel ob Witlwer oder bekehrte Hagestolze ge­than haben und noch täglich thun: heirathete wieder, und zwar ein junges, bildschönes Mädchen. Die neue Gattin war eine entfernte Verwandte seiner verstorbenen; sie war arm, beinahe hulsloS und besaß keinerlei Aussichten für die Zukunft.

AlS ihr daher Güldenberg einen Heirathsantrag machte, griff sie mit beiden Händen zu, denn eine andere Erwägung, als die GeMheit eines ange­nehmen, sorgenfreien Lebens, exMrte für sie nicht. Auch Güldenberg hatte sich nicht mit Erwägungen geplagt; er wollte noch einmal ansangen, das Leben zu genießen, und dazu rechnete er vor allen Dingen den Besitz einer bezaubernden Gattin, wie er sie in Arabella zu finden glaubte. Das war ihm genug.

Mit dem Bezaubern ist es aber ein eigen Ding. Es fragt sich, worin der Gatte den Zauber sucht; ob darin, daß die Gattin ihn im Leid tröstet und ihm betsteht, ihn in Krankheit pflegt, in Trüb in« erheitert, daß sie um >hu her den Zauber einer geordneten, behaglichen Häuslichkeit ausbreitet, ihn mit dem Zauber eines innigen, nur im innern Glück beruhenden Zusammenlebens umfangt.

Von allen diesen Zaubereien betrieb Arabella keine einzige, und dennoch übte sie einen macht gen Zauber auf ihren Gatten aus: sie besiegte seinen Hang zum Geiz und verwandelte seine kargende Hand in ein Füllhorn, aus welchem Sammt« und Seidengewänder, kokette Hüte mit Straußenfedern und Spitzenschletern, goldene Schmuckgegenflande