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Hersski-kl Krcisbliltt

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes NnterhaktungsökatL".

Nr. 57. Sonnabend den 14. Mai 1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. Mai 1887.

Seitens des Herrn Oberpräsidenten der Pro­vinz Hessen-Nassau ist zum Besten der Arbeiter- Colonie Neu-Ulrichstein (Großherzogthum Hessen) die Veranstaltung einer einmaligen Sammlung freiwilliger Beiträge bei den Einwohnern in einem Theile der Kreise im Regierungsbezirk Cassel ge­stattet worden.

Wie aus dem dahier vorliegenden Rechenschafts­bericht für das Wirthschaftsjahr 1885/86 hervor- geht, hat in der fraglichen Colonie auch eine größere Anzahl arbeitsloser Wanderer aus dem diesseitigen Regierungsbezirk zeitweise Unter­kommen, Nahrung und Kleidung gefunden, wo­durch namentlich zur Beseitigung der Wander- bettelei nicht unerheblich mitbeigetragen wird.

Indem ich den Herren Ortsvorständen des Kreises in den nächsten Tagen Sammellisten, in welche die Beiträge eingezeichnet werden können, mittheile, erhalten erstere hiermit die Weisung, diese Listen bei den Einwohnern Ihrer resp. Ge­meinde circuliren zu lassen und solche Hiernächst, nebst den gezeichneten Beträgen, s p ä t e st e n s bis zum 10. Juni d.J., hierher einzureichen. 4803. Der Königliche Landrath

Freiherr von Sch leinttz.

Hersfeld, den 11. Mai 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden davon benachrichtigt, daß die nach den bestehenden Vorschriften von der Jsteinnahme mit 3°/0 zu be­rechnenden Veranlagungskosten von der Klassen­steuer pro 1886/87 zur Auszahlung an die einzelnen Gemeinden durch Vermittlung der betreffenden Steuerkasse angewiesen worden sind, und die Ab­hebung der resp, Beträge alsbald zu ge­schehen hat.

4877. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.

Von Gustav Höcker.

(Fortsetzung.)

Zufälligerweise hatte Güldenberg erfahren, daß Geheimrath Marlow, seinem seitherigen Hausarzte, unter dessen Behandlung die Geheimräthin ge­storben war, die ärztliche Praxis in seiner Fa­milie aussagen wollte und jetzt einen anderen suchte. Er ließ daher den Wunderdoctor zu sich kommen und, nachdem er ihn von diesem Vor­haben des Geheimraths in Kenntniß gesetzt hatte, theilte er ihm mit, daß er sich um jene Stelle be­werben solle, bet deren Erlangung er, Güldenberg, ihn zu unterstützen bereit sei. »Ich denke," fuhr der Rentier fort,wir versuchen es erst auf diesem Wege, hoffentlich werden Sie doch die Rolle eines Hausarztes übernehmen können, sollte uns jedoch dies nutzlos sein, dann freilich gebrauchen wir unseren zuerst gewählten Plan. Sind Sie damit einverstanden s"

Gewiß," entgegnete der Wunderdoctor, ein wenig überrascht.

Sehen Sie also zu, daß Sie einem der Familienangehörigen des Geheimraths eine gefähr­liche Krankheit andtchten. Bet dem Sohn wird dies wohl nicht gehen. Jedoch hat er eine Tochter, welche in noch sehr jugendlichem Alter steht. Diese nehmen Sie in Ihre Behandlung und

Hersfeld, den 2. Mai 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises benach­richtige ich davon, daß in Ausführung des Reichs- Jmpfgesetzes vom 8. April 1874 im Kreise Hers­feld die Jmpfstationen bezw. Impf- und Revisions-Termine für das Jahr 1887 wie folgt bestimmt worden sind.

1) Station Hersfeld.

a) Donnerstag den 30. Juni, Nachmittags 2 Uhr, Erstimpfung der im Jahre 1886 ge­borenen Kinder der Stadt Hersfeld und der Restanten.

Revision: Donnerstag den 7. Juli Nachmit­tags 2 Uhr.

b) Impfung: Sonnabend den 2. Juli, Erst­impfung bezw. Wiederimpfung der Kinder und Schüler aus den Gemeinden Kalkobes, Allmershausen mit Hählgans, Heenes, Mei­sebach, Eichhof und fiscalische Oberförsterei Hersfeld und Wiederimpfung der Schüler der Stadt Hersfeld.

Revision: Sonnabend den 9. Juli Nach­mittags 2 Uhr.

2) Station Sorga,

umfassend die Ortschaften Sorga, Kathus, Pe­tersberg, Wilhelmshof und Oberrode.

Impfung: Freitag den 27. Mai Nachmittags 4 Uhr. Revision: Freitag den 3. Juni Nachmittags 4 Uhr.

3) Station Friedlos,

umfassend die Ortschaften Friedlos, Reilos, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach und die fis­calische Oberförsterei Meckbach.

Impfung: Mittwoch den 1. Juni Nachmittags 4Uhr. Revision: Mittwoch den 8. Juni Nachmittags 4 Uhr.

4) Station Asbach,

umfassend die Ortschaften Asbach, Beiershausen und Kohlhausen.

Impfung: Sonnabend den 4. Juni, Vormittags 91/2 Uhr.

Revision: Sonnabend den 11. Juni Vormittags 9-/2 Uhr.

lassen dann genau die Maßregeln befolgen, die Sie ihr verordnen. In Ihrer Rolle als Hausarzt nehmen Sie dann den Namen eines Doctor Balbamus an.

Eines Tags erschien Güldenberg bet dem Ge- heimrath Marlow und bat um eine kleine Be­sprechung, welche ihm denn auch sogleich gewährt wurde.

Wie ich gehört habe, hub Güldenberg an, suchen Sie für Ihre Familie einen Hausarzt. Da nun seit kurzem ein naher Verwandter von mir, sich als Arzt in unserer Stadt niedergelassen hat, so möchte ich ihn, da er ein tüchtiger und geschickter Mediciner ist, Ihrem geneigten Wohlwollen empfehlen."

Marlow, welcher seinem Gläubiger nicht gern eine Bitte versagen wollte, und um so mehr, da der neue Doctor ein Verwandter Güldenbergs war, erklärte sich denn auch sogleich bereit, ihn als Hausarzt annehmen zu wollen.

Einige Zeit nach jener Unterredung bemerkte die Nachbarschaft, daß zwei Fenster in der Wohnung des Geheimraths Marlow beständig verhüllt waren. Täglich um eine bestimmte stunde hielt eine jener zweispännigen Equipagen vor der Thür, wie sie bei den Aerzten der Großstadt allgemein im Ge­brauch waren. Der aussteigende Arzt hielt sich sehr lange in dem Hause auf; seine Besuche wur­den immer häufiger, denn es währte nicht lange,

5) Station Kerspenhausen, umfassend die Ortschaften Kerspenhausen, Hilper- hausen, Roßbach, Holzheim, Cruspis, Stärklos und die fiscalische Oberförsterei Niederaula. Impfung: Freitag den 17. Juni Nachmittags 4 Uhr. Revision: Freitag den 24. Juni Nachmittags 4 Uhr.

6) Station Niederaula, umfassend die Ortschaften Niederaula, Mengs- hausen, Solms, Niederjossa, Hattenbach, Kleba, Reimboldshausen, Kemmerode und Engelbach. Impfung: Mittwoch den 15. Juni Vormittags9Uhr. Revision: Mittwoch den 22. Juni Vormittags 9 Uhr.

7) Station Kirchheim, umfassend die Ortschaften Kirchheim, Reckerode. Gershausen, Goßmannsrode und Rotterterode. Impfung: Montag den 20. Juni Nachmittags2Uhr, Revision: Montag den 27. Juni Nachmittags 2 Uhr.

8) Station Frielingen, umfassend die Ortschaften Frielingen, Allendorf, Gersdorf, Heddersdorf und Willingshain.

Impfung: Montag den 20. Juni Nachmittags4Uhr. Revision: Montag den 27. Juni Nachmittags 4 Uhr.

9) Station Schenklengsfeld, umfassend die Ortschaften Schenklengsfeld, Ober- lengsfeld, Wehrshausen, Hilmes, Conrode, Lam« pertsfeld, Landershausen, Unterweisenborn, Wüst« feld, Malkomes. Schenksolz, Dünkelrode, Motz- feld und Hillartshausen.

Impfung: Donnerstag den 16. Juni Vormittags 8 Uhr.

Revision: Donnerstag den 23. Juni Vormittags 8 Uhr.

10) Station Ransbach, umfassend die Ortschaften Ransbach und Ausbach. Impfung: Donnerstag den 16. Juni Nachmittags

2 Uhr.

Revision: Donnerstag den 23. Juni Nachmittags 2 Uhr.

11) Station Philippsthal, umfassend die Ortschaften Philippsthal und Röh- rigshof mit Nippe.

so fuhr sein Wagen des Tages zweimal, endlich sogar dreimal vor. Zuletzt wurde im Bereiche des Hauses und der nächsten Umgebung die Straße mit einer dicken Schicht Stroh bedeckt und das Geräusch des Verkehrs dadurch abgedämpft, so daß eine unheimliche Stille herrschte und die Nach­barschaft aus einer theilnahmsvollen Spannung gar nicht mehr herauskam; dazu gingen Bediente in reichen Livreen zu allen Tageszeiten in dem Hause aus und ein, um sich im Auftrage ihrer Herrschaften nach dem Stande der Dinge zu er­kundigen.

Eines Tages kam ein junger Arzt, Doctor Denkhausen, in jene Gegend, die er in den letzten Wochen nie betreten hatte, und sein Erstaunen läßt stch schwer beschreiben, als er erfuhr, daß die getroffene Vorkehrung dem auf den Tod erkrankten Töchterchen des Geheimraths Marlow gelte. Seine Ueberraschung hierüber war gewiß gerechtfertigt, denn er war der Hausarzt des Geheimraths ge­wesen und hatte über seine Entlassung bis jetzt noch keine Mittheilung erhalten. Er vermochte sich daher nicht zu erklären, weshalb man ihn nicht zu der Kranken gerufen hatte. Da er jedoch eine große Anhänglichkeit an die Familie besaß, so überwog seine Besorgnitz und Anthetlnahme an dem Krankheitsfälle jedes andere Gefühl, und so eilte er hinauf, um sich nach der kleinen Patientin zu erkundigen. Der Geheimrath empfing ihn und theilte ihm auf Befragen mit, daß sein