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Htrssklilcr Klcisdllitt.

WiL wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaktungsblatt".

Nr. 60. Sonnabend den 21. Mai 1887.

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Hersfelder Kreisdlatt

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Amtliches.

Hersfeld, den 18. Mai 1887.

An Stelle des Reglements über Verpflegung der Rekruten, Reservisten rc. bei deren Ein­ziehung rc. vom 5. Oktober 1854 ist vom 1. April d. Js. ab die mittelst Allerhöchster Kabinets- OsM vZm 22. Februar er. genehmigte „Dienstvor- n^nji uver wM'i^Wa^.»..ss^ E 'amUiufuiiyeu zum Dienst sowie bei Entlassungen" — Verlag von Mittler und Sohn in Berlin — getreten.

Im Interesse der einberufenen Mannschaften und zur Vereinfachung des Geschäftsganges soll hiernach in der Regel die Marschgebühr von den Gemeinde Behörden vorschußweise gezahlt und nur an den Orten, an welchen sich Königliche Steuerkassen befinden, die Zahlung von den letzteren auch fernerhin bewirkt werden.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welchen ich in der Kürze einen auszugsweisen Abdruck der §§. 1—5 und 37 der Marschgebühr- niß-Vorschrift nebst den von der Intendantur des 11. Armee-Corps aufgestellten und mir von der Königlichen Regierung übersandten Marsch- gelder-Tabellen mittheilen werde, weise ich daher hierdurch an, die Zahlung der Marschgebührniß durch den Gemeinde Rechnungsführer von jetzt ab hiernach bewirken zu lassen.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Der Wunderdoctor.

Von Gustav H öcker.

(Fortsetzung.)

Bei der Hoffnungslosigkeit, mit welcher er in die Zukunft seines beruslosen Sohnes blickte, dem er einst kein Vermögen hinterlassen konnte, erschien ihm diese Hetrath noch als der einzige Auskunfts- weg. Und wenn ihn anfänglich die Befürchtung quälte, die Verschwendungssucht Brunos könne mit der Zeit den Reichthum erschöpfen, über den er so unverhofft gebieten sollte, so stellte stch doch bald heraus, daß Arabella zu viel Festigkeit des Willens besaß, und auch vor ihrer ersten Lerhei- rathung in eine zu bittere Schule gegangen war, um der Verschwendungssucht des Gatten ganz un­gezügelt ihren Lauf zu lassen. Innerhalb der Grenzen aber, die Arabella selbst gezogen hatte und welche bet der Größe ihrer Mittel immerhin weit genug waren, spielte das junge schöne Paar eine Rolle, die selbst in der großen Residenz nicht unbeachtet blieb. Sie bewohnten ihr eigenes, reizend gelegenes Haus, gaben und besuchten glän- zende Gesellschaften, bewegten sich an allen Ver­gnügungsorten, wo sich die seine Welt zu treffen pflegte, und staunend sah man dem schönen Paare nach, wenn es in elegantem Zweispänner, den Brunos erfahrene Hand selbst lenkte, durch die Straßen brauste, oder sich zu Pferd im großen Park zeigte.

Zur Vermeidung von Rückfragen mache ich darauf aufmerksam, daß in den Fällen, in wel­chen die Entfernung von dem Aufenthalt des Einberufenen bis zum Landwehr-Bataillon-Stabs- quartier bezwse. dem Gestellungsort 20 Km nicht übersteigt, in den Marschgelder-Tabellen ein Geldbetrag nicht angegeben ist und deßhalb auch eine Zahlung nicht zu leisten ist.

Die von den Gemeinden vorschußweise gezahl­ten Beträge sind von denselben sofort bei der Zahlung in die Nachweisung nach dem Muster 0. zu § 37 der Marschgebührnißvorschrift einzu- tragen und von den Empfängern in Spalte 12 durch Namensunterschrift quittiren zu lassen, worauf diese Nachweisung mit der vorgeschriebe- nen Bescheinigung versehen, direct der zustän­digen Steuerkasse zur Erstattung der gezahlten Beträge einzureichen ist.

Das Formularpapier zu den Nachweisungen über die vorschußweise gezahlten Beträge kann von bet Walseyhaus-Verlags-Handlung zu Cassel gegen den Belrägvon S Pienutg pro Bogen (Titel- wie Einlagebogen) bezogen werden, wo­rauf ich die Herren Ortsvorstände aufmerk­sam mache.

5049. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

— Hersfeld, den 12. März 1887.

Die Herren Bürgermeister des Kreises haben in ihren Polizeibezirken wiederholt bekannt zu machen, daß das Einfängen oder Tödten aller Arten von Vögeln, namentlich der Nachtigallen und sonstigen von Jnsecten sich nährenden Vögel, sowie auch das Zerstören deren Nester und das Sammeln von Eiern durch die Forst-, Jagd-und Fischerei-Strafordnung vom 30. December 1822, Satz 10 des Jagd-Straftarifs, bei 30 Mk. bezw. 7 Mark 50 Pfg. Strafe gesetzlich verboten ist.

Die Feldhüter und Waldschützen sind zur Auf­sicht gegen Uebertretung dieses Verbots gemessenst

V.

Es war im Sommer 1871. Der Krieg zwischen Deutschland und dem übermüthigen Frankreich war ausgekämpft, Handel und Wandel kehrten allmählich wieder in die alten gewohnten Geleise zurück. Auch Doctor Denkhausen, der ehemalige Hausarzt des Geheimraths Marlow, war jetzt seinem alten Wirkungskreise wiedergegeben worden, dem er sich bei Ausbruch des Krieges freiwillig entzogen hatte.

In richtiger Würdigung der Dienste, die sich von dem zu hohem Rufe gelangten Mediciner für den Feldzug erwarten ließen, hatte man ihm die Stelle eines Generalarztes im Stäbe eines Armee­corps angetragen, und der patriotische junge Arzt folgte dem Rufe, seine ausgedehnte Praxis den zurückbleibenden Collegen überlassend.

Um sich nun von den Strapazen des Krieges zu erholen, unternahm Doctor Denkhausen jetzt nach wiederhergestelltem Frieden eine Erholungs­reise, die ihn u. a. auch nach Baden-Baden führte.

Er hatte bereits schon zwei Tage in diesem reizendem Badeorte zugebracht und wollte mit dem nächsten Morgen die Heimreise wieder antreten, da er die Urlaubszeit, die er sich selbst gesteckt, bereits überschritten hatte. Wie schon den vorher­gegangenen, so verbrachte er auch den letzten Abend vor dem Curhause und lauschte den süßen, ein­schmeichelnden Tanzweisen, die von dem vollbesetz­ten Orchester herüberklangen und von dem dtrigi- renden Capellmetster mit so excentrischen Körper«

anzuweisen und die Herren Schullehrer zu er­suchen, die Schuljugend namentlich vor Aus­hebung oder Zerstörung der Nester von Nach­tigallen, Rothkehlchen, Rothschwänzchen Gras­mücken, Meisen, Finken, Drosseln, Spechte rc. ernstlich zu warnen.

2931. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 18. Mai. Der Reichstag beschäftigte sich heute nur mit Petitionen und zwar zunächst mit der Petition des Thierschutzvereines des Deutschen Reiches, betreffend den Mißbrauch beim Schlachten der Schlachtthiere. Die längere Debatte, welche stellenweise einen ziemlich lebhaften Charakter annahm, schloß mit der Annahme des Kommissionsan- trages, die Petition dem Herrn Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen, ob und auf welche Weise, insbesondere durch Abänderung des Reichsstrafgesetzbuches, den in der Petition geltend gemachten Mißständen entgegenzutreten ist, unter Hinzufügung eines Antrages des Abg.Windthorst sCentr.): soweit diese Petitionen sich indeß aus das jüdische SchSchten beziehen, über dieselben zur Tagesordnung Über­zugehen. — Die zweite zur Verhandlung gelangte Petition des Verbandes deutscher Schlosserinnungen, dem Uebel­stande, welcher in der Fasiung des §. 369 Abs. 1 des Strafgesetzbuches insofern liegt, als auf Grund desselben sich nur Schlosser strafbar machen, wenn sie Personen ohne genügende Legitimation Schlüssel verkaufen oder ein- passen, auf gesetzlichem Wege Abhülfe zu schaffen, — ge­langte heute noch nicht zur Erledigung, da bei der Ab­stimmung über einen zu derselben gestellten Antrag die Beschlußunsähigkeit des Hauses sich ergab. Freitag: Be­richt der Reichsschuldenkommission; Nachtragsetat; Relik- tengesetz; Kunstbuttergesktz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der K a i s e r nahm im Laufe des Mittwoch Vormittags einige Vorträge entgegen und empfing den General- Quartiermeister Graf v. Waldersee. Die Besich­tigung der kombinirten Garde-Jnfanterie«Brigade, welche für Mittwoch auf dem Tempelhofer Felde,

Verdrehungen und Zuckungen begleitet wurden, als wären es Zauberformeln, ohne welche die Instrumente den Dienst versagen würden. Die Salons des Curhauses und die Promenade davor schwammen in einem Meer strahlender Gasflam­men. Dicht gedrängt war die Masse der Zu­schauer, die in den elegantesten Toiletten auf Stühlen saßen, oder in dem freigelassenen Prome- nadenweg auf und ab wandelten.

Unter dem Concertpublikum bewegten sich zahl­reiche Militärs, die zum Theil aus dem benach­barten Rastatt herübergekommen waren, zum größeren Theil aber die Cur gebrauchten. Hier führte mitten im tiefsten Frieden, der beendete Krieg noch eine gar beredte Sprache. Gar mancher kühne Vaterlandsvertheidiger schlich umher, die Wangen bleich und eingefallen vom langwierigen Siechbett, oder den einst so kräftigen Arm in der Binde. Viele gingen an Krücken und andere waren im Rollstuhl gebannt. Auch gab es viele junge Männer in Civil, die in gleicher Weise an dem Gebrauch ihrer Glieder verkürzt waren und die blitzenden Medaillen oder eisernen Kreuze auf ihrer Brust verriethen, daß auch sie für das Vater­land gestritten hatten.

Die Stunden flossen dahin und die rasch herein- brechende Abendkühle lichtete zusehends die Zahl der Gäste. Immer mehr leere Tische und Stühle tauchten auf, und Denkhausen, der sich bisher mit einem sehr unvorthetlhasten Platze hatte begnügen müssen, wählte sich einen besseren, der ihm ein