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Ittsftlirt Kreisliliitt

_________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMustrirtes AnLerhaltungsötatL"

Nr. 61. " Dienstag den 24 Mai

1887.

Aöonnemenis-Gintadung.

Bestellungen auf das

Hersfelder Krersvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage JUnstrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches

Hersfeld, den 21. Mai 1887.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 27. November 187 6 Nr. 11906, im Kreisblatt Nr. 96, die zur Erfüllung ihrer Mi- litairpflicht heranzuziehenden Personen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis $ttm 3L d. Mts. bei Meidun g von je 3 Mark Strafe erinnert-

5458. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. Mai 1887.

Für den am 19. September 1867 zu Solms geborenen Heinrich Hebel ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 5424. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Geld. Meldung des Eigenthümers im Zimmer Nr. 6 des Rathhauses zu Hersfeld.

Aus dem Reichstag.

Berlin, 20. Mai. Der Reichstag erledigte zunächst den Bericht der Reichsschuldenkommission und nahm dann den

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Der Wunderdoctor.

Von Gustav H öcker.

(Fortsetzung.)

,DaS wirst du nicht!" versetzte Bruno mit auf- steigender Heftigkeit. »Dein Platz ist an der Seite deines Gatten. Ueberhaupt bin ich des Aufenthalts hier müde; die Zerstreuungen lassen dir kaum Zeit, mich nur zu beachten. Morgen reisen wir nach Hause." v .

.Reise du mit Henrietten, wann und wohin es dir beliebt," gab Arabella gleichgültig zur Ant­wort, »ich amüsire mich hier und bleibe, so lange es mir gefällt. Ich habe dich überhaupt nicht veranlaßt, die weite Reise mitzumachen. Es war dein eigener freier Wille."

Du hättest mich freilich am liebsten zu Hause gelassen," entgegnete Bruno bitter, »damit ich dir nicht im Wege bin."

.Wenn du weniger selbstsüchtig wärst," sagte Arabella, .so hättest du mir wohl die gewohnte Sommererholung gegönnt, ohne mir deine Beglet- tun» auszubürden, welche unter den fetzigen Ver­hältnissen sehr beschwerlich ist. Ich denke, nach einem solchem Winter, wie ich ihn mit dir durch- gemacht habe, hätte ich wohl etwas Besseres ver­dient!"

.Hörst du, Henriette," wandle sich Bruno an die jüngere Dame »hörst du, wie sie mir s zum Vorwurf macht, daß sie mich den Winter über hat pflegen müssen 2*

Nachtragsetat nach kurzer Debatte definitiv an. Auch die dritte Berathung des Militärreliktengesetzentwurfs führte nur zu einer kurzen Diskussion. Der von der Kommission neu eingefügte §. 33 lrückwirkende Kraft) erfuhr in seinem dritten Absatz eine Aenderung, außerdem wurde folgende Resolution beschlossen: »Die Erwartung auszusprechen, daß die verbündeten Regierungen thunlichst im Laufe der nächsten Session dem Reichstage eine Vorlage machen werden, nach welcher die Wittwen- und Waisengeldbeiträge sowohl bezüglich der Reichsbeamten des CivilstandeS, als auch bezüglich der Angehörigen deS Reichsheeres und der kaiserlichen Marine in Wegfall kommen." Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die zweite Berathung des Gesetzentwurfs betreffend den Verkehr mit Kunstbutter. Nach längerer Debatte wurde mit erheblicher Mehrheit be­schlossen, im §. 1 daS WortKunstbutter" durchMar­garine" zu ersetzen und dem §. 1 folgenden Zusatz hinzu« zufügen:Margarine" im Sinne dieses Gesetzes sind die­jenigen, der Milchbutter ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Milch entstammt." Darauf wurde die weitere Berathung aus morgen vertagt.

Berlin, 21, Mai. Der Reichstag beendigte die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Verkehr mit Kunstbutter. Dieselbe begann heute bei dem §. 2, welcher lautet:Die Vermischung von Butter mit Margarine oder anderen Speisefetten zum Zwecke des Handels mit diesen Mischungen sowie der gewerbsmäßige Verkauf und das nl-jaucii derselben ist verboten, Unter diese Bestimmung

* * ' au»

Wendung von Milch oder ähm bei

Margarine herrührt, sofern dieser Zusatz nicht mehr als vier Prozent beträgt." Dieser Paragraph, welcher den Hauptpunkt der Beschlüsse der Kommission bildet, führte zu einer eingehenden Diskussion. Der Staatssekretär des Innern, Staatsminister von Boetticher, erklärte sich mit großer Entschiedenheit gegen diesen Paragraphen, dessen Annahme das Zustandekommen des Gesetzes überhaupt in Frage stellen würde. Der Zweck des Gesetzes gehe dahin, das Publikum vor Täuschung zu bewahren und die be- trügerische Einsuhr von Kunstbutter in den Verkehr zu ver­hindern. Dieser Zweck würde auch durch die Bestimmun­gen der Vorlage in vollem Maße erreicht; zu der völligen Vernichtung einer legitimen Industrie, wie der Kommissions» beschluß beabsichtige, könnten aber die verbündeten Regie- rungen die Hand nicht bieten. Abgesehen von den princi- piellen Bedenken seien auch die Bestimmungen im §. 2 der

I Kommissionsbeschlüsse technisch unausführbar. Dem 1 gegenüber wurde zur Rechtfertigung deS Kommissionsbe-

»Du darfst nicht gleich das Schlimmste denken, lieber Bruno," suchte die Angeredete zu beschwich­tigen, und abermals wandle sie sich mit einem rührenden, bittenden Blick aus ihren sanften blauen Augen an die schöne Frau, die ihn aber nicht be­merken wollte.

Für Denkhausen war der geheimnitzvolle Be- rührungspunkt, der zwischen ihm und der blonden Dame bestand, längst kein Räthsel mehr, denn er hatte schon bei der ersten Nennung ihres Namens Brunos Schwester in ihr erkannt. Ja, es war seine einstige kleine Patientin, die er seit sieben Jahren nicht mehr gesehen, und nun, zur blühen- den Jungfrau herangereist, so unverhofft wieder- fand. Aber er konnte sich seiner freudigen Ueber- raschung nicht ungeteilt hingeben, denn die vernommenen Reden entrollten ihm ein gar düsteres Stück Familienleben.

Gern hätte er sein Ohr davor verschlossen, aber sie wurden, wenn auch gedämpft, so doch mit jener leidenschaftlichen Heftigkeit geführt, die alles um sich her vergißt, und drangen deutlich vernehmbar zu ihm, und dazu zwang ihn ein ängstliches In­teresse an dem armen, unschuldigen Kinde, dem eine so schwere Vermittlerrolle zugefallen war, gegen seinen Willen zur Aufmerksamkeit. Er sah die Gattin Brunos, von deren Schönheit er schon oft gehört hatte, heute zum ersten Male, aber mit der Bewunderung ihrer Reize ging ihm auch zu­gleich eine Ahnung der düsteren Schattenseite auf, die Brunos vielbenetdetes Glück in sich schloß, ob-

schlusses geltend gemacht, daß es sich bei demselben nicht darum handle, eine legitime Industrie zu schädigen, son­dern nur die Grenzlinie zwischen Natur- und Mischbutter erkennbar zu machen. Schließlich gelangte der §. 2 der Kommissionsbeschlüffe mit nicht erheblicher Majorität un­verändert zur Annahme. Der Rest der Vorlage wurde mit einer geringen Aenderung zu §. 3 nach den Vor­schlägen der Kommission genehmigt. Montag: Kleinere Vorlagen und Wahlprüfungen.

# Freisinnige Aufwiegelungen.

Den Freisinnigen so meinen sie blüht jetzt der Weizen. Das Septennat, die neuen Mehrforderungen für militärische Zwecke, die Reform und Erhöhung der Branntwein- und der Zuckersteuer, die neulich in Aussicht gestellte Er­höhung der Kornzölle: das Alles wird von ihrer Presse weidlich zur Aufwiegelung der Massen gegen die nationale Mehrheit des Reichstags und zur Empfehlung der eigenen Partei ausge- beutet.

Der Gedanke, daß die nationale Mehrheit nur ihre Pflicht und Schuldigkeit thut, wenn sie den offenkundigen Bedürfnissen des Reichs und seiner Glieder gerecht wird, liegt den Freisinnigen voll-

4?-W übergeht sogar forderungen für Militär " haben: offenbar verfolgt es damit die Absicht, die Freisinnigen beim Volke nicht in Mißcredit zu bringen, indem es auf dem echt freisinnigen Standpunkt steht, daß jede neue Ausgabe, jede neue Steuer vom Uebel sei, weil sie das Volk überlaste.

Gewiß giebt es weite Schichten in der Bevöl­kerung, die blind genug sind, diese Ansicht zu theilen. Das sind diejenigen, welche nur das Interesse des eigenen Beutels und des eigenen Wohlbefindens als Richtschnur anerkennen, von den Interessen des Anderen, des allgemeinen Wohls, der Gesammtheit, des Staates aber wohl Denkhausen die ganze Größe seines Elends erst noch kennen lernen sollte.

»Es bleibt dabei, Arabella," ergriff Bruno wieder das Wort, während er mit seiner Uhr spielte, die er schon längere Zeit in der zitternden Hand hin und herdrehte, .wir reisen morgen und begeben uns jetzt auf den Nachhauseweg."

»Dann reißt ihr ohne micht," entgegnete Ära- bella kalt und entschieden, »und geht auch ohne mich nach Hause. Ich will in den Spielsaal."

Bruno sah seine Gattin mit einem Blick bitteren Vorwurfs an.

.O, ich fühle es sehr wohl," sagte er mit be­wegter Stimme, .was schon längst in dir vorge­gangen ist. Ehedem war alles schön und gut, aber jetzt zeigt es sich, daß du mich nur mit den Augen geliebt hast und nie mit dem Herzen, denn du hast überhaupt kein Herz. Du bist ein Weib, das nur im Glück aushält, und gibst dir nicht einmal die Mühe, dich zu verstellen. Freilich, als du mich zum Gatten nahmst, war ich frisch und gesund, jetzt bin ich ein Krüppel!"

»Bruno, sprich nicht so von dir!" rief Henriette in leisem, halb vorwurfsvollem, halb besänftigen­dem Tone, während sich Arabellas Brust unter einem tiefen Seufzer hob, als müsse ste dies leider zugeben.

»Ja, ein Krüppel," wiederholte Bruno wie in schmerzlicher Selbstanklage, »ein armer Krüppel, für den man keine Liebe mehr, nicht einmal einen Funken Mitleid hat. Wollte der Himmel," fügte er hinzu, während er seine geballte Faust wild

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