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Hersstl-er Zreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kratis-ZLeikageIllustrirtes Anterhallungsblatt".

Nr. 63. Sonnabend den 28. Mai 1887.

Pfingst-Offenbarung

Dem düstern Grab war Er entstiegen,

Er brach des Todesschmerzes Bann, Das ew'ge Licht, es mußte siegen Und strahlte ihm den Pfad voran. Und neu erwacht zu ew'gen Leben Trat Er vor seines Vaters Thron Aufjauchze, Welt, dir ist vergeben, Es fleht für dich der Gottessohn!

Der Jünger Schaar steht voller Schauern, Indem sie Gottes Namen preist Auch außerhalb der Tempelmauern, Und nieder schwebt der heil'ge Geist Gleich einer Taube, Frieden spendend Nicht mit des Grimmes Donnerton, Das große Lösungswerk vollendend, Für welches starb der Menschen Sohn.

Nicht hob sich seine Hand zur Sühne Für die, die Ihn ans Leidenskreuz Geheftet heuchlerischer Miene: Ja, kreuzigt ihn, der Herr gebeut's!" Jhu, der mit seinem heil'gen Sterben Die sünd'ge Menschheit hat erlöst, Daß alle seiner Liebe Erben Daß Gott sie nimmermehr verstößt!

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(Unbefugter Nachdruck verboten.)

* Der Wunderdoctor.

Von Gustav Höcker. (Fortsetzung.)

Als er sich jetzt wieder inmitten der Stadt befand und die Entfernung berechnete, die ihn von Henrietten trennte, vermochte er sich kaum vorzu- stellen, daß auch sie diese Straßen ihre Heimath nenne; draußen in der Fremde hatte er sie gefun­den und die Fremde schien sie festzuhalten, und daß sie wenig Wochen zuvor ihm zwischen diesen kalten Häuserreihen ebenso gut hätte begegnen können, wie sie ihm zwischen den hochragenden Bergen Badens begegnet war, schien ihm beinahe unglaublich, denn überall, wo sie nicht war, war ihm die Fremde, und als er in seiner Wohnung anlangte, steigerte sich dieses Gefühl bis zu trost­loser, öder Vereinsamung. Er wollte heute nichts wissen von dem eintönigen Gange des Daseins, an das er von morgen an wieder geschmiedet war nichts von den Zuschriften und fachwissen- schaftlichen Journalen, die während seiner Ab­wesenheit angelangt waren und auf seinem Pulte lagen. Er warf sich in seinen Sessel am Fenster, und den Blick zu den blinkenden Sternen erhoben, die auch auf jene fernen Berge herabschimmerten, träumte er von Henrietten, bis er von der ihn übermannenden Müdigkeit gemahnt wurde, die Nachtruhe aufzusuchen.

Der andere Morgen fand Denkhausen in frischerer,

Und steh! es glüht in lichten Flammen Verkündend ob der Jünger Haupt, Das Volk drängt sich bestürzt zusammen, Die Lippe ist des Worts beraubt . .. Doch jene, wundersam begeistert, Sie treibt ein heil'ger Eifer an Zu künden, was die Welt bemeistert, Was sie mit Himmelsmacht umspann.

Der heil'ge Geist, er ward verkündet, Der ew'gen Liebe heil'ger Geist, Auf daß die Herzen er entzündet Und sie empor zum Vater weist, Daß er mit ewigem Erbarmen Erhebe aus der Sünden Last Die Schuldbedrückten, Müden, Armen, Die schon verzagt, verzweifelt fast.

Und wie an jenem Pstugstesmorgen Laßt es auch heute wieder sein; Werft von euch alle kleinen Sorgen Und laßt den heil'gen Geist herein; Er macht die Herzen sanft und milde, Und lehrt dem Greise wie dem Kind, Daß alle nach dem Ebenbilbe Des Höchsten selbst erschaffen sind.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. Mai 1887.

Die Schulstelle zu Wehrshausen wird in Folge Versetzung des seitherigen Inhabers mit dem 1. Juni d. I. vacant.

Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und

mulhooller Stimmung. War er doch um einen Tag älter geworden und somit auch dem Zeit­punkt um etwas näher gerückt, wo ihn kein end­loser Schienenweg mehr von dem blauen Augen­paare trennte. Er fühlte seinen Thätigkettsbetrieb neu erwacht und griff mit frischem, fröhlichem Interesse zunächst nach den Journalen und Korrespondenzen, die ihn gestern angewidert hatten. Der Briefwechsel, den er zu unterhalten pflegte, bewegte sich bet seiner sehr in Anspruch genom­menen Zeit in ziemlich engen Grenzen, und da er nach auswärts keine Verbindungen unterhielt, bei denen es sich um dringende Angelegenheiten handeln konnte, so hatte er die wenigen Briefe, welche währeno seiner Abwesenheit einlauten mochten, nicht nachschicken lassen. Er kannte d e Handschriften auf den Adressen und wußte, indem er die letzteren vorläufig der Reihe nach flüchtig betrachtete, auch ungefähr schon, was in den Briefen stand.

Nur eine Handschrift war ihm gänzlich fremd, und da die Adreffe obendrein den Poststempel Baden-Baden trug, so war er begierig, was man ihm von einem Orte aus, den er erst gestern früh verlassen, zu melden hatte. Als er den Brief ge­öffnet hatte, sah er sogleich nach der Unterschri't, die aber gänzlich fehlte. An ihrer Stelle stand nur das Datum, welches bereits vierzchu Tage alt war. Er begann die Leciürc des Briefes und vollendete sie mit wachsendem Erstaunen.

Es ist kaum glaublich!" rief er laut, als er

Befähigungs-Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Schulvorstaude einreichen. Der Königliche Schulvorstand von Wehrshausen: Freiherr von Schleinitz,

5690. ' Landrath.

# Ufingsten.

Pfingsten ist gekommen, das große Frühlings­fest der herrlich prangenden Natur, das alte deutsche Maienfest. Da geht ein Gotteshauch durch die deutschen Lande, da heben sich die Herzen und die Hände empor, da schmücken Pa­last und Hütte sich mit grünen Zweigen und duftigen Blüthen und aus den Städten eilen viele Tausende hinaus in Wald und Flur, wo es grünt und blüht, oder an die wogende See oder hinauf aus die Höhen der Gebirge, wo die dunkeln Tannen mit ihrem maigrünen Frühjahrssprießen aufwärtsragen, gleich den Thürmen unserer Kirchen nach oben weisend, in lichte Höhen. Zum Ehristfest holen wir die Tannen zu uns herein und ihr Kerzenglanz strahlt und leuchtet als ein Freudenschein der Liebe über die ganze Erde, wohin nur immer das Christenthum sein Kreuz gepflanzt hat; aber zum Pfingstfest eilen wir zu ihnen hinaus in jene Tempel, die nicht von Menschenhänden gemacht sind und die doch Herz und Sinn so tief bewegen und so hoch erheben. Da sehen wir den Geist Gottes, den Geist der Liebe ausgegossen über die Lande, über Berg und Thal, und spüren im tiefsten Innern seinen Hauch. Von seiner Herrlichkeit zeugt Alles, so­weit das Auge reicht, die Blüthenpracht, die hoffnungsschwer schwellenden Saaten, der Vögel Lied, des Baches Murmeln, des Meeres Rauschen.

Von dem ersten Pfingstfest, das die Christen­heit gefeiert, erzählt die Schrift:Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, saßen sie Alle einmüthig bei einander." Dieses köstliche Erb-

zu Ende gelesen,und so u>ä§ verlangt man von mir, gerade von mir ? Das finde ich nichts weniger als schmeichelhaft! Hm!"

Er wendete den Brief um und um, besah wieder­holt die Adresse, suchte sogar nach einem Wasser­zeichen im Papier, obwohl ihm dies nichts hätte nutzen können, und las den Brief zum zweiten und dritten Male. Aber der Inhalt blieb derselbe.

Der ungenannte Briesschreiber ersuchte ihn um Angabe eines Giftes, welches, in den menschlichen Körper geführt, sicheren Tod bringt, ohne daß eine Vergiftung mit Gewißheit nachgewiesen werden könne, und bot dafür eine enorme Geldsumme, die für einen weniger redlichen Charakter, als der unseres Doctors, eine starke Versuchung gewesen wäre. Die Hälfte der Summe sollte sofort aus­gezahlt werden, die andere Hälfte, nachdem das Mittel sich.bewährt haben würde. Die Antwort wurde unter der Chiffre A. Z. poste restante Laden erwartet.

Das war der kurze, aber gewichtige Inhalt des Briefes, den Denkhausen beinahe für den übel an­gebrachten Scherz irgend eines boshaften Collegen zu halten geneigt war. Trotzdem war sein erster Gang nach der Polizeidirection, wo er den Brief vorlegte und leider auch die Gewißheit erhielt, daß er es keineswegs mit einem Scherz zu thun habe, denn er erfuhr hier folgendes: Es waren Briefe gleichen Inhalts auch an einige andere Aerzte der Stadt eingelaufen und von denselben sofort der Polizeidirection übergeben worden. Um den Ab-