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Herchlilkl Kreisblitt

Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Illustrirtes AnLeryattungsötatt".

Nr. 73. Donnerstag den 23. Juni 1887.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. Juni 1887.

Der von dem ständischen Bauamte dahier auf­gestellte Landwegebau-Etat für den Kreis Hersfeld pro 188 8 liegt vom L5. d. Mts. ab vierzehn Tage lang zur Einsicht der Ortsvorstände des Kreises offen und zwar:

1) für die zum ersten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden rc. Aua, Allmershausen, Biede-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die Wolfsklippe.

Erzählung aus dem Seeleben von Reinhold Werner.

(Fortsetzung.)

Als ich einmal aufblickle, sah ich die Augen der Tochter in angst- und erwartungsvoller Spannung auf mich gerichtet. An meinen Maßnahmen hatte sie erkannt, daß ich ein Arzt sei und schaute nun auf mich, wie auf einen Retter. „Ich hoffe, daß alles gut geht" sagte ich zu ihr in spanisch, ob­wohl gegen meine Ueberzeugung, aber es war mir unmöglich, diesen süßen Augen gegenüber die Wahrheit auSzusprechen. Wie ein elektrischer Strahl hatten sie auch mein Herz getroffen, heiße Nöthe stieg mir in das Gesicht und ich mußte mich abwenden, um meine Verwirrung zu verbergen. Sie athmete tief auf, als sei eine schwere Last von ihr genommen und ein Freudenschtmmer ver­klärte ihre reizenden Züge, von denen ein unsag­barer Zauber ausging, während sie ihrem Vater sanft die Backe streichelte und ihm tröstend die von mir gemachte Bemerkung wiederholte. Er schaute sie liebevoll an, aber sein schmerzliches Lächeln verrieth mir, daß er sich selbst über seinen Zustand nicht täuschte und nur aus Rücksicht für die Tochter ihrer Versicherung Glauben zu schenken schien.

Ich suchte dem Kranken alle diejenigen Erleich­terungen zu verschaffen, die nach Lage der Dinge pnd zur Milderung seiner Schmerzen überhaupt

bach, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Hers­feld, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Ober- gcis, Reilos, Rohrbach, Tann und Unter- geis im Gesch äftsl o cale des König­lichen Landrathsamtes,

2) für die zum zweiten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2c. Allendorf, Asbach, Beiers- hausen, Engelbach, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilperhausen, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirch- heim, Kleba, Kohlhausen, Kruspis, Mengs- Hausen, Niederaula, Reckerode, Reimbolds­hausen, Roßbach, Rotterterode, Solms, Stärklos und Willingshain im Bürger- meistereilokale zu Niederaula, 3) für die zum dritten Aufsichtsbezirke gehöri­gen Gemeinden ac. Petersberg, Wilhelms­hof, Oberrode, Sorga, Kathus, Wippers- Hain, Bingartes, Unterhaun, Rotensee, Oberhaun, Sieglos, Eitra, Malkomes, Dün- kelrode, Schenksolz, Lampertsfeld, Sch-mk- lenasfeld, Conrode, Landershausen und Wüstfeld im Bübgermeistereilo- kale zu Wippershain,

4) für die zum vierten Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2c. Friedewald, Hilmes, Hillarts- hausen, Kleinensee, Lautenhausen, Motzfeld, Oberlengsfeld, Unterweisenborn und Wehrs­hausen im Bürgermeistereilokale zu Friedewald,

für die zum fünften Aufsichtsbezirke gehörigen Gemeinden 2c. Ausbach, Bengendorf, Geth- semane, Harnrode, Heringen, Heimbolds- hausen, Herfa, Leimbach, Lengers, Röhrigs- Hof mit Nippe, Philippsthal, Ransbach, Unterneurode, Wölfershausen und Widders­hausen im Bürgermeistereilokale zu Philippsthal.

Die Herren Ortsvorstände wollen diesen Etat während der besagten Zeit daselbst einsehen und

möglich waren und überließ dann seine Pflege dem jungen Mädchen, die der Vater mit „Carmen" an­geredet und deren Dienerin, um mich an Deck zu begeben. Beim Hinausgehen aus der Cajüte traf mich wieder ein Blick aus den schönen dunklen Augen, der wonnig in meinem Herzen nachzitterte, aber er war diesmal hoffnungsvoll, während ein liebliches Lächeln den feingeschnittenen Mund um­spielte und sie mir dankend zunickte. Ich ging wie in einem Traume befangen nach oben. Zum ersten Male im Leben hatte ich die Macht weib­licher Schönheit empfunden, aber sie hatte so plötz­lich und mächtig auf mich eingewirkt, daß sie mich völlig gefangen nahm und ich wie unter einem Banne stand.

Erst oben auf dem Deck wurden meine Gedanken abgezogen. Ich fand dort alles in großer Ge­schäftigkeit; unser Schiff lag noch beigedreht und unsere Boote fuhren zwischen ihm und dem Schuner hin und her, um dessen Ladung heraus- zunehmen und sie uns an Bord zu bringen. Sie sowohl wie das Schiff selbst waren Eigenthum von Carmen's Vater, der den Namen Munoz führte und in Matanzas Großkaufmann war.

Ich sah mich nach der Leiche des alten Wtlson um; man hatte sie irgendwo hingeschafft und auch die Blutflecke auf dem Deck waren verschwunden. Ebenso bemerkte ich eine auffallende Veränderung in dem Benehmen des Capitäns gegen mich, wenn­gleich ich mich dadurch in keiner Weise hintergehen ließ. Er begegnete mir in höflicher und zuvor­kommender Weise und schien bemüht, die Erinne­

sich in Betreff der für Ihre bezüglichen Gemein­den vorgeschlagenen Etatssätze sofort schrift­lich beim Landrathsamt erklären, indem sonst angenommen werden muß, daß Einwendungen dagegen nicht zu erheben sind und dem demnächst zusammentretenden Kreistage bei Vorlage des Etats hiervon Kenntniß gegeben wird.

A. Nr. 408. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 17. Juni 1887.

Der Bürgermeister Johannes Wenzel zu Malkomes ist heute als Ortsschätzer für die Ge­meinde Malkomes bestellt und eidlich verpflichtet worden.

6462. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleint£._

Hersfeld, den 18. Juni 1887.

Königlichem Landrathsamt dahier wird unter Bezugnahme auf die diesseitige Zuschrift vom 13. d. Mts. ergebenst mitgetheilt, daß der nach Unterschlagung von Kassengeldern flüchtig gewor­dene Poftverwulter Profe aus Cainsdorf er­griffen und zur Haft gebracht worden ist.

Kaiserliches Postamt. Vigelius.

An Königliches Landrathsamt hier.

* * *

Hersfeld, den 20. Juni 1887.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 14. d. Mts. Nr. 6250, Kreisblatt Nr. 71, mitgetheilt.

6445. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. Juni 1887.

Zur Zahlung der pro term. den 30. Juni c. fällig werdenden Zinsen und Kapital-Abträge ■ von aus der Landeskreditkasse zu Cassel erborgten i Kapitalien werden folgende Zahlungstermine I anher anberaumt:

rung an unsern Streit und dessen Ursache zu ver­wischen oder wenigstens abzuschwächen.

Da der Kranke in der Cajüte lag und auch verbleiben mußte, bat mich Moorson in freund­licher Weise, die zu seinem sonstigen Wesen in zu grellem Gegensatz stand, um mich täuschen zu können, dem jungen Mädchen meine auf die Ca­jüte sich öffnende Kammer einzuräumen und mit einer anderen im Zwischendeck vorlieb zu nehmen. Na­türlich willigte ich sofort ein und der Wechsel war in kurzer Zeit vollzogen. Während der Nacht blieben wir in der Nähe des Wracks beigedreht liegen; das Wetter war schön, das Wasser sehr ruhig geworden und der Wind hatte sich günstig gewendet. Das Uebernehmen der Ladung war je­doch noch nicht beendet und ich konnte mir das lange Verweilen des Capitäns am Orte nur da­raus erklären, daß ihm von Munoz für die Bergung der kostbaren Güter ein höherer Preis geboten war, als ihm die schnellere Verwerthung der eigenen Ladung in Jamaika in Aussicht stellte.

Die letzte durchwachte Nacht forderte jetzt bei mir ihr Recht. Ich war noch bis 10 Uhr Abends an Deck geblieben, um meine erregten Gefühle et­was zu beschwichtigen, dann aber überfiel mich so große Müdigkeit, daß ich mich zur Koje begab und mich angekleidet niederlegte. Ich schlummerte bald ein, doch quälten mich wilde Träume und ich warf mich auf meinem Lager unruhig hin und her. Plötzlich erweckte mich ein Schrei, ich sprang auf, griff nach meinen Pistolen und lauschte. Ich vernahm nur Stöhnen und dazwischen schluchzende