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Strsfrlirr Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaktungsölatt".
Nr. 76.
Donnerstag den 30. Juni
1887.
—^
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Die Expedition.
Amtliches.
Hersfeld, den 31. Mai 1887.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschöft für den hiesigen Kreis findet am
Sonnabend den 9. Juli d. J. und
Montag den 11. Juli d. J. edesmal von Morgens präcis 7 ihr an im hiesig en städtisch en Rath- jause statt, und zwar gelangen zur Bor- tellung:
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Die Wolfsklippe.
Erzählung aus dem Seeleben von Reinhold Werner.
(Fortsetzung.)
Die Verhältnisse waren augenblicklich durchaus nicht dazu angethan, um meinen Gefühlen Ausdruck zu geben; es wäre im höchsten Grade unzart gewesen, dem jungen Wesen, das vom Schmerze um den Vater so tief gebeugt war, mich in einer Weise zu nähern, die jetzt sie nur verletzen mußte. Und dennoch, in wenigen Tagen würden wir das Ziel unserer Reise erreichen, ste mit dem Priester die ihr fremde Insel wieder verlassen und dann war ste für mich für immer verloren. Diese widerstreitenden Gefühle bestürmten mein Herz und erst der anbrechende Morgen ließ mich so weit zur Ruhe gelangen, daß ich einige Stunden zu schlummern vermochte.
Während des nächsten Tages wurde der Rest der Ladung aus dem Schuner übergeladen, aber man nahm sich viel Zeit dazu. Der Capitän schien durchaus keine Eile und ganz vergessen zu haben, daß er oft betont, das Schiff müsse so schnell wie möglich in Kingston sein. Ueberhaupt war er wie ausgewechselt und ich machte mir meine Gedanken darüber, obwohl ich zu keinen klaren Schlüssen gelangte. Während er sonst den unnahbaren Despoten gegen die Leute spielte, bewegte er sich jetzt meistenteils unter ihnen und ließ reichlich Wein und Spirituosen unter sie vertheilen, die sich unter der Ladung des spanischen Schiffes
a. am 9. Juli d. J.
1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft wegen häuslicher Ä e r h ä l t n i s s e zur Ersatz- Reserve II. Classe in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
2) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve I. Classe designirtcn Militairpflichtigen,
3) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
4) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
5) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
6) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ordnung zu berücksichtigenden Reservisten 2c„
7) diejenigen beim Ersatzßeschäst für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist,
8) sämmtliche Zugänge und
9) die in den Vorstellungslisten A, B. und C. a. b. d. geführten Individuen; diese jedoch nur insoweit, als dieselben mit specieller Vorladung versehen werden.
b. am 11. Juli v. I sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tanglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 7) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen später zugehenden Vorladungen alsbald den betreffenden Militairpflich- tigen auszuhändigen und mit den Letzteren pünktlich in dem besagten Termine zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß Diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer
befanden. Besonders viel sah ich ihn aber mit dem Bootsmann und einem riesigen Neger verkehren, der der Vormann der geretteten und meistenteils aus Halbblut bestehenden Besatzung des spanischen Schauers war und Munoz als Sclave gehörte.
Als ich dem Steuermann mein Erstaunen über dies Benehmen aussprach, äußerte dieser ebenfalls seine großen Bedenken. „Sehen Sie nur das teuflische Gesicht dieses Negers, mit dem er eben spricht und welche unheimlichen Blicke dieser uns zuwirft," erwiderte er mir, „dahinter steckt irgend etwas Schlimmes und wir müssen uns vorsehen." Er hatte Recht und der Schwarze erschien mir wie ein auf Beute lauerndes Raubthier. Jedenfalls beschloß ich, wachsam und auf alles gefaßt zu sein.
Gegen Abend war alles Werthvolle aus dem Schuner übergenommen und das Wrack seinem Schicksale überlassen. Dann schritt man zum Be- gräbniß des Todten. Wie es an Bord üblich, wurde der Leichnam in eine Hängematte genäht und der Priester hatte ihm in die Rechte der über der Brust gekreuzten Hände eine Dublone gelegt, während die Linke ein Söckchen mit einem Gebetbuche, einem Hammer und einer Kerze hielt, wie es wohl der dortige Ritus vorschrieb. Am Fußende beschwerte man die Hängematte mit Eisen, und die Spanier trugen sie nach der Mitte des Oberdecks.
Es war inzwischen dunkel geworden und die Mannschaften des Schuners zündeten Fackeln an,
Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 24 bezw. 65 der Ersatz-Ordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heeres- pflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Reklamationen, auf Grund deren taugliche Militair- pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbeits- oderNichtarbeits- fähigkeites bei Beurtheilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) i m T e r - mine mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffendenReklama- tionen nicht stattfinden kann.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vor- tehende in ihren Bezirken wiederholt veröf- entlichen und namentlich zur Kenntniß der ^treffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäschezu erscheinen haben.
B i s z u m 3 0. I u n i c r. ist mir von dem Geschehenen Bericht zu erstatten.
5779. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Die rechtmäßige Eigenthümerin des bei Ernst Wilhelm N e u h a u e r gefundenen Geldes ist bereits ermittelt.
Cassel, den 27. Juni 1887.
Der Erste Staatsanwalt. I. A.: C h u ch u l.
mit denen sie den Todten umstanden. Die zitternden Flammen erleuchteten in eigenthümlich mystischer Weise die Nacht und in weitem Kreise warfen die düsteren Wellen, welche schweigend auf und niederwogten, den röthlichen Schein zurück. Die Scene hatte etwas so Feierliches und Ergreifendes, daß sie selbst auf die rohen Gemüther der Matrosen einen tiefen Eindruck zu üben schien. Alle hatten sich versammelt, nur der Capitän, der Bootsmann, der Zimmermann und der Neger hielten sich zurück. Sie standen auf dem Vordeck In leisem eifrigen Gespräche beisammen.
Als alles zum Begräbniß bereit war, erschien der Priester an Deck, begleitet von Carmen. Sie war bleich wie Wachs, aber in ihrem Schmerze fast noch schöner als sonst. Sie vermochte sich kaum aufrecht zu erhalten und ich eilte zu ihr, um ihr meinen Arm zu bieten. Sie nahm ihn willig, doch an dem convulsivischen Zittern ihres Körpers fühlte ich, welche Seelengual sie empfand.
Die Spanier hoben die Leiche, legten sie auf ein hölzernes Rostwerk, wie es an Bord der Schiffe zum Verschluß der Luken dient und hier die Bahre vertrat, richteten erstere mit den Füßen gegen das Wasser und bildeten mit den Fackeln einen Kreis, in den der Priester an das Kopfende des Todten trat. Es war fast still geworden, geräuschlos hob und senkte sich das Schiff auf der leise wallenden Tiefe und die Umstehenden lauschten schweigend der Todtenmesse des Priesters, während ich die unglückliche Tochter stützen mußte, damit ste nicht
l unter ihrem Kummer zusammen brach.