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Herssel-el Srrislilitt

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 79. Donnerstag den 7. Juli 1887.

Bestellungen

auf dasHersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen GratisbeilageJllustrirtes Un­terhaltungsblatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 1. Juli 1887.

Es kommt häufig vor, daß die auf die Berech­tigung zum einjährig-freiwilligen Dienst reflectiren- den Militärpflichtigen ihre desfallsigen Anträge zu spät einreichen und dadurch der Berechtigung verlustig gehen, sofern die in jedem speciellen ^aße erforderliche Restitution Seitens der König­lichen Ressort-Ministerien nicht ertheilt wird.

Zur Vermeidung derartiger Härten sowohl, als auch zur Verminderung bezüglicher Anträge werden in Gemäßheit höherer Verfügung die betreffenden Vorschriften hierunter zur öffentlichen Kenntniß gebracht und weise ich die Herren Ortsvorstände des Kreises an, den Inhalt dieser Paragraphen auf ortsübliche Weise alsbald bekannt zu machen. 6834. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

§. 89 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875. 1) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebens­jahre nachgesucht werden. Der N a ch w e is derselben ist bei Verlust des A n - rechtesspätestens biszum I.April des ersten Militär Pflicht jahres zu erbringen.

2) Die Berechtigung wird bei derjenigen Prü- fungs-Commission nachgesucht, in deren Be­zirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Die Wolfsklippe.

Erzählung aus dem Seeleben von Reinhold Werner.

(Fortsetzung.)

Im ersten Augenblick wollte ich Widerstand leisten und erfaßte die schon in meinen Taschen verborgenen Pistolen, indem ich mit dem Steuer­manne einen bezeichnenden Blick wechselte, doch der Gedanke an Carmen ließ mich ebenso fchnell den Entschluß verwerfen. Das Kriegsschiff würde jedenfalls ein Boot zur Untersuchung unseres Schiffes schicken und dann konnte ich den Schutz des Officiers erbitten. Ich ging deshalb ruhig in die Cajüte hinunter, gefolgt von Moorson, der je- doch sorgsam die Thür hinter mir verschloß. Das war außer meiner Berechnung, aber was machte es? im gegebenen Augenblicke konnte ich die Thür sprengen.

Wie die Sachen lagen, hielt ich es jedoch für meine Pflicht, Carmen davon Mittheilung zu machen und ihr nicht länger die Wahrheit zu ver­bergen. Durch den Priester ließ ich sie bitten, in die Cajüte zu kommen und fürchtete schon sehr, sie unter dem Eindrücke des Schreckens zusammen- brechen zu sehen, aber war nicht wenig überrascht und freudig bewegt, als nichts von alle dem zu- traf. Außerordentlich gefaßt hörte sie mich an. .Geben Sie mir eine Pistole,' sagte ste dann und in ihren Augen blitzte es auf, »ich weiß damit umzugehen. Ich billige vollkommen Ihren Plan

3) Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat ich bei der unter Nr. 2 bezeichneten Prü- unas-Eömmission spätestens bis zum

1. Februar des ersten Militär- )flichtjahres schriftlich zu melden. Dieser Meldung sind beizufügen:

a) ein Geburtszeugniß;

b) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung*) über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Frei­willigen, während einer einjährigen ac­tiven Dien tzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

c) ein Unbescholtcnheits - Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gym­nasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. Sämmtliche Papiere sind im Original einzureichen. In dem Gesuch um Zu­lassung zur Prüfung ist anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der sich Meldende geprüft sein will (Anlage 2 §, 1.) Auch hat der sich Meldende einen selbstgeschriebenen Lebenslauf beizufügen.

rc. 2c.

§. 91 pos. 2 der cit. Ersatz-Ordnung.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die an­dere im Herb st.

Das Gesuch um Zulassung zur Pr üfung muß für die Früh jahrs-Prü- fung spätestens bis zum I.Februar, für die Herbst-Prüfung spätestens bis zum 1. August angebrachtwerden.

*) Bei Freiwilligen der seemännischen Bevölkerung, so­fern sie in der Flotte dienen wollen, bedarf es dieser Er­klärung nicht.

und Sie dürfen darauf bauen, daß ich bei der Ausführung helfe, soweit meine Kräfte reichen.*

Ich blickte sie erstaunt an; eine solche Energie hatte ich in dem zarten Geschöpfe nicht vermuthet, aber wie sie jetzt vor mir stand mit den dunkel sprühenden Augen, den vor Erregung gerötheten Wangen und der graziösen und doch so muthigen Haltung, da gesellte sich zu meiner Liebe auch noch die höchste Bewunderung und wiederum mußte ich mit aller Kraft mich bezwingen, um sie nicht an mein Herz zu pressen und jubelnd ihr zuzu- rufen: »Sei mein, Du schönes, muthiges Mäd­chen, ich gehöre Dir mit Leib und Seele für alle Ewigkeit.*

»Es wird, Gottlob, nicht nöthig sein,* erwiderte ich mit möglichst ruhiger Stimme, wenn aus meinen Augen verrätherisch meine Gefühle sprachen; »ich hoffe, daß wir in kurzer Zeit ohne Blutver­gießen aus diesem Gefängniß befreit werden, aber ich verspreche Ihnen, Ihre Hülfe anzunehmen, wenn ich selbst nicht mehr fähig sein sollte, Sie allein zu schützen.*

Der Knall eines nahen Kanonenschusses schlug an unser Ohr und wir hörten das eigenthümliche Pfeifen der Kugel, als sie zwischen unseren Masten durchfuhr. Es war die Aufforderung der Corvette an unser Schiff zum Beidrehen. Das Laufen an Deck und Arbeiten der Leute mit Raaen und Segeln sagte uns, daß dem Befehle nachgekommen wurde, und bald sahen wir durch die Cajütssenster das Kriegsschiff aus der Abenddämmerung auf­tauchen und in unserem Kielwasser heranschieben.

Hersfeld, den 2. Juli 1887.

Der Königliche Oberförster Jord a n zu Neuen­stein ist heute als stellvertretender Gutsvorsteher für den Gutsbezirk Oberförsterei Neuenstein ver­pflichtet worden.

6876. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 4. Juli 1887.

Der am 14. April 1866 zu Herfa geborene Bauer Johannes S i p p e l hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Aus­wanderung nach Amerika nachgesucht.

6865. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se.Majestät der Kaiser ist mit seiner Begleitung am Dienstag Vormittag 113/+ Uhr wohlbehalten in dem festlich geschmück­ten Badeorte E m s eingetroffen unb bei der An­kunft daselbst von den Spitzen der Behörden auf dem Bahnhöfe empfangen worden. Wie in früheren Jahren nimmt der Kaiser auch während eines diesmaligen Aufenthaltes in Ems wieder m dortigen Kurhause Wohnung, woselbst auch )er größte Theil des Kaiserlichen Gefolges ab- 'teigt. Ueber die Dauer des Aufenthaltes in Bad Ems und über die ferneren Reisen von dort aus hat der Kaiser endgültige Bestimmungen noch nicht getroffen.

Das Befinden Sr. Kaiser!, und Königl. Hoheit des K r o n p ri n z e n ist ein entsprechend gutes. Er hat in England einer Truppenschau sowie der Grundsteinlegung des Reichsinstituts für die Kolonien durch die Königin beigewohnt. Der Befund der von Professor Virchow vorgenom­menen Untersuchung der neuerdings durch Dr. Mackenzie aus dem Halse des Kronprinzen ent-

Es war ein Amerikaner, die damals mit ihren Kreuzern die westindischen Gewässer scharf über­wachten, da das früher von ihnen energisch unter­drückte Piratenwesen in neuerer Zeit wieder frech sein Haupt erhob.

Von drüben schallten die üblichen Fragen nach Heimathshafen, Bestimmungsort u., s. w. durch das Sprachrohr zu uns herüber, doch die gegebenen Antworten schienen nicht als befriedigend betrachtet zu werden, denn der »Blitz* erhielt Befehl, nahe unter die Leeseite der Vereinigten Staaten Cor­vette »Minnesota* zu kommen, man werde ein Boot schicken.

Mein Herz klopfte freudig; es kam so, wie ich gedacht; in kurzer Zeit war alles gut und glück­strahlend suchten meine Blicke die Carmen's, welche mit sanftem Erröthen mir freundlich und ver­heißungsvoll zunickte.

Das Boot legte längseit an; ich hörte, wie der befehligende Osficier anordnete, Laternen anzu- zünden und die Luken zum Laderaum zu öffnen, um die en durch seine Leute untersuchen zu lassen. Dies geschah, aber ergab Verduchtsgründe, denn der Oisicier rief zur Korvette hinüber, das Schiff habe spanische Güter an Bord, welche nicht in dem Lademanifest verzeichnet seien.

»Dann bleiben Sie an Bord,* lautete die Ant­wort, »nehmen Befehl über das Schiff und lassen während der Nacht eine Laterne brennen, damit wir Sie in Sicht behalten.*

»Ei 1 Ei!' bestätigte der Officier den empfange­

nen Befehl und die Corvette schoß luvwärts aus,