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__________Wit wöchentlicher Kratis-WeilageMustrirtes Nnterhattungsötatt".__________

Nr. 86? Sonnabend den 23. Juli "1887.

Aöonnements-Gintadung.

Bestellungen auf das

Hersselder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Illustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 21. Juli 1887.

Zur Ausführung des Reichsgesetzes, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der im land- und forstwirthschaftlichen Betriebe beschäftigten Personen vom 5. Mai 1886 (R. G. Bl. S. 132) und des Preußischen Landesgefetzes, betreffend die Mgrenzung"^md- Orgmrrfstt*« d»» »mifs- genossenschaften 2C. vom 20. Mai 1887 (Pr. Ges. Bl. S. 189) ist gemäß der von den Herren Mi­nistern des Innern, für Landwirthschaft, Domai nen und Forsten und für Handel und Gewerbe erlassenen Anweisung vom 4. Juni er., abgedruckt in dem nächsterscheinenden Regierungs-Amtsblatt, zunächst die Wahl der Wahlmänner vorzunehmen.

Für die hiesige Stadt und für jede Landge­meinde 2C. ist nach Art. III. des Ges. vom 20. Mai er. von der Gemeinde-Vertretung (Ausschuß) und, wo eine solche nicht besteht, von der Ge­meindebehörde (Gutsvorsteher) ein Wahlmann zu wählen.

Als Termin, bis zu welchem die Wahl erfolgt und seitens der Herren Ortsvorstände des Kreises der Wahlmann unter genauer Angabe von Vor- und Zunamen, Stand oder Beruf, mir schriftlich

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Strandgut.

Erzählung von I. I s e n b e ck.

(Fortsetzung.)

Ihr solltet mir einen anderen Gruß bieten, Mutter, nach so langer Abwesenheit," redete Bertel die Alte an, die jetzt über die Schwelle trat,als eine Beschimpfung meiner Braut!"

Braut?" kreischte die Mutter auf.Wer ist Deine Braut?"

Hier siehst Du sie," entgegnete Bertel mit eiserner Ruhe und schlang seinen Arm wieder um das Mädchen.Thue die Hände vom Gesicht, Alison! Du hast Dich nicht zu schämen ehe ich wieder ausfahre, bist Du meine Frau l"

Ist das Dein letztes Wort, Bertel?" fragte die Alte. Sie trat dicht vor ihn hin und es war seltsam, wie ähnlich sich die Beiden sahen, nur war ihr Haar grau und das seine braun.

Mein letztes Wort entgegnete Bertel,heut über sechs Wochen ist Alison meine Frau!"

Die Mutter stöhnte in ohnmächtiger Wuth. Sie wußte, daß der Sohn ihr nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich ähnlich war an starrem Sinn und unbeugsamem Willen. Jetzt näherte Alison sich ihr mit einem bittenden Blick in den klaren, blauen Augen; das wilde Mädchen hatte ein sanftes Herz und sagte freundlich:

O, Mutter Christel, wir wollen Euch Beide so lieb haben, wir wollen Euch hegen und pflegen pnd thun, was wir Euch an den Augen abschen

bezeichnet sein muß, wird stermit der 20. August d. I. bestimmt.

Gemeinden 2c., welche diese Frist oder eine bei etwaiger diesseitiger Bemstandung der Wahl be­willigte Nachfrist »ersännen, bleiben bei der Wahlhandlung unvertretm.

Nach Art. III. des Ges. vom 20. Mai er. sind die Wahlmänner zu wählen aus der Mitte der der Gemeinde 2c. angehörenden unter das Reichs­gesetz vom 5. Mai 1886 fallenden Unternehmer oder bevollmächtigten Betriebs-Leiter. Die Wahl­männer müssen also der wählenden Gemeinde angehören und Eigenthümer oder bevollmächtigte Leiter landwirthschaftlicher oder forstwirthschaft- licher Betriebe sein.

7461. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. Juli 1887.

Für den am 14. Dezember 1866 zu Herfa ge­borenen Tagelöhner Adam Führer ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande Vet^s.Auswanderung nach Amerika nachgesucht 7476. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz

# Die wahren Urheber.

Nach dem Ausgange des Freiberger Processes, in welchem sechs socialdemokratische Abgeordnete und noch drei andere Theilnehmer am Kopen- Hagener Congreß wegen Unterhaltung einer Ver­bindung zu verbotenen Zwecken zu Gefängniß» trafen verurtheilt wurden, hätte man erwarten ollen, daß der Parteivorstand dieinnere" ge« jeime Organisation, welche er über alle größere Städte Deutschlands ausgebreitet hatte, auflösen würde, um nicht eine lange Reihe von Geheim- bundesprocesten über dieGenossen" ergehen zu lassen. Die Fraction begnügte sich indessen mit

können. Ihr bleibt die Erste im Haus, wenn auch der Bertel mein Mann wird!"

Dein Mann," hohnlachte die Alte.Dein Mann wird der Sysselmänd Cuddy!*

Da brach Bertel in ein tolles, unbändiges Ge­lächter aus, daß die Alte einen Augenblick dachte, er habe den Verstand verloren. Dann rief er:

Jetzt merke ich, worauf es hinaus will. Die Mutter hat einen Spaß gemacht, einen köstlichen Spaß!"

Ich spaße nicht," fiel die Alte ein,morgen früh kommt der Cuddy zum Verspruch und da­mit gut!"

Der Sohn sah es an ihren unheimlich leuchten­den Augen, wie ernst sie es meinte und ebenso fest entgegnete er:

Nein Mutter, damit tst's nicht gut. An den Cuddy wird die Alison nicht verkuppelt. Mein ist sie, wider Himmel und Hölle will ich sie ver­theidigen!"

So vertheidige sie zuerst wieder Deine Mutter I" rief die Alte und ballte die Faust.Habe Deinen Willen, schicke morgen den Cuddy fort und sage ihm, die Alison sei Deine Verlobte, heirathe sie, aber das schwöre ich Euch zu, bereuen sollt Jhr's Beide!"

Außer sich stürzte sie aus der Hütte. Mit thränenden Augen umschlang Alison den Geliebten.

Laß ab von mir, Bertel," bat sie.Ich will nicht Unfrieden stiften zwischen Dir und Deiner Mutter!"

Mein bist Du, mein bleibst Du!" wiederholte

einer Erklärung, in welcher sie die Verantwort­lichkeit für den Inhalt des bisherigen Parteiorgans, des ZüricherSocialdemokraten," von sich abzu- wälzen suchte, und ließ es darauf ankommen, daß die Geheimbunde aufgehoben und dieorganisirten Genossen" zur Strafe gezogen wurden.

Es erklärt sich das nicht allein aus der Zahrg- keit, mit welcher die Führer an der revolutionären Propaganda festhalten, sondern auch daraus, daß ihre financiellen Einnahmen mit Aufhebung der inneren Organisation gefährdet waren. Letztere wurde immer weiter ausgebildet, je mehr die öffentliche, die Leidenschaften aufregende Agitation in den Fach- und Bezirksvereinen, sowie in den Lohnkämpfen und Strikeversammlungen durch bte Anwendung des Socialistengesetzes lahm gelegt worden war. Das Socialistengesetz unwirksam zu machen, ist der Hauptzweck der inneren Orga­nisation. Den in dem Gesammtbunde vereinigten Genossen lag die Aufgabe ob, verbotene Druck­schriften, wie namentlich den Socialdemokraten, heimlich zu verbreiten und die Parteisteuern ein- ,+,.;<. ^hittcurK.. fließenden .Einnahmen wurden zur Bezahlung ungesetzlicher Diäten, zur Ersetzung von Geldstrafen an verurtheilte Ge­nossen, überhaupt zur Erhaltung der Existenz der Führer und Agitatoren verwendet. Darauf wollte man natürlich nicht verzichten und nun ist bereits eine große Anzahl vonorganisirten Ge- noffen" (in Altona, Frankfurt, Magdeburg, Danzig) mit schweren Strafen belegt und andere werden noch hinzukommen. Angestiftet wurden sie allenthalben von dem Parteivorstand von Zürich aus, wo die Organisationsstatuten und die verbotenen Druckschriften hergestellt werden und wohin die Einnahmen fließen.

Daß auch für Berlin eine geheime Organisation bestand, war längst bekannt. Nach den Mitthei- i lungen verschiedener Blätter waren die Schau- 1 Plätze der geheimen Zusammenkünfte Rauchklubs,

Bertel nud küßte ihr die Thränen vom Gesicht.

Draußen stand die Alte und schrie mit drohend empor gehobenen Fäusten in die Nacht hinein:

Du hast mich belogen, Du Unglückstag mit Deinen Glückszeichen. Alles, alles kommt anders wie ich will. Fluch über die Dirne mit ihrem blonden Haar, die meinen Sohn berückt hat, und Rache, Rache an ihr.

Wild und gräßlich klangen die Flüche des bis in die tiefste Seele gekränkten Weibes, aber das aufdonnernde Meer verschlang sie und sie verhallten angehört, wenigstens von den Beiden, drinnen in dem kleinen Hause. Die sahen in ihrem Liebes­glück alles rosig und golden und hofften fest da­rauf, die Mutter milderen Sinnes werden zu sehen, wenn sie nur erst verheirathet wären.

4.

Mit Sonnenaufgang trat am nächsten Morgen Mutter Christel aus ihrer Kammer, in der sie eine schlaflose Nacht verbracht hatte, aber kein Zug in Ihrem Gesicht zeigte, daß sie anderen Sinnes geworden. An dem Heerdfeuer sah sie Alison mit der Bereitung des Frühstücks, eines steifen Haferbreies, beschäftigt.

Wo ist Bertel?" fragte die Alle.

Bertel ging gestern Abend fort," antwortete das junge Mädchen.Er wollte seinen Freund, den Fischer Jansen, um ein Nachtlager bitten. Ich soll Euch sagen, daß er heute früh genug kommen wird, um mit Euch zu reden!"

Was hat er noch mit mir zu reden?" brauste die Frau auf. »Set« böses Gewissen hat ihn aul