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Dtiüfcliirt Krtisblutt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllußrirLes Nnterhaktungsvlatt".

Nr. 88.

Donnerstag den 28. Juli

1887.

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Hersfelder Kreisvlatt

mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Angust und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ange­nommen.

Notitischr Nachrichten.

(Deutschland.) Aus Bad G a st e i n wird unterm 25. Juli gemeldet: An dem gestrigen Diner beiSr. Majestät dem Kaiser Wilhelm nahmen der Graf Thun und der Oberküchen- Meister Graf Wolkenstein Theil. Abends ö1^ Uhr machte Se. Majestät eine einstündige Spazierfahrt nach dem Kötschachthal und nahm Abends den Thee bei dem Grafen und der Gräfin Lehndorff. Heute früh machte Se. Majestät eine Spazierfahrt auf dem Wege nach Böckstein. Dem Vernehmen nach wird der Be­such des Kaisers von Oesterreich beim Kaiser Wilhelm in Gastein zwischen dem 5. und 7. August stattfinden.

Ihre Majestät die Kaiserin hat sich am Montag nach Homburg v. d. H. begeben, wo ihr ein festlicher Empfang bereitet wurde.

Prinz Heinrich hielt bei dem Stapellauf des KreuzersIrene" auf der Werft des Vulcan in Stettin folgende Ansprache:Ein neues Kriegs­schiff der Kaiserlichen deutschen Marine ist bereit, seinem Element und damit seinem Beruf über­geben zu werden. Auf des Kaisers Geheiß soll dieses Schiff die deutsche Flagge in allen Meeren zeigen zur Wahrung der vaterländischen Interessen

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Strandgut.

Erzählung von I. I s e n b e ck.

(Fortsetzung.)

Hast Du meinen Sohn, den Bertel gesehen?" fragte Christel, ohne die letzten Worte der Greisin zu beachten.

Den Bertel? Ist er nicht seit drei Jahren schon zu Schiff? Aber nein der Jansen erzählte ja gestern, Bertel sei wieder gekommen. O, Du gesegnetes Weib, daß Dir der Sohn lebend und gesund Wiederkehr!! Aber warum hast Du ihn aus Deinem Hause getrieben? Warum muß der Bertel sich in der Heimath ein Nachtlager bei Fremden suchen, wo doch seiner Mutter Haus Platz genug für ihn hat? Du bist härter gegen Dein eigen Fleisch und Blut, wie die unvernünf­

tigen Thiere!"

Schweig I" sagte Crtstel befehlend und fragte dann weiter. Wo ist der Bertel jetzt?"

Wenn Du nie wieder sagen willst, daß die Maud toll ist, dann will ich Dir verrathen, wo Du ihn suchen kannst," antwortete die Greisin und kicherte leise vor sich hin.Der Bertel ging hier vorbei, als die Sonne noch im Meere lag. Er war freundlich und lieb zu mir, viel besser wie Du! Hier aus dem Stein hat er. neben mir ge- fessen. Und dann, als er ging, sagte er: Ich gehe nach Cuddhs Hof! Ja, zu Peter Cuddy ist

er gegangen, zu dem Syffelmänd Cuddy. Laß ihn immer gehen. Der Bertel wird nicht wollen,1

und zum Siege über Deutschlands Feinde. Auf Allerhöchsten Befehl wird dieses Schiff künftig einen Namen tragen, der für mich das größte Glück auf der Welt bedeutet, einen Namen, dessen erlauchte Trägerin künftig meinem König­lichen Hause und fernerhin auch dem deutschen See-Ofsiciercorps angehören soll. Die Freude,, die ich bei diesem Namen empfinde, möge ihren Wiederschein finden in dem Glanz der Thaten, denen das Schiff entgegeneilen wird. Mögen stets treue und tapfere Kameraden dieses Schiff leiten und eingedenk sein, daß die Devise, die das Schiff künftig an seiner Stirn tragen wird, schon in sich den Erfolg verbürgt, und mögen sie stets die höchste Verehrung für die erlauchte Pathin im Herzen tragen. Auf Allerhöchsten Be­fehl und mit den heißesten Segenswünschen der erlauchten Pathin taufe ich dieses Schiff mit dem NamenIrene".Irene" ist ein Kreuzer mit Panzerdeck und doppelter Holzbeplankung mit Kupferbeschlag, hat eine Länge von 94 m, die größte Breite beträgt 14 m, die Tiefe 9,25 m. Das Schiff erhält eine Maschine von 8000 Pferdekräften, welche dem Schiffe eine Fahrge­schwindigkeit von 18 Knoten verleiht.

Der Cultusminister hat durch die Rectoren der Universitäten den Vorständen der studentischen Korporationen eröffnen lassen, daß die Ansehung eines täglichen officiellen Frühschoppens von jetzt ab verboten sei.

Der Reichstagsabgeordnete Grad wurde am 25. d. M. von der Strafkammer des Landge­richts zuColmar wegen Beleidigung der Feldwebel der deutschen Armee bei Gelegenheit einer in einer Wahlversammlung am 21. Februar er. gehaltenen Rede, zu einer Geldstrafe von 500 Mark verurtheilt.

Fürst B i s m a r ck soll in Kissingen eine Zu­sammenkunft mit dem österreichischen Minister des Auswärtigen Grafen Kalnoky haben. Kal-

daß ich nach Thoreshaven ins Narrenftübchen komme I"

Zu dem Cuddy ist er gegangen?" rief Christel in jähem Erschrecken.Ich muß ihm nach, wenn kein Unglück geschehen soll, denn der Junge ist hitzig und wild!"

Damit wandle sie der Greisin den Rücken und ging landeinwärts.

Ein schrilles Lachen tönte hinter ihr her. Als sie sich noch einmal umschaute, sah sie Maud mit drohend empor gehobenen Armen auf dem Stein vor der Hütte stehen.

Das ist der Fluch und die Strafe!" schrie die Wahnsinnige.Mußtest Du doch laufen bis an das Ende der Welt, um den Sohn wiederzufinden, den Du von Dir gestoßen!"

5.

Wie ausgesto-ben war der stattliche Hof des Syffelmänd Cud y, als Christel dort eintrat. Keine Spur von Leben zeigte sich innerhalb des leuchtend weiß angestrichenen Plankenzauns. Selbst die Tauben, die dort gehalten wurden und die als eine besondere Merkwürdigkeit auf der ganzen Insel galten, hockten schlaftrunken und regungslos auf dem Dach der Scheune.

Die Frau sah von alledem wohl nichts; ste schritt eilig auf die Hausthür zu und hob mit hastiger Bewegung den ungefügen schweren Holz- riegel. Auf der Schwelle aber blieb sie stehen, denn es bot sich ihr ein ungewohnter Anblick, i Vor dem erloschenen Herdfeuer saß der Syffelmänd, 1 die Arme aus die Knie gestützt, das Gesicht in den

noky würde sich Mitte des nächsten Monats zum Besuch des Fürsten Bismarck nach Kissingen be» geben. Auch die bairischen Minister v. Crails- Heim und Dr. v. Lutz sollen die Absicht Kund gegeben haben, den Reichskanzler wieder in Kissingen zu besuchen.

Wie man derKr.-Ztg." aus Suhl meldet, haben mehrere dortige Gewehrfabriken für die türkische Armee 500 000 Stück Seitengewehre an- zufertigen. Ein höherer türkischer Officier ist seit einiger Zeit dort anwesend.

(Frankreich.) Mit dem Schluß des Par­laments sind für die Politik Frankreichs Ferien eingetreten, die nur durch den Boulanger- Lärm unterbrochen werden. Präsident Grevy ist nach dem Juragebirge abgereist, woselbst er seine Kampfesgelüste an den dort massenhaft vorkom­menden wilden Kaninchen ausläßt. Ueber die unerledigten Vorlagen der Kammer bemerkt die Pol. Corr.": Von: militärischen Gesichtspunkte aus ist ein Gesetzentwurf bedeutungsvoll, welcher den Bewohnern Algiers die Rechte französischer Vollbürger gewährt, denn er würde die Möglich­keit bieten, gegen 150,000 Mann mehr in die afrikanische Armee einzureihen. Der Plan findet vielseitige Unterstützung. DerGaulois" ver­öffentlicht eine kurze Note, aus der hervorgeht, daß man im Lager von Chalons Schießübungen nach Luftballons veranstaltet, da man in Erfah­rung gebracht haben will, daß Deutschland sechzig Ballons zu Beobachtungszwecken habe anfertigen lassen.

(England.) Die große Flottenrevue bei Spithead, welche den Schlußact der Jubi­läumsfeierlichkeiten bildete, ist nicht ohne jeden Unglücksfall verlaufen. Wie aus Portsmouth gemeldet wird, fand während der Revue auf dem KanonenbootKite" eine Pulverexplosion statt, durch welche vier Personen schwere Verletzungen erlitten.

Händen bergend. Von der Eintretenden schien der Mann nichts zu merken. Erst als diese nach einer Weile näher kam und ihn an der Schulter berührte fuhr er auf.

Ihr seid's Nachbarin?" sagte er.Ihr kommt wohl um mich zu trösten? Oder habt Ihr schon wieder einen neuen Plan, wie Ihr dem alten Cuddy zu einer jungen Frau verhelfen wollt?"'

Laßt Eure Scherze bet Seite!" antwortete Frau Christel.Mir ist wahrhaftig nicht lustig zu Sinne und Euer Gesicht paßt auch schlecht ge­nug zu den Worten, die Ihr sprecht. Ich glaube gar, Ihr habt geweint!"

Geweint ich? Ich wollte, ich könnt's noch und ich würde mich auch der Thränen nicht schämen, wenn sie auch Keiner sehen sollte. Aber feit meiner Mutter Tode sind meine Augen nicht mehr naß geworden. Warum sollte ich auch weinen? Ich habe ja Alles, was ich mir nur wünschen kann, Haus und Hof und Geld und Gut l Wohin ich komme, heiße ich der reiche Cuddy. Und doch" der Syffelmänd sprang von seinem Stuhle auf und fuhr ingrimmig auflachend fort: Und doch bin ich so arm ärmer wie die Fischer am Strand in ihren elenden Hütten, denn ich bin allein und all mein Geld macht mich nicht froh Liebe ist keine Jahrmarktswaare!"

Mutter Christel zuckte zusammen.

War Bertel schon bei Euch?" fragte sie.

Ja das müßt Ihr doch wissen. Er kam Euch wohl recht zur Unzeit?" Hat er doch mit