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Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 90. Dienstag den 2. August 1887.
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Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Aus G a st e i n, den 29. Juli, wird Berliner Blättern gemeldet: Die Begegnung der Kaiser von Oesterreich und von Deutschland findet bestimmt in Gastein statt, die officielle Verständigung, welche hierüber heute Vormittags hier eintraf, bestätigt die frühere Meldung, daß die beiden Herrscher in Gastein sich sehen werden, sowie daß die Ankunft des österreichischen Kaisers am 6. August erfolgen wird. Gleichzeitig erging an den Hotelier Stran- binger die Weisung, jene Appartements bereit zu halten, welche der österreichische Monarch in früheren Jahren inne hatte. Die Verständigung war vom Generaladjutanten Grafen Paar gefertigt. Der Kaiser von Oesterreich trifft Abends zwischen 5 und 6 Uhr hier ein und wird zwei Tage hier verbleiben.
Ein eigenhändiges Glückwunschschreiben Sr. Majestät des Kaisers hat der preußische Gesandte beim Vatican, Herr von Schlözer, vor seinem Urlaubsantritt dem Papste zu seiner Priesterjubelfeier mit einer reich und kunstvoll in Gold gestickten, mit kostbaren Steinen geschmückten Mitra (Bischofsmütze) überreicht.
General Graf B l u m e n t h a l ist aus Anlaß
Strandgut.
Erzählung von J. I s e n b e ck.
(Fortsetzung.)
Es kostete den beiden Männern Mühe genug, ehe sie der mit blöden Augen dreinschauenden Maud klar machen konnten, um was es sich handle. Und dann waren es auch nur wirre, unverständliche Antworten, die ihnen wurden. Die Tochter der Alten und deren Mann, Jansen und sein Weib, sowie eine Schaar zerlumpter aber pausbäckiger Kinder drängten sich neugierig um die Fragenden. Aber jede Auskunft und jeder Rath, der gegeben wurde, bestätigte nur, daß Niemand etwas Genaueres über Mutter Christel wußte. Es wurde Jedem zur Gewißheit, daß der Frau ein Unglück zugestoßen, sein müsse. Man beschloß, alle Wege, die von Cuddy's Gehöft, wo die Vermißte zuletzt gesehen war, nach dem Strand oder dem Innern der Insel führten, abzusuchen. Jansen sorgte mit seinem Gefährten filt Stricke und Taue. Einer der Knaben wurde fortgeschickt, um Alison Mittheilung zu machen. Als nun der kleine Zug, Bertel an der Spitze, aufbrach, da schien die tolle Maud zum Bewußtsein dessen zu kommen, was vorging.
„Helft dem Sohne, der seine Mutter sucht l" riet sie. „Keiner von Euch Männern darf zurück- bleiben! Es gilt, ein Menschenleben zu retten, damit nicht eine Seele in ihren Sünden dahin- sährt!"
Eine Weile stand die Greisin wie nachstnnend
seines am Sonnabend stattgehabten 60jährigen Militärdienstjubiläums von der Stadt Halle zum Ehrenbürger ernannt worden.
Die letzten fünf Jahre haben dem Schiffsbe- stande der deutschen Kriegsflotte einen recht bedeutenden Zuwachs gebracht. Von dem Bau zahlreicher Torpedoboote abgesehen, sind, der „Danz. Ztg." zufolge, in dem gedachten Zeiträume: ein Panzerschiff, zwei Panzerfahrzeuge, eine Kreuzerfregatte, drei Kreuzerkorvetten, ein Schiffsjungen-Schulschiff, zwei Avisos und ein Kreuzer, im ganzen mithin elf größere Kriegsschiffe vom Stapel gelaufen, während der Bau von sechs Kriegsschiffen in Angriff genommen resp, projektirt ist.
Der bayrische Landtag ist, wie man aus München erfährt, auf den 14. September einberufen worden.
(A n s i e d e l u n g s - C o m m i s s i o n.j Im Kreise Wongrowitz sind der AnsiedelungsCommission bereits 7 Rittergüter: Zerniki, Ustaszewo, Jaroszewo, Jinielenko, Michalcza, Kopaszyn und Runowo, mit zusammen 3229,19 Hectaren Fächeninhalt verkauft worden. Außer* dem sind während der 3 letzten Jahre von Polen an Deutsche elf Güter mit zusammen 7607,38 Hectaren verkauft worden, so daß also im Laufe dieser Zeit 10836,57 Hectare aus polnischem in deutschen Besitz übergegangen sind.
Wegen Hochverraths ist nach der „Kreuzztg." der Rechtsconsulent Sparr am 22. April vom Landgericht zu B e r l i n zu 4 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Zulässig- feit von Polizeiaufsicht verurtheilt worden.
Der Verband der Gastwirthe Thüringens beschloß in diesen Tagen, ein Gesuch um einheitliche Besteuerung des Bieres an den Reichstag zu richten. Nach dem Reichsgesetz seien nur 65 Pfennig für den Hektoliter zulässig, welche
da; dann reckte sie den knochigen Arm aus und deutete nach dem von Nebel umwallten, gespenstisch ausragenden Linder Lille hin. „Da sucht sie!" bekohl sie mit lauter, gellender Stimme. „Die bösen Geister haben sie verlockt, sie ist in ihrer Gewalt und wartet, daß Ihr kommt, sie zu erlösen! — Herr, gehe noch nicht mit ihr ins Gericht! Laß ihr Zeit zu sühnen, was sie verbrochen!" Nun wandte sie sich an ihre Tochter: „Bring' mir Dein warmes Tuch! Ich will mit den Männern gehen. Haltet mich nicht zurück!"
Berte! wollte Einspruch erheben, aber Cuddy fiel ihm ins Wort. „Laß die Alte mitgehen," sagte er, „sie kann uns wohl von Nutzen sein. Wenn ich auch nicht den Glauben derer theile, die da sagen, sie habe die Gabe des zweiten Gesichts, so weiß ich doch, daß Keiner jeden Winkel unserer Insel besser kennt wie sie!"
Maud hatte ihre Vorbereitungen schnell getroffen ; ohne weitere Erklärung faßte sie Berteis Hand und ging mit ihm davon, zum großen Erstaunen der Kinder) welche die Großmutter seit Jahren mit dem Stein vor der Hüttenthür verwachsen geglaubt hatten.
Vergebens späten die Männer nach Fußspuren; aus dem festen steinigen Loden war kein Eindruck zu finden. Da, wo von dem breiteren Wege ein schmaler Pfad sich abzweigte, blieb die alte Maud stehen und schaute prüfend umher. Dann stürzte sie, Bertel mit sich ziehend, wieder vorwärts; ein siegesgewisses Lachen stieß sie aus, als sie nun vor sich auf den Boden zeigte. Ein roth und
Grenze aber in vielen Gemeinden überschritten werde.
Ueber die Lage der Arbeiter bemerkt der Jahresbericht der Acltesten der Kaufmannschaft von Berlin u. A. wie folgt: „Eine eigenthümliche Erscheinung de« Jahres 1886 war das Austreten massenhafter Arbeiter- strikes und socialistischer Demonstrationen, zum Theil unter Einwirkung anarchistischer Elemente, im April und Mai in Nordamerika, im Februar und November in London im Frühjahr in Belgien, im Sommer in Frankreich u. f. w. Deutschland ist von solchen Scenen glücklicherweise verschont geblieben. Zwar zeigen sich auch bei uns die Illusionen socialdemokratischer Doktrinen noch immer wirksam, indessen hoffen wir, daß die große Mehrzahl der arbeitenden Klassen sich dem Eindruck des Ernstes, mit welchem die Socialgesetzgebung und deren Durchführung unter der Mitwirkung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland betrieben wird, auf die Dauer nicht entziehen werde. Das Sinken des Preises der Lebensmittel und anderer unentbehrlicher Bedürfnisse hat ohne Zweifel eine Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen her beigesührt, und daS starke Anwachsen der Sparkasseneinlagen in Preußen während der letzten acht Jahre (von 1385 auf 2261 Millionen Mark) um 876 Millionen läßt mit einiger Sicherheit darauf schließen, daß Sparsinn nnd Sparfähig- feit gestiegen sind. Die sinkenden Preise und die zeitweise Geschäftsstockung der letztvergangenen Zeiten haben in hohem Matze den Urterne^merproinn, aber in sehr verschwindendem Maße die im ganzen stabil gebliebenen Löhne geschmälert."
(Frankreich.) Es geht das Gerücht, General Boutanger habe Jules Ferry wegen dessen Rede gefordert. (Ferry Halle unter offenbarer Bezugnahme aus Boutanger von Leuten gesprochen, Die „aus ihrem geräuschvollen Patriotismus ein Geschäft machen!*) — Cassagnac beharrt in einem urgroben Brief an Laur daraus, daß er vor dem Duell die Namen der StaatSstretchler erfahren müsse. Die Presse gibt ihm recht.
(Schweiz.) Endlich sind die vom Bundesrathe bei der spanischen Regierung erhobenen langjährigen Nachsuchungen betreffend den noch nicht ausgezahlten Sold für die im Dienste Spaniens gestandenen schweizerischen Soldaten (im Bürger
weiß gewürfeltes Tuch lag da, wie es Frau Christel noch am Morgen um den Hals getragen. Der letzte Zweifel bet den Männern schwand, daß sie auf dem rechten Wege seien, um die Vermißte zu finden.
„Sie hat doch das zweite Gesicht, oder sie steht mit dem Bösen im Bunde," flüsterte Cuddy dem vor ihm gehenden Bertel zu und deutete auf die alte Maud. Aber diese hatte die leise gesprochenen Worte doch verstanden und wandte sich nach dem Sysselmänd um.
„Und wenn der Teufel mein Gevatter wäre," sagte sie, „so sollte er mir heute helfen, daß die Nachbarin gerettet wird. Vorwärts, Ihr Männer, es wird Nacht werden, wenn Ihr nicht schneller seid !"
Dieser Mahnung hätte es kaum noch bedurft. Bertel ging jetzt voran, von Zeit zu Zeit laut „Mutter — Mutter" rufend, dann wieder horchend, ob ihm nicht eine Antwort werde, *
Als Mutter Cristel so plötzlich den festen Boden unter ihren Füßen verlor, schwanden ihr die Sinne, bis Kälte und Feuchtigkeit sie wieder zum Bewußtsein brachten. Sie fand sich auf einer schmalen Felsplatte liegend, hinter ihr und vor ihr stiegen die steinigen Wände steil auf, im Dämmerlicht sich bis ins Unendliche verlierend. Tief unter ihr kochte und brodelte es wie in einem Höllenkessel. Die Frau preßte die Hände vor die Augen, um nicht in einem neuen Schwindelanfall von ihrem unstcheren Lager zu