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Ittsftlhtr Kreislililtt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Anterhaltungsklatt".

Nr. 91. Donnerstag den 4. August 1887.

Aöonnements-Eintadung.

Be-stellungen auf das

Hersfelder Kreisblatt

mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Illustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition ange­nommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 29. Juli 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises veran­lasse ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 22. Juni d. J. Nr. 6378, Kreisblatt Nr. 74, bezw. vom 10. Juni Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70 über das Ergebniß der gleichzeitig mit den Maß- und Sewichlsrevisionen vorzunehmenden polizei­lichen Revisionen der S ch a n k g e f ä ß e mittelst Benutzung des Geißler'schen Appa­rats mir nicht am 10. September, sondern be­reits am 25. August er. unter Verwendung des im Kreisblatt Nr. 14 pro 1885 abgedruckten Schema's Bericht zu erstatten.

Seitens der Königlichen Gendarmerie, welche, wie bereits früher verfügt, den polizeilichen Re­visionen beizuwohnen hat, erwarte ich bis zu diesem Termine gleichfalls Bericht, welcher sich nament­lich darauf zu erstrecken hat, ob und eventuell wo Schankgefäße, Maße und Gewichte in Beschlag genommen werden mußten, welche Mängel an denselben vorgefunden wurden und ob die Be­strafung der betreffenden Gewerbetreibenden ver­anlaßt worden resp, erfolgt ist.

7640. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Strandgut.

Erzählung von I. I s e n b e ck.

(Fortsetzung.)

Sie barg das halberstarrte Kind an ihrem Busen, um es zu erwärmen. Wohl schlug das Kind die Augen wieder auf und wimmerte leise, aber es war dem Tode näher denn je. Hatte doch ein teuflischer Gedanke das Hirn der Frau durchzuckt, als sie in dem Bettchcn eine Menge reichen Geschmeides und einen Beutel mit Gold- und Silbermünzen fand, wie sie solche noch nie beisammen gesehen hatte. Der Schatz glitzerte und gleißte! wer ihn sein eigen nannte, konnte ohne Sorge und Mühsal weiter leben. Nimm wich, flüsterte das rolhe Gold, wirf das Kind wieder ins Meer ich bin Strandgut und gehöre nach der Väter Gesetz dem glücklichen Finder. Denke an Deinen Bertel, dem ich den Weg zu Ehre und Ansehen bahnen kann! Schon war die Hand erhoben, um den Mord zu vollführen, der den Raub decken sollte, da trat als Retter des nun laut schreienden Kindes die alte Maud da­zwischen.

Die alte Maud I Sie war ja toll. Alle wußten es und wer noch daran zweifeln wollte, dem suchte Mutter Christel von nun an auf alle Art zu be­weisen, daß nicht ein Funken von Vernunft in dem Kopf der kindischen, so oft trunkenen Greisin mehr lebe. Einer Wahnwitzigen würde es doch Niemand glauben, daß die kleine, kräftig heran- wachsende Alison etwas anderes sei, als ihrer,

Hersfeld, den 2. August 1887.

Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises werden in den nächsten Tagen die Rekrutirungs- Stammrollen der Jahrgänge 1865, 1866 und 1867, nachdem dieselben diesseits mit den alpha­betischen Listen gleichgestellt worden sind, in Ge- mäßheit des §. 45. 12 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875 zugesandt, um dieselben nebst ihren Anlagen (pfarramtlicher Geburtsschein 20.) in der Gemeinde-Repositur aufzubewahren.

7762. Der Königliche Landrath ______Freiherr v du S ch I e i nt tz.

Hersfeld, den 30. Juli 1887.

Für den am 17. April 1869 geborenen Conrad Seinrich Reinmüller aus Friedewald ist um ntlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

7681. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. August 1887.

Für die am 23. Januar 1867 zu Friedewald geborene Anna Maria Schäfer ist um Er- theilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

7763. Der Königliche Landrath

Freiherr v o n Schleinitz.

Steckbr i e f.

Gegen den unten beschriebenen Tüncher Jacob Pflngcr aus Wiesbaden, zuletzt in Hersfeld, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen am 25/26. Juli 1887 zu Hersfeld be­gangenen Diebstahls verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und an das Amtsgericht des Ergreifungsortes abzu- liefern bei Nachricht hierher zu den Akten J. 11. 1329/87. Casiel, den 30. Juli 1887.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.

I. A.: Dr. Appelius.

der Christel, Base Kind. Weit und breit war ja Jeder des Lobes voll, daß die Wittwe bet der Sorge um den eigenen Sohn sich auch noch der Waise ihrer todten Verwandten angenommen. Der Probst selbst hatte gesagt, daß der Lohn Gottes sich sichtbar für diese Gutthat zeige, wenn Mutter Christel in immer sorgenfreiere, behäbigere VerhäUusse kam. Aus ihrer Arbeit ruhte der Segen des Himmels! Daß in einer alten Truhe ein Schatz lag, von dem sich schöpfen ließ, blieb ein Geheimniß, von dem Keiner ahnte.

Eine sichtbare Mahnung war Alison all die Jahre für ihre Pflegerin geblieben, und die Scheu, welche die letztere vor dem Mädchen empfand, ver­wandelte sich nach und nach in Haß. Nicht so, daß sie die stets kindlich Freundliche, Gehorsame und unverdrossen Schaffende jemals hart oder un­gerecht behandelt hätte. Aber sich der stummen Mahnerin zu entledigen, ihrem Bertel den Schatz des Findlings zuwenden, das war der einzige Ge­danke, dem sie Tag und Nacht nachhing. Der Haß wuchs, als sie bemerkte, wie in ihrem Sohn mit den Jahren eine Zuneigung für Alison auf» keimte, die, weit entfernt von brüderlichem Gefühl, zu heißer Liebe wurde. Alison ihre Schwiegertochter niemals! So kam Mutter Christel der Plan, die Pflegetochter dem reichen Sysselmänd Peter Cuddh zur Frau zu empfehlen. Der fragte nicht nach einer Mitgift. Ihr Wille mußte dem Mäd­chen Gesetz sein, um so mehr in der Zeit, wo Bertel auf Jahre hinaus fern war. Alles ging auch nach Wunsch. Der alte Cuddh war beinahe

Beschreibung: Alter: ca. 46 Jahre. Statur: schlank. Haare: blond, kurz geschnitten. Bart: blonder Schnurrbart. Kleidung: grau karrirter Sommeranzug, graue Mütze und Stiefeln.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kais er setzte am Montag, wie aus Bad Gastein gemeldet wird, zu gewöhnlicher Stunde seine Badekur fort, welche auf den Rath der Aerzte seit einigen Tagen auf 18 Minuten verlängert worden ist. Nach dem Gebrauch derselben erschien Allerhöchst- derselbe zu einer Promenade auf dem Kaiserwege. Später hörte Se. Majestät der Kaiser im Bade­schlosse die Vorträge des Ober-Hof- und Haus­marschalls Grafen Perponcher und des Chefs des Civil-Cabincts Wirkl. Geh. Rathes von Wilmowski. Am Abend zuvor hatte Allerhöchst- derselbe einer Einladung der Gräfin Lehndorff zum Thee entsprochen.

Kaiser Franz Josef hat am Montag Jschl verlassen und ist über München zum Besuch seiner Gemahlin nach Bad Kreuth gereist. Von dort aus trifft derselbe am Sonnabend zum Be­such Kaiser Wilhelms in Gastein ein. Der Aufenthalt des österreichischen Monarchen in dem Wildbade wird nur 24 Stunden währen.

Se. Kaiserl. und Königl. Hoheit der K r o n» Prinz will, wie es heißt, im Herbste seinen Aufenthalt für einige Zeit in Venedig nehmen. Von dort wird gemeldet, daß der König von Italien dem Kronprinzen seinen Königlichen Palast für die Dauer seines Aufenthalts in Venedig zur Verfügung gestellt hat.

Der Botschafter Frankreichs in Berlin, Jules H e r b e t t e, hat einen zweimonatigen Urlaub angetreten. Derselbe begiebt sich zunächst zu seiner in der Umgebung von Paris weilenden Familie.

wieder jung geworden in der Hoffnung, daß ihm noch ein Lebenssrühling werden könne und eine neue Gutthat mußte es heißen, wenn Mutter Christel der Alison zu einem begüterten Manne verhalf. Da, unerwartet und unerwünscht, zu früh, war Bertel zurückgekommen und jetzt lag die Geliebte, die er der Mutter vorzog, wohl wieder in seinen Armen wie am Abend vorher, beide ver­gessend des Fluches, der auf sie herabbeschworen.

In namenloser Seelenpein schrie Mutter Christel auf. Nicht mehr achtend der körperlichen Noth und Gefahr, dachte sie nur der schweren Schuld. Sie wollte beten, mit Gott ringen, daß er den Fluch in Segen für den Sohn wandle, aber ste fand, wie sie auch suchte und sann, nicht Wort noch Spruch, um darin Flehen und Jammern zu kleiden. Nichts gab es mehr, was ihr die Brücke zwischen dem Stein hier und dort bauen konnte.

Ein Ruf schlug an ihr Ohr, der neue Schrecken weckte. Wie aus einer anderen Welt klang es: Mutter Mutter!" Waren das die Geister der Verdammniß, die anklagend zum Throne Gottes sich wandten, diejenige für sich fordernd, die als Mutter einer Waise so schwer gesündigt? Wider Willen mußte sie lauschen. Jetzt ließen sich nur die gurgelnden Wasser unter ihr hören und Tropfen auf Tropfen fiel klatschend von Stein zu Stein.

Noch einmal rief es:Mutter Mutter!

Das war eine Menschenstimme, das war BertelS Heller, klingender Ton.

Aus den Augen der dem Tode Geweihten strömte