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Hersskli>er KmsWtt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes UnLerhattungsölatt"__________

Nr. 92. Sonnabend den 6. August 1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 4. August 1887.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 6. Mai 1879 Nr. 5554, die Ausräumung der Fluthgräben sowie der Ent- und Bewässerungs-Anlagen betreffend, im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. M t s. bei Meidung von 3 Mark Strafe erinnert.

7098. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

# Die Kaiserbegegnung in Gastein.

In den nächsten Tagen, wie es heißt am 6. August, trifft Kaiser Franz Joseph zum Besuche unseres Kaisers in Gastein ein. Vollzieht sich damit auch ein Ereigniß, welches seit einer Reihe von Jahren zu den ständigen gehört und welches zuweilen nur in dem Besuch unseres Kaisers am österreichischen Hoflager in Jschl eine Abwechslung fand, so ist dasselbe dadurch doch nicht von ge­ringerer Bedeutung, Denn in ihm erhält ganz Europa von Neuem die Bestätigung und Bekräf­tigung der freundschaftlichen Beziehungen, in welchen die beiden erhabenen Herrscher und ihre Staaten seit langer Zeit zu einander stehen.

Seit den Tagen der letzten Kaiserbegegnung drohten sich manche dunkle Wolken über Europa zusammenzuziehcu: alle Staaten verstärkten ihre Wehrkraft in dem beängstigendem Gefühle, daß es nicht gelingen würde, den Frieden zu erhalten. Es ist dies dennoch bis jetzt gelungen, und damit ist das Hauptziel und die Hauptaufgabe, zu welcher sich die beiden mächtigen Herrscher einst vereinten, trotz mancher Gefahren und Hindernisse zur Genugthuung aller Freunde des Friedens bis letzt verwirklicht und erfüllt worden.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Strandgut.

Erzählung von I. Jsenbeck.

(Fortsetzung.)

Starr standen die beiden jungen Leute. Nun aber fuhr Beitel wie in mühsam verhaltenem Zorn auf und faßte, nach Worten suchend, der Greisin Arm.

»Berte! 1* mahnte da Alison. »Willst Du Dich an einer Frau vergreisen? Vergißt Du, daß die arme Maud es war, die sprach?"

Der junge Seemann trat einen Schritt zurück.

»Du hast recht, wie immer," sagte er mit leichtem Lächeln. .Nur der Wahnsinn kann meiner Mutter etwas nachreden, das sich auch nur um Haaresbreite von Pflicht und Ehre entfernt! — Gieb der armen Maud zu essen und zu trinken und dann mag sie nach Hause gehen."

Von den Speisen, die Alison nun auftrug, rührte die tolle Maud nichts an. Stumpfsinnig saß sie am Herdfeuer, dessen Wärme sie mit Be­hagen zu genießen schien. Von Zeit zu Zeit aber hob sie wie horchend den Kopf und sah ängstlich nach der Thür hin, die in Mutter Christels Kammer führte.

Wohl eine Stunde war so vergangen, als sich diese Thür leise öffnete. Der Probst stand auf der Schwelle und winkte der Alison zu, daß sie einträte.

Die Kranke saß, von Kissen gestützt, aufrecht im Bette und hob mit bittender Geberde beide

Wenn heute Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm sich wiederum die Hände reichen, werden sie mit Dank gegen die Vorsehung erkennen, wie sich ihr Freundschaftsbund zum Nutzen der ganzen Welt bewährt hat. Bestimmte politische Gründe, welche die Begegnung hervorgerufen hätten, oder besondere politische Zwecke, welche mit der Zu­sammenkunft verfolgt werden, sind, wie auch bei den meisten früheren alljährlichen Begegnungen, wohl nicht vorhanden: es ist das persönliche Freundschaftsverhältniß und die Gelegenheit des Aufenthaltes unseres Kaisers an den Heilquellen des österreichischen Wildbades, was die beiden Herrscher abermals zusammenführt. Aber für die Welt hat dieser persönliche Freundschaftsact die Bedeutung einer Bürgschaft rir die Fort­dauer der Grundlagen des Friedens, an welchem die beiden Kaiser und ihre Staatsmänner fort­gesetzt zu arbeiten bemüht sind. Daß die Arbeit wie bisher so auch in Zukunft von segensvollen Erfolgen begleitet sein möge, ist ein Wunsch, der heute, wo die beiden Herrscher sich wiederum be­gegnen, alle wahren Friedensfreunde erfüllt. War für uns besonders diesmal nach dem letzten Un­wohlsein, die Reise unseres Kaisers nach Gastein ein frohes Zeichen, daß unser geliebter Herrscher sich wieder kräftigen Wohlseins erfreut, so wird anderseits die Gasteiner Kaiserbegegnung alle Welt überzeugen, daß auch in dem Verhältniß zwischen den beiden Monarchen und ihren Völkern keinerlei Aenderung eingetreten ist.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser setzt in Wildbad Gastein seine Badekur in regel­mäßiger Weise und mit bestem Erfolge fort. Am Mittwoch Vormittag hatte Allerhöchstderselbe, nach dem Gebrauch der Kur, die sonst übliche Promenade auf dem Kaiserwege, des eingetretenen

Hände, als das junge Mädchen neben ihr stand.

.Fühlt Ihr Euch kräftiger, Mutter Christel?* sragte Alison. .Run, habt nur guten Muth, bald werdet Ihr wieder ausstehen und dann erst kann ich Euch so recht Pflegen, thun, was ich Euch nur an den Augen absehen kann —"

«Sprich nicht so zu mir!" stöhnte die Kranke auf. «Ich bin nicht werth, daß Du mich nur an* schaust I — Belogen — betrogen habe ich Dich vom ersten Tage an —"

Hier stockte ihre Stimme und sie konnte nicht weitersprechen. Der Probst kam ihr zu Hülfe; er half die Erschöpfte in eine bequemere Lage bringen, forderte Alison auf, sich zu setzen und begann dann: /

»Gottes Wege und Fügungen sind wunderbare. In Barmherzigkeit und Geduld giebt er uns armen, sündigen Menschen Zeit zur Reue und Buße. Er schickt uns Krankheit, Noth und Ge­fahr, daß sie als Seine Boten bei uns anklopfen, und läßt die Sonne Seiner Gnade wieder für uns aufgehen, wenn wir Ihm unsere Sünden be­kennen und unseres Herzens Härttgkeit fahren lassen. Wir sind allzumal Sünder und sollen Ge­duld haben mit der Schwachheit unseres Nächsten. Auch Du, mein Kind, mußt vergeben und ver­gessen, wenn Du selbst Vergebung finden willst!"

Alison hatte bei dieser unerwarteten feierlichen Einleitung den Probst staunend und fragend an* geblickt. Ein neues Unglück fürchtend, horchte sie gespannt zu, als der geistliche Herr ihr erzählte, was Mutter Christel ihm gebeichtet hatte. Wie

Regenwetters wegen, ausgesetzt und kehrte deshalb sofort in seine Gemächer zurück, woselbst im Laufe des Vormittags der Ober-Hof- und Hausmarschall Graf Perponcher und der Chef des Crvil-Cabinets, Wirkl. Geh. Rath v. Wilmowski, zur Abstattung von Vorträgen erschienen. — Am Donnerstag traf, von England kommend, der Chef des Stabes der 4. Armee-Jnspection, Oberst und Flügeladjutant v. Winterfeld in Gastein ein und wurde derselbe auch bereits von Sr. Majestät dem Kaiser empfangen.

Die Gesundheit des Kronprinzen ist jetzt, wie das »B. T." aus London meldet, so weit hergestellt, daß weitere Bulletins unnöthig sind. Sowohl Hals wie Stimme sind beinahe normal, kein Nachwuchs ist mehr bemerkbar. Die Stimme wird blos vorsichtshalber noch geschont. Das allgemeine Befinden, wie auch die Stimmung des Kronprinzen sind vorzüglich.

Die Verleihung des Kreuzes der Großkomthure desHohenzoller'schen Hausordens an den Kron­prinzen RudolfhatinWiender.Kr.Ztg." zu­folge einen sehr sympathischen Eindruck gemacht und wird als ein Freundschaftsbeweis angesehen, welchen Kaiser Wilhelm noch vor der Begegnung mit dem Kaiser Franz Joseph in Gastein dem österreichischen Kaiserhause hat zu theil werden lassen, um dadurch in ebenso sinniger als herz­licher Weise gleichsam im voraus seinen Dank für den Besuch abzutragen, welchen ihm Kaiser Franz Joseph zu machen eben im Begriffe ist.

Der Kaiser von Brasilien ist zur Kur in Baden-Baden eingetroffen.

sWeshalb uns die Franzo sen hassen?) Der englische Consul in Nizza, Harris, schreibt in seinem vom britischen Auswärtigen Amte ver­öffentlichten Jahresbericht, daß die deutschen Kaufleute in diesem District alle Concurrenten überwinden zum Nachtheile selbst der französischen Fabrikanten. Die Deutschen hätten längst die

dieser nun schloß, da richtete stch die Kranke mit einem gewaltsamen Ruck in ihrem Bette auf, sie schien all' die überlegene Seelenstärke wieder er­langt zu haben, mit der sie einst in so hohem Grade begabt gewesen war.

.Die Frau, die das that, war ich!' rief sie. »Du bist es, die ich am Ufer des Meeres fand! Dich wollte ich wieder in das nasse Grab schleudern! Dich habe ich bestohlen!"

Schweigend saß Alison da. Nach einer langen, bangen Pause rief Mutter Christel jammernd:

»Vergieb mir, ich kann nicht leben noch sterben, wenn Du mir nicht vergiebst!"

»Also bin ich nicht Eurer Base Kind?" fragte Alison, wie aus einem Traume erwachend. »Kein Band des Blutes und der Verwandtschaft hat mich an Euch geknüpft?"

«Nein I — Ich belog Dich und alle Welt, um mein Verbrechen zu verbergen!"

Als Alison diese Worte hörte, stand sie von ihrem Stuhle aus und sank vor dem Bette der Kranken in die Kniee. Mutter Christels Hand sassend, sprach sie unter strömenden Thränen:

»Und doch habt Ihr mich, die Fremde, die Namenlose, gehalten wie Euer eigen Kind l Was kann ich Euch vergeben? Mein Leben lang will ich Euch danken und für Euch beten!"

Der Probst legte seine Hand auf des jungen Mädchens Scheitel und seine Lippen bewegten stch wie in einem Segensspruch. Die Kranke starrte eine Weile die Knieende an.

,Du dankst mir, statt wir zu fluchen?" fragte