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Htlsfelder Ktkisblött.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIlkustrirtes AnterhaktungsölaLL".

Nr. 94. Donnerstag den 11. August 1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 6. August 1887.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises weise ich hierdurch an, über die in den Gemeinden vor­handenen sog. Uebertriebschafe, welche nicht selten die Heerden wechseln, mit denen sie -für Weide­zeit vereinigt werden und deshalb oft zur Ver- schleppung der Räude in gesunde Bestände bei­tragen, bis zum 2 4. d. Mt s. nach dem hier­unter abgedruckten Schema mir eine Nachweisung einzureichen.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

Anzahl der Heerden, welche aus Uebertrieb- schaften bestehen

Größe

Anzahl der Besitzer,

Anzahl der Schafe in den Heerden

Q

dieser Heerden.

welche an diesen Heerden Antheil

zu 3, welche einem Besitzer gehören.

s»

a. i b. | c.

(Stückzahl).

haben.

a. | b. | c.

_

über- gesunden räude- haupt kranken

größte kleinste durch­schnitt­liche

Hersseld, den 6. August 1887.

Es wird hierdurch veröffentlicht, daß der Kreisausschuß des hiesigen Kreises in seiner Sitzung am heutigen Tage gemäß §. 18 des Ge­setzes vom 12. März 1881, betreffend die Ab­wehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1888 folgende als Schiedsmänner zu den Schätzungs-Commissionen heranzuziehende Personen gewählt hat:

1) Oeconom Peter Heil zu Hersfeld,

2) Oeconom Friedrich Friedrich zu Hersseld,

3) Oeconom Friedrich Heil zu Hersfeld,

4) Gutsbesitzer Rich. Braun zu Oberrode,

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Das Geständnis.

Criminal-NovellevonGustavHöcker.

(Fortsetzung.)

Den Schauplatz der Mordthat unter strenger Bewachung zurücklassend, begab sich der Com- missär nach der Wohnung des Buchhalters Prach- witz.

Dort fand er dessen kranke Frau in wilden Fieberphantasien im Bett liegend; eine Diakonissin war um sie beschäftigt, eine andere suchte einen etwa vierjährigen Knaben zu beschwichtigen, der sich vor den wirren Ausrufungen und Geberden der Mutter entsetzte. Prachwitz war nicht an­wesend.

Nach Aussage der Diakonissinnen war er vor etwa dreiviertel Stunden nach Hause gekommen, hatte ihnen mitgetheilt, daß er verreisen müsse, aber bis gegen Morgen zurück zu sein hoffte, hatte einen Kuß auf die fiebernde Stirn der Gattin ge­drückt, seinen hellgrauen Ueberrock angezogen und war dann wieder gegangen.

Beiden Krankenpflegerinnen war eine gewisse Aufregung an Prachwitz aufgefallen, auch hatten sie sich gewundert, daß der sonst so zärtliche und besorgte Gatte die schon seit Wochen schwer da­niederliegende Frau gerade heute Abend, in einer Crists, von welcher Leben und Tod abhing, ver­lassen konnte.

Der Commissär entfernte sich rasch und bald trug der Telegraph das Signalement des Buch»

Hierbei nehme ich Veranlassung, nochmals auf meine Verfügung vom 20. Mai 1884 Nr. 6520, Kreisblatt Nr. 62, aufmerksam zu machen, wo­nach räudekranke oder zu räudekranken Heerden gehörige Schafe oder solche Heerden, in denen im letzten Jahre Räude herrschte, den Standort nicht wechseln dürfen, die Ausfuhr der Schafe zwecks sofortiger Abschlachtung aber nur mit vorher eingeholter diesseitiger Genehmigung ge­schehen darf.

7848. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

5) Domainenpachter Freise zu Bingartes,

6) Domainenpachter Königl. Oberamtmann Oldenburg zu Wilhelmshof,

7) Domainenpachter Suntheim zu Eichhof,

8) Gutsbesitzer Schwarz zu Unterhaun,

9) Landwirth Wilhelm Jakob daselbst,

10) Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach,

11) Gutsbesitzer Ferd. Roll zu Obergeis,

12) Landwirth Johannes Claus zu Mecklar,

13) Landwirth Johannes Wetzel II. zu Meckbach,

14) Landwirth Andreas Strüber zu Friedlos,

15) Gastwirth Peter Grebe zu Friedlos, 16) Landwirth Heinrich Schaub zu Tann,

17) Landwirth Heinrich Fey zu Tann,

Halters und den Befehl zu seiner Festnahme über alle von der Residenz auslaufenden Eisenbahn­linien.

Auf der letzten Station vor der nahen öster­reichischen Grenze wurde Prachwitz, an seinem hell­grauen Ueberzieher leicht kenntlich, in dem nur schwach besetzten Zuge ergriffen. In schroffem Widersprüche zu dem kurzen Reiseziel, das er zu Hause vorgegeben hatte, lautete sein Fahrdillet auf Wien und in seiner Brieftasche fanden sich die elf österreichischen Tausendguldennoten vor, welche in tzardtselders Kaffenschrank fehlten.

Die gerichtsärztliche Untersuchung ergab, daß Herr Hardtfelder mit dem eisernen Lineal mehrere Schläge auf den Kopf erhalten hatte, infolgederen der Tod eintreten mußte.

Prachwitz wurde des Doppelverbrechens ange- klagt: seinen Chef ermordet und die elstausend Gulden aus dem Kassenschranle genommen zu haben, um mit der entwendeten Summe flüchtig zu werden.

Der Angeklagte, welcher bisher eines unbeschol­tenen Rufes genossen und während seiner sechs­jährigen Dienstzeit im Hause tzardtselders dessen Vertrauen besessen hatte, betheuerte, daß er un­schuldig sei.

Seine Darstellung des Sachverhalts war fol­gende :

Ein Berliner Getreidespeculant hatte in Pest großartige Einkäufe ungarischen Getreides gemacht, welches in Extrazügen nach Berlin verladen wurde. Hardtfelder hatte in seiner Eigenschaft

18) Landwirth Conrad Hildebrandt zu Rohrbach, 19) Bürgermeister Glebe zu Kohlhausen,

20) Gutsbesitzer Eschstruth I. zu Frielingen,

21) Gutsbesitzer Baron von Lepel zu Hattenbach,

22) Oeconom Philipp Schäfer zu Mengshausen, 23) Landwirth Jakob Grenzebach zu Niederaula, 24) Oeconom Bezzenberger zu Kirchheim,

25) Oeconom Conrad Schüler zu Reckerode,

26) Oeconom Johannes Jakob Schenk zu Kers- penhausen,

27) Bürgermeister Nuhn zu Asbach,

28) Landwirth Philipp Thiel zu Kruspis,

29) Landwirth George Waitz zu Harnrode, 30) Gutsbesitzer Gerlach zu Nippe,

31) Gutsbesitzer Führer jun. zu Lautenhausen,

32) Gutsbesitzer Hoßbach zu Hof Weißenborn,

33) Gutsbesitzer Ernst Bippart zu Hermannshof, 34) Gutsbesitzer Gliemeroth zu Wölfershausen, 35) Gastwirth Schimmelpfeng zu Widdershausen, 36) Vicebürgermeister Grau zu Heringen,

37) Gutsbesitzer Schlosser zu Kleinensee,

38) Ackermann Johs. Volkenand zu Bengendorf, 39) Gutspächter Otto zu Oberlengsfeld,

40) Landwirth Burghard Rüger zu Unter­weisenborn,

41) Oeconom Adolph Reinhard zu Unterweisen­born,

42) Ackermann Heinrich Burghardt zu Ransbach, 43) Gutsbesitzer August Aulepp zu Philippsthal, 44) Schmied Scheer zu Schenklengsfeld,

45) Bürgermeister Rüger zu Hilmes,

46) Ackermann Rudolph zu Ausbach,

47) Ackermann Peter Bock zu Conrode,

48) Ackermann Oswald Steinhauer zu Wüstfeld.

Aus der Zahl dieser Personen hat die Orts­polizeibehörde die Schiedsmänner für jeden ein­zelnen Schätzungsfall zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Thierarzte und zwei Schiedsmännern gebildete Commission,

als Spediteur die Frachtgelder an der letzten Grenzstation in österreichischem Gelde an den Stationschef zu bezahlen. Der Frachtbetrag, wel­cher sich für einen solchen Extrazug bis zur Grenze auf zehn- bis zwölftausend Gulden belief, war bisher stets mit der Post dorthin geschickt worden.

Nun gab es aber auf der stark frequentirten Station einen ungeheuren Güterandrang zu be­wältigen, infolgedessen die Weiterbeförderung der Getreidezüge schon wiederholt empfindliche Ver­zögerungen erlitten hatte.

Daher hielt Herr Hardtfelder die jedesmalige Anwesenheit eines seiner Angestellten für nöthig, um durch persönliche Vermittelung bei dem Stationschef eine raschere Expedirung des Zuges zu bewirken, und da ein solcher Vortheil die unbe­deutenden Kosten der Reise bei weitem überwog, so sollte künftig stets einer der Commis mit dem Gelde nach der Station, wo die Zahlung zu leisten war, fahren.

An dem Tage, welcher so verhängnißvoll mit Hardtfelders Ermordung schloß, sollte mit dieser Neuerung der Anfang gemacht werden und der Chef hatte bereits einen seiner gewandtesten Lom- mis, Namens Marquardt in Gegenwart des Buch­halters angekündigt, daß voraussichtlich er Nach­mittags mit den heute eingewechselten elstausend Gulden nach der Station werde reisen müssen, um den fälligen Extrazug zu bezahlen. Hardtfelder war aber nicht wieder daraus zu sprechen gekom­men und hatte gegen Abend einen Ausgang ge-