Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend

Abonnementspreis:

vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.

Postausschlag.

Die JnsertionSgebühr« betrogen sür den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg, Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt,

Kerchldtr Kreisfilitt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIssustrirtes Anterhattungsblatt".

Nr. 98. "Sonnabend den 20. August 1887.

Amtliches.

Hersfeld, den 18. August 1887.

Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises bezw. der in Betracht kommenden Gemeinden und Gutsbezirke werden hierdurch im Anschlüsse an meine Verfügung vom 25. v. Mts. Nr. 7513, im Kreisblatt Nr. 89, die diesjährigen Herbst­übungen betreffend, und unter Bezugnahme auf den §. 11 des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875, davon in Kenntniß gesetzt, daß die kultivtrten vorzugsweise zu schonenden Län- dereien und Schonungen durch Warnungszeichen (Wiepen) kenntlich zu machen sind, wobei jedoch rothe Fähnchen und Läppchen vermieden werden müssen.

7637. Der Königliche Landrath.

__Braun, Kreisdeputirter.

Gefunden: ein Reif von einem Wagenrad. Meiduim-dcs_Eiacntbümers bei dem Ortsvor- stand zu PhilipPSthal. ^ -

Gefunden: auf der Straße von Hersfeld nach Unterhaun ein Portemonnaie mit Inhalt. Mel­dung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Unterhaun.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hat sich durch die in der letzten Zeit stattgehabten schroffen Wetterkontraste eine leichte Erkältung zugezogen. Allerhöchstderselbe konnte jedoch die laufenden Regierungsangelegenheiten bisher täg­lich in gewohnter Weise regelmäßig erledigen.

Im Marmorsaale des Königlichen Stadt- schloffes zu Potsdam fand am Donnerstag Vormittag 11 Uhr die Nagelung und feierliche

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Das Geständnis.

Kriminal-Novelle vonGustavHöcker. (Schluß.)

In den Zügen des BalerS hatte sich plötzlich der Ausdruck einer bitteren Enttäuschung einge­stellt und Eugen begegnete einem Blicke, fast höh­nischen Mißtrauens, der seinem kindlichen Herzen unendlich wehe that.

Obwohl er diesen Mangel an Vertrauen der vollständigen Entfremdung und den Einflüssen eines langjährigen Zusammenlebens mit Ver­brechern zuschrieb, so blieb doch eine tiefe Verstim­mung in ihm zurück und er sprach nur noch wenig. Auch der Vater beobachtete ein finsteres Schweigen.

Vor Mitternacht begaben sich beide nach dem Bahnhöfe und bestiegen den Zug. Das Coupee war vollständig besetzt; doch fuhren einige der Passagiere nur bis zur nächsten Station; auf der folgenden Haltestelle entleerte sich das Coupee vollends bis auf Vater und Sohn, und Eugen, von den Gemüthsaufregungen des Tages abge­spannt, verfiel in Schlummer.

Plötzlich aber fühlte er, wie sich zwei würgende Hände gleich eisernen Klammern um seinen Hals legten. Deutlich machte sich in seinen Muskeln ein Gefühl der Erschlaffung, ein rasches Hin- schwinden seiner Kräfte bemerkbar und das Blut in seinen Adern schien zu erstarren. Jedoch mit der ganzen Kraft, welche die Verzweiflung gibt,

Weihe der den neuen Regimentern und Bataillonen verliehenen Fahnen statt. Se. Majestät der Kaiser ließ sich bei der Feier durch Se. K. Hoheit den Prinzen Wilhelm vertreten. Nachdem Se. K. Hoheit der Prinz Wilhelm auf jede der auf Tischen aufgelegten neuen Fahnen den ersten Nagel im Namen Sr. Majestät des Kaisers ein­geschlagen hatte, schlug Ihre Majestät die Kaiserin den zweiten Nagel ein. Hierauf folgten Se. K. Hoheit der Prinz Wilhelm mit einem Nagel für Se. K. und K. Hoheit dem Kron­prinzen, einem Nagel für Ihre K. und K. Hoheit die Kronprinzessin, einem dritten für sich und mit je einem Nagel für jeden seiner 4 Söhne, sodann Ihre K. Hoheit die Frau Prinzessin Wil­helm und die übrigen Prinzen und Prinzessinnen nach ihrer Rangordnung, sowie die Prinzen und Prinzessinnen deutscher Häuser, ingleichen die Generalität, die Regimentscommandeure und die zur Feier commandirten Officiere und Fahnen- Unterofficiere.

Prinz Ludwig von Bayern hat sich nach Kiel cheaeben, um an den MarunüManövcrM tbeil-iu- nehmen. ">

Als Zeitpunkt der Einberufung des Reichs­tag s ist der Anfang November in Aussicht genom­men, während der preußische Landtag erst Mitte Januar 1888 zusammentreten dürfte. Eine Vor­lage über die Alters- und Jnvalidenversorgung der Arbeiter soll mit Sicherheit in der bevor­stehenden Reichstagssession zu erwarten sein.

Wie derNat.-Ztg." berichtet wird, liegen die Baupläne sür den Nord Ostsee-Canal noch im Reichsamt des Innern zur Prüfung vor, welche noch einige Zeit beanspruchen werde, so daß von dem Beginn der Bauarbeiten noch nicht die Rede sein könne. Allem Anschein nach erfordern Einzel­heiten betreffs der Brückenbanten rc. noch um­fassende Vorverhandlungen.

führte er einen schlag mit der geballten Faust gegen seinen Angreifer, womit er diesen so em­pfindlich ins Gesicht trat, daß derselbe sein Opfer losließ.

Vater! Vater I* rief Eugen, als er seine Kehle wieder frei fühlte,was habe ich dir gethan, daß du mir nach dem Leben trachtest?*

Aber schon stürzte sich der unnatürliche Vater wieder auf den Sohn und es entstand ein furcht­bares Ringen.

Eugen hatte bemerkt, daß die Coupeethür offen stand und die Absicht seines Vaters darauf ge­richtet war, ihn in die Finsterniß hinauszustürzen, durch welche der Zug dahinbraulle.

Wie ein Löwe kämpfte er um sein Leben, wieder­holt gelang es ihm, sich den ihn umklammernden Armen zu entwinden, aber immer wieder packten sie ihn von neuem. All' seine Kraft zusammen« nehmend, führte Eugen endlich einen verzweifelten Stoß aus, der den Angreifer zurückschleuderte. Ein markdurchdringender Schrei gellte in Eugens Ohr, und als er seine halbbetäubten Sinne sam­melte und sich in dem matt erleuchteten Coupee umblickte, befand er sich allein. Der Vater selbst war von dem Schicksal ereilt worden, welches er dem Sohne zugedacht hatte.

Entsetzt über diesen verhäugnißvollen Ausgang seiner nothgedrungenen Vertheidigung sandte Eugen Hilferuf auf Hilferuf in die Nacht hinaus, um den Zug zum Halten zu bringen. Aber das Donnern der Räder .übertönte seine Stimme und ungehört verhallte sie draußen in dem heftigen Winde.

Bei M e tz fand am 14. d. Mts. die alljähr, liche Schmuckung der östlichen und westlichen Kriegergräber des Jahres 1870 durch den Kriegerverein und den Turnverein programm­mäßig statt. In dem reizenden Wiesenthale der Schlucht bei G r a v e l o t t e vereinigten sich Nachmittag 4500 Gäste aus Metz und Um­gegend zu patriotischem Zusammensein bei Rede, Gesang und Musik auf Einladung des Turn­vereins.

Die vor etwa drei Wochen in M a i n z verhaf­teten elsaß-lothringischen Soldaten, welche einer geheimen Verbindung angehört haben sollen, ind wieder in Freiheit gesetzt und aus dem Mi- itärgefängniß entlassen worden.

Die südamerikanische Colonisationsgesellschaft zu Leipzig erklärt sich bereit, einem Theil der aus Rußland ausgewiesenen deutschen Landwirthe und Gewerbetreibenden in ihrer Colonie in Paraguay unter günstigen Bedingungen Auf­nahme zu gewähren.

Außer dem Abg. Sieffermann (Molsheim^ mrg^nch-n'u^ vk-pcotc silbischen AbMlrd- neten Antoine von Metz (infolge Ausweisung z. Z. in Luxemburg) und Lalance von Mühlhausen (in­folge strafrechtlicher Verfolgung z. Z. in der Schweiz) ihr Mandat niederlegen wollen.

(Frankreich.) Vor einigen Tagen verstarb zu Deutsch-Oth der frühere französische Hauptmann Vincent, ein Bruder des aus den Leipziger Hochverrathsproceffen bekannten Chefs des sran- zöstschen Nachrichtenbüreaus im Kriegsministerium. Verschiedene französische Blätter meldeten nun, daß es dem letzteren Seitens der dentscten Behörden verweigert worden wäre, seinem Bruder die letzte Ehre zu erweisen. Das «Journal des Debats" selbst muß nun aber seine Kollegen Lügen strafen, indem es schreibt:Es ist unrichtig, daß dieie Ermächtigung verweigert worden wäre, da Oberst

Zehn Minuten später hielt der Zug am Orte seiner Bestimmung. Eugen machte sofort Anzeige, daß sein Reisegenosse zum Coupee hinausgestürzt sei. War er auch empört über die Verruchtheit feines Vaters, so verschwieg er doch vorläufig die mörderische Veranlassung, welche den Sturz her» beigeführt hatte, obwohl er fürchtete, die Wahrheit doch noch bekennen zu müssen, denn er vermißte feine Brieftasche mit den für den Capitän bestimm­ten Geldern.

Der Verunglückte wurde von den ausgesandten Leuten mit zerschmetterten Gliedern aufgefunden und nach dem Bahnhöfe transportirt; der herbei­gerufene Arzt erklärte seinen Zustand für hoff­nungslos und der Verbrecher selbst mochte fühlen, daß es mit ihm zu Ende ging.

Sterbend legte er das Geständniß ab, daß er nicht Eugens Vater, sondern Marguardt sei. Er bekannte vor Eugen und den übrigen, sein Schmerzenslager umstehenden Zeugen, daß er seiner Zeit den Mord an Hardtfelder begangen habe, und wiederholte alle die näheren Einzelheiten des Verbrechens, wie er sie bereits Eugen mitge­theilt hatte.

Die gemeinschaftlich mit Prachwitz unternom­mene Flucht aus dem Zuchthause erklärte er als eine Erfindung, da dieser schon im zweiten Jahre seiner Haft in demselben Zuchthause gestorben war, in welchem Marguardt vor Kurzem die Strafe für wiederholte Betrügereien abgebüßt hatte.

Als er sich wieder auf freiem Fuße sah, erfuhr er durch Zufall Näheres über die späteren Schick»