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itrsfelÄtr Kreiselt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeitageIllustrirtes Anterhaltungsölatt"

Nr. 103.

Donnerstag den 1. September

1887.

Monnements-Ginladung.

Bestellungen auf das

Kersfetder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident der Provinz Hessen- Nassau hat den Vertrieb der Loose zu der von dem Herrn Ober-Präsidenten der Rheinprovinz dem Vorstände des Neuwieder Frauenvereins zur Krankenpflege 2c. gestatteten, planmäßig am 27. April 1888 und den folgenden Tagen in Neu- wied stattfindenden Ausspielung von practisch verwendbaren goldenen und silbernen Gegenständen des Kunstgewerbes und der Industrie zum Zweck der Beschaffung der Mittel zum Bau eines Hos­pitals in Neuwied auch innerhalb der Provinz Hessen-Nassau gestattet.

Cassel, den 8. August 1887.

Der Regierungs-Präsident.

_______I. V.: Schwarzenberg.____

Hersfeld, den 29. August 1887.

Für 1. Heinrich Peter Wend, geboren am 10.December 1876, 2. HeinrichWend, geboren am 2. September 1881, aus Friedewald ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8720. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

(Unbesugter Nachdruck verboten.)

Sol.

Novelle von Euscmia Gräfin Ballestrem (Frau von Adlersfeld).

(Fortsetzung.)

-Woher stammt dieser Weihers" fragte einer unter den Gästen.

Ich kenne ihn noch von seinem Regimente her," berichtete ein Officier.War rieiig schneidiger Ulan seiner Zeit, sehr beliebt, sehr comme il faut, Ganz grand seigneur, aber wenig Mo­neten. Hat dann den Abschied genommen, weil er ein kleines Gut erbte guter Boden, hübscher Wald bringt das Seine, aber nicht gerade Gold wie Heu. Wie gesagt, netter Kerl, der Weiher, tadelloser Character, höllisch comme il faut i* Damit mußte man sich nun begnügen, denn daß Hans vom Weiher der Verlobte der Fürstin sein könnte, fiel Niemand ein zu muth- maßen.

. Es war zwei Tage nach seiner Ankunft auf Kirchberg, als Hans von Weiher gegen Abend allein dem Park zu schlenderte. Er war oben ge- Wesen bei Lenta im gelben Boudoir, hatte sie dort aber nicht angetroffen zum ersten Mal seit seiner Ankunft hatte er dieses goldige Nest wieder betreten und sich, wenn er allein war, ganz in den Anblick des Bildes der Dame mit den Sonnenblumen versenkt. Er hatte in jenem Augen­blick des Wiedersehens nicht gefragt, wen dies Meisterwerk eines Portraits darstelle und nun

# Zum zweiten September.

Als unser Kaiser am 20. März 1871, nach der Heimkehr von fast wunderbaren Erfolgen, die Vertreter seiner Residenzen um sich versam­melt sah, schloß er seine dankende Ansprache an dieselben mit den Worten:Lange lag dieser Ausgang in den Herzen. Jetzt ist es an das Licht gebracht; sorgen wir, daß es Tag bleibe

Siebzehn Jahre sind verflossen seit dem Tage, da die Wundermär von Sedan die deutschen Gaue durchhallte und alle Herzen unseres Volkes mit Dank und Hoffnung erfüllte, und noch immer hat an diesem Tage die Nation sich zu ein- müthiger Erinnerungsfeier zusammengefunden. Keine Willensäußerung des Kaisers oder der deutschen Regierungen hat den zweiten Septem­ber zum nationalen Festtag der Deutschen erho­ben, im Gegentheil dem Ausspruch des Kaisers gemäß, daß eine Volksfeier nur dann Werth habe, wenn sie wirklich aus dem Volke hervor- gehe, ist dieser Tag nur durch die Ueberein­stimmung aller Berufsstände zu demjenigen erkoren worden, an welchem wir uns alljährlich dankbar erinnern, was Gott Großes an uns gethan.

Es ist nicht d e r S i e g, den unser deutsches Volk feiert, es ist die große Frucht des Sieges, deren es von Jahr zu Jahr in freudigem Bewußtsein gedenkt. Die noch so lebhaften Kämpfe der Parteien haben nicht zu verhindern vermocht, daß am zweiten September die Nation um den einen Gedanken sich sammelt, der alle anderen politischen Gedanken unserer Heit beherrschen muß: Kaiser und Reich. So hat diese wiederkehrende Feier dazu beige­tragen, auch inmitten arger Verbitterungen immer wieder den nationalen Gedanken vor unserem Volke leuchten zu lassen als den bleibenden, nie irrenden Leitstern auf den verschlungenen Pfaden

hatte er wohl mehr als eine Viertelstunde gestan­den und die wunderschöne Gestalt bewundert und sich gefragt, wieviel dem Maler von dieser Schön- heit gebühre, was auf diesem Bilde Ideal, was Natur sei. Was aber die Hauptsache war, das Portrait war so dargestellt, daß man an den Realismus desselben glauben mußte, sowohl was die Aeußerlichkeiten, als auch den Ausdruck der großen grauen Augen und das sonnige, reizende Lächeln des süßen Mundes anbelangte.

Hoffentlich hat der Maler derb geschmeichelt," dachte Hans Weiher, als er sich mit einem un­willkürlichen Seufzer abwandte, denn wenn dieses Weib so ist, wie sie hier im Rahmen steht, und ich ihr, was doch wahrscheinlich ist, einmal be­gegne, dann wär's um meine Ruhe geschehen!"

Darüber mußte er nun selbst lachen.

Wie ein Quartaner verliebt in ein Bild," ver­spottete er sich selbst,arme Lenia! Zum Glück wird die Eifersucht auf einen gemalten Gegenstand sie nicht zu verzehren brauchen!" Dann aber wurde er plötzlich sehr ernsthaft und klagte sich innerlich der Untreue gegen seine Braut an und machte sich bittere Borwürfe über seine Thorheit. Die Blondinen, denen er bisher begegnet war, hatten ihn sehr kalt gelassen und die wenigen roth­haarigen Frauen, die er gekannt, hatten ihm so­gar geradezu Abscheu eingeflößt und nebenbei auch noch die Ueberzeugung, daß das Ttzianische und Makart'sche Rothhaar nur auf der Leinwand existire darum hatte er auch beim Anblick des Bildes der Dame mit densonnenblumensetneZwetsel.

der Politik, und bis heute ist des Kaisers Wort nicht umsonst gesprochen gewesen:Sorgen wir, daß es Tag bleibe!"

, Wer heute von uns Deutschen zurückblickt auf diese siebzehn Jahre deutscher Entwickelung, wird freudig bekennen müssen, daß so viele Wünsche auch unerfüllt geblieben, so viele Aufgaben zu lösen der Zukunft noch vorbehalten sind, doch der Bau sich fester und fester zusammenschließt, dessen Fundamente auf blutigen Siegesfeldern von heißbeweinten, theuren Opfern gelegt wur­den. Wer tadeln zu fallen meint, daß heute in den Gesetzen und Einrichtungen noch manches unvollkommen, der möge nicht vergessen, daß siebzehn Jahre eine sehr kurze Spanne Zeit sind im Leben eines Volkes, welches zweier Jahrhun­derte bedurft hat, um sich aus den unheilvollen Folgen des dreißigjährigen Krieges und der un­zähligen Verwüstungen, die ihm gefolgt sind, emporzuarbeiten; daß wir demgemäß überall noch in den Anfängen stehen und daß wir als bundesstaatlich geeintes Volk die Formen unseres politischen Lebens und staatlichen Daseins nicht an den Lebensformen anderer, seit Jahrhunderten einheitlich gestalteter Länder ermessen dürfen.

Was unser Kaiser einst bei der Kaiserverkün­digung in Versailles verheißen:alle Zeit Mehrer des Reichs sein zu wollen an Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung", ist, soviel an ihm lag, in diesen siebzehn Jahren treulich eingelöst worden. Im hohen Alter scheute der Kaiser nicht davor zurück, auf dem Gebiete der socialpolitischen Gesetzgebung bahn­brechend voranzugehen, bahnbrechend nicht nur für Deutschland, sondern für viele andere Völker, die sich beeilen, die von Deutschland zu Gunsten der Besitzlosen geschaffenen Einrichtungen nachzu- ahmen. Deutschlands Wissenschaft und Kunst, Gewerbefleiß und Handel haben in diesen steb-

Sommersprossen hat sie doch", entschied er, als er sich abwandte und dann langsam nach dem Park zuschlenderte, das blaffe, dunkle Bild der Fürstin Lenia vor Augen, das ihn so sehr be- zaubert.

Die Sonne neigte sich schon stark im Westen, den sie mit leuchtendem Purpur überzog, ein kühler Hauch kam von dem nahen Flusse herüber und in dem weiten, schattigen Park war's wonnig und still um die Abendzeit. Schon hatte das Laub begonnen, sich zu färben - noch war's ja kaum mehr als eine Ahnung des Herbstes, aber wie lange noch, und der Wind pfiff durch das dürre Laub und trieb eS wirbelnd hinab zur Erde und am Allerseelentage fiel oft schon der erste Schnee --Hans von Weiher fröstelte es förmlich bei diesen Herbstahnungen, die so oft von Todesge­danken begleitet werden ein einziges gelbes, welkes Blatt bringt sie so leicht, diese blassen Schemen, die das Herz so schwer, so schwer machen können, wenn der Sommer zur Rüste geht.

Gerade, als ginge es über den Kirchhof zum Traualtar", dachte er, verwundert über sich selbst.

Ganz am Ende des Parkes stand unter einer hohen, uralten Eiche eine Bank, von welcher man in das lachende, grüne Thal, auf die fernen, blauen Höhenzüge und auf die sich endlos erstrecken­den Wälder eine wunderschöne Aussicht genoß. Dorthin lenkte Weiher seine Schritte, aber wie er den Platz erreichte, sah er eine Dame dort stehen, eine schlanke, graziöse Gestalt im dunkeln Reise« kleide, das junge, wunderschöne Antlitz dem gloriosen