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jjmffliH Armblatt.
Wit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhallungsökatt^
Nr. 121. Donnerstag den 13. Oktober 1887.
Bestellungen
auf das „Hersfelder Kreisblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtcs Unterhaltungs- Blatt" pro viertes Quartal 1887 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 8. October 1887.
Um das lästige Anwachsen der auf den Standesämtern aufzubewahrenden Registerbände möglichst zu verhindern, wird beabsichtigt, die Hauptregister und die alphabetischen Namensregister der kleineren Standesämter von einigen Jahrgängen (2—5) zusammenbinden zu lassen. Indessen soll diese Maßregel nur bei denjenigen Standesämtern vom Jahre 1889 ab Anwendung finden, für welche sie wegen des auf denselben herrschenden oder für die Zukunft zu befürchtenden Raummangels beantragt wird; auch soll um eine zu starke Abnutzung der einzelnen Registerbände zu verhüten, ein Zusammenbinden von höchstens 5 Jahrgängen der Hauptregister nebst Namensregister stattfinden und sollen dabei stärkere Bände, als von etwa 200 Bogen vermieden werden.
Die Herren Standesbeamten des Kreises haben mir gleichzeitig mit der Anzeige über den Bedarf an Vordrucks-Formularen in den Standesregistern bis spätestens zum 1. April k. I. einzube- richten, ob und eventl. für wieviel Jahre ein Zusammenbinden der Hauptregister wünschens- werth erscheint.
Künftig sind mir die Anzeigen über etwaige Aenderungen des Bedarfs von Vordruckformularen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Kayard.
Von Helene P i ch l e r.
- " ___^Fortsetzung.)
Nach weiteren vier Tagen warfen wir Anker im Hasen von Singapore.
Wie ’ne Erlösung kam eS über uns, als das Löschen der Ladung begann. Mit jedem Kuli, der in's Leichterfahrzeug sprang, löste sich ein Stück von der schweren Kette. Wieder stand der Steuermann und zählte: Einhundert, zweihundert —. Dicht über Vnfhundert brach er ab. Was am sechsten Hundert sehlte, lag im ewigen Schlafe drunten tn der Tiefe, während der zwölftägigen Fahrt abgeschüttelt vom Baume des Lebens.
Denke ich heut, wo ich mehr als ein halb Jahrhundert auf dem Rücken trage, an jenen Tag in Singapore zurück, so weiß ich, was damals die Brust des spintistrenden jungen Burschen bedrückte. Drüben in der großen Stadt, im bunten Handelsgetriebe steigen und fallen die Frachten. Bis an alle Grenzen der Erde gehen die Waaren Singa- pores, und Tausende, nein Millionen leben und schaffen in seinem Handel. Ob darin wohl die geringste Störung eintritt, weil von einem Schiff hundert Menschen weniger gelandet wurden, als die Liste angab? Ob wohl um einen einzigen Schlag die große Handelsmaschine sich schneller oder langsamer bewegt ? oder ein einziger Lebender um hundert Todte auch aushört zu leben?
Pikin?
stets bis zum 1. April einzureichen und erleidet die diesseitige Verfügung vom 20. Juni 1878 Nr. 7164 (Kreisblatt Nr. 50) somit eine Abänderung.
Der Termin-Kalender ist zu berichtigen.
Nr. 9799. Der Königliche Landrath
________________Freiherr von Schleinitz.
Gefunden: ein Regenschirm und eine Denkmünze. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Reckerode.
Politisier Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte, wie aus Baden-Baden berichtet wird, am Montag Vormittag mit dem Chef des Civil- Cabinets von Wilmowski gearbeitet, einige Vor- träge entgegengenommen und später die aus Karlsruhe eingetroffenen Generale, Commandeur der 28. Division, General-Lieutenant v. Kessel, die Commandeure der 55. und 56. Infanterie- Brigade, General - Majors Frhr. Roeder von Diersburg I. und v. Treskow und mehrere andere höhere Officiere empfangen und einige Audienzen ertheilt. Der eingetretenen ungünstigen Witterung wegen hatte Se. Majestät der Kaiser die beabsichtigte Spazierfahrt wieder aufgegeben. Allerhöchstderselbe entsprach jedoch mit dem Prinzen Hermann von Sachsen-Weimar einer Einladung der Frau v. Guyaita zum Dejeuner. Mittags meldete sich der Statthalter Fürst Chlodwig Hohenlohe - Schillingsfürst bei Sr. Majestät dem Kaiser ab und kehrte bald darauf von Baden-Baden auf seinen Posten nach Straßburg zurück.
Der Reichskanzler beantragte beim Bundesrath, den Hafenort G e e st e m ü n d e und den noch ausgeschlossenen Theil des Fleckens Lehe dem Zollgebiet anzuschließen.
Dem Reichstage wird nach der „Köln. Ztg."
Hundert, auch tausend Menschen bedeuten gar nichts für das Ganze. Es soll sich nur kein Lebendiger einbilden, er sei unentbehrlich; sei er auch der Klügste und Gewaltigste. Ob in seinem Bette einer stirbt, ob ein Dampfer mit hundert Passagieren im Orkan vernichtet wird, ob Tausende unter Kanonen fallen; es ist der Welt ganz einerlei und ändert nichts im Gange des großen Schicksals, 's ist gerade, als ob die schäumende See über ihnen zusammen geschlagen wäre, jede Spur ist verwischt.
Und Miß Gilian? Eben hörte ich ihre süße Stimme in der Cajüte, die natürlich nach Abzug der Chinesen von uns Leuten gleich geräumt worden war. Wenn Miß Gilian nun umgekommen wäre? verhungert, verdurstet, mit dem Boote gekentert ? oder wahnsinnig geworden aus Schrecken, Entkrättung und Sonnenbrand? Bah, ihr Verschwinden hätte auch nicht mehr bedeutet, als der Windstoß, der da über die Blumenköpse im Gartenbeet fährt?
Nein, hier ertappe ich mich auf falschem Kurs. Wäre Miß Gilian gestorben, so hätte das sehr viel bedeutet. Nicht für die große Welt, die sich 'n Kuckuck um ein Einzelwesen schert; aber für die kleine Welt Miß Gilians. Jeder Mensch hat so 'ne kleine Welt für sich und bildet ’ne Art Centrum in seiner kleinen Welt. Brauchte nur an den Jammer zu denken, welchen es bei dem rechnenden Vater in Aberdeen und gar bei dem Bräutigam in Hongkong gegeben, wenn Miß Gilian mit der „Esperance" verschollen blieb.
auch ein Entwurf zur Verbesserung des Genossenschaftsgesetzes vorgelegt werden.
ImReichstags-Wahlkreise Sagan-Sprot- tau ist bei der Ersatzwahl der deutschfreisinnige Candidat v. Forckenbeck mit großer Majorität gewählt worden.
Ueber das Befinden des Königs Otto von Bayern wird den „Münchener Neuest. Nachr." zufolge demnächst wieder ein ärztliches Bülletin erscheinen. Das Befinden des Königs sei fortgesetzt häufigem Wechsel unterworfen. Von einer wesentlichen Verschlimmerung des Gesammtzu« standes sei aber keine Rede.
Dem früheren Präsidenten des obersten Gerichtshofs in Bayern, Reichsrath von Neumayr, ist das Referat über die Vorlage zur Erläuterung des § 18 der bayerischen Verfassung, nach welchem während der Reichsverwesung alle erledigten Aemter nur provisorisch besetzt, keine Krongüter veräußert und heimgefallene Lehen nicht wieder verliehen werden können, übertragen worden. Derselbe hat seine volle juristische Ueberzeugung dahin ausgesprochen, daß nach dem Wortlaut und auch nach dem Sinn der Verfassungsurkunde Verfassungsänderungen unter der Regierung eines Regenten ebenso rechtsgiltig wie unter der Regierung des Königs eingeführt werden können.
Von Seiten einer Factorei in Kamerun sind dem „Hamburg. Corresp." Nachrichten über eine militärische Expedition zugegangen, die gegen zwei dortige Häuptlinge gerichtet war. Dieselben hatten sich mehrere Unrechtmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen. Der Expedition, die aus 60 Mann von den Kreuzern „Habicht" und „Cyklop" bestand, gelang es nicht, die Strafsumme, zu der die Häuptlinge verurtheilt waren, einzuziehen. Deshalb wurden zwei Dörfer zerstört. Nachträglich sollen sich die Häuptlinge zur Abzahlung der
Am stärksten aber fühlte ich, und mit mir die übrigen Leute, den Einfluß von Miß Gilian auf unseren Capitän. Der Mann hatte sich zu seinem und unserem Vortheil verändert; kaum wiederzuer- kennen war er. An Stelle höhnender Härte stand das alte, herzliche Lachen, welches ich von Batavia her an ihm kannte. Ganz Kraft, ganz Wille, ganz Güte.
Eben war das letzte Leichterfahrzeug mit dem letzten Schub Kult abgestoßen; mit dem Löschen des Topfguts sollte erst morgen begonnen werden, nachdem das Schiff verholt hatte. So war's denn hier still und einsam auf Deck; wenn nicht die Mannschaft beim Frockmast ein großes Reinigungsfest mit etlichen Kübeln Seewasser veran- staktet hätte, man sollte meinen, das alte Schiff läge todt inmitten des hundertfachen Lebens aus der Rhede. Unbehindert durch atmosphärische Störungen lagerte die Abendsonne über See und Land, der lichte blaue Dunst, welcher gut Wetter prophezeit, stand über den Bergen jenseits der Stadt.
„Miß Gilian, es muß geschieden sein," sagte Capitän Ohlsen drunten in der Cajüte. Selbst heute nach 35 Jahren, schäme ich mich nicht, daß der neunzehnjährige Maat August sich an's offene Skylight geschlichen hatte, um zu lauschen; der Bursch hatte heißes Blut und ihm war ein „Hauptplatz" in der Geschichte des schönen Weibes versprochen worden.
Nicolaus Ohlsen sprach weiter: „Ich muß heute noch zur Stadt und es wird dienlich sein,