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Htrsftliitl KleisliKtt.
___________Mit wöchentlicher KraLis-Aeikage „IllustrirLes Anterhattungsötatt".
Nr. 124. Donnerstag den 20. Oktober 1887.
. Amtliches.
Bekanntmachung. Postpacketverkehr mit Jamaika und mit West- Australien.
Von jetzt ab können P o st p a ck e t e i m G e - Wichte bis zu 3 llZ nach Jamaika und nach West »Australien versandt werden. Ueber die Versendungsbedingungen und Taxen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft. Der Staatssecretär des Reichs-Postamts. von Stephan.
# Dem Kronprinzen.
In die weite Ferne, in welche der rauhe Herbst des deutschen Nordens noch keine Einkehr gehalten, wo des Südens laue Lüfte wehen und ein blauer Himmel sich in den blauen Fluthen des Lago maggiore spiegelt, sandte Deutschland diesmal zum 18. Oetober dem Kronprinzen Heil- gruß und Glückwunsch, inniger, wärmer und ernster, denn je zuvor. In dem Lebensjahr, welches der durchlauchtige Herr beendet, ist sein Gesundheitszustand Gegenstand der Besorgniß der Nation gewesen und Erfordernisse der fort« chreitenden Genesung halten den Kronprinzen eit längerer Zeit, voraussichtlich auch noch für eine Reihe von Monaten, vom Vaterlande fern. Um so tiefer empfunden sind die Wünsche, welche die Heimath ihm widmet, die huldigenden Grüße, welche ein ganzes, großes, einiges Volk ihm bar« bringt, das in dem rühm- und sieggekrönten Feldherrn zugleich den sorgenden Förderer aller edlen Arbeit des Friedens verehrt. Selten oder nie in der Geschichte ist es dem Erben einer mächtigen Krone so wie unserm Kronprinzen vergönnt gewesen, schon als solcher seinen Namen durch ruhmvolle Thaten in die Jahrbücher seines
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Kayard.
Von H e l e n e P i ch l e r. (Fortsetzung.)
„Dir vertraue ich die Dame," fuhr Capitän Ohlsen fort, „sie muß ungefährdet an Mr. Humphrey abgeliesert werden, dafür stehst Du mir ein, weil ich selbst es
Seele.'
nicht kann."
„Soll geschehen, Capitän, bei meiner armen 2 zwanzig Minuten vorüber! Das Nöthige ist geschehen. In ohnmächtiger Verzweiflung starren die Leute dem Untergang entgegen. Um sie aufzumuntern, ließ Ohlsen alle Mann in die Cajüte rusen. Hier wurde gemeinschaftlich ein herzhafter Abschiedstrunk genommen. „Gute Fahrt ins Unbekannte", rief der Capitän und stieß mit jedem einzelnen an, als wär's sein Herz
bruder.
Ich allein war am Steuer geblieben, kriege in diesem Augenblick 'nen sanften Rippenstoß. Na- htda kauerte neben mir und schwatzte, als wäre die furchtbare Situation nur ein lustig Schauspiel: „ich komme in Dein Boot, sehr hübsch das,
sehr hübsch."
„Ja, hübsch, Du kleine Hexe! 's ist vorbei mit Lieb und Leben. Lauf! hol auch mir 'neu Abschiedstrunk, soll's durchaus zu Ende gehen, so soll doch die alte, liebe, schöne Welt hoch leben bis zum letzten Augenblick."
an, der eben mit den beiden Frauen und übrigen o zum «eiru ^uyaiuuu. Leuten auf Deck erschien. Ich stand bereits wie-
Das Mädel lief davon und mich packte eine | der am Steuer, zitterte vor Ausregung am ganzen
Volkes einzuzeichnen, Thaten kriegerischer Größe sowohl, wie Thaten friedlicher Entwickelung, und so schon als Prinz in vollem Dienste der Pflichten gegen sein Land zu stehen, dessen Geschicke er seit seinen Jünglingsjahren warm im Herzen getragen. Als der erlauchte Herr vor Jahresfrist zu den Hochschulen von Heidelberg und Straßburg sprach, gedachte er der schier unerreichbaren Hoff» nungen und Ideale, welche in seinen jungen Jahren in ihm und seinen Zeitgenossen gelebt und dann durch eine Geschichte sonder Gleichen erfüllt worden sind. Da war es wohl zum ersten Male, daß der Kronprinz der Nation einen Einblick in das tiefe Innere seines Glaubens an Deutschlands Bestimmung eröffnete, als er von dem Beruf der deutschen Universitäten sprach, „den schönen Glauben der Volksgemeinschaft aus- zubreiten, der unser Hort und unsere Stärke ist," und ihnen das Ziel stellte, „die Lebensformen unseres Volkes gedeihlich auszubilden." Dieser warme Antheil, welchen der Kronprinz an der Erfüllung der deutschen Geschicke genommen, seine so vielfach bekundete edle Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte, das schöne Erbtheil unseres Königshauses, wird ihm im Norden wie im Süden des Vaterlandes durch herzliche Verehrung erwidert. Und so grüßen den 18. October nicht nur die alten Erblande der Preußischen Krone von Memel bis zum Rhein, sondern hoch oben im deutschen Norden, „wo an des Landes Marken sinnend blickt die Königsau", bis hinunter, wo die Firnen des bayerischen Oberlandes gleich Bildern der Ewigkeit zum Himmel ragen, von den Küsten des deutschen Nordmeeres bis zum fernen Südwesten, wo Schwarzwald und Vogesen einander zuwinken und das alte Wahrzeichen des Strafebarger Münsters aufragt, rauschen die innigsten Wünsche in einander für des Kronprinzen Heil und Genesung. Möge er sie in dem Lande finden, welches ihm seit Jahren warme Sympathie
schier übermüthige Laune. War's nicht herrlich, die Gefahr, den Untergang, vielleicht den persönlichen Tod vor Augen mit keckem Muthe und frischen Sinnen den letzten Kampf zu beließen ? Komm nur, Schicksal, Du findest einen Mann, der nicht durch Wohlleben feig, durch Krankheit gebrochen ist.
Die Boote hingen fertig zum Klarmachen. Ha, was seh' ich? bet dem Großboot machen sich die beiden chinesischen Matrosen zu schaffen. Einer der Kerls hockt im Boot, der andere hantirt an den Bootstaljen herum. In diesem Moment geht auch schon das Boot zu Wasser und der zweite Verräther springt auf die Reeling, um sich ebenfalls chtnabzulassen. Eine Secunde noch und die Beiden werden mit dem Boot aus und davon sein. Ich mit zwei Sprüngen dort, den Kerl von den Reeling gerissen und auf Deck geschleudert, daß ihm die Rippen krachen. Dann an den Wanten hinunter ins Boot hinein. Hier den zweiten Schurken mit 'nem kräftigen Ruck über Bord geschmissen. Wieder in die tzöh und 's Boot auf- geholt. Nicht 'ne halbe Minute konnte das Ganze gedauert haben. Klappernd vor Angst lag der eine Verräther in den Knieen und wimmerte Gnade, der andere hatte sicher vor blindem Schreck den Schlag gekriegt, sobald er in's Wasser plumpste, er kam nicht mehr zum Vorschein.
„Was ist geschehen," donnerte der Capitän mich
bewahrt, dessen Königshause er in herzlicher Freundschaft zugethan ist, und das sich den Bestrebungen Deutschlands zur Erhaltung des Weltfriedens angeschlossen hat. Aus dem fernen Norden aber trugen ihm am 18. Oetober die Lüste die millionenfachen Grüße unseres deutschen Volkes zu:
Auf baldiges Wiedersehen in der deutschen Heimath, in voller Kraft und Gesundheit!
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Aus Baden-Baden wird unterm 18. d. M. gemeldet: Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des heutigen Tages den Vortrag des Militär-Cabinets durch den Ab- theilungs-Chef, Oberst und Flügeladjutant v. Brauchitsch entgegen, empfing einige höhere Militärs und andere hochgestellte Personen und hatte später eine Conferenz mit dem Vertreter der auswärtigen Angelegenheiten, Wirklichen Geheimen Legationsrath Kammerherrn v. Bülow. — Aus Anlaß des heutigen Geburtsfestes Sr. K. und K. Hoheit des Kronprinzen findet bei Sr. Majestät dem Kaiser Familientafel und gleichzeitig Marschalltasel für die Umgebung und einige geladene Gäste statt. Vormittags empfingen Ihre Majestäten die Großherzoglichen Badischen Herrschaften zur Beglückwünschung.
Ihre Majestät die Kaiserin wird bis Ende dieses Monats in Baden-Baden verbleiben und sich dann zu mehrwöchentlichem Aufenthalt nach Coblenz begeben. Von dort dürfte die Kaiserin erst Ende des Monats November oder Anfang des December wieder nach Berlin zurückkehren.
Die „B. P. N." schreiben: Ein Kopenhagener Telegraphenbureau hat die Nachricht verbreitet, als würde zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren demnächst in Warnemünde eine Zusammenkunft stattfinden. Ange-
Leibe, berichtete aber kurz, was sich begeben. Capitän Ohlsen nickte, als heiße er gut, was ich gethan.
Keine halbe Kabellänge mehr sind die Riffe entfernt, jedermann steht vor Grauen unbeweglich. Nur Nahida mit den schwarzen leuchtenden Augen reicht mir ein Glas Brandy und lacht, daß die weißen Zähne funkeln. „Der letzte Tropfen allen schönen Weibern."
Nicht zwanzig Faden mehr! Jetzt, jetzt ist'S vorbei!
„Großboot klar," gebt das heiß ersehnte Com- mando.
In musterhafter Ordnung drängten die ausersehenen Leute zum Boot und ward Miß Gilian ersucht, sich von zwei kräftigen Schifferarmen umfassen zu lassen. Ich selbst wollte erst im allerletzten Augenblick das Steuer loslassen, um hinab- zusprtngen.
Da stand die Schottin neben Nicolaus Ohlsen, legte ihre Hand auf seine Schulter und sagte mit klarer, helltönender Stimme: „I ch l t e b e D i ch und werde Dich nicht verlassen bis zu Deinem eigenen Tode."
Der Himmel hat's gehört und das Meer und die zagenden Männer. Sie fassen neuen Muth an der Größe dieses Weibes. Nicolaus Ohlsen aber schaut in seliger Trunkenheit umher und vor aller Augen schlingt er seine starken Arme um das herrliche Weib und in trunkener Todeswonne liegt sein Mund auf dem ihren. Ein jubelnder Aus- > schrei von zwei Menschenseelen, die nach lang«