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Mit wöchentlicher Kratis-ZLeilage „IllustrirLes AnLerhaktungsölatt"__________
Nr. 13L Sonnabend den 5. November 1887.
Amtliches.
Hersfeld, den 3. November 1887.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 1. 'October 1880 Nr. 11469 im Kreisblatt Nr. 79, den Erlös für verkauftes Gemeinde-Obst betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mitFrist bis zum 12. d. M t s. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert. 10614. Der Königliche Landrath
Freiherr vo n S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 2. November 1887.
Nachdem das Formular zu den von den Herren Standesbeamten den Erbschaftssteuerämtern ein- zureichenden Todtenlisten in dem Vordruck eine Aenderung erfahren hat und dieses „abgeänderte" Formular vom nächsten Jahre ab in Anwendung kommen soll, erhalten die Herren Standesbeamten des Kreises die Weisung, den noch vorhandenen Vorrath des bezeichneten Formulars mir bis zum 15. d. Mts. einzusenden und gleichzeitig den Bedarf für das kommende Jahr hierbei an» zuzeigen.
A. 693. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Zu der Mittwoch den 9. November, Vormittags 10 Uhr, im Gasthause „zum Stern" dahier stattfindenden amtlichen
Herbst-Confere»; des Bezirks Hersfeld I werden die Herrn Local- schulinspcctoren und Lehrer hierdurch ergebenst eingeladen.
Hersfeld, den 3. November 1887.
Der Oberschulinspector Hosbach.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Das Fegefeuer in Frappcs Wigwam.
Von B a l d u i n M ö l l h a u s e u. (Fortsetzung.)
Marks erster Blick fiel auf Kitty. Neben dem Kamin lag sie auf dem Rücken, die Arme unter den Kopf geschoben, die Füße dem Eingänge zugekehrt und das eine Knie über das andere hoch emporgezogene geschlagen, wie es vielleicht die Art sich wenig um Anmuth der Stellung kümmernder, behaglich lungernder junger Tagediebe. Der frei in der Lust schwebende unbekleidete Fuß schwankte lebhaft auf und nieder, und zwar im pünktlichen Tact mit der lustigen Melodie, deren klarer Wohl- laut den düsteren Raum bis in seine verborgensten Winkel hinein erfüllte.
Als Kitty das Geräusch der Eintretenden vernahm und zugleich Mark erkannte, ließ sie den er» hobenen Fuß zur Erde sinken, und mitten in ihrem Liebchen abbrechend, richtete sie sich in eine sitzende Stellung empor. Als sei es mechanisch geschehen, griff sie nach einem ihr zu Häupten liegenden Paar zierlich gestickter Mokassins, die sie nachlässig auf ihre kleinen schwieligen Füße streifte. Ebenso nachlässig ordnete sie ihren nach der östlichen Mode geschnittenen faltenreichen grün- wollenen Rock und die weite indianische Jacke, worauf sie eine Anzahl Perlenschnüre um ihren Hals befestigte und ihr eigenwilliges Haar mit einem Kamm zu glätten begann. Ob eine Anwandlung von Gefallsucht oder eine geheime Regung der
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser nahm im Laufe des Donnerstag Nachmittags den Vortrag des Generals v. Albedyll entgegen und empfing demnächst auch später noch den Kronprinzlichen Hofmarschall Grafen von Rado- linski, vor dessen Abreise nach San Remo, wo derselbe mit der Kronprinzlichen Familie zu- sammentrifft. Das Befinden des Monarchen ist zur Zeit noch unverändert. In der Nacht zum Donnerstag hat Allerhöchstderselbe recht gut und ohne Unterbrechung geschlafen. Im Allgemeinbefinden sind auch im Laufe des Donnerstags wesentliche Veränderungen nicht eingetreten, doch schreitet die Besserung in der erfreulichsten Weise fort.
Aus B a v e n o, 3. November, wird gemeldet: Der Kronprinz und die Kronprinzessin haben sich heute Morgen nach Ancona begeben, um von dort die Reise nach San Remo fort- zusetzen.
Bei dem Bundesrathe finb in letzter Zeit noch dauernd Bittschriften eingelaufen, welche Aenderungen bezüglich der Handhabung des Gesetzes über die Kunstbutter beantragen. Der Bundesrath hat indessen bis jetzt alle derartigen Eingaben abschlägig beschieven.
Die Mehrzahl der Berufs genossen- s ch a f t e n wird demnächst eine Petition an den Reichskanzler absenden, in welcher um eine Ermäßigung des Portosatzes für die berufsge- noffenschaftlichen Correspondenzen ersucht werden soll. Die Petition soll vorher dem Präsidenten des Reichs-Versicherungsamtes mit der Bitte vorgelegt werden, das Gesuch zu unterstützen.
Der Voranschlag der Kaiserlichen Marine für das Jahr 1888—89 weist bei den dauernden Ausgaben, welche auf etwa 36 Millionen Mark veranschlagt sind, ein Minus
Scham, im Aeußeren wie im Wesen Ji® kaum von den wilden Eingeborenen zu unterscheiden, sie zu diesem Verfahren bestimmte, hätte der auf» merksamste Beobachter nicht aus ihrem Antlitz herauszulesen vermocht. Denn trotzig, wie immer, blickten ihre Augen,Sorglos, wie immer, kräuselte sie, anscheinend im Spott, die üppigen Lippen von den weißen Zähnen zurück, als ob Alles gerade so und nicht anders hätte sein müssen, oder vielmehr, als hätte sie sich allein auf der ganzen großen Welt befunden und daher nicht nöthig gehabt, irgend welche Rücksicht auf Andere zu nehmen.
Ihr gegenüber neben dem Kamin auf einer leeren Theekiste saß ein junger Halbindianer, dessen verschlissene, meist aus Deckenstoff zusammengenähte Kleidungsstücke und verwitterte Physiognomie das mühevolle Gewerbe eines Fallenstellers verkündeten. Irgend eine Regung aus seinen oliven- farbigen Zügen herauszulesen, wäre eine schwierige Ausgabe gewesen, so unbeweglich rauchte er seine kurze Thonpfeife, so ausdrucksvoll starrte er vor sich in die Kamingluth. Nur wenn unter den träge niederhängenden Lidern hervor ein flüchtiger Blick Kitty streifte, leuchtete es in seinen Augen geheimntßvoll auf, um indessen alsbald wieder zu erlöschen. Im Uebrigen durfte sein Antlitz nicht nur wohlgebildet, sondern sogar schön genannt werden. Wenn aber seine Schönheit in Folge gänzlicher Bartlosigkeit und der Weichheit der Formen, wie vielsach bet Halbindianern, an die bevorzugter Frauen erinnerte, so zeugten seine breiten Schultern und die durch die Bekleidung
von etwa 21/2 Millionen gegen das Vorjahr auf, die einmaligen Ausgaben dagegen betragen bei einem Voranschläge von etwa 13 Millionen Mark etwa 33/4 Millionen Mark mehr als im Vorjahr.
Zur Verminderung und Verhütung der immer lästiger werdenden L a n d st r e i ch e r e i soll jetzt auf eine zeitgemäße Umgestaltung des Herbergswesens Bedacht genommen werden. Die reichs- gesetzlichen Bestimmungen, welche den Innungen das letztere nahe legen, können dabei als Anhaltspunkte dienen. Durch die Umgestaltung hofft man auch auf eine Beschränkung des übermäßigen Branntweingenusses hinwirken zu können.
Der preuß. Staatsminister a. D. A ch e n b a ch theilte in der Sitzung der brandenburgischen Provinzialsynode mrt, er glaube zu wissen, daß sich die zuständigen Instanzen mit der Frage beschäftigen, ob nicht statt des jetzt üblichen pro« missorischen (vor der Vernehmung abzulegenden) Eides wieder der assertorische (nach der Vernehmung) einzuführen sei.
Das am 2. d. ausgegebene Reichsgesetzblatt veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung vom 31. October, durch welche der Reichstag auf den 24. d. Mts einberufen wird.
Officiös wird mitgetheilt, daß man unter Berücksichtigung der Stadien, die der Entwurf der Alters- und Jnvaliden-Verforgung noch zu durchlaufen hat, zu dem Schluß gelangen kann, daß immerhin Ende Januar oder Anfang Februar herankommen dürfte, ehe der Reichstag sich mit der Vorlage zu befassen haben würde.
Der Anschluß der Stadt Brake an das Zollgebiet ist beim Bundesrath Seitens Oldenburgs beantragt worden für den Zeitpunkt des Anschlusses von B r e m e n. Der Hafen von Brake soll indes ein Freigebiet in derselben Weise wie der neue Hafen in Bremen werden.
Die Voruntersuchung gegen die im Sommer dieses Jahres verhafteten neun Mitglieder des
hindurch sich auszeichnenden schwellenden Muskeln von ungewöhnlicher körperlicher Krast, die Demjenigen gefährlich werden konnte, der sich vermaß, seinen bösen Willen gegen sich herauszufordern.
Roch ein Dritter war in dem Wigwam anwesend, ein schmächtig, aber sehnig gebauter französischer Canadier, der in dem äußersten Winkel, wo der Rauch ihn am wenigsten belästigte, in halb sitzender Stellung aus seinem Lager rastete und für nichts, als seine dampfende Thonpfeife Sinn zu haben schien.
Indem Nekoma nach dem Kamin hinüberschritt, richtete sie einige Worte an den Halbindianer, der sich sofort erhob und anschickte, die Höhle zu verlassen. Er hatte die Thur indessen noch nicht er» reicht, als Kitty mit einem Stück Holz in die Gluth stieß, daß ein Heer von Funken mit dem Rauch in den Schlot hinaufwirbelte.
„Sieht Farfar schärfer, als ich, was brauch ich da erst nach dem Dach hinaufzuklettern," rief sie in aufloderndem Zorn der alten Nekoma zu, „oder wähnst Du, ich hätte Anderes berichtet, als meine Augen ausmachten i*
„Meine Tochter besitzt nur eine Zunge," beschwichtigte die Indianerin gelassen, „ich kenne meine Tochter. Aber vier Augen sehen mehr, als zwei. Jeder Athemzug bringt die Fremden um einen Schritt näher. So lange das Tageslicht leuchtet,-soll Farfar spähen."
Muthwillig lachend, warf Kitty den Kopf herum und wurde des Halbindianers ansichtig, der bet ihrer vorwurfsvollen Bemerkung in dem Ausgauge