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Hersseliier Klkisdllltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-ZLeitage „Illustrirtes Anterhattungsölatt".__________
Nr. 132. Dienstag den 8. November 1887.
Amtliches.
In Gemäßheit des §. 5 des Gesetzes vom 27, Juli 1885, betreffend Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen über Erhebung der auf das Einkommen gelegten directen Com- munalabgaben, (G. S. S. 327) wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das im laufenden Steuerjahre communalabgabepflichtige Reineinkommen der gesammten Preußischen Staatsund für Rechnung des Staates verwalteten Eisenbahnen für das Etatsjahr 1886/87 auf 100 967168 Mk. festgestellt worden ist.
Berlin, den 11. October 1887,
Der Minister der öffentlichen Arbeiten.
M a y b a ch.__
" Da sich die durch die.Circular-Verfügung vom 27. Juni 1885 — ad Nr. 4678 M. — gegebene Richtschnur für die Beurtheilung der Genießbarkeit des Fleisches perlsüchtiger Thiere nicht durchweg als zulänglich erwiesen hat, so sehe ich mich veranlaßt, dieselbe, wie folgt, abzuändern.
Eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit des Fleisches von perlfüchtigem Rindvieh ist der Regel nach dann anzunehmen, wenn das Fleisch Perlknoten enthält oder das Perlsüchtige Thier, auch ohne, daß sich in seinem Fleisch Perlknoten finden lassen, abgemagert ist. Dagegen ist das Fleisch eines Perlsüchtigen Thieres dann noch für genießbar zu halten, wenn
1) das Thier gut genährt ist und
2) die Perlknoten ausschließlich in eine m Organ vorgefunden werden, oder im Fall des Auffindens in zwei oder mehreren Organen diese doch Organe derselben Körperhöhle und mit einander direct oder durch Lymphgefäße oder durch solche Blutgefäße, welche nicht dem großen Kreislauf, sondern dem Lungen- oder dem Pfortader-Kreislauf angehören, verbunden sind.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Das Fegefeuer in Kappes Wigwam.
Von Balduin Möllhausen. (Fortsetzung.)
„Zugegeben, Vilandrie; allein auf solch endlose Zeit zum Nichtsthun verdammt zu sein, ist ärger, als um's tägliche Brod zu arbeiten, wie ein abgetriebenes Maulthier in einer Tretmühle. Das kennt Niemand besser, als Frappe. Zur offenen Jahreszeit gesällt'S ihm gut genug hier, zumal er's versteht, aus jedem lahmen Zugochsen, aus jeder zerbrochenen Radspeiche seinen Preis heraus- zuschlagen. Gehen aber erst die tzerbstbrände über die Ebene und ist die letzte Karawane vorüber, so erinnert er sich der Fleischtöpfe und Brandykrüge am Missouri, und ich verdent's ihm am wenigsten. Findet er im nächsten Frühling sein Wigwam dem Erdboden gleich, tst's ihm kein unerjätzlicher Verlust."
„Dergleichen geschieht nicht", wendete Vilandrie zuversichtlich ein, „dafür sorgen Rekoma und ihre Angehörigen, wie Diejenigen, die außerdem hierher verschlagen werden, und eine handfeste Gesellschaft bilden wir obenein. Sacrä Dieu, ich möchte den Steppenräuber sehen, der sich mit niederträchtigen Absichten dem Wigwam auf gute Schußweite näherte."
„So würde der Posten auch ohne Ihre An- Wesenheit bestehen", meinte Mark nachdenklich, „es ginge daher nichts verloren, wenn wir uns Morgen am Tage aus den Weg nach dem Osten
Nach Maßgabe der vorstehenden Grundsätze haben fortan die Organe der Fleischbeschau bei der Beurtheilung des Fleisches mit Perlsucht behaftet gefundener Thiere zu verfahren.
Im fiebrigen bleibt es dem Ermessen des Sachverständigen im Einzelfall überlassen, ob und inwiefern nach dem geringen Grade der Ausbildung der Perlsucht und der übrigens gesunden Beschaffenheit des Fleisches der Genuß des letzteren als eines nur minderwerthigen für statthaft zu erachten ist und dementsprechend ein Verkauf desselben auf dem Schlachthof unter Aufsicht und unter namentlicher Angabe der kranken Beschaffenheit erfolgen darf.
Berlin, den 15. September 1887.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten. In V.: L u c a n u s.
Vorstehender Erlaß wird zur allgemeinen Beachtung hierdurch veröffentlicht.
Cassel, den 12. October 1887.
Der Regierungs-Präsident. R o t h c._
Hersfeld, den 4. November 1887.
Der Ackermann Johann Georg Wagner zu Kathus ist als Vieh- und Fleischbeschauer für diese Gemeinde bestellt und verpflichtet worden. 10661. Der Königliche Landrath ____Freiherr vo n S chleini tz.
Gefunden: Auf der Straße von Hersfeld nach Asbach ein Spazierstock. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Asbach.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Am Freitag Mittag hat sich Se. Majestät der K a i s e r nach dem über* standenen Unwohlsein zum erstenmale wieder an dem historischen Fenster seines Palais gezeigt, als die Schloßwache vorüberzog; er wurde von dem nach Tausenden zählenden Publikum mit
machten. In drei Wochen schaffen wir's bis zu den ersten Ansiedelungen, und die Prairie kennen wir Leide gut genug, um bei Herannahen eines Wchneesturms einen Unterschlupf tut uns und die Thiere zu finden; wir brauchen nur das Ufer des Nebraska zu halten."
„Besorgniß vor Unwetter bestimmt mich am wenigsten", erklärte Vilandrie, nachdem er seine Pfeife wieder in Brand gesetzt hatte, „zumal es noch zu früh zu dauernder Kälte. Habs mir aber in den Kopf gesetzt, hier in aller Gemächlichkeit zu überwintern und "Die alten Knochen ein wenig auszuliegen, und davon bringen alle Künste des Christenthums mich nicht ab. Im Uebrigen löste ich mein Wort ein. Ich versprach Ihnen meine Begleitung von Fort Laramie bis zu Frappe's Wigwam, und hier sind wir."
„Aber zu spät eingetroffen, um mich Frappe anschließen zu können."
„Freilich zu spät; da lassen Sie das als einen Fingerzeig gelten, etliche Monate zu feiern. Bin sonst nicht abergläubisch, hab' aber meine eigenen Gedanken über Schicksalsfügungen. Wer weiß, die Mormonenpost muß hier vorüber, da finden Sie vielleicht Gelegenheit, sich anzuschließen und komfortable, obenein. Bis dahin sorgt die alte Nekoma gut genug für Sie; nebenbei ist Kitty eine Zugabe — Sacr6 Tonnerre! welche durch ihre bloße Anwesenheit den elendesten Hundestall in den feinsten Ladiesparlour verwandelt trotz ihrer rauhen Sitten. Lei Gott, wäre ich zehn
unbeschreiblichen, nicht endenwollenden Jubelrufen begrüßt.
Se. K. K. Hoheit der Kronprinz ist am Donnerstag Abend in San Remo angelangt, wo derselbe mit seiner Familie den Winter verbringen wird.
Prinz Wilhelm hat sich am Freitag Nachmittag in Vertretung Sr. Majestät des Kaisers zur Abhaltung einer Hofjagd nach Springe bei Hannover begeben. An derselben nimmt auch der Großherzog von Hessen Theil, ebenso Prinz Heinrich, welcher von Baveno am großherzoglichen Hofe zu Darmstadt zum Besuch eingetroffen war, Prinz Friedrich Leopold, Herzog Max Emanuel zu Bayern und andere Fürstlichkeiten.
Fürst B i s m a r ck hofft, wie der „Köln. Ztg." gemeldet wird, das ganze alte Jahr noch bis zu Den großen Feiertagen fern von der Hauptstadt zu verbringen.
Der deutsche Botschafter Graf Münster ist nach Paris zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Dortigen Botschaft wieder übernommen.
Neuer Anordnung zufolge haben alle aus Rußland kommenden Reisenden bei der Be- tretung preußischen Gebiets einen Ausweis durch Pässe zu führen, welche entweder von der deutschen Botschaft in Petersburg oder einer deutschen Consulatsbehörde in Rußland gesehen und beglaubigt sein müssen. Paßlosen und in dieser Weise sich nicht ausweisenden Personen ist die Weiterreise nicht zu gestatten.
Der in Berlin zusammengetretene Deutsche Laudwirthschaftsrathhat einen Antrag auf Verdoppelung der Getreidezölle angenommen.
Der Etat des Reichsamts des Innern für 1888/89, welcher gleichfalls soeben dem Bundesrath vorgelegt worden ist, weist eine Einnahme von 1,828,578 Mk. und an fortdauernden Ausgaben 8,064,754 Mk. (87,544 Mk. mehr als
Jahre jünger, sollte nichts mich hindern, das tolle Fegefeuer zum Ehepartner zu wählen."
„Um in der ersten Nacht von dem tollen Fegefeuer abgewürgt zu werden, wie 'ne Prairiehenne, die ihren Kopf in 'ne Schlinge stectte'* tönte Kitty's Stimme gleichmüthig von dem Feuer herüber, ohne daß sie sich die Mühe gegeben hätte, ihre Worte mit einem Blick zu begleiten.
„Das Frauenzimmer hat Ohren wie 'ne Bisamratte," rief Vilandrie lachend aus, „aber beruhige Dich, Kitty, rede ich von Dir, so geschieht's nicht zu Deinem Nachtheil."
„Ob zum Nachtheil oder zum Vortheil, das kümmert mich gerade soviel," sprach Kitty in die Kamingluth hinein, und schallend schnipple sie mit Daumen und Mittelfinger der rechten Hand, während sie mit der linken einen Feuerbrand ergriff und heftig in die Gluth stieß.
„So würde ich Dir rathen, Dich überhaupt nicht um uns und unser Gespräch zu kümmern."
Kitty zuckte geringschätzig die Achseln und ordnete seitwärts vom Kamin die Blechschüsseln zur Aufnahme der für die Bewohner des Wigwams bestimmten Speisen, und Vilandrie fuhr fort:
„Es ist erstaunlich, wie Einem in Gesellschaft des Mädchens die Zeit vergeht. Sie ist wie ein Buch, in welchem Schnurren geschrieben stehen, eine lustiger, als Die andere, und alle verständlich, ohne daß man sich Mühe zu geben brauchte, drinnen zu buchstabiren."
„Eine merkwürdige Erscheinung", versetzte Mark,
und sinnend betrachtete er Kitty, die in der That