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HerMer Kreisbllitt.
___________Wit wöchentlicher Kratis-Aeitage „IllustrirLes Anterhaktungsötati".__________
Nr. 133. Donnerstag den 10. November 1887.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Die Besserung im Befinden Sr. Majestät des Kaisers schreitet in regelmäßiger Weise fort. Am Montag empfing Se. Majestät den Prinzen Wil Helm und nahm einige Vorträge entgegen.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht Folgendes: „Für die aus allen Theilen meines theuren Vaterlandes, sowie von Nah und Fern, wo Deutsche zur Zeit im Auslande weilen, von einzelnen Personen, Vereinen, Versammlungen und Gesellschaften Mir zu Meinem Geburtstage zugegangenen guten Wünsche, nicht minder für die in demselben Angesichts Meiner fortschreitenden Genesung Mir bezeugten, Meinem Herzen wohlthuenden, theilnehmenden Gesinnungen spreche Ich hiermit, bei der Unmöglichkeit die erhaltenen Briefe, Telegramme einzeln beantworten zu können, Meinen aufrichtigen Dank aus.
Baveno. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Nach neuerdings hier eingegangenen Nachrichten findet in San Remo in den nächsten Tagen von mehreren Aerzten eine Consultation über die weitere ärztliche Behandlung Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen statt. Se. Majestät derKa iser beauftragte, um über das Resultat der Berathung nicht nur schriftliche, sondern auch eingehend mündliche Berichte zu hören, den Prinzen Wilhelm, auf einige Tage nach San Remo zu gehen«
Aus Sau Remo ist dem „Reichsanzeiger" ferner nachstehendes Telegramm zugegangen: Das Allgemeinbefinden Sr. K. und K. Hoheit des Kronprinzen ist andauernd ein vortreffliches. Höchstderselbe macht sich viel Bewegung in freier Luft, Schlaf und Appetit sind gut. Dagegen hat das örtliche Leiden in den letzten Tagen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Das Fegefeuer in Frappcs Wigwam.
Von B a l d u i n M ö l l h a u s e n. (Fortsetzung.)
„Ein Todesverbrechen war es allerdings nicht. Mit vorauszusehen, daß die Bewohner des Wigwams sich des Kindes erbarmen würden; eine gewissenlose Handlung blieb es indessen immerhin, zumal es wohl schwerlich ohne Spitzbüberei ab« ging. Und so that Frappe denn auch Alles, was er sür Christenpflicht hielt. Er brächte das Kind hier in Sicherheit und sorgte dafür, daß die arme todte Frau, gegen die Angriffe der wilden Bestien geschützt, in die Erde gebettet wurde. Wagen und Pferde erklärte er selbstverständlich als sein Eigenthum, wofür er Kitty eine entsprechende Summe gut schrieb. Leider brächte er aus dem Kinde nicht mehr heraus, als daß es Kitty heiße, dessen Mutter dagegen nur Mutter gerufen worden, und daß es von einem Vater gar nichts wisse. Beim Durchsuchen der Hinterlassenschaft war ihm wohl ein Brief oder sonstiges Schriftstück in die Hände gefallen, allein auch das muß gänzlich werthlos gewesen sein, oder Frappe hätte wohl eingehender zu mir darüber geredet. Mag auch sein, daß seine späteren Nachforschungen ein Ergebniß lieferten, welches ihn bestimmte, vorläufig wenigstens Kitty's Herkunft vor ihr selbst zu verheimlichen. Nekoma hatte sich damals bereits mit ihren Kindern ihm zugesellt, und da der Winter vor der Thür, das Wetter also z»
einen ungünstigen Charakter angenommen. Obgleich keine Symptome von augenblicklicher Gefahr vorhanden sind, so habe ich doch darum gebeten, daß andere Specialisten hinzugezogen werden; in Folge dessen sind Professor Schroeter- Wien und Privatdocent Dr. H. Krause-Berlin aufgefordert worden, nach San Remo zu kommen.
Morell Mackenzic."
Kaiser Alexander wird auf der Rückreise nach Petersburg mit seiner Familie in der nächsten Woche aus Kopenhagen in Berlin eintreffen. Ueber den Tag und die Stunde der Ankunft, sowie über die Dauer des Aufenthaltes ist Näheres noch abzuwarten.
Prinz Ludwig von Bayern, der älteste Sohn des Prinz-Regenten, begiebt sich Donnerstag Nachmittag nach Berlin und wird die Rückkehr nach Verlauf von acht Tagen erwartet.
Der deutsche Landwirthschaftsrath hat seine Berathungen geschlossen, nachdem er noch eine Commission eingesetzt, welche (wenn auch in anderer Form) die Wiederaufnahme des Spiritus- ring-Projectes anstreben soll.
Der Gesetzentwurf, betreffend die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindenden Gerichtsverhandlungen, wird in der nächsten Reichstags-Session wieder eingebracht werden. Bekanntlich hat ein solcher Entwurf bereits zweimal dem Reichstage vorgelegen; in der letzten Session ist man zu einer eingehenden commissa- rischen Berathung gelangt, welche eine Umgestaltung des Entwurfes zur Folge hatte.
Gegen den Wucher auf dem Lande werden nach der „Post" neue Maßregeln der Gesetzgebung geplant.
An der russischen Grenze ist nach der „Köln. Zgt." eine Verstärkung der preußischen G r e n z b e w a ch u n g um ein Viertel der jetzigen Besatzung angeordnet worden.
Von der bewaffneten Macht des deutschen
rauh, um dem kleinen schwächlichen Dinge, krank war's obenein, eine langwierige Reise über die Ebenen zumuthen zu dürfen, so entschloß er sich, den Findling der Fürsorge Nekoma's anzuver» trauen. Und das war das Beste, was hätte geschehen können; denn als Frappe im nächsten Frühling nach dem Wigwam zurückkehrte, fand er Kitty als ein gesundes krättiges Kind wieder, welches in tollen Streichen mit seinen braunen Spielkameraden wetteiferte. Das machte Frappe nachdenklich. Er sagte sich, daß auf diese Art Kitly gänzlich verwildern würde, und als er im darauf folgenden Herbst wieder an den Missouri zog, nahm er sie mit fort, um sie in die Schule zu thun und von guten Leuten erziehen zu lassen. Aber er hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht; denn kaum sechs Wochen befand Kitty sich in guter Obhut, als sie eines Tages aus derselben verschwand, um so schnell, wie ihre kleinen Füße sie nur zu tragen vermochten, zu Frappe, der in demselben Ort lebte, zurückkehrte. Selbstverständlich führte Frappe sie ihren Erziehern wieder zu, doch nur. um sie Nachts an seiner Thür klopfen und Einlaß begehren zu hören. Weder gütige Vorstellungen noch Drohungen hatten den geringsten Einfluß auf das kleine Fegefeuer. Kaum zurückgebracht, entlief es bei der ersten Gelegenheit, und das geschah wohl ein halbes Dutzend Mal"--
^„Siebenmal," rief Kitty über die Schulter Vilandrie zu, und unter ihrer ungestümen Hand wirbelten wieder Funken empor.
Togogebietes, welche aus dreißig Negern besteht, entwirft Dr. Henrici in der „Staatsb.- Ztg." folgende Schilderung: „Weiße Hose bis zum Knie ohne Schuhwerk; ein weißes Baumwoll- Tricot und darüber das weiße Matrosenhemd; um den Leib ein langer rother Shawl; auf dem Kopf, keck hinten sitzend, ein kleines rothes Käppchen mit blauer Troddel. Die Tracht ist äußerst kleidsam, soll aber künftig durch eine andere Uniform ersetzt werden. Als Waffe führen sie den Mauser-Carabiner.
Der Landtag des Großherzogthums Hessen ist zum 24. d. einberufen worden.
(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Sämmtliche Wiener Blätter besprechen unter wärmster Zustimmung das einhellige Vertrauensvotum, welches der ungarische Delegations-Ausschuß dem Grafen Kalnoky ertheilte und heben als besonders characteristisch und zutreffend die Aeußerungen des Ministers hervor, daß die bulgarische Frage keineswegs die alleinige oder wesentlichste Beruhigung Europas bilde. — Die „Neue Freie Presse" bestätigt, daß in Deutschland Versuche mit einem von einem österreichischen Erfinder hergestellten Gewehr unternommen werden sollen, und meint, Deutschland sei mit dem Mausergewehr noch immer allen anderen Staaten voran, denn seine Truppen seien bereits ausgerüstet, während Frankreich seine Gewehre erst anfertige, Oesterreich damit kaum begonnen habe und Rußland überhaupt noch keine Versuche anstelle.
(England.) In militärischen Kreisen glaubt man allgemein, daß der Herzog von Cambridge im nächsten Jahre von der Stellung als Oberbefehlshaber der englischen Truppen zurücktreten wird. Der Herzog steht jetzt in seinem 69. Lebensjahre und wünscht, obwohl er sich bei guter Gesundheit befindet, den Pflichten seines Amtes enthoben zu sein. — Der Londoner Polizei-Chef Marxens untersagte für den Tag des
„Der Satan steckt in dem Frauenzimmer, grollte Vilandrie gutmüthig lachend, „und der steckte schon damals d'rinnen. Also siebenmal, um Dir zu Willen zu sein, Fegefeuer; jetzt gieb Dich zufrieden. Also siebenmal, bis die Leute stch weigerten, sie fernerhin bet sich aufzunehmen, und Frappe selber einsehen mochte, daß auf diese Art mit dem Kinde nichts auszurtchten sei. Er machte indessen, bevor er. seine Frühlingsreise landeinwärts antrat, eine andere und zwar strengere Gelegenheit für den kleinen Taugenichts ausfindig, und dieser schien sich auch zu fügen, aber es blieb eben nur bet dem Scheinen. Denn als seine Wagen sich Morgens in der Frühe in Bewegung setzten, da war auch Kitty wieder zur Hand, und vor die Räder warf sie sich jammernd und weinend, um sich überfahren zu lassen, so daß die Leute ihre Noth hatten, sie unverletzt hervorzuziehen. Genug, sie geberdete sich wie eine Wahnwitzige, daß Frappe schließlich nichts anderes übrig blieb — auch mochte ihn so viel Anhänglichkeit rühren — als sie wieder mit nach dem Wigwam zu nehmen. Dabei rechnete er, daß ein Jahr oft 'ne große Veränderung bewirke und mit dem wachsenden Verständniß auch Einsicht komme. Und wiederum hatte er sich verrechnet. Sein nächster Versuch war schlau genug eingeleitet, aber das Fegefeuer war noch schlauer," und unterdrücktes Lachen lohnte vom Kamin her das aufrichtig gemeinte Compliment.
„Ja, noch schlauer," wiederholte Vilandrie ergötzt. „Ohne mit einer Silbe seinen Plan zu verrathen, hatte Frappe abermals in Begleitung