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Wit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Ilnterhaltungsbtatt".
Nr. 137.
Sonnabend den 19. November
1887.
Amtliches.
Nach einem Erlasse der Herren Minister für Handel und Gewerbe und des Innern vom 6. September er. sollen die neuen Formulare für die Uebersichten und Rechnungsabschlüsse der Krankenkassen zur Verwendung gelangen, sobald die Rechnungen der Kassen ein Jahr lang nach den dafür zu erlassenden Vorschriften geführt sind. Da diese Vorschriften mit dem 1. Januar 1888 in Kraft treten und demnach die Rechnungen für das Jahr 1888 nach denselben werden geführt werden, so werden auch die für das Jahr 1888 aufzustellenden Uebersichten und Rech- nungs-Abschlüsie, welche im Laufe des Jahres 1889 einzureichen sind, unter Benutzung der neuen Formulare aufzustellen sein.
Die Bekanntmachung vom 9. September d. Js. (Amtsblatt, Seite 213 und ff.) bedarf daher einer Berichtigung, indem auf Seite 246 Zeile 7 von oben die Worte „und demnach für die für das Jahr 1888 einzureichenden Uebersichten u. s. w." ersetzt werden müssen durch die Worte: „und demnach für die im Laufe des Jahres 1888 für das Jahr 1887 einzureichenden Uebersichten und Rechnungsabschlüsse noch die bisherigen Formulare zu benutzen sind.
Cassel am 7. October 1887.
Der Regierungs-Präsident.
Polizei Verordnung. — Unter Bezugnahme auf die Bestimmungen des §. 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G.-S. S. 195 ff.) und der M. 6, 12 und 13 der Verordnung vom 20. September 1867 (G.-S. S. 1529 ff.) wird, unter Zustimmung des Bezirks-Ausschusses, für den Umfang des Regierungsbezirks Gaffel Folgendes verordnet:
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.
Von B a l d u i n M ö l l h a u s e n.
(Fortsetzung.)
Vilandrie lachte und bemerkte erläuternd:
„Nachdem Kitty so lange unter den Eingeborenen lebte und mit besonderem Eifer sich deren Anschauungen anetgnete, ist der Einfluß ihrer Abstammung hinfällig geworden. Sie hat gelernt, das, was Sie Grausamkeit und Rachedurst nennen, als Pflichterfüllung zu betrachten. Ich möchte darauf wetten, sie würde mit derselben Ge- müthSruhe den Mörder des Mannes der Nekoma lebendig an langsamem Feuer zu rösten, mit der sie jetzt da spielend die rothen Kohlen schärt."
„So hoffe ich schon allein um ihretwillen, daß die Gelegenheit zur Ausübung einer grausamen Rache der alten Nekoma vorenthalten bleibe," erklärte Mark aus vollem Herzen.
„Keine Noth, Mann, keine Noth," erwiderte Vilandrie zuversichtlich, „wurde der Mörder in zwölf Jahren nicht hierher verschlagen, so tragen seine Füße ihn auch in zehnmal zwölf nicht mehr in diese Gegend. Im Uebrigen muß er einer von der Sorte gewesen sein, wie sie in Californien sehr bald die Aufmerksamkeit des Vigilance-Com- mtttee's erregen und nach kurzem Proceß dutzendweise gehangen werden. Verdammt, zu gönnen wär's ihm — das betheuerte ich Nekoma, so oft ich hier vorsprach — daß er in ihre Hände fiele, vnd verwandelte sie seinen fluchbeladenen Körper
§. 1. Das Unterbinden der Vorhaut an den Geschlechtstheilen der Schafböcke, sowie das Verhängen dieser Geschlechtstheile mit Lappen — das sogenannte „Schürzen" der Böcke — ist verboten.
§. 2. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Anordnungen werden, soweit sie nicht auf Grund des §. 360 Nr. 13 des Strafgesetzbuchs eine höhere Strafe nach sich ziehen, mit Geldbuße bis zu sechzig Mark bestraft.
Cassel am 9. November 1887.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
Hersfeld, den 17. November 1887.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, mit Ausnahme derjenigen des Amtes Friedewald, erhalten den Auftrag, festzustellen, wie viele Schafe, Schweine und Ziegen in ihren Gemeinden .vorhanden sind. Das Resultat ist mir bis z u m 1. D e c e m b e r d. I. einzuberichten.
J. A. 736. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
# Der Kaiser von Rußland
wird, wie schon gemeldet, in dieser Woche auf seiner Rückreise von Kopenhagen nach St. Petersburg mit der Kaiserin, seiner Gemahlin, und dem Großfürsten Thronfolger unserem Kaiser einen kurzen Besuch abstatten. Wenngleich unser Kaiserhaus und mit ihm die gesammte Bevölkerung unter dem erschütternden Eindruck, welchen die Nachrichten über das Leiden des Kronprinzen hervorgerufen haben, stehen und begreiflicherweise ganz davon beherrscht werden, so darf doch der Zar eines Empfanges gewiß sein, wie er dem Beherrscher eines großen Staates gebührt. Der von San Remo wieder zurückgekehrte Prinz Wilhelm und seine Gemahlin, sowie Prinz und Prinzessin Albrecht, die zu diesem Zwecke aus Braunschweig nach Berlin kommen, werden unseren
in eine brennende Pechfackel, geschähe ihm nur nach Gebühr — zum Henker damit -- Sie kennen jetzt die Geschichte der Alten, wissen, was es bedeutet, wenn es .zuweilen feindselig in ihren Augen flackert."
Mit den letzten Worten erhob er sich. Im Eiser des Gesprächs war seine Pfeife erloschen. Nachdem er sie mit frischem Feuer versehen hatte, kehrte er sich Mark wieder zu.
„Ich möchte 'nen Blick in die Ferne werfen," sprach er, „denn mit den Reitern erscheint's mir verdächtig. Kommen sie doch aus 'ner Richtung, in welcher um diese Jahreszeit ein ehrlicher Mensch nichts zu suchen hat," und gemächlich bewegte er sich dem Ausgange zu.
Mark hatte sich ebenfalls erhoben. Indem er nach dem Kamin hinübersah, begegnete er den trotzig spähenden Blicken Kitty's, die ihm alsbald geringschätzig den Rücken zukehrte und einige ihm unverständliche Worte an den Halbindianer richtete. Beide lachten verstohlen. Das spöttische Helle Lachen des Mädchens folgte ihm nach, als er bereits in's Freie hinausgetreten war. Vilandrie hatte unterdessen das Dach des Wigwams erstiegen.
„Da hören Sie", redete dieser ihn an, sobald er neben ihm eingetroffen war, „sollte man nicht glauben, eine Ohreule mache sich in den Bäumen lustig, oder eine Unke habe hier nebenan im Brunnenloch ihr verspätetes Hochzeitslied ange- stimmt."
Mark horchte. Ein dumpfer Klageton drang
Kaiser, der kaum erst ein Unwohlsein überstanden, in Ausübung der den fremden Gästen geziemenden Pflichten unterstützen.
Die bevorstehende Begegnung, welche in der deutschen Hauptstadt stattfindet, ist die dritte seit dem Regierungsantritt des Kaisers Alexander. Veranlaßt ist dieselbe, wenn man den russischen Preßstimmen glauben darf, allein durch den äußerlichen Umstand, daß der Zar, welchen Krankheit in seiner Familie so lange in Kopenhagen zurückgehalten hatte, in Anbetracht der Jahreszeit für die Rückreise Nach seiner Heimath nicht denselben Weg, den Seeweg, benutzen wollte, auf welchem er vor fast drei Monaten sich zu seinen Königlichen Schwiegereltern nach Kopenhagen begeben hatte. Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Begegnung nicht bis auf eine Zeit verschoben wird, wo unser Kaiserliches Haus nicht mehr von so schweren Sorgen, wie gerade jetzt, bedrückt wird. Auf der anderen Seite weiß Kaiser Wilhelm alle inneren Stimmungen und Kümmernisse seinem strengen Pflichtgefühl unterzuordnen, und deshalb wird er die russischen Gäste, welche der Weg gerade jetzt über Berlin führt, gewiß mit allen ihnen gebührenden Ehren empfangen. Das deutsche Volk, wird unter diesen Umständen angesichts der Kaiserbegegnung dankbaren und thei nahmsvollen Herzens auf seinen Kaiser blicken, der auch hier wieder beweist, wie hoch und ernst er seine Pflichten auffaßt.
UoLitische Nachrichten.
(Deuts chland.) Se. Majestät der Kais er hatte am Mittwoch Nachmittag nach der Rückkehr von seiner Ausfahrt eine l^äftünbige Conserenz mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck. — Am Donnerstag Vormittag ließ Se. Majestät der Kaiser vom Ober-Hofmarschall Grafen
von dem Ufer des Nebraska herüber, ein Ton, in der That vergleichbar mit dem Ruf einer Unke. Geisterhaft zitterte er durch die bewegte Atmosphäre, in Zwischenpausen einiger Secunden sich wiederholend.
„Da ist so ihre Art," erklärte Vilandrie gleich- wüthig, „ließe sie ab von dem ewigen Klagen, würde sie wohl auf gescheitere Gedanken gerathen. Aber bei den steten Auffrischungen ihres Gedächtnisses kann es nicht anders sein. Sie heult und heult, bis sie Alles, was ihrem Geiste vorschwebt, in Wirklichkeit um sich zu sehen glaubt, und das sind, bei Gott, keine friedlichen Bilder."
„Huh—Huh—Huh"— ertönte es bei den Pappelweiden unbeschreiblich traurig, daß Mark, zumal nach den voraufgegangenen Mittheilungen Vilandrie's, sich davon ergriffen fühlte. Schweigend lauschte er den unheimlichen Ausbrüchen eines nimmer schlummernden Schmerzes, während Vilandrie sich vergeblich mühte, irgend ein Zeichen von den räthsclhaften Rettern zu entdecken. Der Wind war heruntergegangen. Nur stoßweise sauste es noch über den Hügel hin. Die von dem versteckten Mond erhellte schwere Wolkendecke schien sich tiefer gesenkt zu haben. In verschiedenen Richtungen, bald näher, bald in größerer Entfernung erschallte das Jauchzen und Kläffen der Prairtewölse. Dazwischen wiederholte sich, als dumpfes Echo, das Heulen des großen weißen Wolfs, das geisterhafte „Huh—huh—huuuhe" Nekoma's.
«Nirgend eine Probe von Licht", bemerkte