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Hersstldtk Kreislillitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „IllullrirLes AnterhattungsötaLL".
Nr. 7. Dienstag den 17. Januar 1888.
Aus dem Landtage.
Berlin, 14, Zanuar. Der Landtag wurde heute im Aufträge Sr. Majestät des Kaisers und Königs durch den Vicepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern v. P u t t k a m e r, eröffnet. Der Feierlichkeit wohnten vorzugsweise Mitglieder deS Herrenhauses bei. Am Schluß der Eröffnungsrede brächte der Präsident des Herrenhauses, Herzog von Ratibor, ein Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, in welches die Anwesenden dreimal begeistert einstimmten. — In beiden Häusern des Landtags fanden alsbald Plenarsitzungen statt, in welchen zuvörderst der Theilnahme der Landesvertretung an der Erkrankung des Kronprinzen entsprechend Ausdruck gegeben und die Absendung von Adreffen beschlossen wurde. Das Herrenhaus schritt nach ersolgtem Namensaufruf, welcher die Beschlußfähigkeit des HauseS ergab, sofort zur Präsidentenwahl, wobei der bisherige Präsident Herzog von Ratibor, sowie alS erster Vice-Präsident Herr v. Rochow-Ptessow per Akklamation gewählt wurden. Zum zweiten Viceprä- sidrnten wurde Oberbürgermeister Miguel mit 86 von 99 abgegebenen Stimmen gewählt. — Die nächste Sitzung wird Montag stattfinden. — Das Abgeordnetenhaus wird am Montag zur Präsidenten- und Schrifl- sührcrwahl und Entgegennahme von Vorlagen gleichfalls eine Sitzung halten.
Politische Nachrichten.
(D e utschland.) Se. Majestät der Kais er nahm am Sonnabend Vormittag, nach einer recht gut verbrachten Nacht, den Vortrag des Oberhofmarschalls Grafen Perponcher entgegen und arbeitete darauf längere Zeit mit dem Chef des Civil-Cabinets v. Wilmowski. Mittags erschien Se. Majestät der Kaiser beim Vorbei-
marsch der neu aufziehenden Wache wieder am Fenster seines Arbeitszimmers, wo er bei seinem Erscheinen von dem vor dem Königlichen Palais : ^«u u™D ^u^-
überaus zahlreich versammelten Publikum: heit gemäß bestätigen, daß seit Beginn des neuen enthusiastisch begrüßt wurde. Von seiner letzten Jahres in der Auffassung der internationalen Unpäßlichkeit ist der Monarch jetzt vollständig Gesammtlage ein etwas hoffnungsvollerer Zug wiederhergestellt. i hervorgetreten ist, als dies während der letzten , „ „ . , „ . ________
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht nachstehendes Wochen des vergangenen Jahres der Fall war;, vereint mit König Johann von Abessinien gegen ärztliche Bulletin über das Befinden Sr. Kaiser!, aber doch fehlt noch gar vieles, um das Bild ! die Italiener zu marschiren. Bekanntlich hatten
Das Fegefeuer in Frappes Wigwam.
Von Balduin Möllhausen.
(Fortsetzung.)
Blunt's letzte schwache Hoffnung aber sank dahin, als seine Fragen an die jugendlichen Wächter unbeantwortet, sogar unbeachtet blieben und diese sich endlich mit einer gewissen Gefallsucht nach Art ihrer Vorfahren kriegerisch zu schmücken begannen. Das Erscheinen Rekoma's, die, bald nachdem sie die Hütte verlassen hatte, in seinen Gesichtskreis trat, deutete er zwar zu seinen Gunsten, doch nur so lange, bis sie endlich vor ihm stand. Der erste Blick auf ihr durch die Aschenkruste grausig entstelltes Haupt überzeugte ihn, daß sein Geschick endgültig besiegelt.
„Bill Blunt", hob Nekoma an, nachdem sie den Elenden einige Minuten mit innerer Befriedigung betrachtet hatte, „die Sonne geht bald schlafen. Wenn sie die Prairie berührt, fühlst Du die ersten Pfeilspitzen in Deinem Fleisch. Du wirst langsam sterben."
Bestürzt öffnete Blunt die Lippen zu einer Antwort, aber kein Laut verließ dieselben. Die feindselig glühenden Blicke Nekoma's hatten ihn förmlich gelähmt.
„Schlechter Hund, weißt Du, weshalb Du hier sitzest? Weißt Du, weshalb meine Söhne die Spitzen ihrer Pfeile schärften?" fragte diese nach einer Pause.
„Weib, was habe ich Dir gethan?" stieß Blunt auf dem Gipfel seines Entsetzens röchelnd hervor,
und Königl. Hoheit des Kronprinzen: San Remo, 13. Januar, 8 Uhr Morgens. Die Krankheitserscheinungen bei Sr. Kaiserl. und Königl. Hoheit dem Kronprinzen bestanden während der letzten zwei Wochen in etwas stärkerer Schwellung der linken Kehlkopfshälfte und von dort aus sich etwas allgemeiner ausbreitender entzündlicher Reizung der Kehlkopfsschleimhaut. Gleichzeitig war stärkere Schleimabsonderung vorhanden, welche, wie die Entzündung, jetzt wieder im Verschwinden begriffen ist. Das Allgemeinbefinden ist recht gut. Schrader. Krause. Hovell.
Die T h r o n r e d e, mit welcher der L a n d t a g am Sonnabend Mittag eröffnet wurde, führt aus, die Sorge um den Kronprinzen habe den Kaiser und die Nation noch nicht verlassen, die Hoffnung auf Genesung bleibe bestehen. Die Finanzlage ist über Erwarten günstig, das Rechnungsjahr 1886/87 ergab eine Besserung von 32 Millionen gegen den Voranschlag, noch günstiger scheint sich 1887/88 zu gestalten. Vorlagen kündigt die Thronrede an betreffend die Besserung der Lage der Geistlichen aller Bekenntnisse, Aufhebung der Wittwen- und Waisengeldbeiträge der Beamten, theilweise staatliche Uebernahme der Besoldung der Volksschullehrer, die Herstellung wichtiger Eisenbahnen, die Regelung der unteren Weichsel, die Kreis- und Provinzialordnung für Schleswig- Holstein, die Bestreitung der Kosten der Ortspolizei in Stadtgemeinden mit Königlicher Polizeiverwaltung.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zur augenblicklichen politischen Lage: Man mußderWahr-
Nekoma lachte heiser. In der gräßlichen Verunstaltung glich sie einem der Hölle entstiegenen Dämon.
„Du fragst?" hob sie darauf an, „denke zurück, über zwölf und mehr Winter, denke zurück, und Du kommst zu dem Tage, an welchem ein brauner Krieger Dir sein Messer durch's Gesicht zog" —
Sie säumte, wie sich weidend an dem Ausdruck eines furchtbaren Verständnisses, welches in des gleichsam erstarrenden Mörders Zügen sich offenbarte, und eintönig fuhr sie fort:
„Kagala—gia—ke war ein großer Krieger, aber sein Herz war das eines Kindes. Du hast ihn erschossen. Hier steht sein Weib. Dort sitzen seine Söhne. Kagala—gia—ke kann nicht zur Ruhe kommen. Er schreit um Rache. Seine Söhne hörten seinen Ruf. In guten Träumen ward er ihnen zugetragen. Sie werden den Bater beschwichtigen."
Bet dieser Kunde sank Blunt's Haupt auf die Brust. Man hätte ihn für gestorben halten können.
„Viele Winter habe ich hier auf Dich gewartet," nahm Nekoma nach kurzem Zögern ihre Mittheilungen wieder auf, „ich wußte, daß Du kommen würdest; das erhielt mir den Athem. Ich habe gelitten viele Winter, viele Sommer. Du wirst nur Stunden leiden. Du besitzest nur ein Leben, ich kann es Dir nicht zehnmal rauben. Aber langsam sterben kannst Du. —"
Blunt sah zähneknirschend empor. Sein verzerrtes Gesicht bedeckte die fahle Farbe des Todes.
der Gegenwart und Zukunft als ungetrübtes bezeichnen zu können.
Der Reichskanzler hat beim Bundesrath beantragt, die Bestimmung zu treffen, daß vom 1. April d. I. ab weder fremde Scheidemünzen in Zahlung genommen noch gegeben werden dürfen. (Dieser Antrag ist speciell gegen die Fünf- und Zehn - Centimesstücke französischer Währung gerichtet, welche in den Reichslanden, obwohl sie von den öffentlichen Kassen zurückgewiesen worden, noch vielfach im Umlauf sind.)
(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Der österreichische Re chsrath ist auf den 25. d. einberufen worden.
(E n g l a n d.) Bemerkenswerth ist eine Friedensrede Lord Salisburys, welche derselbe bei einem Bankett der Conservativen in Liverpool gehalten hat. Der Ministerpräsident hob hervor, daß die europäische Lage sich etwas gebessert habe; der Frie d e sei jedenfalls für die nächste Zukunft gesichert. Die Souveräne und ihre Minister widmeten ihre ganze Energie der Aufrechterhaltung des Friedens; er hoffe deshalb, derselbe werde schließlich erhalten bleiben. — Die Margarine-Acte, wonach nur echte, unverfälschte Naturbutter als solche verkauft, alle aus Fett oder sonstigen Stoffen hergestellten Nachahmungen von Butter bei Geldbuße bis zu 20 Pfd. oder entsprechender Gefängnißstrafe aber nur als „Margarine" verkauft und als solche von den Händlern kenntlich gemacht werden müssen, ist am 1. d. in Kraft getreten.
(Jtalien.) Aus Massauah laufen Nachrichten ein, welche erkennen lassen, daß das italienische Expeditionscorps mit keinen ganz leichten Verhältnissen zu kämpfen hat. Es wird gemeldet, daß König Menelik sämmtliche Europäer zur Flucht nöthigte und entschlossen sei,
In seinen tückischen Augen funkelte Tollwuth. Angesichts seines unabwendbaren Endes und der seiner harrenden Martern, trachtete er instinctartig, diesen dadurch zu entgehen, daß er die erbarmungslose Feindin zum Aeußersten reizte.
„Verfluchte Hexe!" rief er schnaubend aus, „erschoß ich den braunen Hund, so bereue ich heut', nicht auch Dich sammt Deiner Brut zur Hölle gesendet zu haben. Mache mit mir, was Du willst, ich verlache Dich. Besäße ich aber die Gewalt, so würde ich Dich sammt Deiner verdammten Brut bet lebendigem Leibe in Riemen zerschneiden."
Doch eher hätte er einen der auf dem nahen Grabe aufgeschichteten Steine belebt, als einen seiner fanatischen Feinde zu einer Uebereilung verleitet. Und so durchrieselte es ihn eisig, als Nekoma mit unerschütterlichem Gletchmuthe wieder anhob:
„Deine Worte klingen süß in meinen Ohren. Sie sind wie der Ruf des Pratriehans, der seine Familie zusammenlockt. Auch Du hast Muth; Du bist stark. Ich bin stärker. Ich werde Dich schreien und klagen hören. Du hast das Mädchen mit dem Goldhaar erschossen. Kitty war eine Weiße. Was hatte sie Dir gethan?"
„Den niederträchtigsten Verrath hatte sie gegen mich angesponnen, oder ich säße jetzt nicht hier wie ein zum Schlachten bestimmter Hammel," antwortete Blunt wuthschäumend. „War sie nicht, so möchtest Du jetzt um Deine Brut trauern und