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StrsftUn Kreislilitt.
-_________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes AnLerhatLungsötatL".__________
Nr. 9. Sonnabend den 21. Januar 1888.
Amtliches.
Berlin, den 29. December 1887.
Aus gewerblichen Kreisen ist neuerdings auf die Nachtheile hingewiesen worden, welche es für die mit dem Auslande in unmittelbarer Geschäftsverbindung stehenden Gewerbetreibenden mit sich bringen, daß es ihnen durch die geltenden Vorschriften über die Maaß- und Gewichtspolizei unmöglich gemacht sei, für die Zwecke des Gewerbebetriebes ausländische Maaße und Gewichte zu benutzen. Diese Beschwerde kann insofern als unbegründet nicht betrachtet werden, als es bei der Auslegung, welche die einschlagenden Vorschriften der Maaß- und Gewichtsordnung und des Strafgesetzbuchs seither bei den Polizeibehörden und bei den Gerichten vielfach gefunden haben, nicht ausgeschlossen ist, daß Gewerbetreibende, welche sich im Besitze ausländischer, mit dem vorschriftsmäßigen Aichstempel nicht versehener Maaße rc. befinden, zur Bestrafung gezogen werden, ohne Rücksicht darauf, ob diese Maaße rc. zur Verwendung im öffentlichen Verkehre thatsächlich gedient haben oder nicht.
Eine solche Handhabung steht mit dem Sinne der erwähnten Vorschriften nicht im Einklang; denn letztere verfolgen lediglich den Zweck, die Anwendung unvorschriftsmäßiger Meßgeräthe i m ö f f e n t l i ch e n V e r k e h r zu verhindern. Demgemäß ist in der mit dem Erlaß vom 29. Juni 1886 dorthin mitgetheilten technischen Anleitung zur Ausführung der polizeilichen Maaß- rc. Revisionen vom 12. Juni 1886 (Allgemeine Bestimmungen Nr. 5) bereits angeordnet,
daß solche Gewerbetreibende, in deren Geschäftsbetrieb ein Zumessen und Zuwägen von Waaren im Verkehr mit dem Publikum überhaupt nicht stattfindet, von den polizeilichen Revisionen auszuschließen sind.
Das Fegefeuer in Frap-es Wigwam.
Von Balduin Möllhausen. (Schluß.)
Das Verklingen des Gesanges übte auf die Sterbende eine ähnliche Wirkung aus, fwie ein an sie gerichteter Weckruf. Sie schlug die Augen auf und blickte wie erstaunt um sich. Als sie Mark erkannte, der, von Jammer erfüllt, stch über sie hinneigte, glitt ein verklärtes Lächeln über das noch immer liebliche Antlitz. Mit sichtbarer Anstrengung hob sie beide Hände ein wenig empor, als hätte sie ihn begrüßen wollen. Unwillkürlich sank Mark neben ihr auf die Kniee, und während sie mit mattem Griff seine rechte Hand umklammerte, schob er mit der linken das wirre gelbe Haar sanft von ihrer Stirne zurück. Wie um zu sprechen, öffnete sie die blutleeren Lippen, und so tief neigte Mark sich ihr zu, daß er ihr Antlitz mit dem seinigen fast berührte.
„Was Vilandrie von mir forderte, ich habe es gethan," flüsterte sie kaum verständlich, „aber Blunt schoß auf mich. Ich muß sterben. Ich wußte es. Was soll ich hier? Ich gehöre nicht zu den braunen Menschen, nicht zu den Weißen — ich sterbe gern. Ich gehe zu meiner Mutter."
Sie säumte, wie um ihre letzten Kräfte ein wenig zu schonen, dann fuhr sie mit hauchähnlicher Stimme fort:
„Artemisia gehört zu Ihnen. Sie gebraucht — keinen Zauber. Mark ist ihr Leben — ich weiß
Wenngleich hierdurch einer unberechtigten Beanstandung ausländischer Maaße 2c. im Wesentlichen vorgebeugt ist, so erscheint es doch zur Vermeidung von Zweifeln geboten, die mit der Handhabung der Maaß- und Gewichtspolizei betrauten Polizeibehörden ausdrücklich darauf hinzuweisen,
daß ausländische, mit dem Aichstempel nicht versehene Maaße und Gewichte nur dann zu beanstanden sind, wenn sie sich an solchen öffentlichen Verkehrsstellen vorfinden, an welchen Waaren nach Maaß oder Gewicht umgesetzt werden.
Ew. Hochwohlgeboren ersuchen wir ergebenst, demgemäß gefälligst das Weitere in die Wege zu leiten. Der Minister für Handel Der Minister des und Gewerbe. Innern.
In Vertretung Im Auftrage
gez.: Magdeburg. gez.: v. Zastrow. An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren Caffel.
* *
Caffel, den 11. Januar 1888.
Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren 2c. mit dem Ersuchen ergebenst zugehen, das Weitere gefälligst zu verfügen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe. An sämmtliche Königliche Landräthe des Bezirks. A. II. 222.
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Hersfeld, am 17. Januar 1888.
Wird den Ortspolizeibehörden zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt.
529. Der Königliche Landrath _______________Freiherr von Schleinitz.
Berlin, im November 1887.
Es werden schon seit langer Zeit Klagen darüber geführt, und ein Blick in die den medi- cinischen-Zeitschriften beigefügten Anzeigen spricht für die Berechtigung dieser Klagen, daß in vielen
es. Geht er von ihr, so stirbt sie — auch ich muß sterben —'
Abermals folgte eine Pause. Die Augen fielen ihr zu. Plötzlich aber öffnete sie dieselben weit, und wie durch den letzten Todeskampf von neuen Kräften durchströmt, schlang sie beide Arme fest um Marks Nacken, und sein Antlitz fest an das ihrige ziehend, sprach sie vernehmlich und mit einem ergreifenden Ausdruck der Angst:
„Bleiben Sie bei mir — es wird dunkel — schwarze Nacht — jetzt fürchte ich nichts mehr — ich sehe meine Mutter — sie reicht mir die Hände —"
Ihre Arme glitten von Mark's Nacken, und als dieser sich erschrocken aufrichtete, sah er in ein liebliches Antlitz, .auf welchem ein süßes Lächeln durch den Tod festgebannt worden.
„Armes Kind," sprach er klagend, und wiederum strich er das wilde Gelock sanft von den weißen Schläfen zurück, „was hast Du verbrochen, daß Dein verfrühtes Ende ein so jammervolles sein mußte?'
„Wer weiß," versetzte Vilandrie düster, „sie mag jetzt glücklicher sein, als sie je auf andere Weise hätte werden können. Solche Schmetterlingsna- turen gehören nicht länger unter die Menschen, als der Farbenstaub auf ihren Schwingen haftet. Haben Alter und böse Erfahrungen den erst abgestreift und hören sie auf, eine Augenweide zu sein, so geht auch die Nachsicht mit ihren Schrullen verloren. Was bleibt, ist Verbitterung, Unzufriedenheit mit sich selbst und der ganzen Welt. Ich kenne das, hab schon früher dergleichen beob-
kleineren Gemeinden, in denen ein Arzt sehr gut sein Fortkommen haben würde, sich kein Arzt befindet und daß es schwer hält, einen solchen zur Niederlassung zu bewegen. Um diesem sich oft in empfindlichster Weise fühlbar machenden Mangel abzuhelfen, wenden sich die betreffenden Gemeinden gewöhnlich mit Annoncen an die medicinischen Blätter oder an die Universitäts- Facultäten oder endlich an kaufmännisch geleitete Institute, welche die Niederlassung von Aerzten vermitteln, welche dabei jedoch in erster Reihe auf die Wahrnehmung ihres eigenen Vortheils bedacht sind. — In den großen Städten dagegen und namentlich in Berlin wächst die Zahl der Aerzte stetig in einer Weise, daß das Bedürfniß nach ärztlicher Hilfeleistung ausreichend gedeckt wäre, wenn selbst ein großer Theil derselben sich einen anderen Wohnort aussuchen würde. Die Wahl eines solchen fällt nun aber denjenigen Eollegen, die gern einen Ortswechsel vornehmen würden, hauptsächlich deshalb schwer, weil ihnen authentische Nachweise darüber nicht zugängig sind, an welchen Orten sie frei von Sorge um ihren Unterhalt würden leben können. Um diesen Aerzten sowie auch den suchenden Gemeinden entgegen zu kommen, hat der Centralausschuß der ärztlichen Bezirksvereine Berlins auf Wunsch der hiesigen med. Facultät beschlossen, ein Auskunftsbureau für Aerzte in's Leben zu rufen. Dasselbe hat sich constituirt (Adresse: Herr Anders, Dorotheenstraße 33) und ersucht, ihm etwaige Wünsche in Bezug auf Niederlassung von Aerzten mitzutheilen. Es wäre wünschenswerth, daß bei Anmeldung von Vacanzen angegeben würde: die Zahl der Einwohner, wie viele Aerzte sich in der betreffenden Gemeinde und in nächster Nachbarschaft befinden, wie hoch sich schätzungsweise die Einnahmen eines sich dort niederlassenden Arztes belaufen würden. — Da das Institut keinerlei geschäftliche Interessen verfolgt, so erwachsen den
achtet, und in einsamer Wildniß findet man Zeit genug, ernst darüber nachzudenken."
Mark hatte sich erhoben und betrachtete wehmüthig die junge Todte. Farfar saß noch immer zu ihren Häupten. Er bildete förmlich ein Knäuel, so eng war er in sich zusammengesunken. Aehn- lich hatte Nekoma sich zu ihren Füßen niedergekauert. Beide schienen gänzlich empfindungslos geworden zu sein.
„Hier ist keine rechte Stätte für uns," bemerkte Vilandrie, und er kehrte sich dem Ausgange zu, „wir würden die Leute in der Offenbarung ihrer Trauer nicht minder stören, als sie uns. Ein gutes Feuer und 'n Paar Decken genügen für Unsereins."
Sie befanden sich im Freien. Die Sonne war untergegangen. Der Westen flammte in rother Abendgluth. Die ersten Dämmerungsschatten eilten über die fahle Ebene. Aus dem Innern der Hütte drang Nekoma's Stimme heraus, indem sie ihre Klagelieder über den todten Liebling hinsang.
Etwas später, da bräunte in einem Schutz gewährenden Winkel der Einfriedigung Helles Feuer. Um dasselbe bewegten sich Mark und Vilandrie, in dem sie ihre Vorkehrungen für die Nacht trafen. Beide waren schweigsam. Die jüngsten Erlebnisse lasteten wie ein böser Alp auf ihren Gemüthern. —
Nachdem die drei Brüder heimgekehrt waren, verließen Nekoma und Farfar die Hütte. Letzterer, beschwert mit Sattel, Zaum und Fangleine, schlug die Richtung nach der Insel ein, wogegen Nekoma sich geraden Weges nach der Steinpyramide hin-