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Hersftliltl ^rcislilitt

_________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIssustrirtes Unterhallungsölatl"__________

Nr. 11. Donnerstag den 26. Januar 1888.

Amtliches.

Bekanntmachung.

An der Landwirthschaftsschule zu Weilburg soll auch im Jahre 1888 ein Fortbildungskursus für Elementarlehrer abgehalten werden, und ist hierzu Termin in der Herbstferienzeit (Ende August bis Ende September) in Aussicht genommen.

Die in dem Kursus zu behandelnden Gegen­stände sind folgende:

1) Chemie II. Theil (Chlor, Schwefel, Phosphor, Silicium, Kalium, Natrium, Calcium, Aluminium, $2) ^Botanik (Anatomie und Physiologie der Pflanzen);

3) Thierproduktionslehre;

4) Unterrichtswesen.

Den theilnehmenden Lehrern aus dem Regie­rungsbezirke Cassel wird ein Zuschuß von 80 Mark in Aussicht gestellt, sobald die betreffende Ge­meinde oder der Lehrer selbst mindestens 35 Mk. zuzuschießen bereit ist. Den Gemeinden wird anheimgestellt, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß der von der Gemeinde subventionirte Lehrer den Be­trag zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahres­frist nach oem Kursus die betreffende Gemeinde verläßt.

Diejenigen Lehrer, welche an dem in Rede stehenden Kursus Theil nehmen wollen, werden aufgefordert, ihre Gesuche bis zum 15. M a i d I s. durch Vermittelung der Königlichen Schulvorstände bezw. der Stadtschul-Deputationen hierher einzu- reichen.

Cassel, den 17. Januar 1888.

Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

* * *

Abschriftlich mit der Veranlassung, die Lehrer

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(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Doroastrr.

Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung.)

Nacht folgte dem Zwielicht; in der Halle flammten die Lampen empor und verbreiteten Licht und Wohlgeruch. Näher und näher kamen die Klänge der Musik; bald übertönte der Chor der Sänger, der den Sonnengott Bel am Schlüsse des Tages wie beim Tagesanbruch grüßte, den Klang der Harfen und Pfeifen.

Jetzt nahte der königliche Zug. Voran die Priester des Bel, zwei und zwei in weißen Ge­wändern, die priesterliche Mitra auf dem Haupt, die Bärte kunstvoll gelockt; in ihrer Mitte der Oberprtester, stattlich würdig mit niedergeschlagenen Augen und auf der Brust gekreuzten Händen da- hinschreitend, zu seiner Seite die Priester, welche das Opfer vollzogen, die bluttriefenden Werkzeuge in den Händen. Mächtige, prächtige Gestalten waren diese Priester des Bel, wohl genährt durch ihre Antheile an den Opfern, voll Vertrauen auf die überkommene Weisheit.

Den Priestern folgten die Musiker; zuerst hundert Bläser und Spieler auf Seiteninstru- menten, in zehn Reihen geordnet, nach ihnen ein aus zweihundert Knaben, hundert Jünglingen und ebenso viel gereiften Männern bestehender Chor. Nach dem Tact eines langsamen Andante schritten sie vor und sangen ein Loblied zu Ehren des Gottes Bel von Assur und ihres Königs Belsazar.

und Gemeinden auf den in Aussicht genommenen Fortbildungskursus an der Landwirthschaftsschule zu Weilburg hinzuweisen, bezw. zur Theilnahme an demselben aufzufordern und über das Ergebniß bis s p ä t e st e n s 25. Mai d. Js. zu berichten, wobei zugleich anzuzeigen ist, in welcher Weise für die Vertretung der eventuell an dem Kursus theilnehmenden Lehrer gesorgt werden kann. In Fällen, wo für die in Vorschlag gebrachten Lehrer eine Unterstützung beantragt wird, ist jedesmal bestimmt anzugeben, ob die betreffende Gemeinde oder der Lehrer sich verbindlich gemacht hat, zu diesem Zwecke mindestens 35 Mk. zuzuschießen.

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Op itz.

An die Königlichen Landräthe und dieStadtschul- deputationen des Regierungs - Bezirks. B. 332.

* * *

Hersfeld, den 23. Januar 1888.

1) Wird den Ortsvorständen des Kreises mit dem Auftrage zugefertigt, das weiter Nöthige hiernach mit den betreffenden Herren Localschul- inspectoren zu besorgen und das Ergebniß, sowie darüber, ob ihre Gemeinde bereit ist, ihrem Lehrer behufs Theilnahme an dem fraglichen Kursus in Weilburg eine Beihülfe von mindestens 35 Mk. zu gewähren bis zum 28. Februar c. zu berichten mit dem Bemerken, daß von einer etwaigen Negativanzeige abgestanden wird.

2) Werden die Königlichen Localschulinspectoren des Kreises hiervon ergebenst in Kenntniß gesetzt mit dem Ersuchen, das Erforderliche hiernach ge­fälligst zu besorgen, eventuell mir directe Mit­theilung machen zu wollen.

770. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 23. Januar 1888.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 7. d. Mts. Nr. 145, die Fran-

Während des Gesanges theilten sich die Reihen, und wie die Priester es vorher gethan, so nahmen nun die gesammten Musiker und Sänger zu beiden Seiten von der breiten, zum Bankettsaal hinab­führenden Marmortreppe Aufstellung; auf der untersten Stufe stand der Oberpriester allein.

Jetzt näherte sich durch das gebildete Spalier der königliche Zug, einem Strom von Gold und Juwelen, zwischen schneeigen Usern dahinfluthend, vergleichbar. Inmitten der tausend geladenen Edeln ritt der König, gekrönt mit der edelsteinge- schmückten leinenen Tiara, das Retchsscepter in der Rechten. Ihm folgten kostbare Sänften, in welchen die schönsten Weiber Assyriens als Gäste des Königs getragen wurden. Eine Abtheilung Garden in goldetugelegter Rüstung und Mänteln, in die das königliche Wappen eingestickt war, schloß den Zug.

Als die Sänger den letzten Vers ihres Lobliedes unisono intonirten, befand sich der König auf dem offenen Platze vor der Stiege; regungslos erwar­tete er zu Pferde das Ende des Gesanges. Und wie das reife Korn sich dem Winde beugt, so sank beim Schluß des Liedes die Schaar der Höflinge nieder in die Kniee vor dem Herrscher; die Träger setzten die Sänften zur Erde und huldigten, die Frauen darin fielen gleichfalls nieder und verhüll­ten ihr Haupt.

Regungslos blickte der König auf die anbetende Menge. Wunderbar spielte das dem Palast ent­strömende Licht auf dem blutleeren Antlitz mit den tief eingesunkenen Augen, während der schmeichelnde

kirung der Briefsendungen betreffend, im Rück­stände sind, werden hieran mit Frist bis zum 30, d. Mts. bei Meidung von Strafe erinnert.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 23. Januar. Der Reichstag genehmigte heute zunächst den Gesetzentwurf, betr. die Einführung der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung. Außerdem wurde eine Resolution angenommen, worin der BundeSrath ersucht wird, mit möglichster Beschleunigung eine einheitliche Regelung der Dampfkesselgesetzgebung für das ganze Reich herbeizuführen. Im Uebrigen wurde die Berathung des Etats des Reichs- amts des Innern beendigt. Eine längere Diskussion knüpft« sich an den Etat de» Reichsversicherungsamts; wobei die BerufSgenossenschasten namentlich in Bezug auf den Kosten­punkt, den Mittelpunkt der Debatte bildeten. Der Herr Staatssecrelär des Innern konnte nachweisen, daß die -Kosten der BerufSgenossenschasten keineswegs höher seien als bei den Privat-Versicherungsgesellschaften, daß dieselben sich aber den Entschädigungskosten gegenüber noch noth­wendig vermindern würden. Wann daS Alters- und In« validenversorgungsgesetz werde vorgelegt werden können, sei heute noch nicht zu bestimmen. Für dieselbe zunächst eine niedrige Rente ins Auge zu fassen, sei durch die Verhält­nisse gerechtfertigt. Der Gedanke, den Quittungsbüchern den Charakter der Arbeitsbücher zu geben, liege den ver­bündeten Regierungen vollständig fern. Der Etat selbst, der einige Mehrforderungen enthält, wurde unverkürzt be, willigt. Beim Etat der physikalisch-technischen ReichSanstalt sagte der Etaatssecretär des Innern aus dem Hause aus­gesprochenen Wünschen thunlichfte Berücksichtigung zu. Bei den einmaligen Ausgaben dieses Etats brächte Abg. Grillen- berger (Soz.) bei dem Fonds für die ReichScommission zur Entscheidung der Beschwerden aus Grund des Sozialisten- gesetzes eine Reihe von Klagen vor. Die übrigen Titel der einmaligen Ausgaben veranlaßten gar keine Debatte. Morgen: Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Reliktenbeiträge und Fortsetzung der Ctatsberathung,

DaS Abgeordnetenhaus begann heute die zweite Berathung des Etats. Eine kurze Debatte knüpfte sich zunächst an den Etat der Lotterieverwaltung, bei welchem

Abendwind die Rosendüste der Gärten huldigend ihm entgegentrug.

Wieder erhob sich die Menge und der König ritt an die Treppe heran, schwang sich vom Pferde und begab sich, gefolgt von dem ungezählten Schwärm der Geladenen, Priester, Musiker und Sclaven, in den Bankettsaal. Jeder nahm seinen Platz ein, die Musik begann ihre Weise, die Negersclaven bewegten hinter jedem Gast eifrig fächelnd ihr Palmenblatt: das Fest hatte seinen Anfang genommen.

Die düstere Stirn des Königs erhellte sich; seine Finger spielten sorglos mit den Rabenlocken der neben ihm fitzenden schönen Fürstin, als ihm plötz­lich ein Gedanke zu kommen schien.

Feiern wir heute nicht ein Siegesfest? sprach er laut und lebhaft.Ist heute nicht der Tag, an dem mein Ahnherr die Schätze der Jsraeliten heimbrachte? Bringt mir den Tempelschatz der ungläubigen Hebräer, daß ich möge daraus trinken in dieser Nacht und Wein spenden daraus dem Gott der Götter Beel."

Wohl hatte der Schatzmeister diesen Befehl vor­ausgesehen; denn kaum waren die Worte seinen Lippen entflohen, so nahete sich ein langer Zug, die weißen Gewänder und die goldnen Gefäße hoben sich scharf ab von dem schlichten Roth der Wand.

Vertheilt die Gefäße!" rief der König,für jeden einen Becher oder Humpen."

Die Schenkel füllten die Becher und Schaalen;