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Htlsstl-cr Kttisdlatt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illustrirtcs Ilnterhattungsökatt".__________
Nr. 12. Sonnabend den 28. Januar 1888.
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Amtliches.
Die neuen Bedingungen in Betreff der Aufnahme von Soldatenwaisen in die Anstalten des großen Militär-Waisenhauses in Potsdam oder auf Kosten des letzteren in andere ErziehungsAnstalten werden hierunter zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Cassel am 15. Januar 1888.
Der Regierungs-Präsident. JnVertr.
Bedingungen, unter welchen die Wohlthaten des Potsdamschen großen Militär-Waisenhauses im Allgemeinen verliehen werden.
Die Wohlthaten, welche die obige Stiftung bedürftigen, elternlosen und vaterlosen Soldatenwaisen, die während des activen Militärdienstes des Vaters bei Preußischen oder unter Preußischer Militärverwaltung stehenden Truppentheilen ehelich geboren sind, oder deren Vater als Soldat bet diesen Truppentheilen gestorben ist, gewährt, bestehen:
A. in der Aufnahme in eine Erziehungs-Anstalt, B. in der Bewilligung eines Pflegegeldes.
^..Aufnahme.
1) Kinder im Alter vom zurückgelegten 6ten biS zum 12ten Lebensjahre können, wenn sie ganz gesund sind, im Militär-Knaben-Waisenhause zu Potsdam, im Militär-Mädchen-Waisenhause zu Pretzsch, — Kinder katholischer Confession in der
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung)
Das Jahr, in welchem Babylon fiel, war ihr Geburtsjahr; Daniel hatte sie mit sich nach Susa genommen und von dort nach Eckbalana, wo sie unter den weiblichen Verwandten des Propheten aufwuchs und zur Schönheit ausblühte. Die dunkeln, von langen schwarzen Wimpern beschatteten Augen blickten stolz, die Züge waren von classischer Schönheit, doch zeigten die leichte Beugung des Nasenansatzes, die geschwungenen Nasenlöcher und die zarte Olivenfarbe der Haut ihre Abstammung aus dem Volke der Ebräer.
Nehusta war Fürstin in jeder Bewegung, in jedem Wort, was sie sprach. Vor einer Wendung des stolzen Hauptes, einem Wink der Hand beugte sich Zoroaster, wie er es nur vor dem großen Könige selbst in all' seinem Glanz hätte thun können, ja der greise, nur noch in Betrachtungen der ihm so nahen Ewigkeit versunkene Prophet bot ihr lächelnd die Hand, wenn sie ihn in seinem Thurm zu besuchen kam. In Assyrien erzogen, der persischen Dynastie ergeben, war Daniel doch im Herzen und Glauben der treue Sohn Judas, der alle Zweige seines Stammes mit Liebe umfaßte.
Der letzte Abendsonnenstrahl erblaßte auf dem schwarzen Zagrosgebirge. In den Palastgärten sangen Tausende von Vögeln, wie Vögel nur im Orient bei Sonnenaufgang und -Untergang singen
katholischen Erziehungsanstalt „Haus Nazareth" in Höxter — untergebracht werden, soweit der Raum und die Mittel es gestatten.
2) Die Knaben finden zu Ostern und zu Michaelis, die Mädchen nur zu Ostern jeden Jahres Aufnahme.
3) Die Kinder, deren Aufnahme genehmigt worden ist, werden zunächst in die Anwärterliste eingetragen. Die Auswahl der zu dem nächsten Termine aufzunehmenden aus der Zahl der als berechtigt und berücksichtigungswerth zu dieser Wohlthat ausgezeichneten Kinder erfolgt nach Maßgabe der militärischen Verdienstlichkeit der Väter und der Bedürftigkeit der Familien, unter Berücksichtigung des Alters der Kinder und thun- licher Beachtung der Zeit ihrer Aufzeichnung.
4) Soldatenwaisen, für welche das gesetzliche Waisengeld aus Staats- oder Reichsfonds zahlbar ist, finden nur unter der Bedingung Aufnahme, daß der Betrag dieses Waisengeldes für die Dauer des Aufenthalts in der Anstalt von dem auf den Monat der Aufnahme folgenden Monate (in der Regel 1. Mai oder 1. November) ab als Erziehungsbeitrag an die Haupt-Militär- Waisenhaus-Kasse in Berlin abgeführt wird.
5) Wenn solche Kinder Aufnahme finden, für welche Erziehungsgelder aus dem Reichsinvalidenoder Kaiserlichen Dispositionsfonds gezahlt werden, so hört diese Zahlung an die Mütter bezw. Vormünder 2C. ebenfalls mit dem Monat der Aufnahme aus und erfolgt von da ab an die Haupt- Militär-Waisenhaus-Kasse.
ö. P f l e g e g e l d.
1) Das Pflegegeld wird auf jedes dazu angemeldete Kind — wenn die Etatsmittel es gestatten — von dem Monate ab bewilligt, in welchem das mit den nöthigen Beweisstücken eingegangene Gesuch als berücksichtigungswerth anerkannt ist und bis zum vollendeten 14ten Lebensjahre der Kinder oder bis zu ihrer etwaigen Aufnahme in eine Erziehungsanstalt gezahlt.
und erfüllten die Lust mit ihren sanften, süßen Tönen.
Nehusta wandelte allein in den breiten Gängen des Gartens; der Abend war still und warm. DaS feine Obcrkleid reichte bis zu den Knieen; es war durch einen kostbaren Gürtel von Gold und Perlen gehalten; die zierlichen Füße schritten leicht über den Sand in kostbaren Sandalen mit goldenen Hacken dahin; das Haupt schmückte die steife, leinene, mit einer kostbaren Perle verzierte Tiara gleich einer Krone, unter der das prächtige Haar in dunkeln Wellen herabfloß. Langsam lenkte sie den Schritt zu einer nach Osten gelegenen Gartenterrasse, lehnte in Gedanken versunken auf die Marmorbrüstung und ließ ihre Augen über die Landschaft schweifen. Der Mond schwamm über der Ebene, aus den Rosenbüschen tönte der Gesang der Nachtigal, die übrigen Vögel waren verstummt. Als nun der Nachtwind, beladen mit dem Duft der Rosen und Myrthen, sie umspielte, erhob auch Nehusta ihre Stimme und sang in weichen Molltönen ein altes Ltebeslied in der Sprache ihres Volkes:
Komme zu mir, o mein Leben, in der Schwüle des Abends, o komm',
Eile, beflügle den Schritt in der Stille der Nacht, komm' u komm' l
Lauschend durchdringet mein Ohr die Stille und horchet nach Dir,
Weit geöffneten Aug's späh' ich nach Dir, meine Zier!
Denn, wenn Du kommst, o Geliebter, so ist's wie des Morgenroth'» Glanz,
2) Das Pflegegeld erfolgt in bestimmten Sätzen mit Rücksicht darauf, ob die Kinder elternlos oder vaterlos sind, als ein Beitrag zu den laufenden Kosten für die Ernährung und Bekleidung der Kinder und daher niemals für eine rückliegende Zeit.
3) Sobald für die Kinder das gesetzliche Waisengeld oder ein anderweites Erziehungsgeld aus Staats- oder Reichsfonds bewilligt wird, hört die Zahlung des etwa bereits angewiesenen Pflegegeldes für Rechnung des Militär-Waisenhauses von dem Monate der Zahlbarkeit jenes Erziehungsgeldes ab auf.
Mit der Entlassung der Waisen aus den Anstalten oder mit dem zurückgelegten 14tenLebens» ahre der Kinder hört die Fürsorge des Waisen- jaufeS für dieselben auf und fällt wieder den Angehörigen oder der gesetzlich dazu verpflichteten Gemeinde allein zu.
Anmerkung. Die Anträge auf Unterbringung der Militärwaisen in den Erziehungs-An- stalten, oder auf Bewilligung eines Pflegegeldes sind an das Direktorium des Potsdamschen großen Militair-Waisenhauses in Berlin zu richten und dazu in der Regel folgende Schriftstücke beizubringen:
1) die Militairpapiere des Vaters, aus welchen hervorgehen muß, wann, wie lange und bei welchen Truppentheilen des stehenden Heeres derselbe gedient hat, ob derselbe Feldzüge mitgemacht und sich dabei ausgezeichnet hat bezw. verwundet ist, oder ob derselbe als Invalide anerkannt worden ist;
2) die Sterbeurkunde des Vaters, und wenn auch die Mutter todt ist, die Sterbeurkunde der Mutter;
3) die Geburtsscheine der betreffenden Kinder unter 14 Jahren;
4) ein amtliches Dürftigkeitsattest
Pochend ruft Dich mein Herz, denn Du erfüllest eS ganz.
Süßer flüstert der Nachtwind für Dich, Duft hauchet der Hain,
Wo Du, Herrlicher, wandelst, da siegst Du, denn Alle» ist Dein.
Der Gesang verlor sich in sanftem Hauch: die Nachtigal allein ließ ihr Lied flötend weiter tönen. Da regte es sich in dem Myrthengebüsch; die Prinzessin horchte auf, ein Lächeln aus den Lippen; ohne sich zu wenden, legte sie die Hand rückwärts aus die Brüstung, wo, wie sie wußte, der Liebste ste erfassen mußte. Rasch nahte der Perser und legte die feine hinein, beugte sich vor und suchte ihre Augen, doch sie blickte nicht auf, bis in plötzlicher Wendung sie ihm voll in das Antlitz blickte.
„Ich rief Dich nicht," sprach sie, und that, als ob ste stch von ihm entfernen wollte, während er sie mit Hand, Arm und Auge festhielt.
„Und dennoch, Geliebte, hörte ich, daß Du mich in Deiner Sprache riefst, und so kam ich."
„Du bildetest Dir ein, ich sänge deinetwegen," spottete das Mädchen, „für die Wüste sang ich, mit ihren Zeiten."
„Du sangst, der Geliebte bringe Rosen — da sind sie. Komm', laß Dich damit krönen. Doch nein — das würde Deinen Hauptschmuck verderben. Nimm sie und thue damit nach Gefallen."
„Ich nehme ste — ich thue immer, was ich will." Er schlang seinen Arm um sie, sie blickte ihm voll in das mondbeglänzte, schöne Antlitz.
„Seltsame Kunde bringe ich Dir, Geliebte," sprach nun Zoroaster. Nehusta erschrack, denn