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_________ Mit wöchentlicher Kratis-WeilageJllustrirtcs Anterhaltungsölatt".

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Nr. 19. Dienstag den 14. Februar 1888.

Amtliches.

Der Herr Minister des Innern hat der Ge­nossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger die Er­laubniß ertheilt, im Laufe dieses Jahres eine öffentliche Ausspielung von Gegenständen der bildenden Kunst und des Kunstgewerbes, von literarischen Erzeugnissen rc. zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Es werden 300,000 Loose zum Preise von 1 Mk. ausgegeben.

Cassel, den 6. Februar 1888.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: Schwarzenberg.______ Hersfeld, den 8. Februar 1888.

Der seitherige Bürgermeister Heinrich Linge- m a n n zu Philippsthal ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und heute eidlich ver­pflichtet worden.

1329. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von S ch l e i n i

Gefunden: einFäßchen. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.

* Wom Kronprinzen.

Die frohe Stimmung, welche in Folge der Rede des Reichskanzlers vom vorigen Montag und der patriotischen Haltung des Reichstags alle deutschen Herzen erfüllte, ist tief niederge­drückt worden durch die am Donnerstag Abend eingelaufene Kunde, daß das fortschreitende Leiden des Kronprinzen an diesem Tage den Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) nothwendig ge­macht habe. Die Wucherungen im Kehlkopf hatten in der letzten Zeit so zugenommen, daß wiederholt plötzlich Athemnoth eingetreten und damit eine Erstickungsgefahr nahegelegt war.

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.

Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung.)

Er sehnte sich nach einer Zusammenkunft mit Nehusta, um mit ihr die Ereignisse des vorigen Abends, den überraschenden Antrag des KönigS, zu besprechen. Doch durfte er seinen Posten nicht verlassen, da der König ihm befohlen, ihn dort in der Morgenstunde zu erwarten. Ungeduldig und ermüdet sank er zuletzt in den von Atoffa ver­lassenen Sessel, faltete die Hände über dem Schwertgriff und versank in Träume.

7.

Mit der Absicht, rasch zurückzukehren, verließ Atoffa die Terrasse; jedoch, während sie die Treppe hinabschritt, entstand in ihrem Kopfe ein Plan, dessen sofortige Ausführung sie beschloß. Deshalb betrat sie, anstatt geraden Wegs in den Porticus des innern Hofes zu gehen, einen engen Gang, welcher zu einem nur durch schmale Schlitze in der Mauer erhellten Korridor führte. Bor dem Ein­gang befand sich eine kleine Thür; Atoffa verschloß sie hinter sich und versuchte sie zu verriegeln. Doch das Schloß war eingerostet; um sich beider Hände bedienen zu können, um den Riegel vorzuschieben, legte sie die Schrittrolle, die sie trug auf einen Steinsitz. Der Riegel gab nach; rasch eilte sie den Gang entlang zu einer engen, finsteren Treppe, die nach oben führte. Aus den unteren

Um einer solchen vorzubeugen, weilte schon seit Mitte November Dr. Bramann, der erste Assistent des berühmten Chirurgen der Berliner Universi­tät, Professor v. Bergmann, in der Umgebung des Kronprinzen. Als die Athemnoth sich mehrte, wurde Professor v. Bergmann telegraphisch be­rufen, aber ein Aufschub, wie die mehrtägige Reise ihn erfordert, war nicht mehr möglich, und so mußte Dr. Bramann am Donnerstag Nach­mittag 3^/2 Uhr zur Operation schreiten, der dieselbe mit sicherer Hand und großem Geschick ausgeführt hat. Die Kunde von den Vorgängen in San Remo hat alle Herzen tief bewegt. Zu­nächst kam dies bei dem am Donnerstag Abend stattfindenden Opernball, welchem das Kaiserpaar, sowie Prinz und Prinzessin Wilhelm fernblieben, zum Ausdruck, man unterließ jeden Tanz. Am Freitag Mittag versammelten sich Tausende aus allen Berufsständen vor dem Kaiserlichen Palais, um dem Kaiser und der schmerzgebeugten Kaiserin durch begeisterte Kundgebungen, die theilnahms- vollen Gesinnungen zum Ausdruck zu bringen, die sich in ganz Deutschland und auch im Aus­lande regen und in dem einen alle Herzen be­seelenden Wunsche um Genesung des Kronprinzen gipfeln.

Nachstehend stellen wir die bisher eingelaufenen Telegramme zusammen:

San Remo, 9. Febr., 6 Uhr 45 Min. Nachmittags. Die in letzter Zeit aufgetretene und seit einigen Tagen ziemlich plötzlich angestiegene Athemnoth bei Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen hat sich im Laufe des heutigen Tages infolge beträchtlicher Zunahme der Schwellung der rechten Kehlkopfhälfte zu gefahr­drohender Höhe gesteigert. Infolge dessen ist die sofortige Ausführung des Luftröhrenschnittes unumgänglich geworden. Die Operation, von Dr. Bramann um S1^ Uhr.Nachmittags ausge­führt, verlief in kürzester Zeit ohne jeden stören­

Stufen waren trotz des herrschenden Zwielichts dunkle Flecke sichtbar das Blut des vor drei Monaten dort von Darius erschlagenen Usurpators Smerdis. Mit allen Zeichen des Widerwillens raffte sie ihr Gewand zusammen, schritt vorsichtig darüber hinweg und gelangte bald oben an eine Thüre, die zu einer ähnlichen Terrasse, wie die, auf der sie Zoroaster soeben verlassen, führte. Die Säulen des Lalcons waren von Schlinggewächsen umwunden, den Boden bedeckten weiche Teppiche und Haufen von seidenen Polstern. Vor der mittelsten von drei mit Teppichen verhangenen Thüren kauerten zwei weißgekleidete Sclaven­mädchen, die bet Atossas Nahen aufsprangen, sich mit stummem Gruße verneigten und dabei mit schüchternen Blicken die kostbaren Gewänder der ihnen persönlich nicht bekannten Königin musterten. Atoffa winkte der einen und fragte: »Du dienst der Fürstin Nehusta?" »Nehusta," wiederholte sie, nachdem sie bemerkte, daß ihre Sprache nicht verstanden wurde, und zeigte nach der Thür. Schnell verschwand die Sclavin und ließ die Fürstin in einiger Verlegenheit, da sie nicht beab­sichtigt hatte, die hebräische Prinzessin rufen zu lassen, sie vielmehr in den inneren Gemächern aussuchen wollte. Letztere beeilte sich nicht zu kommen, so daß die Königin ausgiebig Zeit hatte, sich den Balcon zu betrachten, bis sich endlich Schritte hinter dem Vorhang hören ließen und die Erwartete erschien.

Nach der erfrischenden Nachtruhe war jede Spur von Ermüdung geschwunden; eine weiße Tunica

den Zwischenfall. Augenblicklich läßt das Be­finden des hohen Patienten nichts zu wünschen übrig. Mackenzie. Schrader. Bramann. Krause. Hovell. San Remo, 10. Febr., 10 Uhr 45 Min. Vormittags.

Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der Kron­prinz verbrachte nach der Operation eine gute Nacht »ohne Fieber und Schmerzen; Athmung und Schlucken ganz frei.

Mackenzie. Schrader. Krause. Bramann. Hovell. San Remo, 10. Febr., 10 Uhr 55 Minuten Abends. Das Allgemeinbefinden Sr. Kaiser!. und Königl. Hoheit des K r 0 n p r i n z e n war im Laufe des Tages recht gut. Fieber und Schmerzen sind nicht vorhanden.

Mackenzie. Schrader. Krause. Bramann. Hovell.

San Remo, 11. Febr., 10 Uhr5 Min. Vormittags. Se. Kaiser!. und Königl. Hoheit der Kron­prinz haben eine gute Nacht gehabt und fühlen Sich heute recht wohl.

Mackenzie. Schrader. Krause. Bramann. Hovell.

Wie wir den Blättern entnehmen, wurde die Operation, bei welcher Chloroform angewandt wurde, innerhalb zehn Minuten ausgeführt. Die Operation besteht in einem Einschnitt in die Luftröhre, in welche von außen eine gebogene silberne Röhre eingefügt wird, vermittelst deren die Lungen fortan die Luft einathmen. Hierdurch wird dem hohen Patienten Linderung und Sicher­heit gegen Erstickungsgefahr gebracht, auf den Verlauf der Kehlkopfkrankheit ist die Operation an sich ohne unmittelbaren Einfluß. Auf Befehl des Kaisers ist noch am Donnerstag Abend Pro­fessor von Bergmann mit dem Hofmarschall Grafen Radolinski nach San Remo abgereist, um die weitere Wundbehandlung zu überwachen.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 10. Februar. Der Reichstag beschäftigt« sich nach definitiver Annahme des Anieihegesetzes für Militärzwecke, welche auch heute mit allen gegen die social«

umschloß die schlanken Glieder der dunkeln Schön» heit; ein weißer Gazeschleier fiel von dem Haupte herab, an dem goldenen Gürtel hing ein Dolch von indischem Stahl in juwelengeschmückter Scheide. Voll Anmuth und Sicherheit trat sie näher; ein leichtes Neigen des Kopfes begrüßte die auf sie zuetlende Königin, die ihr mit freimüthigem Lächeln beide Hände zum Willkommen bot. Auch Nehusta lächelte freundlich und prüfte die Erschei­nung, deren sie sich sehr wohl zu erinnern wußte, mit kritischem Blick. Aber Atossas Gruß war so herzlich, daß sie beinahe zu der Ueberzeugung kam, sie habe sie zu hart beurtheilt, als sie sie kalt und herzlos nannte. Beide ließen sich neben einander auf den bereit liegenden Polstern nieder.

»Ich sprach heute Morgen schon von Dir," leitete die Königin das Gespräch in vertraulichstem Tone, als ob sie mit einer alten Freundin rede, ein.

»Wirklich I" erwiderte Nehusta, »da muß man also in Susa wenig Gesprächsstoff haben. Ich würde von Dir gesprochen haben, hatte ich über­haupt jemand gehabt, mit dem ich hätte reden können."

»Als ich heute früh aus meinen Gemächern her» auSkam, begegnete ich vor denen des Königs einem alten Freunde, Zoroaster, dem hübschen Feldhaupt- wann. Er hat sich sehr zu seinem Vortheil ver­ändert, seitdem ich ihn zuletzt gesehen." Sie sprach die Worte anscheinend ganz harmlos, beobachtete aber Nehusta dabei genau. Es schien ihr, als ob sich deren Gesichtsausdruck um einen Schatten trübe; doch erwiderte sie unbefangen;