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Ktrsstliler Kreistlitt.
Mit wöchentlicher Hratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhattungsölatt".
Nr. 20. Donnerstag den 16. Februar 1888.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträger führt ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabc, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vor- ausbezahlten Beträge einzutragen hat.
Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.
Cassel, den 10. Februar 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector.
In Vertretung: v. R u m o h r.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 13. Februar. Der Reichstag beanstandete die Wahl deS Abg. Henneberg gemäß dem Anträge seiner Commission und berieth dann die Novelle zum Socialistengesetz« in zweiter Berathung. Nachdem der Referent Abg. Dr. Meyer (Jena) in klarer Weise den Gang der Commissionsberathungen dargelegt, erklärte sich für die verschärfenden Bestimmungen der Vorlage namens der Deutschconservaiioen der Abg. Hegel, wenn sie auch darauf verzichten müßten, die Anträge aus Wiederherstellung der Vorlage durchzu- setzen. Abg. Dr. Windthorst rechtfertigte seine Abschwächungs. anträge, welche bestimmt seien, zum gemeinen Rechte zurück- zukehren. Der Herr Minister des Innern von Putikamer bestrilt es entschieden, daß eS möglich sei, mit den Mitteln deS gemeinen Rechts den Ausschreitungen der Socialdemokratie entgegenzutreten. Befremden müsse es, wenn man, wie der Abg. Windthorst, die Socialdemocratie bekämpfe, aber die Mittel dazu versage; die Verantwortung dafür, daS Gesetz nur aus zwei Jahre zu verlängern, müsse er dem Reichstage überlassen. Abg. Träger (deutschfr.) erklärt sich für einfache Aufhebung des Gesetzes; Abg. Robbe (Reichspartei) dagegen für die Vorlage mit Ausnahme der Expatriirungsbestimmung. Abg. Bebel (Social-Democr.)
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung.)
»Liebst Du die Jagd?* fragte Atossa.
»Man gestattete mir niemals, daran Theil zu nehmen; es muß sehr ermüdend sein.*
»Die Jagd ist mein Entzücken; doch komme ich nur selten dazu, da die Wüste entfernt ist und die Löwen selten. Auch der König jagt, wenn er irgend Zeit hat. Er wird Dich von nichts anderem unterhalten —*
»Aber Du glaubst doch nicht,* unterbrach Ne- Husta sie mit der unschuldigsten Miene, »daß der große König mir die Ehre anthun wird, mit mir zu reden?*
Atossa blickte die schwarzäugige Prinzessin forschend an. Sie wußte von den Ereignissen des vorigen Abends nur, daß der König Nehusta einige Minuten gesehen hatte. Sollte die Fürstin sie zu täuschen suchen? Sie lächelte noch süßer als vorher ; ein leichter Anflug von Wehmuth, den sie sich gab, machte sie noch bezaubernder.
»Der König ist gegen die Damen des Hofes besonders huldvoll. Du bist so schön und so ganz anders, als alle übrigen, daß er heute Abend nach dem Bankett nur mit Dir reden wird — wenn er zu viel getrunken hat —"
Nehusta erröthete, blickte sie dann voll Bewunderung an und sprach in entschuldigendem Tone:
glaubt dem Herrn Minister in Bezug aus einige thatsächliche Mittheilungen entgegentreten zu sollen. Abg. Mar- quardsen (natienaüib.) widerlegte die Behauptung, daß daS gemeine Recht ausreiche, um den Gefahren der Socialde» mocratie entgegenzutreten. Schließlich wurde die Verlängerung des Gesetzes aus 5 Jahre gegen die Stimmen der conservativen Fractionen abgelehnt; dagegen die des Artikels
I (Verlängerung bis zum 30. September 1830) der Com- missionsbeschlüsse mit 164 gegen 80 Stimmen angenommen. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Außerdem stehen dritte Berathungen anderer Vorlagen aus der Tagesordnung.
Das Abgeordnetenhaus berieth heute in dritter Lesung den Antrag, betreffend die Verlängerung der Legis, laturperiode. In der mehrstündigen Generaldebatte sprachen noch die Abgg. Pleß (Centr.), Dr. Meyer-BreSlau (deuischir.), Frhr. v. Schorlemer-Alst ^Centr.), Rickert (deuischir)., Munckek (deutschfr.) gegen den Antrag, während die Abgg. vom Heede (nat.lib.), v. Tiedemann-Labischin (freiconf.), von Eynern (nat.«lib.) und Stöcker (conf.) sich für denselben erklärten. Die Ausführungen der Redner, welche den Antrag befürworteten, gipfelten auch heute darin, daß der vorliegende Antrag Volksrechte nicht verletze, daß es sich vielmehr nur um eine Zweckmäßigkeitsfrage handle, während von gegnerischer Seite die früher ausgesprochenen Bedenken gegen den Antrag aufrechterhalten wurden. Im übrigen hatte die Diskussion wesentlich ^ersöeiiche Auseinandersetzungen zwischen den freisinnigen und nationalliberalen Rednern zum Gegenstände. Der Antrag wurde schließlich mit der früheren Majorität definitiv angenommen. Morgen: Etat der Justizverwaltung.
Berlin, 14, Februar. Der Reichstag beendigte heute die zweite Lesung der Novelle zum Socialistengesetz. Nachdem auch die Vertheidiger der Verschärfungen der Regierungsvorlage mit Rücksicht auf den Gang der Verhandlungen davon Abstand nehmen mußten, dieselben im Hause durchzufetzen, drehte sich die ganze Debatte hauptsächlich um den Antrag des Abg. Dr. Windthorst, den § 28 des Socialistengesetzes (kleiner Belagerungszustand) zu beseitigen.
Der Antragsteller ist höchstens bereit, wenn ihm das Bedürfniß nachgewiesen wird, den § 28 für Berlin bestehen zu lassen. Das Ergebniß der langen Berathung, in welcher der Antrag bei den Deutschfreisinnigen und bei den Social, democraten Unterstützung sand, war indeß die Ablehnung desselben in namentlicher Abstimmung mit 153 gegen 100 Stimmen. — Die dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betr. den Erlaß der Wittwen- und Waisengeldbeiträge von Angehörigen der Reichs-Civilverwaltung, des Reichsheeres rc.,
„Wird ein Mann das Dunkel der Nacht der Helle des Tages vergleichen?
Wendet er sich von der Lilie ab und schaut auf die Blumen der Felder?•*
»Also unsre Dichter kennst Du auch?*, rief Atossa geschmeichelt aus. Jedoch die völlige Selbstbeherrschung der jüdischen Prinzessin mißfiel ihr. Sie sümpfte mit ihren eigenen Waffen. »Wenn der König entdeckt, daß Du mit unseren Dichtern vertraut bist, so wird ihm Deine Unterhaltung noch mehr gefallen, denn er liebt die Dichtkunst. Das hat Dich wohl Zoroaster in den langen Winterabenden zu Eckbatana gelehrt! Der wußte eine endlose Menge von Versen.*
»Du hast Zoroaster wohl viel gesehen, bevor er Susa verließ. Du kennst ihn so genau.*
»Den kannte ja alle Welt. Er war der allgemeine Liebling mit seiner Schönheit, seiner Tapferkeit und der wunderbaren Anhänglichkeit an den alten jüdischen Propheten. Deshalb schickte Cambyses sie auch beide fort*, lachte sie, »sie paßten mit ihrer Rechtschaffenheit nicht in das damalige Treiben am Hofe.*
Von Cambyses sprach die Königin, wie es schien, ohne Zögern oder Rückhalt; ob auch von Smerdis, hätte Nehusta gern erfahren. Sie sagte daher ganz unbefangen:
»In den Sitten des Hoslebens haben sich wohl in dem letzten Jahre große Veränderungen vollzogen?*
»Allerdings*, erwiderte Atossa vollkommen ruhig. »Damals wurden Dinge geduldet, die jetzt unmög,
wurde nicht zu Ende geführt, sondern ein zu § 3 gestellter Antrag in die Commission verwiesen; dagegen der Gesetz« entwurs, betr, die Zurückbesörderung der Hinterbliebenen im Auslande angestellten Reichsbeamten rc. debattelos in dritter Berathung erledigt. Morgen 1 Uhr: Anträge und Petitionen.
Das fAb geordnet enh aus berieth den Etat der Justizverwaltung. Bei demselben gab die Frage der juri- stischen Vorbildung wiederum Anlaß, verschiedene Wünsche zum Ausdruck zu bringen. Der Herr Justizminister erklärte, daß er eine Aenderung deS Regulativs bezüglich des Vorbereitungsdienstes der Reserendarien bei den Amtsgerichten ins Auge gefaßt habe. Im Weiteren wurde dann auch aus der Mitte des Hauses die Nothwendigkeit der Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen, sowie der Entschädigung unschuldig Verurtheilter darzulegen gesucht.
Der Herr Justizminister entgegnete, daß die Bcrusung in der Reichs-Justizgesetzgebung durch eine große Reihe von Garantiern für die Angeklagten ersetzt worden sei. Neben diesen Garantieen. die Berufung einzusühren, halte er seinerseits nicht gerechtfertigt. Uebrigens habe die Frage der Wiedereinführung der Berusung auch einen sehr materiellen (financieUen) Hintergrund, der ebenfalls zu berücksichtigen sei. Was die Entschädigung unschuldig ver» urtheilter Personen anlange, so sei er bestrebt, überall, wo ihm der Nachweis thatsächlich unschuldig erlittener Hast geführt werde, durch Bewilligung aus dem ihm zu Gebote stehenden Fonds oder durch Allerhöchste Gnade einen Ausgleich herbeizuführen. Gegenüber der von verschiedenen Seiten in Anregung gebrachten Gehaltsaufbesserung der Justizbeamten erklärte der Herr Justizminister, daß seiner Meinung nach eine solche Ausbesserung isolirt aus dem Gebiete der Justizverwaltung nicht vorgenommen werden könne, sondern allgemein geschehen müsse, was auch hoffentlich recht bald möglich sein werde. Die Berathung ge» langte über den Titel 1 (Ministergehalt) nicht hinaus. Dieselbe wird Morgen fortgesetzt.
Uoltttschr Nachrichten.
(Deutschland.) Im Laufe des Dienstag Vormittags hörte Se. Majestät der Kaiser zunächst den Vortrag des Ober-Hofmarschalls Grafen Perponcher und nahm darauf mehrere zur Beiwohnung der Frühjahrs Exercitien bei den Berliner Garde-Jnfanterie-Regimentern dortselbst eingetroffenen Officiere entgegen. — Mittags
lich wären. Der Wechsel bestand hauptsächlich in der Religion. Cambyses opferte der Astarte — eine für ihn sehr passend gewählte Schutzgöttin. Smerdis wollte nur von Jndra etwas wissen, wie Darius jetzt nur von Auramagda. Ich meines- theils möchte mich zu dem jüdischen Glauben Hin- neigen, zu dem einen allweisen Gott. Wie denkst Du darüber?'
Nehusta lächelte über die seine Weise, wie sie das Gespräch von Smerdis abgelenkt hatte:
»Die Sonne kommt uns zu nahe; sollten wir nicht die Sitze nach dem anderen Ende der Halle in den Schatten legen lassen?*
Sie bot der Königin die Hand zum Aufstehen; doch diese erhob sich leichtfüßig allein.
»Zu lange schon verweilte ich. Komm' Fürstin, suchen wir den kühlen Orangenhatn der oberen Terrasse auf; vielleicht finden wir Zoroaster dort, oder gar den großen König selbst. Oder darf ich Dir meine Gemächer zeigen?* Sie legte zärtlich den Arm um Nehusta, der die Sclavinnen den Mantel gereicht, und führte sie zu der, die innere Treppe abschließenden Thür. Plötzlich blieb sie jedoch stehen, als ob He sich auf etwas besänne.
»Nein, ich werde Dir den Weg zeigen, den ich vorhin gekommen. Er ist der kürzere; es kann Dir vielleicht nützen, wenn Du ihn kennst*
Damit verließen sie den Balcon durch die kleine, hinter einem Pfeiler versteckte Thür und stiegen die dunkle Treppe hinab.
»Es ist nicht weit*, sagte die Königin, die rasch vorausschritt.