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Hersftliltl Kreisdilitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 27. Sonnabend dcu 3. März 1888.
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auf das „Hersfelder Kretsblatt" mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtcs Unterhaltungs- Blatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 27. Februar 1888.
Nach §. 34 der Allgemeinen Bestimmungen über Einrichtung,Ziel und Aufgabe der preußischen Volksschulen vom 15. October 1872 sollen im naturkundlichen Unterricht „diejenigen einheimischen Gegenstände in den Vordergrund treten, welche durch den Dienst, den sie den Menschen leisten, besonderes Interesse erregen."
Wiewohl nun gerade in unserer Gegend die eßbaren Pilze in größerer Menge vorkommen, so ist Doch deren Nährwerth bis jetzt zu wenig bekannt. Von Königlicher Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen zuCassel ist deshalb bei der hohen volkswirthschaftlichen Bedeutung der Pilze in Aussicht genommen worden, die Sache zum Gegenstände des Unterrichts in den Volksschulen zu machen.
Es sollen etwa 20 besonders nützliche der hier vorkommenden 80 eßbaren Pilze in einem farbigen Tableau nach ihren Entwickelungsstufen zur An- schauung gebracht und in einem begleitenden Texte der Standort, die unterscheidenden Merkmale von den Giftpilzen rc. erläutert werden.
Die Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, in welchen sich Schulen befinden, haben mir bis s p ä t e st e n s zum 10. März d. I. berichtlich anzuzeigen, ob das fragliche Werkchen, dessen Anschaffungskosten 1 Mk. bis höchstens 1,25 Mk.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Crawford. (Fortsetzung.)
Nehusta erkannte Zoroaster sofort; Zornesrothe übergoß ihr Antlitz; doch ruhig schritt sie weiter. In dem Moment, als sie unmittelbar vor ihm war, erscholl laut hallend, Musik und Gesang übertönend, wie eherner Glocke Ton das eine Wort:
„Treulose!"
Nehusta richtigte sich Hochauf, sie verweilte einen kurzen Augenblick und warf auf die verhüllte Gestalt einen Blick unaussprechlicher Verachtung. Dann schritt sie ruhig weiter.
Im Nu hatten zwei Lanzenträger die Schultern des Vermummten, der es gewagt, die Königin zu beleidigen, ergriffen. Doch wie der Blitz fuhren Zoroasters kräftige weiße Fäuste unter dem Mantel hervor, ergriffen von jedem Soldaten ein Handgelenk und drückten es wie in einem Schraub- stock derart zusammen, daß sie heulend zu Boden stürzten.
Die Menge stob auseinander; Zoroaster hüllte sich fest in seinen Mantel und durchschritt sie unbehelligt.
„Das war ein Berggeist," schrie einer aus dem Volke.
„Oder Ahriman selbst."
„Oder der böse Geist des KambyseS."
„Ach was," sagte einer der Soldaten und rieb sich die schmerzende Hand. „Zoroaster, der Haupt
betragen würden, zu Schulzwecken beschafft werden soll, eventuell aber weshalb nicht. Bemerkt wird noch, daß dasselbe nach Ziffer 9 der oben erwähnten Bestimmungen als ein unentbehrliches Lehrmittel anzusehen ist.
2141. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. März 1888.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. Februar er. Nr. 2142 im Kreisblatt Nr. 24, die Anzeige über die Höhe des durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienstes der land- und forstwirthschaftlichen Arbeiter betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit F r i st bis spätestens z u m 5. d. M t s. ach mittags 2 Uhr, bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
2142. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. März 1888.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche mit der Einreichung des ErhebungsFormulars über die Ermittelung des Ernteertrags pro 1887 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis z u m 6. d. M t s. bei Meidung von 5 Mark Strafe erinnert, (cfr. Verfügung vom 20. Januar er. Nr. 670 Kreisblatt Nr. 10.)
719. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 28. Februar 1888.
Für den am 28. August 1874 zu Friedewald geborenen Johannes Krause ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
2449. Der Königliche Landrath
Freiherr vonSchleinitz. I
wann, war's. Ich erkannte ihn trotz der Kapuze." „Mag sein," erwiderte sein Kamerad. „Der soll ja eine drei Finger dicke Eisenstange wie eine Ruthe zerbrechen können. Ich glaube aber doch, daß es ein Waldteufel war."
Bevor man alle die verschiedenen Vermuthungen ausgetauscht, war Zoroaster längst über Stiegen und Höfe am Palastthor und hinaus in die stille Nacht, allein unter dem sternenbesäeten Himmel.
Thränenlosen Augs, ein einsamer Wanderer ging er hinaus in die Nacht. Die Vergangenheit mit ihrem Glanz, der Schimmer des Rhums und der Ehre lag hinter ihm; fortan war der Schmerz sein Genosse und der Tod ein willkommener Freund. Ach wie war sie doch so schön und ihre Liebe so süß und feurig 1 Ihr Herz war wie die Rosenknospe, bevor der Sonnenstrahl sie erschlossen. Sie war und blieb für alle Zeiten das schönste, das liebenswertheste Weib!
Und nun — wie hatten kaum zehn Tage sie verwandelt — den reinen Spiegel ihrer Seele mit Lug und Trug befleckt 1 Und um welchen Preis? Um einen Lappen Purpur und einen goldenen Reif um das Haupt, um den Namen Königin — sie, die die geborene Königin aller Weiber war.
Auf der weit nach Süden sich dehnenden Ebene lag er auf thauigem Grase und blickte in die unermeßlichen Tiefen des Himmels und die Sterne leuchteten über ihm wie Myriaden von Edelsteinen auf dem dunkeln Mantel der Nacht.
Wie er so da lag, legte sich der Sturm im Herzen und die Stille der Einsamkeit träufte auf
Aus den Parlamenten.
Berlin, 29, Februar. Auf der Tagesordnung bei Reichstages standen heute zunächst Anträge wegen Erweiterung der Zuständigkeit der Schwurgerichte, sowie diejenigen auf Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen in zweiter Berathung. Nachdem zu dem ersteren Gegenstände die Gründe für und wider noch einmal wiederholt waren, zog der Antragsteller den Antrag für diese Session überhaupt zurück. Ohne jede weitere Debatte wurde denn auch auf die Fortführung der Berathung der Anträge betreffs der Berufung für die laufende Session verzichtet.
In der zweiten Lesung der Anträge auf Abänderung der Gewerbeordnung (Befähigungsnachweis) wurde nach längerer DiScussion, in welcher ebenfalls die Gegner und Freunde des Antrages noch einmal das Wort nahmen, der beantragte § 14 a, — welcher den einzeln aufgeführten Handwerkern den Beginn des selbständigen Gewerbebetriebes nur dann gestattet, wenn sie den Nachweis der Befähigung zur selbständigen Ausführung der gewöhnlichen Arbeiten bei betreffenden Gewerbes geführt haben, — in namentlicher Abstimmung mit 115 gegen 114 Stimmen angenommen (ein Mitglied enthielt sich der Abstimmung). — Der § 14 b (welcher den BundeSrath ermächtigt, den Nachweis nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse zu erlassen ober auch für andere Gewerbe vorzuschreiben) wurde bei Auszählung mit 114 gegen 105 Stimmen angenommen. 3m $ 14 c wird bestimmt, daß der Nachweis der Befähigung durch Prüfung vor den Innungen zu führen ist. Diese Bestimmung wurde deutschfreisinnigerseits lebhaft bekämpft, schließlich aber in namentlicher Abstimmung mit 114 gegen 110 Stimmen (i Mitglied enthielt sich der Abstimmung) angenommen. — Demnächst wurden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt und auf die Tagesordnung noch die Fortsetzung anderer zweiten Berathungen gesetzt.
Im Abgeordnetenhaus« stand zunächst ein Centrumsantrag auf Verleihung der CorporationSrechte an zurück- gekehrte Orden zur Berathung, bezüglich dessen nach einer entgegenkommenden Erklärung des CultuSministerS Ueber» gang zur Tagesordnung beschloss-» wurde; nachdem sodann ein weiterer Centrumsantrag auf Veröffentlichung der Berichte der Fabrikinspeetoren abgelehnt worden, wurde eine Reihe von Petitionenim Sinne der vorliegenden Commisstons- beschlüffe erledigt. Die nächste Sitzung zur Fortsetzung bet zweiten EtatSberathung findet Donnerstag 1t Uhr statt.
Berlin, 1. März. Der Reichstag erledigte in zweiter Berathung die Anträge, betreffend den Befähigung»-
ihn nieder, wie der Thau auf die dürstende Erde, die Pulse schlugen ruhiger und die Seele schwebte empor zu den Höhen des Firmaments, aus denen der Schmerz verbannt ist.
13.
Fern in den unzugänglichen Bergen des Südens, wo ein Stamm nomadischer Hirten an den felsigen Hängen rauhe Ziegen auf magrer Weide hütet, ist eine tiefe Schlucht, dahin selten Menschen gelangen und in die der Strahl der Sonne nur eine kurze Stunde im hohen Mittag dringt. Wohl eine Stunde lang muß ein rüstiger Fußgänger an dem Ufer des Gebirgsbachs, der wild zwischen den Felsen hinabstürzt, wandern oder vielmehr klettern, bevor er an das Ende des engen Thals gelangt. Es öffnet sich dort ein von allen Seiten mit riesigem Gestein umgebener Kessel, in dessen Mitte unter schwarzen Felsblöcken ein Quell gurgelnd hervorsprudelt, einen kleinen See bildet und bann durch die Schlucht einen Ausweg in die fruchtbare Ebene sucht, wo er in den Araxes, der die Thürme und Mauern der Königstadt Stakhar umspielt, einmündet.
Es wäre nicht leicht gewesen, in dem Manne, der tief in Gedanken versunken, Tag für Tag an dem Quell sitzt, Zoroaster zu erkennen. Die hohe Gestalt war durch die Unbill deS Wetters und stetes Fasten aufs Aeußerste abgemagert, Haupthaar und Bart war schneeweiß geworden und hing bis zum Gürtel herab; das jugendliche Gesicht war von durchsichtiger Blässe, aber in den lies,