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___ Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Mustrirtcs Interhaktungsölatt".
Nr. 31. Dienstag den 13. Miirz 1888.
Wein Kaiser!
'ws ist geschehen! — wir glaubten saunt, €s dürfe je des Todes Hand Berühren dieses Purpurs Saum, Zersprengen dieser Krone Band!
Gs ist geschehn — es ist vorbei — Und doch, aus allen Herzen bricht Kits Liebesallgewalt der Schrei: Wir glauben's nicht, wir glauben's nicht!
Dies Qaupt, gerettet wunderbar
Dom Blei des Mörders, der es traf, Noch jünglingsfrisch im weißen Haar, (Es sollte ruhn im ew'gen Schlaf? Das blaue Auge — nie vergißt's, IDer je geschaut sein mildes Licht! — verdunkelt und geschlossen ist's? — wir fassen's nicht, wir fassen's nicht!
Wir küssen Dir in frommer Scheu Die bleiche ^anb, die segnend sank, wir bringen Dir für Deine Treu Den letzten Gruß, den letzten Dank! Mein Kaiser, ruh' in Gottes Schoß! voll Frieden glänzt Dein Angesicht, Dein liebes Bild, so hehr und groß, Wir laffen’s nicht, wir laffen's nicht!
Und Deutschland seufzt in bittrem liarnt:
Mir ward ein Kaiser, groß und gut, Gin treuer Sinn, ein tapfrer Arm, Und meiner Ghren starke Hut;
Gin Herz, das für den Aermsten schlug, In frommer Demuth, still und schlicht Die Herrlichkeit der Grde trug — Ich klag's — zu Gnde klag' ich's nicht!
Und dumpf erdrönt der Glocken Ton, Und Lieder schallen ernst dazu: Die Stunde kam — sie bringen schon Den Vater Heini zur letzten Ruh'! Gs füllt die Straßen allzumal Die Menge, schluchzend, schwarz und dicht, Und wir, von Berg, von Strand und Thal, wir fehlen nicht, wir fehlen nicht!
Gustav Weck.
# Der Eindruck der Trauerbotschaft.
Das Hinscheiden unseres geliebten Kaisers Wilhelm hat die ganze Welt tief erschüttert, — ein erhebendes Zeugniß für Das, was Er ihr gewesen!
Unser Kronprinz, unser nunmehriger Kaiser Friedrich empfing in S a n R e m o die Kunde durch ein Telegramm der Kaiserin-Witwe: er weinte heftig, zog sich dann zurück und betete längere Zeit knieend. Auch die Kaiserin Victoria brach in Thränen aus: beide Majestäten wurden im Laufe des Tages nicht mehr sichtbar. Zum ersten Mal nach der Operation nahm Kaiser Friedrich das Mittagmahl im Kreise seiner Familie ein. Am Sonnabend Morgen ist die gesammte Kaiserliche Familie mit den Aerzten in einem Extrazug abgereift. In Genua sollte am Sonnabend Vormittag 11 Uhr im Salonwagen des Kaisers eine Begegnung zwischen Kaiser Friedrich und König Humbert, der auf die Trauerkunde, vom Ministerpräsidenten Crispi
begleitet, schnell dorthin gereist ist, stattfinden. Am Sonnabend Abend 11 Uhr sollte die Ankunft des Extrazugs in Ala stattfinden, am Sonntag früh um 8 Uhr — die Reise geht über deu Brennerpaß — in München. Sonntag spät Abends trifft Kaiser Friedrich, ohne Berlin zu berühren, in Charlottenburg ein.
Die Straßen der N e i ch s h a u p t st a d t geben Kunde von der Trauer und tiefen Erregung, welche die Nachricht von dem Hinscheiden Kaiser Wilhelms hervorgerufen. Wenige Minuten vor zehn Uhr ertönten die Trauersalven der Garde-Artillerie, welche weithin das schmerzliche Ereigniß verkündeten. Die Fahnen wehen halbmast, an der Spitze mit Trauerbändern versehen. In den Schaufenstern sind die mit Lorbeer und Trauerflor umkränzten Büsten des Heldenkaisers zu sehen, die Auslagen mit Flor bedeckt. Auch in den Kleidungen der Damenwelt herrscht die schwarze Farbe vor. Die Schulen, wo die Trauerkunde bald bekannt wurde, wurden sofort geschlossen, nachdem den Schülern das erschütternde
Ereigniß mitgetheilt war, in einigen wurde sofort eine Tranerandacht veranstaltet, in anderen fand am Sonnabend Trauerfeierlichkeit statt. Die Universität setzte gleichfalls ihre Vorlesungen aus, die einige Tage unterbrochen werden sollen. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung traten in feierlichen Sitzungen zusammen und beschlossen Beileidsadressen an die Kaiserin- Witwe und den Kaiser Friedrich. Den T r u ppen wurde in den Kasernen unter präsentstem Gewehr durch die Commandeure Mittheilung von dem Ereigniß gemacht.
Die A u f b a h r u n g der sterblichen Hülle des Hochseligen Kaisers soll in der Schloßkapelle stattfinden. Vorläufig ist sie in dem Waffensaale des Königlichen Palais aufgebahrt, mit reichstem Blumenflor geschmückt, bewacht von einer militärischen Ehrenwache. Der Maler Anton von Werner entwarf sofort nach dem Hinscheiden eine Skizze des geliebten Monarchen, der Bild Hauer R. Vegas nahm die Todtenmaske ab, die Hofphotographen Reichardt und