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Nr. 36.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Mustriries Ilnterhaktungsölatt".
Sonnabend den 24 März 1888.
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Die Expedition.
# Unsere politische Ausgabe.
Mit dem Hinscheiden des Kaisers Wilhelm war in der Politik ein vollständiger Stillstand eingetreten. Wenn wir jetzt die politische Arbeit wieder aufnehmen, so knüpfen wir keineswegs nur die abgerissenen Fäden wieder an. Wir stehen vielmehr vor einer neuen Aufgabe. Waren wir früher ein Jeder an seinem bescheidenen Theile die Werkzeuge und Gehilfen des Kaisers Wilhelm an dem großen Werk der Einigung und Festigung Deutschlands, arbeiteten wir unter seiner Heilung an dem inneren Ausbau des
gezeichnet. Die Machtfülle der Krone, die Einigkeit zwischen Regierung und Volk, die Einigkeit der deutschen Stämme, die Förderung des inneren Friedens unter den Gesellschaftsklassen, die Fürsorge für die Hilfsbedürftigen, ein starkes Heer, gute Finanzen und die Zufriedenheit des Volkes: das sind die Ziele, welchen wir zustreben müssen, wenn wir das Vermächtniß des Kaisers Wilhelm unversehrt erhalten und unsern Nachkommen überlassen wollen. Zu den Mitteln und Wegen, auf denen sie zu erreichen sind, wird vor Allem das treue Zusammenhalten derjenigen Parteien gehören, welche die hauptsächlichsten Stützen der nationalen Politik des Kaisers Wilhelm gewesen sind und deren Zusammenwirken so viel dazu beitrug, ihm noch den Lebensabend zu verschönern. Waren diese Parteien trotz mancher Differenzpunkte schon bis jetzt über die wesentlichen Grundbedingungen der nationalen Politik einig, so wird das allen in gleicher Weise am Herzen liegende Ziel der Erhaltung der Hinterlassenschaft Kaiser Wilhelm's das beste Bindemittel für sie sein. Es ist in der That eine hohe Aufgabe, hinter welcher alle anderen Parteianschauungen und Bestrebungen weit in den Hintergrund treten, eine Aufgabe, werth, das ausschließliche Ziel einer Partei zu bilden, wenn die Erhaltung des Vermächtnisses. Kaiser Wilhelms zum Eck- und Grundstein des politischen Wirkens gemacht wird. Das Deutschland Kaiser Wilhelms wird fortan stets das Muster und den Maßstab für die Beurtheilung der jeweiligen Zustände bilden: das Streben, Deutschland stets auf dieser Höhe zu erhalten, ist daher eine der wichtigsten und natürlichsten Aufgaben der Zukunft, der sich gerade diejenigen unterziehen müssen, welche Kaiser Wilhelms Politik unterstützt haben.
Eine schwere Aufgabe liegt auf unseren Schultern. Aber die Wege zur Lösung sind I gegeben : wir brauchen nur an den Wegen fest- I zuhalten, welche die glorreiche Politik Kaiser
Reichs und der Sicherstellung des äußeren Friedens und fiel hierbei auch auf uns ein Strahl des Ruhms, den Kaiser Wilhelm sich für alle Ewigkeit erworben, so stehen wir jetzt vor der großen Aufgabe, unter Kaiser Friedrich's Leitung daran zu arbeiten, daß seine Hinterlassenschaft uns erhalten bleibt, daß sie geschützt und vertheidigt werde gegen Alles, was da kommen möge, daß sie bewahrt werde vor dem Fluch innerer Zwietracht, aber auch gerettet werde durch alle äußeren Fährnisse hindurch.
Es war ein goldenes Zeitalter die Regierung Kaiser Wilhelms: golden nicht nur durch die glanzvollen Siege unseres ruhmreichen Heeres, sondern auch durch die glänzenden Fortschritte unter dem Schutz eines segensreichen Friedens, golden durch die Weltstellung, die Deutschland errungen, durch die kraftvolle Bethätigung der Machtfülle der Krone, durch die Einigkeit im Innern, durch die Eintracht zwischen Regierung und Volk, durch die Anerkennung, welche der Grundsatz des praetischen Christenthums hier zum ersten Male durch den Staat fand. Wir wüßtennicht, welcher glänzenderen Zukunft, welcher größeren Vervollkommnung im staatlichenLeben wir entgegengehen könnten. Wir kennen kein höheres Ziel, als zu Pflegen und zu behalten, was wir haben, und weiterzuwandeln in den Wegen des glorreichen Kaisers! Dasistdas wiederholt vonKaiserFriedrich verkündete Programm. Es durchzuführen, ist nunmehr unsere hauptsächlichste politische Auf gäbe geworden.
In unserer Stellung nach Außen kann diese Aufgabe keinem Zweifel unterliegen. Wir wollen nichts als den Frieden. Sollte uns aber einmal Krieg aufgezwungen werden, so wird uns nicht nur die Liebe zum Vaterlande, sondern auch die Ehrenpflicht begeistern, das, was uns Kaiser Wilhelm hinterlassen hat, unversehrt und ungeschmälert zu erhalten.
Aber auch nach Innen ist das Ziel klar vor
Zoroaster.
Nach dem Englischen des Marion Erawsord. (Fortsetzung.)
Während sie so alle um ihre königliche Herrin geschaart dapanden und horchten, vernahmen sie von der großen Straße her, wie Atossa mit ihrem Geiolge von Rossen und Wagen der Festung zu vorüberzog. Mit einem Schlage war nun Nehusta der ganze Zusammenhang klar: eine bewaffnete Macht hatte sich in den Bergen gesammelt, einen Mordanschlag der Atossa auszuführen, den Palast zu Überfällen, sie alle zu vernichten! Nun galt es, Zoroaster auszufinden, ihm die Gefahr zu verlün- den; noch war Flucht möglich, da die Anstisterin soeben erst den Schauplatz verließ. Rasch schob sie die Sklavinnen zur Seite und eilte den Pfad zum Palaste hinauf, alle Weiber ihr nach — nur eine bückte sich zuvor, hob den indischen Dolch auf und verbarg ihn im Gewände.
Im Palaste herrschte vollständige Ruhe; die Sclaven gingen ihren gewohnten Geschäften nach; das Geschrei aus den Bergen war nicht zu ihren Ohren gedrungen — alles schien so ganz seinen gewohnten Gang zu gehen, daß Nehusta sich fragte, ob sie denn geträumt habe; dann wäre wirklich Gefahr im Anzüge, so würde doch gewiß einer
oder der andere der Hunderte von Sclaven, oder einer der Beamten oder Schreiber, von denen der Palast wimmelte, etwas vernommen haben. Daß jetzt schon, während sie um Athem zu schöpfen aus der großen Palasttreppe einen kurzen Augenblick rastete, die Insassen der tiefer gelegenen äußeren Palastbauten in wilder Flucht der Festung zu. eilten, ahnte sie freilich nicht. Doch mußte sie unter allen Umständen Zoroaster und zwar ohne Aussehen zu erregen aufsuchen. Sie durchschritt die Eingangshalle — da ertönte zum dritten Mal jenes wilde, grauenerweckende Geschrei. Eilend lief sie jetzt zunächst in ihre Gemächer, wählte aus der Schaar der Dienerinnen das kleine syrische Mädchen, die jüdischer Abstammung war, aus und befahl ihr den Obeipriester zu suchen und Wort herzuführen. „Ich werde auch nach ihm suchen; finde ich ihn nicht, so erwarte ich Dich hier" Wie ein Pfeil schoß die Kleine davon; ste selbst schlug die entgegengesetzte Richtung ein und ging schweigend und ohne jemand zu fragen ihren Weg. Die Lage von Zoroasters Wohnung im Palaste war ihr bekannt; dahin begad sie sich zuerst. Der Vorhang seines einfachen Gemaches war zurückgezogen: es war leer. Dann begab sie stch nach der Halle, in der der König seinen Rath zu versammeln pflegte; auch dort war er nicht zu finden.
Wetter führte sie ihr Weg an der von vier Lanzen- trägern bewachten Schatzkammer vorbei; die Riegel und Schlösser an den massiven Thüren waren alle geschlossen, somit ibefand sich niemand darin. Den ganzen großen Schloßflügel durcheilte sie; aber auch nicht ein Priester im weißen Gewände begegnete ihr. In diesem Theile des Palastes war Zoroaster sicher nicht; matt und muthlos kehrte sie zum Frauengemach zurück, die kleine Syrierin dort zu erwarten. Das Mädchen kam nicht. Die Minuten wurden ihr zu Stunden, sie konnte ihre Ungeduld nicht länger zügeln, deshalb schickte sie der Kleinen ein medisches Weib, das ihr von Eckbatana gefolgt war, nach.
Ein nicht zu unterdrückendes inneres Gefühl sagte ihr, daß trotz der Ruhe, die im Palaste zu herrschen schien, eine große Gefahr sie bedrohe. Eisige Furcht durchschauerte ihr die Glieder und machte das feurige Blut in den Adern gerinnen. Der Gedanke an das Geheul, das sie zu verschiedenen Malen vernommen, an die Worte der Atossa: „Dein Schicksal ruft Dich —• stürmte immer von neuem auf sie ein.
Endlich kehrte die Mederin zurück.
„Wo ist er?* rief Nehusta ihr entgegen. Bebend vor Angst, doch mit der üblichen tiefen Verneig- ung erwiderte das Weib: