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Itrsftlto Kreisblitt.

_________Mit wöchentlicher Kratis-ZLeilageIllustrirtes Unterhattungsötatt".___________

Nr. 45. Dienstag den 17. April 1888.

Amtliches.

Cassel, den 29. März 1888. Königliche Regierung.

J. B. Nr. 1581.

Mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern, des Herrn Ministers für Landwirth' schaft, Domänen und Forsten und des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medi- cinal-Angelegenheiten ertheilen wir dem dortigen Bezirksverein auf seinen Antrag vom 27. October v. I. hiermit bis auf Weiteres und für den Umfang des Regierungsbezirk Cassel die Ermäch­tigung, in allen Fällen, in welchen die Zeit fehlt, eine vorgängige Genehmigung einzuholen, auch ohne eine solche nach vorheriger Vereinbarung mit dem Verwalter, Nutznießer oder Pächter des Grundstücks Ausgrabungen und Ausgra­bungen auf fiskalischen, Gemeinde- oder Stif- tungs-Terrain vorzunehmen. Diese Ermächtigung ist an die Bedingung geknüpft, daß für sachver­ständige Leitung des Unternehmens gesorgt und- nachträglicher Bericht sowie Nachweis des Ver­bleibs der einzelnen Fundstücke an uns zurUeber- mittelung an den Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten ein­gereicht wird.

Wir haben die entsprechende Benachrichtigung der Localbehörden veranlaßt und werden die er­theilte Ermächtigung auch durch eine der nächsten Nummern unseres Amtsblatts zur allgemeinen Kenntniß bringen. Die Maßregeln wegen Legiti- mation der vom Verein zu den Auf- und Aus­grabungen zu entsendenden Sachverständigen müssen wir dem Verein anheimgeben, sehen jedoch einer baldgefälligen Mittheilung der getroffenen Anordnungen entgegen.

An den Bezirks Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde in Hanam, z. H. des Vor­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Im Hause der Väter.

Novelle von Hans Warring.

(Fortsetzung.)

Die Augen des jungen Mannes glänzten, reichte der Alten die Hand über den Tisch schüttelte die ihrige kräftig"

.Ja, Herr, glücklich ist daS Kind zu preisen,

Er und

das Gutes von seinen Eltern hört!" sagte die Frau langsam und feierlich; .Das bringt Segen bis in'S tausendste Glied! Und", fuhr sie nach einer Pause fort, .wie Sie Ihrem Herrn Groß­vater, dem Rittmeister, gleichen! So um Augen

und Stirn herum I*

,Dem die Blicke der Frauen nachflogen war's nicht so Frau Ttede?" fragte er lachend, um dem Gespräche eine minder ernste Richtung zu geben und seine eigene Rührung niederzuhallen.

.Ja wohl, die Frauen und die Hunde liefen ihm nach! Ich seh' thu noch vor mir, wie er seinen Brüdern folgte, die vor ihm in den Krieg gezogen waren. Ich mochte damals nicht älter als acht oder neun Jahre sein, aber ich habe biS heute nicht vergessen, wie mir der Abschied an'S Herz ging. Und später, als er dem allen Herrn seine junge schöne Frau brächte, Herr Gott war das ein schönes Paar!"

.Also meine Großmutter haben Sie auch ge­kannt

.Freilich, freilich! Sie hat ja hier als Wittwe Mit ihrem kleinen Kinde bei ihrem Schwleger-

sitzenden Herrn Gymnasial-Oberlehrers Dr. Wolff Wohlgeboren in Hanau.

* * *

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren rc. in Verfolg unserer Verfügung vom 5. April 1887 B. 601 zur gefälligen Beachtung, sowie zur Be­nachrichtigung der Gemeinde- und Stiftungsvor- stände Ihres Kreises.

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. Opitz.

An sämmtliche Königliche Landräthe des Bezirks rc.

Hersfeld, den 13. April 1888.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises mit Bezug auf mein Ausschreiben vom 22. April 1887 Nr. 4204 (Kreisblatt Nr. 50) mitgetheilt. 4295. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Berlin, den 21. März 1888.

, Seitens df4'-P"'-'»ignnsi --^ ffuitsQr^tr'^ f' die amtlichen Publicationen der Königlichen National-Gallerie hierselbst ist soeben ein Bildniß Seiner Majestät des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm in farbigem Lichtdrucke nach dem Gemälde von Gustav Richter vervielfältigt worden. Dasselbe ist vorzüglich ausgeführt und würde, wenn auch nicht für die Sitzungssäle der Königlichen Regierungen, so doch für die Sitzungs­zimmer der Kreisausschüsse, sowie für die Amts­räume der Landräthe, Standesbeamten und Amtsvorsteher einen durchaus würdigen und an­gemessenen Schmuck bilden.

Ew. Hochwohlgeboren mache ich hierauf behufs weiterer Veranlassung mit dem ergebensten Be­merken aufmerksam, daß das gedachte Bildniß, welches 1,05 m hoch und 0,85 m breit ist, zu dem außerordentlich billigen Preise von 11 Mk. 50 Pf. einschließlich Glas und Rahmen, von der

vater auf dem Hof gewohnt, als ihr Mann so früh aus dem schönen Leben hat fort müssen. Und wie der alte Herr sie geliebt hat! Gehalten hat er sie wie eine Prinzessin, ste sah auch aus, als ob ste eine wäre! Sammt und Seide war ihm kaum gut genug für sie. Und zu denken, daß hernach, als er die Augen zugemacht hatte, nichts da war für sie und ihr Kind! Nur den Hof, den sie ihr nicht nehmen konnten, hatten sie ihr gelassen."

.Wer, Frau Tiede, von wem sprechen Sie?" fragte Riesen athemloS. Die alte Frau sah über ihn hinweg mit Augen, die in's Wette, Schranken­lose zu blicken schienen. Dann stand sie langsam auf, erhob ihre zitternde Hand und bewegte sie in der Luft, als drohe sie einem unsichtbarem Feinde. Und ehe er seine Frage wiederholen konnte, hatte sie das Zimmer verlassen.

Da war es wieder, das unbestimmte, unklare Etwas das schon gestern vor seinen Blicken auf­getaucht war. Seine Großmutter hatte mit ruhiger Resignation von diesen Dingen gesprochen ohne irgend eine Hoffnung daran zu knüpfen. Ihm aber hatten ste wie eine alte Familienlegende geklungen, wie eine halb verrauschte Sage. Und jetzt wurden sie lebendig, verdichteten sich zu etwas Körperlichen, traten näher und näher an ihn heran und winkten ihm, als wollten sie ihn er- wüthigen, der halbverwehten Spur zu folgen. Der junge Mann sprang auf. Unbeweisbar! hatte die Großmutter mehr als einmal gesagt. Unbe­weisbar war es schon ihr gewesen, die doch mit

Eingangs erwähnten Vereinigung (Geschäfts­leitung: Ad. O. Troitzsch, Potsdamerstraße Nr. 23 hierselbst) zu beziehen ist.

Der Minister des Innern, gez.: v. Puttkamer.

An den Königlichen Regierungs-Präsidenten, Herrn Rothe, Hochwohlgeboren zu Cassel. I. A.2254.

* * *

Cassel, den 4. April 1888.

Abschrift theile ich Ew. Hochwohlgeboren mit dem ergebenen Ersuchen mit, den Gemeindevor­ständen des Kreises wegen etwaiger Bestellungen des Bildes für das Standesamt von dem Inhalte vorstehenden Erlasses Kenntniß zu geben.

Der Regierungs-Präsident. Rothe. An die Königlichen Landräthe des Bezirks. A. I. 3103.

* * *

Hersfeld, den 12. April 1888.

Wird den Herrn Ortsvorständen des Kreises hiermit zur Kenntniß gebracht.

4t?9*-----------gl^TOWniA L^VEj Freiherr von Schleinitz.

Die sämmtlichen, bisher noch nicht zur Verloosung gekommenen

1) Prtoritäts-Actien der Nlederschlesisch-Märkt- schen Eisenbahn Serie 1 und II von 1845 und

2) Prioritäts-Obligationen dieser Bahn Serie I und II von 1846

werden den Besitzern mit derAufforderung gekündigt, den Capitalbetrag vom 2. Juli dieses Jahres ab bei der Staatsschulden-Tilgungskasse hierselbst W. Taubenstraße 29 gegen Quittung und Rück­gabe der Actien bezw. Obligationen und der dazu gehörigen, alsdann noch nicht fälligen Zinsscheine und zwar: der Reihe IX Nr. 4 bis 8 nebst An­weisungen bei den Priorttäts-Actien, und der Reihe IX Nr. 6 bis 8 nebst Anweisungen bei denPrtori- täts-Obligationen, zu erheben.

der Energie und Verzweiflung einer Mutter für ihren Sohn gekämpft hatte. Und jetzt, nachdem fast ein Menschenalter darüber hingegangen, sollte er den unfruchtbaren Kampf wieder aufnehmen? Thorheit! sagte er, indem er nach seinem Hut griff und entschlossen seiner Tagesarbeit wieder nachging. Aber seine Pulse klopften stark und voll, und sein Blut strömte ihm heiß, wie vor einem bevorstehenden Kampfe durch die Adern.

Am Nachmittage, als es schon kühler geworden war, rollte die Wteßmann'sche Equipage langsam den Wiesenweg herauf. Es war nicht der kleine Ponywagen, den Fräulein Mara zu benutzen pflegte, es war ein bequemer, tief in den Federn hangender Landauer, und neben der Enkelin lehnte der Großvater in dem weichen Polster. Der junge Verwalter stand bei den Arbeitern auf dem Felde, dicht genug an der Straße, um mit seinen scharfen Augen das Gesicht des alten Herrn sehen zu können. Was für ein eingefallenes freud­loses Greisengesicht! Er konnte das Alter deS ConsulS nach den empfangenen Andeutungen nicht über zwei oder drei und stebenztg Jahre schätzen. Dieses Gesicht aber hätte einem Hundertjährigen angehören können. Er saß etwas nach vorn ge­beugt, beide Hände auf den Knauf seines Stockes gestützt. Während der junge Mann mit düsterem Blick dem Wagen nachsah, hielt er plötzlich. Der Diener sprang herab und öffnete den Schlag« Großvater und Enkelin stiegen aus und traten vom Wege auf die frisch gemähte Wiese. Nun war der Augenblick gekommen, wo des Bemal»